ABGEHÖRT
vom 22. November 2005



FIVE FIFTEEN
„The Man Who Sold Himself“
Erschienen: 2004
Label: Ranch Records
Homepage: www.novision.fi/fivefifteen
FIVE FIFTEEN On Air: „Silver Machine“

Die Finnen können alles. Zu dieser Erkenntnis mag so mancher gekommen sein, ohne von mir ständig darauf hingewiesen worden zu sein, wie geil derzeit die Bands aus Suomi sind. Und bei FIVE FIFTEEN handelt es sich schlußendlich um eine lupenreine Retro-Kapelle, die alles wiederauferstehen läßt, was uns an den 70ern schon immer am besten gefallen hat. Dabei wird der Stil der Band durch das Label mit Verweisen auf Zeppelin, Deep Purple oder The Who sogar noch ein wenig eingeschränkt dargestellt. Denn das Cover des Hawkwind-Klassikers „Silver Machine“ zeigt, daß FIVE FIFTEEN ein breites Spektrum des für die 70er typischen harten Gitarrenstoffs zu verwenden wissen.

Dreh- und Angelpunkt der Band ist ein Typ namens Mika Järvinen. Der hat vermutlich all diese alten Platten gefressen, weshalb ihm jetzt ein Retrolook gelingt, wie er den wenigsten Bands zueigen ist, die auf „alt“ machen. Die Besetzung seiner Band wechselte seit 1994 immer wieder mal. Auch die Position des weiblichen Gesangsparts blieb nicht beständig in der Hand einer Frau. Jetzt hat Mika Saana Koskinen an seiner Seite, die gut singt aber aussieht wie Miss Piggy.

Als Gastsänger produziert sich Ville Vallo von HIM bei „Prostitute“. Diese kleine Nutte aber auch.

8 von 10

JUB



HELLOWEEN
„Keeper Of The Seven Keys – The Legacy“
Erschienen: 2005
Label: Steamhammer/SPV
Homepage: www.helloween.org
HELLOWEEN On Air: „Occasion Avenue“

Bei HELLOWEEN ist es für meinen Geschmack schon seit Jahren nicht mehr gelaufen. Eigentlich fand ich die „Keeper“-Alben schon nicht mehr so prall. Aber mit Sicherheit waren sie besser, als alles was danach kam.
In solch einer Situation wirkt es immer ein wenig wie der letzte Versuch, wenn man eine schon vor Jahren abgebrochene Erfolgsgeschichte versucht fortzuschreiben. Rhapsody haben es erst kürzlich probiert und eigentlich nichts zustande gebracht. Gelungen ist es dagegen zum Beispiel Meat Loaf mit seinem „Bat Out Of Hell II“.
HELLOWEEN sind aber sogar über sich hinausgewachsen. Sie beendeten nicht nur eine fast schon unendlich scheinende Phase der Unentschlossenheit, sondern liefern ihr bestes Album seit „Walls Of Jericho“ ab, soll heißen – die beiden „Keeper“-Originale von 1987 und 1988 werden getoppt. Ja, tatsächlich: „Keeper Of The Seven Keys – The Legacy“ ist in der Trilogie die Sternstunde.
Das Doppelalbum hat hörbar eine klare Unterscheidung zu bieten. Während CD 1 typischen HELLOWEEN-Stoff des melodiösen Power und Speed Metals zu bieten hat, wird die Band auf dem zweiten Silberling düster bis progressiv. Und sämtliche Stücke sind auf höchstem kompositorischen Niveau. Dabei ragen die beiden Nummern mit Überlänge ganz besonders heraus: „The King For A 1000 Years“ und „Occasion Avenue“.
HELLOWEEN sind wieder ganz Heavy Metal, der lustige Kürbis hat ausgegrinst. Selbst Balladen gelingen den Mannen um Gitarrist Michael Weikath und Basser Markus Großkopf vortrefflich. Man nehme nur „Light The Universe“, dem als Gast Blackmore-Partnerin Candice Night ihre Stimme leiht.
Aber es macht wenig Sinn, Euch hier jeden einzelnen Song des Albums als Volltreffer unter die Nase zu reiben (selbst das mißglückte „Mrs. God“ kommt im Kontext des Albums noch ganz gut rüber), denn das Teil muß man haben, wenn man von sich behaupten will, Heavy-Metal-Fan zu sein. Und dann kann man das Meisterwerk ja selbst genießen..

10 von 10

JUB



ALEV
„We Live In Paradise“
Erschienen: 2004
Label: s.a.d. music
Homepage: www.alevmusic.com
ALEV On Air: „Cause & Effect“

ALEV ist nicht nur der Bandname der Münchener, sondern auch der Vorname der Sängerin: Alev ist türkisch und heißt auf deutsch soviel wie Flamme.
Und die brennt mächtig, wenn man bedenkt, daß ALEV 50 bis 70 Live-Auftritte im Jahr absolvieren und alleine 2004 auf 25 Open-Airs zu sehen waren.
Hier wird moderner Rock mit weiblicher Stimme geboten, wo sich ruhigere Passagen mit druckvollen Ausbrüchen immer wieder abwechseln. Es gibt aber auch leichte Elektronik-Einflüsse wie in „Just Because“ oder gefühlvolle Balladen wie „Youth (Sleep Well)“.
Als Besonderheit wäre noch der Bonustrack zu erwähnen, wobei es sich um eine türkische Version von „If We Ever“ handelt. Außerdem gibt’s noch sattes Zusatzmaterial für den PC. Und zwar ein Livevideo, diverse Fotos, ausführliche Bio zu jedem Musiker sowie die Lyrics, die auch im gutgemachten mehrfarbigen Booklet zu finden sind.
Fazit: Freunde des gefühlvollen, modernen Rock und jene, die nichts gegen Frauen im Rock haben, sollten mal ein Ohr riskieren. Oder sich bei einem der vielen Auftritte selbst ein Bild machen..

6 von 10

FRANK



DARKEMIST
„Mindseek“
Erschienen: 2004
Label: Risestar Music
Homepage: www.darkemist.cl
DARKEMIST On Air: „Support“

Der Name DARKEMIST ist eine Fusion von Dark und Alchemist - so die Aussagen der Band aus Chile. DARKEMIST haben sich 1995 gegründet und bis jetzt ein Demo, „Black Blood“ (1999), und ihr aktuelles Debüt, „Mindseek“, veröffentlicht.
Bei „Mindseek“ handelt es sich um ein Melodic-Death-Metal-Werk schwedischer Prägung mit einigen klassischen Metal-Beilagen. Wo wohl Bands wie Dark Tranquillity und In Flames Pate gestanden haben, aber leider nicht ganz ihre Klasse erreicht wird.
Obwohl die Protagonisten durchaus was von ihren Instrumenten verstehen, kann mich die Scheibe auch nach mehrmaligem Hören nicht fesseln, da es leider an der Originalität und am Wiedererkennungswert hapert..

6 von 10

FRANK



FRANK ZANDER
“Rabenschwarz“
Erschienen: 2004
Label: Zett-Records
Homepage: www.frank-zander.de
FRANK ZANDER On Air: „Verdammt ich lieb Dich“ / “So bist Du“

Jene, die FRANK ZANDER als Schlagerfuzzi, der sich Peinlichkeiten wie Fred Sonnenschein & Freunde erlaubte, kennen, werden das hier für einen Witz halten. Wer sich aber an das morbide 70er-Jahre-Zeug von Zander erinnert, wird wissen, daß es irgendwann soweit kommen mußte: FRANK ZANDERs Horror-Visionen treffen auf die Musik von Rammstein.
Einst waren es Figuren wie King Kong oder Frankenstein, die der Barde besang. Seine Hauptdarsteller starben an Gift, verendeten als Raser auf der Straße. Zanders raue, tiefe Stimme eignete sich vorzüglich, diese morbiden Geschichten zu erzählen, die jedoch nie ganz Ernst zu nehmen waren.
Das gilt auch für „Rabenschwarz“ mit dem Untertitel „Das Ende des deutschen Schlagers“. Denn Rammsteinsche Brachialgitarren, Sprechgesang und Stakkato-Riffs und Roland Kaiser, Udo Jürgens und Peter Maffay schließen sich doch eigentlich von selbst aus. Nicht im Kosmos eines FRANK ZANDERs. Der macht nämlich aus „So bist Du“ von Maffay oder „Verdammt ich lieb Dich“ von Matthias Reim Mörder-Nummern, deren textliche Aussagen plötzlich eine völlig andere Richtung bekommen, nur weil sie in einer anderen Stimmung dargeboten werden.
Daß FRANK ZANDER seinen rabenschwarzen Humor behalten hat, beweist er auf dieser denkwürdigen CD auch mit eigenen Songs. Besonders „Nachbar“ sticht da heraus, der uns jene Leute, die hinter den anderen Türen wohnen, zu einer ständigen Bedrohung werden läßt. Auch „Ich trink von Dir“ ist eine ansprechende Eigenkomposition.
Schließlich gibt es noch eine EBM-Version seines 70er-Jahre-Diskotheken-Knallers „Nick Nack Man“. Diesmal unter dem Titel „Abwärts – Nick Nack Man Show“.
Womit FRANK ZANDER vor 30 Jahren noch punkten konnte – nämlich kleine gesprochene Sketsche auf die Platte zu pressen – kommt anno 2004/05 nur kitschig rüber. Von daher sind die kurzen Hörspiele „Bratwurst“ und „Guillotine“ geflissentlich zu ignorieren.

10 von 10

JUB



1349
„Hellfire“
Erschienen: 2005
Label: Candlelight/PHD
Homepage: www.legion1349.com
1349 On Air: „To Rottendom”

Drauf geschissen. Wozu das Haar im Blute suchen. 1349 haben die Nachfolge Mayhems und Immortals angetreten. Tempo ist bei den Norwegern alles. Und da können sie rumpelig wie das Team von Hellhammer sein („To Rottendom“), verstehen es aber auch, Melodien in hastige Verschrobenheiten zu verstecken (zum Beispiel „From The Deeps“) wie einst Abbath und seine Kollegen. Am besten sind 1349 aber immer noch, wenn sie wie die Wahnsinnigen gnadenlos durch die Noten rasen („I Am Abomination“), daß die Gitarrensaiten glühen. 1349 sind die Gegenwart des Black Metal, und sie stoßen das weite Tor zur Zukunft auf.

10 von 10

JUB



BLACK ANGEL
„From The Darkness“
Erschienen: 2005
Label: Ketzer Records
Homepage: www.es.geocities.com/blackangelperu
BLACK ANGEL On Air: „Harlots Of Satan“

BLACK ANGEL spielen Black Metal und kommen aus Peru, was ja auch nicht so häufig vorkommt. Und noch was Überraschendes gibt’s zu erzählen, denn Black Angel gibt’s schon seit 1988, wobei „From The Darkness“ das erste Full-Length-Album ist.
Davor gab’s drei Demos, 1992 „Rey de las Tinieblas“, dann 1997 konnten sie sich mit „Rites“ etwas weltweiten Respekt verdienen. Doch Lügen und Verrat von außen ließen die Band auseinanderbrechen. Der damalige Sänger Erick Neyra gründete daraufhin Goat Semen und Gitarrist Lord Levifer die Band Levifer.
Doch im Jahre 2000 formte Hector Corpus BLACK ANGEL neu, mit verändertem Line-Up, und spielte das dritte Demo, „Corpus“, ein. Sowie das 2003 aufgenommene „From The Darkness“, was 2005 via Ketzer Records veröffentlicht wurde.
So genug der Geschichte, geboten wird hier roher, primitiver Black Metal der alten Schule, der mich an ganz alte Darkthrone-Sachen erinnert, mit einem kleinen Schuß südamerikanischer Krawallbands. Aber durchaus eigenständig klingt das Zeug hier, was sicher auch am Gesang liegt, der rau, kehlig und irgendwie verzerrt klingt und sich mehr in langsameren Bereichen bewegt. Der Rest der Band leistet solide aber keine herausragende Arbeit.
Fazit: Gutes, primitives und brutales Black-Metal-Album mit Exotenbonus und einer für dieses Genre recht langen Spielzeit von 53 Minuten.

7 von 10

FRANK



NEGATOR
„Die eisernen Verse”
Erschienen: 2005
Label: Remedy Records
Homepage: www.negator666.de
NEGATOR On Air: „Türme“

Man kann es gar nicht oft genug sagen: Deutschlands Black-Metal-Bands spielen ganz oben mit. Es war erschreckend, wie stark die Skandinavier die Szene jahrelang fast im Alleingang dominierten. Und erst als die Osteuropäer brandschatzend über das Abendland herfielen, sind die Deutschen aufgewacht. (Das gilt übrigens nicht im Geringsten auf politischer Ebene.)
Jedenfalls macht es stolz zu hören, wie großartig deutsche Black-Metal-Bands sein können. NEGATOR gehören unbedingt mit zu den ganz guten Bösen. Mit „Old Black“ (2004) (siehe Abgehört vom 22. Februar 2005) hatte die Band schon mächtig vorgelegt, Album Nummer zwei setzt da nahtlos an, wenn es diesmal ohrenscheinlich auch etwas sorgfältiger zuging. Das letzte Fünkchen Rumpeligkeit haben sich die Nordlichter selbst ausgetrieben und alles in gnadenlose Kraft gesteckt. Rasant, melodiös, brutal und keimfrei (keine Keyboards oder Samples) – So sollte Black Metal sein.

9 von 10

JUB



FINAL BREATH
“Veil Of Remembrance”
Erschienen: 2004
Label: Remedy Records
Homepage: www.finalbreath.de
FINAL BREATH On Air: „Bemoaned Animosity“

Die süddeutschen FINAL BREATH gibt es jetzt auch schon über zehn Jahre und sie veröffentlichen jetzt mit „Let Me Be Your Tank“ ihren dritten Longplayer.
Und was hier geboten wird, ist kompromißloser, aggressiver Thrash-Metal mit vielen Death-Elementen, dem Andy Classen (Apokalyptischen Reiter, Dew Scented, Disbelief, Graveworm) im Stage One Studio den passenden Sound verliehen hat.
Gleich nach dem Intro knallt es mit „Strong Pain“ mächtig los und man weiß nun, was Sache ist und so geht es weiter. Aber auch melodische Elemente sind zu finden, wie beim Death-Metal-lastigen „Greed for Revenge“ oder dem groovigen „Let Me Be Your Tank“, Stücke, die den Aggressivitätslevel nicht senken und sich gut einfügen. Außerdem gibt’s noch neu aufgenommene Versionen von „Exposed To Hatred“ und „Sociopathically Insane“, die schon auf dem 2000 erschienenen „Flash-Burnt Crucifixes“ zu finden waren und sich gut in das Gesamtbild einfügen können.
Gut gefallen haben mir auch die Vocals von Jürgen Aumann, der hier meist sehr angepißt daherkommt.
Fazit: Klasse Album, wo man auch mal spontan Bangen kann und das abgeht wie ein Zäpfchen..

9 von 10

FRANK



RHAPSODY
„Symphony Of Enchanted Lands II – The Dark Secret“
Erschienen: 2004
Label: Steamhammer/SPV
Homepage: www.mightyrhapsody.com
RHAPSODY On Air: „Never Forgotten Heroes“

Das neue Jahrtausend hat RHAPSODY auf ihrem künstlerischen Zenit gesehen. Seit 2000 veröffentlichen die Italiener wirklich starke Alben, die sich aus Elementen des neoklassischen Heavy Metals, symphonischen Bombast, mittelalterlichen Tanzliedchen und Folk-Melodien zusammensetzt. Die beiden ersten Scheiben der Band um Luca Turilli, „Lengendary Tales“ und „Symphony Of Enchanted Lands“ wirkten noch etwas unbeholfen, da zuviel Kitsch den Ton angab.
Warum RHAPSODY nun ausgerechnet diese Phase versuchen wiederzubeleben wird wohl nur die Band selbst wissen. Oder aber die Verkaufszahlen sprechen eine deutliche Sprache, denn mein Geschmack trifft selten auf den der Masse. Jedenfalls hat das durchaus seine Berechtigung, wenn RHAPSODY ihrem neuen Werk den Titel ihres zweiten Albums mit dem Teil-zwei-Zusatz geben, da sie es geschafft haben, dem Kitsch wieder mehr Raum zu geben. Es ist schon eine Zumutung, wenn sich ein Kammerorchester mit der Gitarre duelliert oder Christopher Lee seine pathetischen Texte spricht. Bei „The Magic Of The Wizard’s Dream“ trieft der Schmalz, „Guardiani“ serviert uns den Angelo Branduardi, und immer wieder haben wir die barocken Hüpfmelodien zu ertragen.
Ich wäre ein Ignorant, wenn ich behaupten würde, das Album sei schlecht. Aber RHAPSODY waren schon mal mehr Heavy Metal, und das stand ihnen weitaus besser zu Gesicht.

5 von 10

JUB



CORAM LETHE
„The Gates Of Oblivion”
Erschienen: 2005
Label: Crash Music
Homepage: www.coramlethe.com
CORAM LETHE On Air: „Pain Therapy For A Praying Mantis“

Das Debüt der Italiener von CORAM LETHE hat es in sich und gehört zum besten Death Metal, den Italien zu bieten hat. Ultra-technische Riffs treffen auf melodiöse Parts, Amerika auf Skandinavien, und alles in einer Perfektion, als ob es sich um das 10. Album aber bestimmt nicht um das Debüt handeln würde. Beeinflußt zeigen sich CORAM LETHE von Bands wie Death oder Dark Tranquillity, kreieren aber einen völlig eigenständigen Sound.
CORAM LETHE werden mit Sicherheit noch diverse Erfolge feiern können und haben hier schon mal ein kleines Meisterwerk abgeliefert, woran sie sich zukünftig messen lassen müssen.
Fazit: Respekt, sehr gelungenes Album, das sich in jeder guten Death-Metal-Sammlung gut machen wird..

9 von 10

FRANK



THYRFING
„Farsotstider“
Erschienen: 2005
Label: Regain Records
Homepage: www.thyrfing.com
THYRFING On Air: „Jag spar fördärv“

Blutverschmierte Krieger schreiten aus dem Wald. Ihre Schwerter triefen, die Gesichter sind verharmt, fast zu Fratzen entstellt. Die Augen dieser Männer haben Dinge gesehen, die sich Normalsterbliche in ihren grauenvollsten Alpträumen nicht vorstellen können. Ihre Kleider sind verschlissen und vor Dreck starrend. Ihre Körper geschunden.
Sie schweigen, gehen zum See, waschen sich das Blut von den Händen und lächeln sich ein ums andere Mal zu. Allmählich besiegt das Bewußtsein über die bestandene Schlacht die Ermattung. Sie kehren ins Dorf zurück. Die Zurückgebliebenen schauen ihnen fast ein wenig ängstlich entgegen, denn so hatte man die Männer nicht in Erinnerung.
Und als der Abend kommt, sitzen sie beisammen beim Feuer. Die Krieger erzählen ihre Geschichten. Und die werden heiser vorgetragen, manchmal voll Leidenschaft, manchmal gar wutschnaubend. Dann legt eine der Frauen ihre Hand auf den Arm des Tobenden. Dieser schaut in die treuen Augen und wird wieder ruhig.
THYRFING sind jene Kerle, die da aus dem Wald kamen. Und sie sind es, die am Abend die Geschichten erzählen. Man muß des Schwedischen nicht mächtig sein, denn die Musik erzählt so bildhaft, wie es emotionaler nicht vorgetragen werden kann. Das geht unter die Haut, ob in Erhabenheit oder in rasanter Hast.
Im Viking-Metal-Genre sind THYRFING unschlagbar. Das haben sie mit „Farsotstider“ einmal mehr unter Beweis gestellt..

10 von 10

JUB



CP 24
„World Between The Lines“
Erschienen: 2004
Label: TTS Media Music
Homepage: www.cp24metal.de
CP 24 On Air: „Question Of Hate“

Wenn einem zu Beginn von "World Between The Lines" die ersten kraftvollen Thrash-Riffs um die Ohren fliegen, wird es einem schon ganz warm ums Herz... tja, eigentlich. Denn im weiteren Verlauf ist es gerade der Gesang, der sich als eine Schwachstelle dieser deutschen Nachwuchstruppe herausstellt, da er gerade bei den höheren Parts des öfteren nicht zu den heftigen Riffs passen möchte und bei der düsteren und ansonsten tollen Ballade "The Sound Outside" komplett neben der Spur liegt. Doch auch das Riffing, was sich zunächst als äußerst reizvolle Mischung zwischen älteren Nevermore und noch älteren Metal Church ("The Dark"-Phase) offenbart, läßt mit wachsender Spielzeit weitere innovative Ideen vermissen, die "World Between The Lines" auch über die gesamte Dauer interessant gestalten und das Album schlußendlich doch noch auf ein höheres Level hieven könnten, als es Tracks wie zum Beispiel das leicht treibende aber ideenlose "Rejected" eigentlich verdient hätten. Diejenigen, die aber ein abwechslungsreiches Power-Thrash-Album (in diesem Fall mit ordentlicher Power-Metal-Schlagseite) suchen, auf dem jeder Song ein Kracher ist, sollten besser auf besagtes Original von Warrel Dane und Co. zurückgreifen. Vielleicht beim nächsten Versuch?

6 von 10

FRANK



SEVEN WITCHES
„Amped“
Erschienen: 2005
Label: Regain Records
Homepage: www.sevenwitches.net
SEVEN WITCHES On Air: „Sunnydale High“

Jack Frost bleibt sich und seinen Wurzeln treu. Auch Album Nummer sechs, „Amped“, präsentiert fetteste Heavy-Metal-Kost, wie sie in den 80ern eine zeitlang an jeder Ecke gespielt wurde. Nun, vielleicht nicht an jeder, denn stärker als bisher kommen bei SEVEN WITCHES die US-Power-Metal-Wurzeln aus dem Hause Metal Church oder Sanctuary zum Tragen. Das liegt zum einen an den wuchtigen Riffs, die sich Frost hat einfallen lassen. Zum anderen ist der neue Sänger, Alan Tecchio, durchaus von einem anderen Kaliber als Helstar-Röhre James Rivera. Tecchio kann mal locker meterdicke Wände wegbrüllen.
Schade, daß sich SEVEN WITCHES immer wieder Schwachheiten wie „Be“ leisten. Dieses Stück wird dann aber von dem folgenden „Fame Gets You Off“ – eines der besten Stücke der Scheibe“ geradezu hinweggefegt.
Interessant übrigens die „Flesh For Fantasy“-Version. Ein Song, den Billy Idol einst in die Hitparaden hievte.

9 von 10

JUB



RIVERSIDE
„Out Of Myself“
Erschienen: 2004
Label: The Laser’s Edge
Homepage: www.riverside.art.pl
RIVERSIDE On Air: „The Curtain Falls“

“Out Of Myself” ist das Debüt der Polen von RIVERSIDE, die 2005 bereits ihr zweites Album „Second Life Syndrome“ veröffentlicht haben.
Musikalisch wird hier psychedelischer Prog–Rock zelebriert, der irgendwo zwischen Porcupine Tree und Pink Floyd liegt. Und der - muß ich sagen - sehr gut gelungen ist.
Schon im ersten Song, „The Same River“, der mit 12 Minuten auch gleich der längste ist, verstehen es die Polen, eine dichte und dunkle Atmosphäre aufzubauen, die sich kontinuierlich steigert und ihr Finale bei dem sehr spät einsetzenden Gesang erreicht. Diese Atmosphäre kann dann auch auf dem ganzen Album beibehalten werden. Auch die beiden Instrumental-Stücke „Reality Dream“ und „Reality Dream II“ wissen zu überzeugen, ohne das Langeweile aufkommt oder man sich in finger- und kopfzerbrechenden Passagen austobt.
Fazit: Ein wirklich gelungenes Debüt, was RIVERSIDE hier abgeliefert haben, das jeden Prog-Fan mit Hang zur Atmosphäre begeistern dürfte..

8 von 10

FRANK

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