SAVIOUR
MACHINE "Legend Part III:I" 2
Massacre/Connected,
2001
Holt Eure Taschentücher
raus! SAVIOUR MACHINE blasen zum großen Tränendrüsenangriff.
78 Minuten wimmert Oberprediger Eric Clayton von der Apokalypse, dem Ende
der Welt. Aber dermaßen einschläfernd wie das Wort zum Sonntag.
Das Ende der Welt? Apokalypse, Zerstörung? Großartig! Kein Eurobeschiß
mehr. Keine durchs Fernsehen gesteuerte Gleichschaltung der menschlichen
Hirne. Nie mehr Lug und Betrug. Einfach ein großer Knall und dann
ist Schicht im Schacht. Das ist doch ein Thema, das man interressant gestalten
kann, so mit viel Geschrote, gehässigen Gitarren, vielen Explosionen
und so. Muß man dieser Welt etwa hinterherheulen? Aber so sind sie
nun mal, die Christen. Gibt es irgendwo Stunk, fallen sie auf ihre Knie,
falten die Hände zum Gebet und wimmern in den leeren Himmel. Tststs.
Eric, altes
Kalkgesicht, hast Du ehrlich drei Jahre im Studio verbracht, um diese Schlaftablette
aufzunehmen? Ist schon in Ordnung. Während andere Menschen komatöse
Drogenparties mit viel Suff und schönen Frauen feiern, um mit der
Gewißheit von der Erde abzutreten, wenigstens ordentlich gelebt zu
haben, übst Du Dich als Schäfchen in Gottes Herde in Enthaltsamkeit.
Nicht wahr?
Wie? Du kommst
dafür wenigstens in den Himmel? Armer Irrer, Dein Kadaver wird genau
wie die der anderen armen "Sünder" nichts anderes als Krähenfraß
sein. Es grüßt Dich ganz lieb, Dein Thomas
"The Ancient
Serpent"
THOMAS
WARRIOR
„Code Of Life“ 8
Nuclear Blast,
2001
Hier ist die
Zeit stehengeblieben. Und das ist genau das Richtige. WARRIOR klingen sowas
von herrlich ursprünglich, daß es eine Wonne ist.
Die Amis haben
bisher nicht den Status erlangt, der ihnen vielleicht gebührte. Grund
ist nicht zuletzt der etwas verunglückte Start mit dem Debüt-Album
„Fighting For The Earth“ 1985, das mit einem viel zu großen Budget
zu lange dauerte und überproduziert wurde. Damals war die Zeit der
Band in nur sieben Monaten davongelaufen. Als das Album in den Regalen
stand, war man bei den meinungsmachenden Sendern auf Heavy Metal
nicht mehr so erpicht. Ein Karriereknick schon am Anfang.
„Day Of
Reckoning“
1993 dann
die Reunion, 1998 das entsprechende Album „Ancient Future“. Und musikalisch
ist auch beim Nachfolger „The Code Of Life“ alles beim Alten: Heavy Metal
pur mit mal Accept-lastigen, mal Black Sabbathschen Riffs, einem kraftvollen
Sänger namens Rob Rock. Die Musik ist immer schön im Banging-Bereich,
soll heißen, keine hektischen Speed-Attacken, kein Double-Bass-Gestolper,
kein New Metal-Schnickschnack. Die Gitarren klingen soundmäßig
modern, passen aber wie die berühmte Faust aufs Auge.
„Standing“
JUB
GROOVENICS
"Groovenics" 5
Spitfire/Hitman,
2001
Ziemlich hippen
New Metal spielen die GROOVENICS.
Doch kann
man der Band attestieren, zu den besseren Acts dieser Szene zu gehören.
Denn im Gegensatz zu ihren Platinkollegen klingen die Jungs nicht wie eine
Band von der Stange. Sie geben sich hörbar Mühe, ihre Songs voneinander
unterscheidbar klingen zu lassen. Und das machen sie so schlecht gar nicht.
Interressante Melodien und nette Effekte sorgen dafür, daß man
die CD gut durchhören kann. Leider gelingt ihnen das nicht bei allen
Liedern. So überhört man einige Stücke, doch eine EP mit
den Songs "She´s A Freak", "Search N´Sniff" und einigen anderen
der CD wäre definitiv eine Hörprobe wert.
"She´s
A Freak"
THOMAS
DAYLIGHT TORN „New Skin“7
CCP, 2001
Oh Mea, selten hat eine Frau mich
so in ihren Bann gezogen. - Hey, hier spricht nicht der CD-Cover-Voyeur,
denn da ist von der DAYLIGHT TORN-Sängerin so viel gar nicht zu sehen.
Vielmehr haben wir es hier mit einer der absolut außergewöhnlichsten
Frauenstimmen auf dem Metal-Sektor zu tun. Nicht wirklich schön, auch
nicht extrem oder krank. Nein, Meas Timbre hat Charakter.
„To C.“
Aber natürlich existiert auch
für die Österreicherin ein Pendant aus vergangenen Tagen. Da
gab es in den 70ern nämlich mal eine australische Band namens Fox.
Bei dieser Band sang eine Frau, nach der sich die Plüsch-Pop-Kapelle
benannt hatte: Noosha Fox. Mea und Nooscha könnten Schwestern sein.
Nur das musikalische Genre trennt die Damen.
Das DAYLIGHT TORN-Debüt „Death
Alone From Life Can Save“ war so stark, daß es in unserer Jahresendwertung
1999 unter die besten 20 Alben kam. Das Faszinierende damals war nicht
nur der endlich einmal passende Wechselgesang von männlicher und weiblicher
Stimme. Auch der Härtegrad war enorm. Für eine - wie angepriesen
- Gothic-Band waren DAYLIGHT TORN bei Weitem zu vielschichtig. Und genau
das ist ihrem Nachfolger „New Skin“ abhanden gekommen. Sänger Max
ist gegangen, Keyboarderin Nora kam hinzu. Und so klingt die Musik von
DAYLIGHT TORN jetzt auch. Glatte Melodien, die nicht anecken, für
jedermanns Ohren erträglicher Gitarrensound, viel Keyboard-Einsatz
(klar, Nora muß ja etwas zu tun bekommen). Das ist nicht etwa
schlecht, keinen Moment. Nur haben DAYLIGHT TORN ihre ganz spezielle Note
verloren, wenn da nicht Meas Stimme wäre.
„No Escape“
JUB
UNLEASHED "Where No Life Dwells"
(Re-Release) 9
Century Media/Magic Arts Publ.,
UNLEASHEDs Erstwerk noch großartig
vorzustellen, hieße, Eulen nach Athen tragen. Hier die Fakten: Die
Schweden gehörten Anfang der Neunziger neben Grave, Entombed, Dismember
und mit Abstrichen noch Tiamat zu den ganz Großen der skandinavischen
Death Metal-Szene. Nicht ihre instrumentellen Fähigkeiten machten
sie berühmt, sondern ihre urwüchsige Energie, ihre Rohheit verbunden
mit Geschichten über die Wikinger-Ära ihres Landes und ihre kompromißlose
Einstellung zum Death Metal waren ihre Eintrittskarten in die hartmetallischen
Ruhmeshallen. 2001, pünktlich zum Comeback der Band um Fronthüne
Johnny Hedlund, veröffentlichen Century Media, UNLEASHEDs Stammlabel,
"Where No Life Dwells" zum zweiten Mal, heuer mit sieben Bonustracks und
zwei Videoclips ("Before The Creation Of Time" und "The One Insane"). Death
Metal-Fans jüngeren Semesters, welche dieses Kleinod noch nicht ihr
Eigen nennen können, sollten sich auf jeden Fall die Neuauflage besorgen,
um mitreden zu können. Der Altfan hat das Teil eh im Schrank zu stehen
und muß sich wegen den eh schon veröffentlichten Bonussachen
(bis auf zwei unveröffentlichte Versionen von "The Utter Dark Revenge"
und "Violent Ecstasy") die Scheibe kein zweites Mal kaufen. Aber heute
wie einst verdient die Scheibe 9 Punkte.
"Before The Creation Of Time"/"The
Utter Dark Revenge"
THOMAS
ANCIENT „Proxima Centauri“
8
Metal Blade, 2001
Es gibt Bands, auf deren Veröffentlichungen
man sich freut, wie auf das nächste Gehalt (wenn die Lohntüte
voll genug ist). Und so handelte es sich für mich durchaus für
ein herausragendes Ereignis, als die neue ANCIENT eintrudelte. Dummerweise
ist die Erwartungshaltung an solch eine Scheibe dann auch immer relativ
hoch und wie schnell neigt man dazu, enttäuscht zu sein. Ging mir
bei „Proxima Centauri“ beinahe auch so, denn die erste Hälfte der
CD halte ich für ANCIENT-Verhältnisse einfach für etwas
zu durchschnittlich. Allerdings läutet der Song „Satan’s Children“
jene Hälfte des Tonträgers ein, der ohne Frage dem Vorgänger
„The Halls Of Eternity“ das Wasser reichen kann und hier eine 9, wenn nicht
gar 10 verdient hätte.
„Satan’s Children“
Während nicht wenige Black
Metal-Bands mit ihren Präsentationen haarscharf an Parodien vorbeischrammen,
ist dieser Teil von ANCIENT stimmig wie ihre Musik. Die Charaktere in der
Band haben Stil und Individualität - und Witz. Der ist nicht etwa
unbeabsichtigt. Man braucht nur das Pseudonym Jesus Christ nehmen, der
dann obendrein für den Hammerhit „Satan’s Children“ allein verantwortlich
zeichnet. Schließlich ließ sich der blond gelockte Jüngling
gar in Volkspolizei-Uniform-Jacke ablichten.
ANCIENT wären natürlich
nicht ANCIENT, wenn es nicht auch diesmal eine Mischung aus Black/Thrash
und Gothic-Metal gebe, die es in sich hat. Und niemand muß abgeschreckt
sein, wenn er erfährt, daß Deadly Kristin auch ihre Gesangsparts
hat. Die fallen zum einen selten an und sind dann obendrein grundsätzlich
sehr effektiv plaziert.
„On Blackest Wings“
JUB
QUIREBOYS "This Is Rock´n´Roll"
6
Sanctuary Rec., 2001
Kennt noch jemand die QUIREBOYS aus
England? Anfang der Neunziger debutierten sie mit "A Bit Of What You Fancy"
und waren mal recht angesagt. Doch so schnell wie sie auftauchten, verschwanden
sie auch wieder. Jetzt, 2001, sind sie wieder da, aber interressiert das
jemanden? Obwohl ihre Musik alles andere als schlecht ist. Sicherlich ist
Originalität was anderes, aber zu Songs wie "Show Me What You Got"
oder "Searchin´" kann man sich hervorragend einen verrauchten Klub
mit samt schmierigem Barkeeper vorstellen, in dem die Band ordentlich drauflosrockt.
Mit Jack Daniels-Pulle auf den verschlissenen Verstärkern und Kippe
lässig in der Schnauze. Vor dem Gig gibt es Pommes und Bier und nach
der Show leichte Mädchen und Bier. Ja doch, this is Rock´n´Roll.
"Show Me What You Got"
THOMAS
GRAVEWORM „Scourge Of Malice“
7
Serenade/Connected, 2001
„As The Angels Reach The Beauty“
überzeugte. Es waren vor allen Dingen die schwermütigen Melodien,
die mit einer konsequenten Wucht vorgetragen wurden, daß einem die
Bauchdecke waberte. Und von diesem Erfolgsrezept haben sich GRAVEWORM kein
Stück entfernt. Auf ihrer dritten CD „Scourge Of Malice“ sind die
Harmonien ähnlich eingängig, die Songs meist rund, Gothic Metal
in einer seiner besten Varianten.
„Demonic Dreams“
Natürlich kommt - wie bei GRAVEWORM
üblich - auch die Black Metal-Schlagseite zum Tragen. Sänger
Stefan Fiori läßt den Dämonen aus sich heraus und singt
manchmal gar in Grabestiefen. Selbst die Cover-Version des Maiden-Überhits
„Fear Of The Dark“ ist durchaus gelungen.
Was stört, ist der Eindruck,
die GRAVEWORM-Mannschaft nimmt das mit dem „Erfolgsrezept“ ein wenig zu
ernst. Die Songs wirken sehr nach einem Muster gestrickt. Also weniger
aus einer Stimmung heraus geschrieben, als vielmehr geplant. Das hat den
Nachteil, daß „Scourge Of Malice“ nach spätestens drei Songs
gehört ist, da zu vorausschaubar. Aber manchmal will man das ja so.
Und für solche Momente ist die neue GRAVEWORM ideal.
„Ars Diaboli/Sanctity Within
Darkness“
JUB
UNDROP "Uprooted" 5
Lokomotive Musik/Gopal Rec./El Pulpo,
2001
Eine merkwürdige CD, die die
spanische Band UNDROP da aufgenommen hat. Es herrscht ein heilloses Durcheinander
auf diesem Teil. Gitarrenpop mit zum Teil Reggae- und Ska-Einflüssen
bietet uns das Trio. Das ist nicht das, was ich so merkwürdig finde,
nein, eher die Tatsache, daß bei einem der drei mir vorliegenden
Stücke jemand den tollen Einfall hatte, den Hörer vollends zu
verwirren. Hat man doch das Gefühl, daß sich im Zimmer noch
ein paar andere Personen unterhalten oder ein anderes Radio läuft,
während man "The Minefield" hört. Die haben ´nen Vogel,
die Spanier. Ansonsten ist die gut produzierte CD mit der kurzen Spielzeit
zwar kein Reißer aber aufgrund der netten Melodien und der angenehmen
Stimme des Sängers recht kurzweilig.
"The Minefield"
THOMAS
MORGANA „Angel“ 4
Elevate Records/66th Floor/SPV,
2001
Hätte es vor Kurzem bei uns
nicht Athena gegeben, dann wäre mein Urteil über die Landsleute
der genannten Katastrophencombo sicher ein wenig negativer ausgefallen.
Aber jetzt weiß ich ja, daß man den sogenannten melodiösen
Power Metal schlechter machen kann als MORGANA.
Die italienische Band gefällt
sich nämlich auch im Erfinden von Kinderlied-Melodien, in Double-Bass
Endlos-Schleifen und schmückt sich mit einem Sänger, der auf
seinen Eiern sitzt und nur hin und wieder mal aufsteht. Auffallend positiv
ist der heftige Gitarrensound. Die Sechssaitige ist ständig kraftvoll
vorn und verschafft so den schwulen Weisen ein paar scharfe Kanten. Und
schließlich ist der Band gar die Cover-Version von Ozzys „Roads To
Nowhere“ gelungen.
„The Syndrome“
JUB
AMORPHIS "Am Universum"
6
Nuclear Blast, 2001
Sieben Jahre sind nun seit dem Oberhammer
"Tales From The Thousand Lakes" vergangen. Wie die Zeit vergeht. Nichts
bleibt wie es war, alles ist dem steten Wandel unterzogen (von Motörhead
mal abgesehen). So ist es auch nicht weiter verwunderlich daß, AMORPHIS
mittlerweile ganz anders klingen als 1994. Die Veränderung zeigte
sich ja schon bei "Elegy" und "Tuonela". Seit einiger Zeit haben AMORPHIS
nichts mehr mit Death Metal gemeinsam. Läßt man diesen Fakt
mal außen vor, kann man ohne Zweifel sagen, daß "Am Universum"
eine starke Platte geworden ist, sie braucht zwar einige Durchläufe
aber dann kann man sich den elegischen Melodien nur schwerlich entziehen.
Die teilweise mit Saxophonklängen angereicherten Stücke besitzen
durchaus Tiefgang und lassen einen beim Hören mit den Gedanken abschweifen,
ohne daß man die Musik überhört. Nach wie vor kann man
erkennen, daß hier AMORPHIS am Werke sind, denn die Melodieführung
ist typisch für die Finnen und letztendlich auch der Schlüssel
zum guten Abschneiden der Platte. Zwar werden wir wohl nie wieder eine
Scheibe der Band vom Schlage "Tales..." zu hören bekommen aber grämen
wir uns darob nicht weiter, denn "Am Universum" ist trotz alledem ziemlich
stark geworden.
"Veil of sin"
THOMAS
[vor][zurück]