Abgehört vom 23. August 2005




THE BEREAVED
"Darkened Silhouette"
Erschienen: 2004
Label: Black Lotus Records
Homepage: www.thebereaved.tk
THE BEREAVED - Darkened Silhouette On Air: "Devil's Deal"

Die schwedische Melodic-Death-Invasion ist noch lange nicht beendet. Auch die Griechen wissen um die Qualität der Bands aus dem Wasa-Land, und so hat sich Black Lotus Records die Nachrücker von THE BEREAVED unter den Nagel gerissen. Und sie haben vermutlich gut daran getan, denn das Debüt der Band, "Darkened Silhouette", muß sich nicht hinter Veröffentlichungen der Genre-Größen verstecken. Wenn es hier mit dem Stakkato-haften Gehacke auch ein wenig übertrieben wird, haben THE BEREAVED auf jeden Fall ein paar wirklich gute Songs am Start, die der Melodic-Death-Metal-Fan mit freudigem Wohlwollen aufnehmen wird ("Vital Organ Theft" und "Devil's Deal" zum Beispiel).
Natürlich kann man ständig Parallelen zu Speerspitzen des schwedischen Todes-Geknüppel ausmachen, das ist bei der doch recht limitierten Art der Musizierweise dieses Genre nicht verwunderlich. In dieser Musik-Richtung zählen vor allem die Melodien. Und die sind bei THE BEREAVED gelungen.
8 von 10

JUB



SARUMAN
"Ride On The Darkside"
Erschienen: 2004
Label: Black Attack/Soulfood
Homepage: http://saruman666.com
SARUMAN - Ride On The Darkside On Air: "New Demon Spawn"

Hier haben wir es mit einer Death Metal-Band zu tun, die sich in Zeiten, in denen sich Nachahmer bekannter Bands als Kult abfeiern lassen, den Mut zur Eigenständigkeit nicht hat nehmen lassen und hier ihr eigenes Ding durchzieht. Als erstes sticht der wohldosierte Einsatz der Cellistin heraus. Die Frau spielt ihr Instrument absolut songdienlich und mit Seele. Auch wenn nicht jeder Ton perfekt sitzt, das Feeling stimmt. Ihre männlichen Kollegen üben sich derweil in Musik in der Schnittmenge aus My Dying Bride, alter Paradise Lost, frühen Carcass und den rauen Frühwerken von Tiamat.
Akustikgitarren und klarer Gesang werden ebenso wie Cello/Gitarren-Riffduelle passend in die Lieder eingebaut. Nur die an manchen Stellen auftauchenden Stakkatoriffs mit Hardcore-Gesangsrhythmik stören den ungetrübten Genuß von "Ride On The Darkside" ein wenig. Auf jeden Fall werde ich die Augen für die nächste Veröffentlichung der Band offen halten.
7 von 10

THOMAS



KATHAARIAN
"Cryptic Temples Of The Ancient Cult"
Erschienen: 2005
Label: Christhunt Productions
Homepage: www.kathaarian.com
KATHAARIAN - Cryptic Temples Of The Ancient Cult On Air: "The End Of Mankind"

In den Jahren, als Bands wie Dimmu Borgir, Old Man's Child oder meinetwegen auch Emperor die Black-Metal-Szene bestimmten, verlor das Ganze seine mystische Aura. Man machte sich über die bemalten Gesichter lustig, verkackeierte Kapellen, die dem urwüchsigen Schrammelstil frönten, als diletantisch und erboste sich über ewig Gestrige, die es nicht lassen konnten, der politischen Korrektheit den Allerwertesten zu zeigen. Die "Bösen" haben sich durchgesetzt. Die aufgeblasenen Bombast- und Prog-Black-Metaller gibt es noch, spielen aber eher eine Nebenrolle. Der Belzebub hat seine Regentschaft wieder angetreten. Und so wird wie einst wütend drauflos gepoltert, surren die Gitarren, keifen Lucifers Soldaten. Die Baßgitarre wurde einmal mehr zur Gottesharfe degradiert.
CATHAARIAN erfüllen mit "Cryptic Temples Of The Ancient Cult" alle Erwartungen, die man seit Bathorys selbstbetiteltem Debüt an Black Metal stellt. Auch deshalb ist dieses Album absolut empfehlenswert - und weil die drei Deutschen wirklich gut funktionierende Songs im Gepäck haben. Hört "Murder" und "The End Of Mankind" und Ihr werdet begeistert sein.
8 von 10

JUB



SEEDS OF SORROW
"Immortal Junkies"
Erschienen: 2003
Label: Metal Age Productions/Twilight
Homepage: www.seedsofsorrow.com
SEEDS OF SORROW - Immortal Junkies On Air: "Ejaculation Of An Unknown God"

Seit nunmehr zehn Jahren sind die tschechischen Death Metaller von SEEDS OF SORROW aktiv. Fuß fassen in der internationalen Death-Metal-Szene konnten sie bisher noch nicht. Dennoch haben sie es in ihrer Heimat immerhin schon zu Support-Shows für solche Bands wie Obituary, Cannibal Corpse, Manowar oder Motörhead geschafft. Ihre mittlerweile sechste (zählt man die beiden Demos "Judgement Day" und "Back From The Dead" aus den Jahren `95 und `96 mit) Veröffentlichung wartet einmal mehr mit recht gut produziertem Death Metal mit durchschnittlicher Qualität der Musik auf. Treibende Rhythmusgitarren mit rollenden Doublebass und ordentlichem Groove klingen auch heute noch unschlagbar fett. Doch haben es andere Bands auch schon seit Jahren auf der Pfanne und verpacken solche Parts in clevererer Weise in brutale Songs mit mehr Durchschlagskraft. "Immortal Junkies" ist beileibe nicht schlecht, doch eben auch keine Perle der Death-Metal-Kunst.
6 von 10

THOMAS



GRIMNESS
"Increase Humanity Disgust"
Erschienen: 2005
Label: Hardebaran/Two Fat Men
Homepage: www.grimness.net
GRIMNESS - Increase Humanity Disgust On Air: "Nihil Addiction"

Kennt Ihr Solifuge? Oder Kuntur und Spiritual Front? Nicht? - Kein Problem, denn diese Namen muß man sich vermutlich eh nicht merken. Allerdings entließen eben jene Bands ein paar kreative Köpfe, die sich unter neuem Namen 2001 zusammenrauften und mit ihrem zweiten Album, "Increase Humanity Disgust", dieses jahr der italienischen Black-Metal-Szene einen maßgeblichen Beitrag hinzufügten.
Die Rede ist von der Band GRIMNESS, die mit ihrem durchschaubaren aber effektiven Stil als skandinavische Band unter Umständen übersehen worden wäre. Für Italiener (denn aus dem Stiefel kamen bisher nicht so d i e Mörder-Black-Metal-Bands) ist das hier schon äußerst beachtlich.

Na klar orientiert man sich an den nordischen Vorbildern vom Schlage Immortal oder Dark Funeral. Allerdings kann der Vierer seiner Musik mit einer kleinen Prise Death Metal durchaus noch eine besondere Note verleihen.
GRIMNESS rasen nicht, toben sich nicht in soundtechnischen Kellergewölben aus und protzen auch nicht mit germanischer Erhabenheit (wär ja auch Quatsch). GRIMNESS sind aber prägnant, kommen schnell auf den Punkt, schlagen durchaus kräftig zu und strengen nie an. Zwar kommen sie auch an Langweilern wie "Nihil Addiction" nicht vorbei, jedoch mag so mancher ja ausgerechnet diesen so stoisch vor sich hinstampfenden Black Metal.

8 von 10

JUB



DEATHTINY
"Frozen World"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.deathtiny.de
DEATHTINY - Frozen World On Air: "Dreams & Shadows"

Als eine Symbiose aus Klassik und Metal wollen DEATHTINY aus dem Deutschen Reich verstanden werden. Dabei scheitern sie an ihrem eigenen Anspruch. Was hätten wohl Händel, Bach oder Brahms dazu gesagt, daß eine ausdrucksschwache Chanteuse in ein und der selben Tonlage zu einigen mehr oder weniger guten Melodien ihr wackeliges Stimmchen bemüht? Aus der Sicht des Metal-Fans bleibt eine CD mit guten Ansätzen aber auch mit nicht genügend Durchschlagskraft. Hier wird versucht, höchstmögliche Abwechslung in die Kompositionen zu bringen. Das geschieht über häufig auftauchende Breaks. Diese sind in sich zwar stimmig und zweifelsohne gut gespielt, doch zerstören sie den Songfluß, bevor er überhaupt beginnen kann. Man hat das Gefühl, lauter kleinen, zu einzelnen Songs zusammengebastelten Liedfragmenten zu lauschen.
Von der eigentlichen Idee wird man aber nicht erleuchtet. Gut gespielt, verpufft jedoch wirkungslos.
3 von 10

THOMAS



BLACK MESSIAH
"Oath Of A Warrior"
Erschienen: 2005
Label: Einheit Produktionen/Soulfood
Homepage: www.black-messiah.de
BLACK MESSIAH - Oath Of A Warrior On Air: "Christenfeind"/"Blutsbruder"

"Wir Söhne des Odhinns/Wir schwören den Eid/Das Kreuz zu vernichten/Es ist an der Zeit" - Ein epochaler Satz, der hier am Ende des Albums "Oath Of A Warrior" von BLACK MESSIAH sehr eindringlich formuliert wird. - Auch wenn er bei dem Stück "Es ist an der Zeit" des deutschen Folk-Sängers Hannes Wader abgeschrieben ist. Dort heißt es nämlich "… finden sich mehr und mehr Menschen bereit/Diesen Krieg zu verhindern/Es ist an der Zeit.".
Diesen kleinen Schönheitsfehler macht die Aussage des Textes "Der Eid" allemal wett. Und wenn wir schon bei Inhalten sind, dann sei allen Pagan-Metal-Fans gesagt, das hier Klartext geredet wird. Das gilt für "Blutsbruder" ebenso wie für "Christenfeind" oder "Feld der Ehre". Zurück zu den alten Werten, zurück zur Herrschaft der alten Götter - das geht nach der Lesart BLACK MESSIAHs nicht mit Diskussionen am runden Tisch. Hier herrscht die nackte Gewalt. Manch einem christlich orientierten Zeitgenossen könnten manche Sätze das blanke Entzetzen in das Gesicht schreiben.
Und die politisch Korrekten werden sich einig sein, wo hier die "Bösen" zu suchen sind. Leider ist in der heutigen Zeit kaum noch jemand mit der tatsächlichen Geschichte des Christentums, geschwiege mit der Historie der Germanen vertraut. Daß die deutsche Seele auch nach 1000 Jahren noch verwundet scheint, ist kaum jemandem bewußt.
Dieses Wissensdefizit in ganz winzigen Schritten abzubauen, dafür stehen auch BLACK MESSIAH. Denn Pagan Metal ist längst nicht mehr nur eine Mode-Erscheinung einer populären Musikkultur, sondern eine Ideologie, die mehr und mehr ihren Weg in die Köpfe einer Vielzahl von Heavy-Metal -Fans findet.
Ach ja, die Musik. Einfach großartig. Erhaben, schwermütig, manchmal auch rasant und wutschnaubend. Mit "Feld der Ehre" haben BLACK MESSIAH vermutlich die ultimative Pagan-Metal-Hymne abgeliefert. Huldigung an die Musik der Vorväter gibt es mit den folkig anmutenden Einsätzen von Mandoline oder Geige.
Leider verliert der Song "My Way To Asgaard" stark an Wirkung, da Gastsängerin Andrea Zaddach nicht besonders singen kann. Auch ist ihre Stimme recht platt. Da hätte die Band intensiver suchen sollen. Denn ohne diesen Ausrutscher wäre "Oath Of A Warrior" ein tadelloses Album geworden.

9 von 10

JUB



SISSY
"Sick"
Erschienen: 2003
Label: STF Records
Homepage: www.sissy-music.de
SISSY - Sick On Air: "Rock'n'Roller"

Laut/leise-Dynamik, vertrackte Rhythmik, kautziger Groove, psychotischer Gesang zwischen klar und rau, wer denkt da nicht gleich an Nu(mittlerweile Old)Metal? Genau, eigentlich jeder. SISSY machen ihre Sache dabei nicht so schlecht. Immerhin klemmen sie sich peinliches Rap-Gekasper und nerviges Schallplattengekratze. Dafür haben sie eine eher rockige Attitüde in ihren Sound integriert.
So manche Melodie wird mit dem Ohr schnell per Du. Manche Ideen sind tatsächlich frisch und wissen zu überraschen. Wirft man diese in eine Waagschale und in die andere den Standard-Nu-Kram, dann überwiegt jedoch noch die letztere leicht. "Sick" geht damit schon mal in Ordnung. Für den "Durchschnitts-Headbanger" sollte dies unterdessen absolut keine Rolle spielen, da jener sicher eh als bald von heftigen Brechreizen geplagt wird, sollte er mit SISSY in Berührung kommen. Doch die jungen Hip-hop/(Nu)Metal- Mischwesen, denen man zunehmend auf der Straße begegnet, sollte "Sick" durchaus gefallen, da hier mehr als müder Standard geboten wird.

6 von 10

THOMAS



TILES
"Window Dressing"
Erschienen: 2005
Label: Inside Out Music/SPV
Homepage: www.tiles-music.com
TILES - Window Dressing On Air: "Paintings"

Meine Herren, das sind vielleicht Referenzen. Kiss-Basser Gene Simmons soll dieser Band einen "erfrischend eigenständigen Stil" bescheinigt haben, Dream Theaters Mike Portnoy vernahm "großartiges Songwriting" und "packende Melodien" und Ian Anderson von Jethro Tull stellte schließlich fest: "TILES ist eine der hoffnungsvollsten Bands des noch jungen Jahrtausends."
Tja, große Worte. Werden die Amis diesen Lobeshymnen auf ihrem vierten Longplayer, "Window Dressing", gerecht? Ich denke, nur bedingt. Die Songs sind unbestritten von einem hohen musikalischen Anspruch. Seien es jene Stücke, in denen sich Melodic und Prog Metal begegnen, sei es der Klassik-Ausflug mit "Unicornicopia" oder der Jazz-Tripp bei "Stop Gap - das TILES-Material beeindruckt durch die Bank. Selbst die Rush-Reminiszensen haben etwas.
Allerdings leidet die Band unter einem etwas schwachbrüstigen Sänger, der für eine Brit-Pop-Band sicher bestens geeignet sein dürfte, hier doch so manches Mal an seine Ausdrucksgrenzen stößt. Außerdem hätten dem Album, das vor allem mit bis ins letzte Detail ausgetüftelten Arrangements glänzt, ein paar Rocker mehr vom Schlage "Paintings" ganz gut getan.
Nichtsdestotrotz muß man konstatieren, daß TILES das Zeug zu einer der führenden Prog-Bands der Neuzeit haben. Angesichts der Tatsache, daß es die Truppe schon seit zwölf Jahren gibt, könnte der Zeitpunkt des Sprungs auf das Podest schon verpaßt sein. Oder vielleicht müssen wir auch noch auf das nächste Album warten.

8 von 10

JUB



AWFUL NOISE
"Reincarnation"
Erschienen: ?
Label: Mojahara Music/Twilight
Homepage: www.awfulnoise.de
AWFUL NOISE - Reincarnation On Air: "Zrudna kermusa"

Hier schickt sich eine Band an, in einer Sprache zu texten und zu singen, welche die meisten von uns wohl nur vom Namen her kennen - Sorbisch. Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen Nu Metal und Groove. Dabei machen sie ihre Sache nicht schlecht, können aber genauso wenig neue Akzente setzen. Manch geschickter Wendung in der Dramaturgie und einige gute Melodien stehen Standard-Grooves und Zwangsdynamik gegenüber. Ob man sich nun eine sorbisch-englischsprachige CD wegen des Exotenbonus' kauft oder weil die Musik durchschnittlich gut ist, muß jeder selbst wissen.
4 von 10

THOMAS



OLD WAINDS
"Scalding Coldness"
Erschienen: 2005
Label: Miriquidi Productions/City Of The Dead
Homepage: ?
OLD WAINDS - Scalding Coldness On Air: "Through Icy Wilderness Of The Forest"

Eigentlich heißt diese CD ja "Obschisajuschi Cholodnui". Aber wer kann mit diesen Worten schon was anfangen. Von daher halten es auch OLD WAINDS auf ihrer neuen Scheibe damit, neben den kyrillischen Wortkonstrukten die englischen Bedeutungen zu schreiben.
Wie verbunden diese russische Band mit ihrer Heimat und ihrem Volk ist, wird aber nicht nur daran deutlich, daß sie in ihrer Muttersprache singt. Vielmehr ist "Scalding Coldness" ein Pagan-Metal-Werk, das einem Loblied an die Heimat gleicht. Unterstützt wird das Ganze durch wundervolle und sehr stimmige Landschaftsbilder im opulent gestalteten Booklet. Sie strahlen Erhabenheit aus, die von der Musik OLD WAINDS unterstützt wird. Wenn es auch vornehmlich heftig zur Sache geht, kommen große Melodien nicht zu kurz. Markant sind die spitzen Gitarren und der heisere Sänger. Ja, man könnte diese beiden Dinge schon fast als Markenzeichen der Band bezeichnen. Auffällig sind auch die kleinen aber prägnanten Thrash-Metal-Soli, die für diese Art der Musik recht untypisch sein dürften.

8 von 10

JUB



(CP) RONO
"Ratio"
Erschienen: 2004
Label: TTS Media/Alive
Homepage: www.cp-rono.de
(CP) RONO - Ratio On Air: "How Does It Feel"

Wenn man dieser Tage der unzähligen Nu Metal/Noise Rock/Emo Core-Crossover- Kapellen noch nicht überdrüssig ist und sich gerne in seinen Hörgewohnheiten auch von Belanglosigkeiten unterhalten fühlt, dann kann man auch noch das Album von (CP) RONO kaufen. Von CD rocken die vier Burschen aus dem Rheinland ziemlich unspektakulär vor sich her. Die Ecken und Kanten der Musik wurden glatt geschliffen und in ein konsumentenfreundliches Soundgewand gepackt. Das Songwriting klingt berechnet und offenbart keine Überraschungen. Diese CD ist nett. Nicht mehr.
3 von 10

THOMAS



VANITAS
"Lichtgestalten"
Erschienen: 2004
Label: CCP Records
Homepage: www.vanitas.at
VANITAS - Lichtgestalten On Air: "Sammelleidenschaft"

VANITAS durchlaufen die klassische Schule einer Rockband. Erstes Album, "Das Leben ein Traum" (2000), voller Kinderkrankheiten, zweites Album, "Der Schatten einer Existenz" (2001) (siehe Abegehört vom 29. Januar 2002), schon besser aber immer noch unreif. Und jetzt Album Nummer drei, für das sich die österreichische Band viel Zeit ließ. Und was soll ich sagen: Es ist hinreißend.
VANITAS hatten schon immer etwas den Hang zum Theatralischen. Wie schwer das gut umzusetzen ist, haben VANITAS auf ihren ersten beiden Scheiben bewiesen. Jetzt ist es aber soweit, daß die Band hohe lyrische Kunst mit musikalischer Brillanz vereint. Platt beschrieben haben VANITAS Black, Death und Gothic-Elemente aufzuweisen. Diese werden aber nie in ihrer typischen Form abgespult. Vielmehr sind die einzelnen Spielarten unterstützende Gebilde, die Text-Inhalte zu transportieren. Dabei sind streckenweise für Heavy Metal extrem außergewöhnliche Rhythmusstrukturen herausgekommen. Man höre nur mal "Tausende Quadrate", das mit Fug und Recht als kleines Meisterstück bezeichnet werden kann. Ähnliches trifft auch auf "Re:inkarnation" zu, das mit einem Ska-Rhythmus aufwartet.
Die stärksten Wirkungen zeigen "Sammelleidenschaft", "Lebenslauf" und "Menschen...Gott... Maschinen". Hier scheinen Text und Musik wirklich ein Einheit zu bilden, wobei die Band immer songdienlich agiert. Hoher intellektueller Anspruch, gepaart mit Eingängigkeit. Und Texte wie die der genannten Songs müssen erst einmal geschrieben werden. Wirklich beeindruckend.
Akribisch haben VANITAS auf Abwechslung im musikalsichen Gesamteindruck geachtet. Auch wenn die Grundstimmung der Scheibe melancholisch ist, gibt es nichts, was sich wiederholen würde. Aufgepeppt ist das Ganze mit einer Kammerstreichorchester.

8 von 10

JUB



MASSIVE PUNCH
"Dangerous"
Erschienen: 2003
Label: TTS Media/Alive
Homepage: www.massivepunch.de
MASSIVE PUNCH - Dangerous On Air: "Elbkings"

Ist man aus dem Hause TTS Media eher Bands gewohnt, die zweischneidige Schwerter darstellten, haben sie mit MASSIVE PUNCH eine Band im Programm, die gar zu gefallen weiß. Die Musik bewegt sich in einer Stil-Summe aus Black Label Society, jüngeren Sentenced, Crowbar und Godsmack. Die Klampfen schieben wie bei BLS, der Gesang ähnelt dem von Ville Laihialla in manchen Tonlagen sehr, die Musik schiebt sich einerseits wie bei Crowbar, zäh und schwer, andererseits melancholisch-rockig durch die Boxen. Dennoch kann man MASSIVE PUNCH nirgendwo Abkupferei nachsagen. Dafür lassen sich keine großen Anhaltspunkte finden. Nur ein Haar findet sich in der ansonsten schmackhaften Suppe: Manche Songidee ist noch nicht schlagkräftig genug, um vollends zu überzeugen. Aber ansonsten, Daumen hoch!
7 von 10

THOMAS



JERRY GASKILL
"Come Somewhere"
Erschienen: 2004
Label: Inside Out/SPV
Homepage: www.jerrygaskill.com
JERRY GASKILL - Come Somewhere On Air: ""She's Cool"

"Nananana, Nananana" - hihi, so klingts bei JERRY GASKILL in "Crazy". Ziemlich albern. Erst recht, da diese Textaushilfe in einer doofen Melodie steckt. So lustig ist es zwar nicht auf der gesamten CD "Come Somewhere" des King's X-Schlagzeugers, aber zumindest sind die Melodien meist total affig. Badewannengesänge eines Möchtergern-Elvis-Costellos. Oder ein Beatle-Fan scheitert an seinen ersten Fab-Four-Harmonie-Kopierversuchen. Schlimm, schlimm. Langweiliges Geklimper eines untalentierten Songwriters, der nur ganz selten mal eine hübsche Tonfolge zustande bekam.
2 von 10

JUB


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