An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 22. Juni 2004


VOMITORY "Primal Massacre" 9
Metal Blade/SPV, 2004

VOMITORY - Primal Massacre

VOMITORY haben sich, was rüpeligen Schweden-Death angeht, über die Jahre zu einer verläßlichen Bank gemausert. Mit viel Liebe zu einfachen aber effektiven Breaks, vor Coolness nur so strotzenden Meuchelriffs mit dem berühmt berüchtigten Crustcore-Einschlag und dem Highspeedgeböller werden sie niemanden enttäuschen, der die Band schon lange begleitet. Nicht nur in ihrer Kontinuität stricken die Schweden Parallelen zu Bolt Thrower. Wenn die Musik mal ein paar Gänge zurücklegt und schön fies zu schleifen anfängt, wird man ums eine oder andere Mal deutlich an den britischen Panzer erinnert. Ich würde nur zu gerne mal wissen, wie sehr sich eine Massenschlägerei zu den Klängen von „Primal Massacre“ steigert. Ich könnte mir vorstellen, daß das Szenario, welches sich da bietet, dem Albumtitel recht nahe kommt... Aber ansonsten ist bei mir alles in Ordnung, keine Sorge.
"Autopsy Extravaganza"/"Primal Massacre"
www.vomitory.net

THOMAS 

DOMINE "Emperor Of The Black Runes" 7
Dragonheart/SPV, 2004

DOMINE - Emperor Of The Black Runes

Als die Welle der amerikanischen Epic Metal-Bands wie Manilla Road, Brocas Helm, Manowar ect. zusammen mit den deutschen Heavy und Speed Metal-Bands wie Helloween, Running Wild oder Grave Digger rüber (runter) nach Italien schwappte, muß das die dortige Metalszene regelrecht erschüttert haben. Die Zahl der Bands, welche den alten Geist dieser Epoche in zeitgemäßen Veröffentlichungen einzufangen versuchen, ist wohl unüberschaubar. Neben vielen miesen Bands gibt es aber auch ein paar richtig gute. White Skull waren genial, Rhapsody werden es, und DOMINE sind auch nicht von schlechten Eltern.
Was als Erstes auffällt, ist, daß die Itaker ihrem Schaffen ein möglichst bedeutungsschwangeres Erscheinungsbild verpassen möchten. So werden auf ihrer aktuellen CD "Emperor Of The Black Runes" einmal mehr ganze "Suiten" verfaßt. Mit vielerlei Unterteilungen, welche unter einzelnen Part-Namen extra auf dem Backcover versehen sind. Meterlange Songtitel mit Klammern und dergleichen. Ebenso gestaltet sich die Musik mit Backgroundchören, Fanfaren, Keyboards und allerlei Pomp sehr aufwändig. Doch das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß DOMINE die eine oder andere Melodie von ihrer Vorgängerplatte mit auf die Neue rübergerettet haben, und sie neu verwerten. Ist aber nicht so dramatisch, kann man unter "eigenem Stil" verbuchen. Was aber auffällt, ist, daß - so aufwendig DOMINE ihre Sache betreiben, so gut wie ihre Musik auch ist - die Bands aus den 80ern mit weniger Aufwand mehr Gänsehaut erzeugt haben. Sie waren eigenständiger, kauziger als die meisten der italienischen Bands. Wer nachahmt, kann zwar die Musik "kopieren", jedoch nicht die Originalität und die damit einhergehende Atmosphäre. So gesehen ist DOMINEs neustes Werk wieder nicht so toll. Doch sie haben ein absolutes As im Ärmel. Es hört auf den Namen Morby und sorgt für den Gesang. Der Mann hat eine bemerkenswerte Stimme, und hebt die Band deutlich vom langweiligen Kastraten-Einerlei vieler sogenannter Power Metal Bands der heutigen Zeit ab.
Abschließend läßt sich feststellen, "Emperor Of The Black Runes" ist, an italienischem Standard gemessen, eine herausragende Platte mit Langlebigkeit. Verglichen mit den Meisterwerken der 80er-Jahre-Bands jedoch maximal Durchschnitt.
"The Aquilonia Suite-Part I"
www.dominetruemetal.com

THOMAS

UNMOORED "Indefinite Soul-Extension" 7
Code 666/Audioglobe/SPV, 2003

UNMOORED - Indefinite Soul-Extension

Erinnert Ihr Euch noch an die Band Nocturnus? Ihrer Zeit waren sie die ersten, die den Keyboardsound im Death Metal im großen Stile salonfähig machten. Kein homosexuelles Geklimper, sondern spacige Spuk-Sounds verliehen der Band um ex-Morbid-Angel-Schlagzeuger Mike Browning die gewisse Note. Bei UNMOOREDs Scheibe "Indefinite Soul-Extension" hatte ich dann, 14 Jahre später, ein Deja-vu-Erlebnis. Der Opener "Unspeakable Grief" wartet mit ebensolchen Sounds auf. Die Schweden haben auf ihrer Scheibe jedoch nicht nur Nocturnus gehuldigt. Haarfeine Gitarrenmelodien treffen auf Soli, wie sie auch von Kreator Mitte der 80er gespielt hätten werden könnten. Wild, chaotisch und schnell. Es gibt typische Mitt-90er-Ami-Death-Blastbeats, Vomitory-Harmonien, klare Gesänge und Hypocrisy-Alien-Stimmung. Kurzum, UNMOORED kreierten auf "Indefinite Soul-Extension" ein flüssiges, kurzweiliges und gelungenes Extrem-Metal-Kaleidoskop. Nicht frei von durchschnittlichen Ideen, aber gelungen ist die Scheibe allemale.
"Phase Of Revulsion"
www.unmoored.com

THOMAS 

AXEL RUDI PELL "Kings And Queens" 9
Steamhammer/SPV, 2004

AXEL RUDI PELL - Kings And Queens

Wo ist die Zeit nur geblieben? AXEL RUDI PELL legt mit "Kings And Queens" sein mittlerweile zehntes Studioalbum vor. Eins ist schon mal Fakt: Stiländerungen, einhergehend mit Zugeständnissen an andere Zielgruppen gab und wird es wohl auch nie bei A.R.P. geben. So gibt es wie gewohnt ein verheißungsvolles Intro, gefolgt vom einzigen Up-Tempo Song der CD, "Flyin' High". Dieser geht traditionsgemäß sofort ins Ohr. Was dann folgt, sind mal ruhige, mal getragene bis epische Rockkompositionen, welche mit Soli aufwarten, bei denen sich schon mal das Herz krampft. Dieser Mann hat seiner Gitarre sicherlich mehr zu erzählen als seiner eigenen Frau. In diesen Läufen steckt so viel mehr Seele als in allen kommerzradiokompatiblen Scheißsongs der Welt zusammen! Und warum? Weil Pell seine Musik liebt und lebt. Sich nie in irgend eine Richtung verbogen hat und seine Klampfe spielt, im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht wie so manche Möchtegern-Flitzefinger, die meinen, mit purem Highspeedgeficke auf dem Griffbrett wahre Kommunikation mit ihrem Instrument und mit ihren Hörern vortäuschen zu können. Nur ein klitzekleiner Kritikpunkt Axel: Über ein oder zwei "Flyin' High" oder "Earls Of Black" mehr würde nicht nur ich mich freuen. Doch das nur so nebenbei. Wie gewohnt gute Qualität aus dem Hause Pell.
"Flyin' High"
www.axel-rudi-pell.de

THOMAS 

THE BLACK DAHLIA MURDER "Unhallowed" 8
Metal Blade, 2003

THE BLACK DAHLIA MURDER - Unhallowed

Die junge Band aus dem Einzugsgebiet Michigan, USA, hat auf ihrem Debüt die Zeichen der Zeit gut erkannt. In den Staaten ist man seit einiger Zeit auf den schwedischen Death Metal-Trichter gekommen. Somit klingt "Unhallowed" wie ein Bastard aus Non Serviam, At The Gates, Defleshed und gepflegter Ami-Thrash-Schule, gepaart mit Versatzstücken aus der dortigen Death Metal-Szene. Nun ist diese Band ja kein Phänomen. God Forbid, Shadows Fall etc. bedienen sich der gleichen Zutaten. Man kann also von einer kleinen, stetig wachsenden Bewegung sprechen. Sagen wir mal der NWOAMDM (New Wave Of American Melodic Death Metal). Lang leben die Kategorien und Begriffsdefinitionen! Im Gegensatz zu den oben genannten amerikanischen Bands verzichten THE BLACK DAHLIA MURDER aber auf die Hinzunahme von Hardcore-Elementen. Nicht unbedingt die schlechteste Idee. "Unhallowed" knallt, hat typisch schwedische Melodieläufe und einen kraftvollen Frontkeifer. Gelungenes Debüt.
"Funeral Thirst"
www.oddshaped.com/blackdahliamurder

THOMAS

VICTORY "Instinct" 5
Steamhammer/SPV, 2003

VICTORY - Instinct

Auf den ersten Blick sind VICTORY eine Riege älterer Herren, die sich im Zuge der sich steter Beliebtheit erfreuenden Reunionsbewegung zusammen gefunden haben, um - von der Midlife-Crisis arg gebeutelt - noch mal jung zu sein, auf der Bühne zu stehen und mit dem alten Ruhm noch mal abzukassieren. Auf den zweiten Blick sind sie das auch. Nur, daß die Musik nicht wie befürchtet zum Gruseln schlecht ist. Nein, schlecht ist sie wahrlich nicht. Man trommelte das Ur-Lineup zusammen, um der Werbewirksamkeit Rechnung zu tragen. Doch mit diesem scheint es zu funktionieren. War der Wacken-Auftritt 2003 von VICTORY alles andere als spannend, so ist ihre neue CD durchaus solide ausgefallen. Soll heißen, daß Licht und Schatten sich die Wage halten. Geile Songs wie "Running Sacred" und "Plastic Hero" stehen Langweilern wie "Starman" und "Enemy" gegenüber. Dabei beginnt "Starman" verheißungsvoll. Songs, die selbst in den 80ern, zur Zeit des Überangebotes an aufgeblasenem Pomprock, eher Durchschnittsware gewesen wären. "Another Notch In The Bedpost" basiert auf einem AC/DC-artigem Riff und wartet mit geilem Refrain auf. Ein Song, der wiederum die Klasse der Hannoveraner aufzeigt. So ließe sich die Liste ewig fortführen. "Instinct" gleicht einer musikalischen Berg- und Talfahrt. Wer also Rummel und 80er Sound mag, kann in die Scheibe ruhig mal reinhören. 
"Starman"
www.victory-music.com

THOMAS

PRONG "Scorpio Rising" 6
Locomotive Music, 2003

PRONG - Scorpio Rising

PRONG gehören definitiv zu den Bands, die - ohne jemals wirklich groß oder übermäßig erfolgreich gewesen zu sein - eine Menge an Bands beeinflußt haben. Maschinenartige Sounds, Stakkato–Riffing mit minimalistischen Refrains, Songs, die mehr von Grooves, denn von Melodien getragen werden, auf wieviele Bands paßt diese Beschreibung heutzutage? Vor 15 Jahren, als alle Thrashbands noch wie Metallica oder Slayer klingen wollten, war es das Trio aus New York, welches die Welt mit solchen Sounds zum Stirnrunzeln (mehr) oder Headbangen (einige) veranlaßte. Nachdem sich die Band auflöste und ihr Sound heutzutage als Erfolgsmodell funktioniert, kommen Tommy Victor und seine Mannen zurück, um endlich die Lorbeeren einzufahren, die ihnen zustehen. So war wohl zumindest ihr Plan. So richtig wird er jedoch nicht funktionieren. Denn "Scorpio Rising" ist zwar von der Grundsubstanz her recht gut, doch einen wahren Hit wie seinerzeit "Snap Your Fingers, Snap Your Neck", "Unconditional" oder "Prove You Wrong" sucht man auf "Scorpio Rising" vergebens. Die Scheibe weist zwar keine Pannen auf, an frühe Glanzleistungen kann sie aber zu keiner Zeit aufschließen. So wird die CD einmal mehr nur ihren Weg in die Regale der alten PRONG-Fans finden. 
"Siriusly Emerging"
www.prongmusic.com

THOMAS



KOTIPELTO "Coldness" 5
Century Media/Magic Arts Publ., 2004

KOTIPELTO - Coldness

Der Inbegriff der androgynen "Power"-Metal-Fistelstimme, Timo KOTIPELTO legt nach seinem Rauswurf/Kündigung/Wiedereinstieg/dann doch wieder nicht sein zweites Soloalbum vor. Ich vermute mal, daß es sich bei den Songs dieses Albums um jene handelt, die Timo Tolkki für Stratovarius abgelehnt hatte. Worauf hin KOTIPELTO sie nun unter eigenem Namen veröffentlicht. Da der singende Finne ob der Situation bei seiner Stammband reichlich angepißt war, liegt die Vermutung nahe, daß die Lieder deshalb mitunter recht schwermütig klingen. Und der Albumtitel läßt auch Rückschlüsse darauf ziehen. Wenn ich schreibe, daß die Lieder schwermütig klingen, dann nicht, weil KOTIPELTO nun endlich seiner heimlichen Liebe zu doomigen Lavasounds frönt. Nein, der Vergleich zu Stratovarius liegt nahe, da das Material ja für die Band gedacht war. Nur hin und wieder, sei es nun ein paar Keyboardtupfer, eine Gesangslinie, ein schwerfälliger Riff oder alles zusammen ("Snowbound"), spürt man den Gram, den KOTIPELTO mit sich rumtrug. Daß sich das im Songwriting niederschlägt, ist klar. Doch bevor jetzt alle aus Mitleid in die Läden rennen und dem armen Timo Rekordumsatz verschaffen, sei gesagt, daß ich hier und da Tolkkis Entscheidung, die Songs nicht zu verwenden, nicht so schlecht finde. Denn KOTIPELTO hat neben guten Songs wie "Here We Are", "Snowbound" oder "Reasons", welcher auch aus HIMs Feder hätte stammen können, auch ein paar Langweiler mit auf die Platte gepackt. "Seeds Of Sorrow", "Journey Black" und "Around" können nicht so recht überzeugen, da sie zu 08/15-mäßig aus den Boxen plätschern.
"Here We Are"
www.kotipelto.com

THOMAS

MORD "Morde" 5
Black Attakk/Soulfood, 2004

MORD - Morde

Warum eine Black Metal Band ein Nebenprojekt gründet, mit denselben Mitgliedern, um darin ebenfalls Black Metal zu zocken, weiß nur der Höllenfürst persönlich. In diesem Falle sind es Zorn, die in ihrer Freizeit bei MORD die schwarze Sau rauslassen. Genauso haßerfüllt, räudig und ungeschliffen. Jedoch mit ausschließlich englischer Teufelsprosa und politisch unverfänglichen Songtiteln. Musikalisch sind MORD eher Mittelmaß. Klar muß diese Musik primitiv sein, doch sie darf gute Ideen enthalten. Diese werden jedoch, wenn vorhanden, bis zum Letzten ausgereizt und stetig wiederholt. Das nimmt "Morde" einiges von seiner, ansonsten vorhandenen, Durchschlagskraft. Zorn sind geil, weil sie respektlos und kaputt sind. Dagegen fehlt MORD das gewisse Etwas.
"Ravenous Hunger"

THOMAS

MISERY INC. "Yesterday's Grave" 8
Golden Core/ZYX Music/GerMusica, 2004

MISERY INC. - Yesterday's Grave

Diese Finnen, immer für eine Überraschung gut. Das Debüt der jungen Band bietet melodischen Heavy Metal, wie ich ihn nur selten zu Gehör bekam. Fernab von sämtlichen Italo-Spielweisen, jeglichen Ami-Querverweisen und Kai Hansen–Einflüssen zocken die Burschen Metal, der den Namen zu Recht trägt. Satt und fett, mit einer wohldosierten Schaufel Dreck zwischen den Chorden, so präsentieren sich MISERY INC. der Hörerschaft. Klar schimmert hier die finnische Schwermut zwischen den Zeilen durch, doch zu keiner Zeit kann man die Musik als traurig bezeichnen. Dafür haben sie zuviel Energie. Als fröhliche Gute-Laune-Partyband sind MISERY INC. dennoch absolut untauglich. Der Anspruch obsiegt. MISERY INC. sitzen also zwischen den Stühlen, und rocken einfach. Nun ist es an Euch , ob Ihr Euch darauf einlassen wollt. 
"Suicide Serenade"
www.miseryinc.org

THOMAS

AGONIZER "World Of Fools" 6
Eigenproduktion, 2003

AGONIZER - World Of Fools

Die fleißigen Finnen sind zurück. AGONIZER wurden 1998 gegründet und können auf einen beachtlichen Backkatalog von vier Demos und zwei Singles zurückblicken. Die letzte EP, "World Of Fools", geht gut ins Ohr. Dank der guten Produktion gehen absolut keine Feinheiten verloren und man hört, daß die Finnen nicht nur ihrer Instrumente, trotz ihres zarten Alters, aus dem Eff-Eff beherrschen, sondern auch geschickte Songwriter sind. Auch, wenn der Vergleich klischeehaft klingt, aber "Word Of Fools" könnte eine Co-Produktion von HIM und Sentenced sein. Erstere liefern die Melodien, und Sentenced spielen mit ihrem unverwechselbaren Stil die Musik dazu. Somit können AGONIZER zwar keinen Originalitätspreis gewinnen, doch ihr Handwerk verrichten sie absolut solide.
"World of Fools"
http://agonizer.cjb.net/

THOMAS

PARAGON "The Dark Legacy" 7
Remedy Rec./True Music Promotion, 2003

PARAGON - The Dark Legacy

Seit über zehn Jahren mühen sich die Nordlichter von PARAGON nun schon, ihre musikalische Vision der breiten Headbangermasse zugänglich zu machen. Dabei veröffentlichen sie eine Killerscheibe nach der anderen, besitzen einen eigenen Stil und haben einen unverwechselbaren Sänger in ihren Reihen. Doch der große Durchbruch blieb ihnen bislang versagt. Ob sich mit der neuen Platte "The Dark Legacy" daran was ändern wird, ist fraglich. An der mangelnden Qualität der Musik kann es aber nicht liegen, das PARAGON noch Insidertip-Status genießen. Denn die Kompositionen knallen mit Schmackes aus den Boxen, dabei sind sie stets eingängig, nie gekünstelt und haben dennoch eine lange Lebensdauer. Wer bisher glaubte, daß PARAGON zu den inflationär auftretenden Rondo-Veneziano-Möchtegern-Trend-True-Metallern gehören, kann beruhigt werden. Hier klingen die Gitarren wie Gitarren. Breit, bissig, es werden Riffs statt Riffchen gespielt. Der Drummer könnte sich ohne Probleme bei einer Thrashband bewerben. Wo PARAGON draufsteht, ist immer Heavy Metal drin, im wahrsten Sinne des Wortes. Somit ist "The Dark Legacy" eine starke Platte geworden, auch wenn die Melodien der Songs denen vom Vorgänger "The Law Of The Blade" nur partiell das Wasser reichen können. 
"The Legacy"
www.paragon-legions.com

THOMAS 

CRUENTUS "Event Horizon" 8
Eigenproduktion, 2003

CRUENTUS - Event Horizon

Daß Polen meistens ein gutes Pflaster für interessante Bands ist, haben schon so manche hartmetallischen Exportartikel aus diesem Land bewiesen. Eine bisher unentdeckte Band mit Potenzial probt seit einigen Jahren in Stettin. "Event Horizon" ist die erste CD von CRUENTUS, und man hört schon so einiges an Erfahrung aus ihrer Musik. Technisch versierter Black Metal mit starker Elektronik/Keyboard-Schlagseite wird geboten. Dabei verletzt man das schwarzmetallische Reinheitsgebot, wo immer es die Polen für angebracht halten. Progressive Elemente durchziehen die Kompositionen, einfache vierviertel Takte sind auf langen Strecken verpöhnt. Dafür wird versucht, garstigen Stakkato-Rhythmus mit abgefahrenem Keyboardspiel zu zähmen. Zwischendurch tauchen elegische Leadgitarren auf, um den Liedern Entspannung und Raum zu bieten. Den typischen Songaufbau im eigentlichen Sinne, mit klaren Strophen und Refrain sucht man vergeblich. Dafür bekommt man eine Reise durch ein Klanguniversum geboten, in dem nichts vorhersehbar ist. "Event Horizon" wirkt zwar mitunter überladen, doch CRUENTUS geht es sicherlich nicht primär darum, Hörgewohnheiten zufrieden zu stellen. Interessante CD.
"In The Name Of Lust"
www.cruentus.metal.pl

THOMAS 

DAVIDIAN "Abuse Of Power" 5
Eigenproduktion, 2003

DAVIDIAN - Abuse Of Power

Drei Jahre nach ihrem Debüt "…In Pain" und vier Jahre nach ihrem Demo melden sich die Thrasher aus Lorch mit einer neuen, "Abuse Of Power" betitelten CD zurück. Nach eigener Aussage spielen die fünf Musiker "Aggressiv Thrash Metal". Damit hatten sie sich zumindest bei ihrem Debüt ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt. Doch es ist in den Zeiten von Bands wie Krisiun, Marduk, Vital Remains oder Panzerchrist schwierig geworden, mit Thrash Metal aggressiv zu klingen, ohne die typischen Trademarks dieser Musik zu vernachlässigen. Doch auch innerhalb der Thrash Szene war "...In Pain" keine Abrißbirne. Das soll sich mit der neuen CD ändern. Blitzsauber produziert und mit professionellem Layout versehen, kommt "Abuse Of Power" daher. Nun kann man deutlich hören, daß bei DAVIDIAN keine Anfänger zocken. Die Musik zeichnet sich durch zahlreiche Tempiwechsel, Breaks und technisch einwandfreie Handhabung der Instrumente aus. Nur beim Songwriting als solches liegt noch einiges im Argen. Zwar haben sich die Thrasher um reichlich Abwechslung bemüht, doch nicht selten klingt dieses edle Vorhaben zu hektisch und auf Teufel-komm-raus in die Tat umgesetzt. Das wiederum tötet die Gradlinigkeit und somit die Aggressivität der Musik.
Zu schnell reihen die Musiker verschiedene Stilelemente der beeinflussenden Thrashgrößen aneinander, als daß sie Zeit haben, ihre Wirkung zu entfalten. Leider klingt auch die Stimme von Frontmann Chris Prendergast zu kraftlos, fast schon gequält. Auf der Bühne mag er sicher ein Tier sein, aber auf der CD nervt der Gesang nach der Hälfte der Spielzeit schon ziemlich. Im Gegensatz zu "...In Pain" ist "Abuse Of Power" schon ein gewaltiger Qualitätssprung, nur sind DAVIDIAN mit Sicherheit noch nicht auf dem Zenit ihrer Entwicklung angekommen. Wir bleiben gespannt.
"Deity?"
www.davidian.de

THOMAS

THE GREAT DECEIVER "Terra Incognito" 7
Peaceville Records, 2004

THE GREAT DECEIVER - Terra Incognito

Mit vorhersehbarer Musik haben es die Schweden schon auf ihrem Debüt "A Venom Well Designed" nicht so sehr gehabt. Absolute Unberechenbarkeit, musikalische Experimentierfreude, und dennoch - oder genau deswegen - faszinierende Musik, das war es, was Tompa Lindberg und seine Mannen auf dem Debüt ausmachten. Mit "Terra Incognito" marschieren die Schweden in dieselbe Richtung, jedoch nicht, ohne ihre Musik wieder ein bißchen verändert zu haben. Diesmal lassen sich die Einflüsse solcher Bands wie Soulfly, Neurosis, Voivod und älteren Prong ausmachen. Geradlinige Songs sucht man mit der Lupe. Im umgekehrten Verhältnis dazu hat man den Noise-Anteil erhöht. Das wiederum geht zu Lasten der Hörbarkeit. Nicht, daß experimentelle Bands mich verschrecken würden, aber der Drumbeat bei den meisten Stücken klingt so zerfahren und gegen die Kompositionen gespielt, daß es mitunter recht anstrengend werden kann, den Songs zu folgen. Geil hingegen sind solche Ausbrüche wie das Stück "From Bereavement To Resignation", welches simpel und heftig beginnt, um dann in das totale Grind/Noise–Inferno zu münden. Dennoch brauch diese Platte sehr lange, um ihre Pracht zu entfalten. Definitiv schwerer zu knacken als das Debut. Wer aber vor nichts halt macht, und auf oben aufgeführte Bands steht, sollte diese Band gehört haben.
"Forward/Willing/Sickness"
www.thegreatdeceiver.com

THOMAS 
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