An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT-Spezial vom 23. Oktober 2001


SAVIOUR MACHINE "Legend Part III:I" 2
Massacre/Connected, 2001

Saviour Machine - Legend Part III:I

Holt Eure Taschentücher raus! SAVIOUR MACHINE blasen zum großen Tränendrüsenangriff. 78 Minuten wimmert Oberprediger Eric Clayton von der Apokalypse, dem Ende der Welt. Aber dermaßen einschläfernd wie das Wort zum Sonntag. Das Ende der Welt? Apokalypse, Zerstörung? Großartig! Kein Eurobeschiß mehr. Keine durchs Fernsehen gesteuerte Gleichschaltung der menschlichen Hirne. Nie mehr Lug und Betrug. Einfach ein großer Knall und dann ist Schicht im Schacht. Das ist doch ein Thema, das man interressant gestalten kann, so mit viel Geschrote, gehässigen Gitarren, vielen Explosionen und so. Muß man dieser Welt etwa hinterherheulen? Aber so sind sie nun mal, die Christen. Gibt es irgendwo Stunk, fallen sie auf ihre Knie, falten die Hände zum Gebet und wimmern in den leeren Himmel. Tststs. 

Eric, altes Kalkgesicht, hast Du ehrlich drei Jahre im Studio verbracht, um diese Schlaftablette aufzunehmen? Ist schon in Ordnung. Während andere Menschen komatöse Drogenparties mit viel Suff und schönen Frauen feiern, um mit der Gewißheit von der Erde abzutreten, wenigstens ordentlich gelebt zu haben, übst Du Dich als Schäfchen in Gottes Herde in Enthaltsamkeit. Nicht wahr? 
Wie? Du kommst dafür wenigstens in den Himmel? Armer Irrer, Dein Kadaver wird genau wie die der anderen armen "Sünder" nichts anderes als Krähenfraß sein. Es grüßt Dich ganz lieb, Dein Thomas
"The Ancient Serpent"

THOMAS

WARRIOR „Code Of Life“ 8
Nuclear Blast, 2001

Warrior - Code Of Life

Hier ist die Zeit stehengeblieben. Und das ist genau das Richtige. WARRIOR klingen sowas von herrlich ursprünglich, daß es eine Wonne ist.
Die Amis haben bisher nicht den Status erlangt, der ihnen vielleicht gebührte. Grund ist nicht zuletzt der etwas verunglückte Start mit dem Debüt-Album „Fighting For The Earth“ 1985, das mit einem viel zu großen Budget zu lange dauerte und überproduziert wurde. Damals war die Zeit der Band in nur sieben Monaten davongelaufen. Als das Album in den Regalen stand, war man bei den meinungsmachenden  Sendern auf Heavy Metal nicht mehr so erpicht. Ein Karriereknick schon am Anfang.
„Day Of Reckoning“
1993 dann die Reunion, 1998 das entsprechende Album „Ancient Future“. Und musikalisch ist auch beim Nachfolger „The Code Of Life“ alles beim Alten: Heavy Metal pur mit mal Accept-lastigen, mal Black Sabbathschen Riffs, einem kraftvollen Sänger namens Rob Rock. Die Musik ist immer schön im Banging-Bereich, soll heißen, keine hektischen Speed-Attacken, kein Double-Bass-Gestolper, kein New Metal-Schnickschnack. Die Gitarren klingen soundmäßig modern, passen aber wie die berühmte Faust aufs Auge.
„Standing“

JUB

GROOVENICS "Groovenics" 5
Spitfire/Hitman, 2001

Groovenics - Groovenics

Ziemlich hippen New Metal spielen die GROOVENICS.
Doch kann man der Band attestieren, zu den besseren Acts dieser Szene zu gehören. Denn im Gegensatz zu ihren Platinkollegen klingen die Jungs nicht wie eine Band von der Stange. Sie geben sich hörbar Mühe, ihre Songs voneinander unterscheidbar klingen zu lassen. Und das machen sie so schlecht gar nicht. Interressante Melodien und nette Effekte sorgen dafür, daß man die CD gut durchhören kann. Leider gelingt ihnen das nicht bei allen Liedern. So überhört man einige Stücke, doch eine EP mit den Songs "She´s A Freak", "Search N´Sniff" und einigen anderen der CD wäre definitiv eine Hörprobe wert.
"She´s A Freak"

THOMAS

DAYLIGHT TORN „New Skin“7
CCP, 2001

Daylight Torn - New Skin

Oh Mea, selten hat eine Frau mich so in ihren Bann gezogen. - Hey, hier spricht nicht der CD-Cover-Voyeur, denn da ist von der DAYLIGHT TORN-Sängerin so viel gar nicht zu sehen. Vielmehr haben wir es hier mit einer der absolut außergewöhnlichsten Frauenstimmen auf dem Metal-Sektor zu tun. Nicht wirklich schön, auch nicht extrem oder krank. Nein, Meas Timbre hat Charakter. 
„To C.“
Aber natürlich existiert auch für die Österreicherin ein Pendant aus vergangenen Tagen. Da gab es in den 70ern nämlich mal eine australische Band namens Fox. Bei dieser Band sang eine Frau, nach der sich die Plüsch-Pop-Kapelle benannt hatte: Noosha Fox. Mea und Nooscha könnten Schwestern sein. Nur das musikalische Genre trennt die Damen.
Das DAYLIGHT TORN-Debüt „Death Alone From Life Can Save“ war so stark, daß es in unserer Jahresendwertung 1999 unter die besten 20 Alben kam. Das Faszinierende damals war nicht nur der endlich einmal passende Wechselgesang von männlicher und weiblicher Stimme. Auch der Härtegrad war enorm. Für eine - wie angepriesen - Gothic-Band waren DAYLIGHT TORN bei Weitem zu vielschichtig. Und genau das ist ihrem Nachfolger „New Skin“ abhanden gekommen. Sänger Max ist gegangen, Keyboarderin Nora kam hinzu. Und so klingt die Musik von DAYLIGHT TORN jetzt auch. Glatte Melodien, die nicht anecken, für jedermanns Ohren erträglicher Gitarrensound, viel Keyboard-Einsatz (klar, Nora muß ja etwas zu tun bekommen).  Das ist nicht etwa schlecht, keinen Moment. Nur haben DAYLIGHT TORN ihre ganz spezielle Note verloren, wenn da nicht Meas Stimme wäre.
„No Escape“

JUB

UNLEASHED "Where No Life Dwells" (Re-Release) 9
Century Media/Magic Arts Publ., 

Unleashed - Where No Life Dwells

UNLEASHEDs Erstwerk noch großartig vorzustellen, hieße, Eulen nach Athen tragen. Hier die Fakten: Die Schweden gehörten Anfang der Neunziger neben Grave, Entombed, Dismember und mit Abstrichen noch Tiamat zu den ganz Großen der skandinavischen Death Metal-Szene. Nicht ihre instrumentellen Fähigkeiten machten sie berühmt, sondern ihre urwüchsige Energie, ihre Rohheit verbunden mit Geschichten über die Wikinger-Ära ihres Landes und ihre kompromißlose Einstellung zum Death Metal waren ihre Eintrittskarten in die hartmetallischen Ruhmeshallen. 2001, pünktlich zum Comeback der Band um Fronthüne Johnny Hedlund, veröffentlichen Century Media, UNLEASHEDs Stammlabel, "Where No Life Dwells" zum zweiten Mal, heuer mit sieben Bonustracks und zwei Videoclips ("Before The Creation Of Time" und "The One Insane"). Death Metal-Fans jüngeren Semesters, welche dieses Kleinod noch nicht ihr Eigen nennen können, sollten sich auf jeden Fall die Neuauflage besorgen, um mitreden zu können. Der Altfan hat das Teil eh im Schrank zu stehen und muß sich wegen den eh schon veröffentlichten Bonussachen (bis auf zwei unveröffentlichte Versionen von "The Utter Dark Revenge" und "Violent Ecstasy") die Scheibe kein zweites Mal kaufen. Aber heute wie einst verdient die Scheibe 9 Punkte.
"Before The Creation Of Time"/"The Utter Dark Revenge"

THOMAS

ANCIENT „Proxima Centauri“ 8
Metal Blade, 2001

Ancient - Proxima Centauri

Es gibt Bands, auf deren Veröffentlichungen man sich freut, wie auf das nächste Gehalt (wenn die Lohntüte voll genug ist). Und so handelte es sich für mich durchaus für ein herausragendes Ereignis, als die neue ANCIENT eintrudelte. Dummerweise ist die Erwartungshaltung an solch eine Scheibe dann auch immer relativ hoch und wie schnell neigt man dazu, enttäuscht zu sein. Ging mir bei „Proxima Centauri“ beinahe auch so, denn die erste Hälfte der CD halte ich für ANCIENT-Verhältnisse einfach für etwas zu durchschnittlich. Allerdings läutet der Song „Satan’s Children“ jene Hälfte des Tonträgers ein, der ohne Frage dem Vorgänger „The Halls Of Eternity“ das Wasser reichen kann und hier eine 9, wenn nicht gar 10 verdient hätte.
Jesus Christ
„Satan’s Children“
Während nicht wenige Black Metal-Bands mit ihren Präsentationen haarscharf an Parodien vorbeischrammen, ist dieser Teil von ANCIENT stimmig wie ihre Musik. Die Charaktere in der Band haben Stil und Individualität - und Witz. Der ist nicht etwa unbeabsichtigt. Man braucht nur das Pseudonym Jesus Christ nehmen, der dann obendrein für den Hammerhit „Satan’s Children“ allein verantwortlich zeichnet. Schließlich ließ sich der blond gelockte Jüngling gar in Volkspolizei-Uniform-Jacke ablichten.
ANCIENT wären natürlich nicht ANCIENT, wenn es nicht auch diesmal eine Mischung aus Black/Thrash und Gothic-Metal gebe, die es in sich hat. Und niemand muß abgeschreckt sein, wenn er erfährt, daß Deadly Kristin auch ihre Gesangsparts hat. Die fallen zum einen selten an und sind dann obendrein grundsätzlich sehr effektiv plaziert.
„On Blackest Wings“

JUB

QUIREBOYS "This Is Rock´n´Roll" 6
Sanctuary Rec., 2001

Quireboys - This Is Rock´n´Roll

Kennt noch jemand die QUIREBOYS aus England? Anfang der Neunziger debutierten sie mit "A Bit Of What You Fancy" und waren mal recht angesagt. Doch so schnell wie sie auftauchten, verschwanden sie auch wieder. Jetzt, 2001, sind sie wieder da, aber interressiert das jemanden? Obwohl ihre Musik alles andere als schlecht ist. Sicherlich ist Originalität was anderes, aber zu Songs wie "Show Me What You Got" oder "Searchin´" kann man sich hervorragend einen verrauchten Klub mit samt schmierigem Barkeeper vorstellen, in dem die Band ordentlich drauflosrockt. Mit Jack Daniels-Pulle auf den verschlissenen Verstärkern und Kippe lässig in der Schnauze. Vor dem Gig gibt es Pommes und Bier und nach der Show leichte Mädchen und Bier. Ja doch, this is Rock´n´Roll.
"Show Me What You Got"

THOMAS

GRAVEWORM „Scourge Of Malice“ 7
Serenade/Connected, 2001

Graveworm - Scourge Of Malice

„As The Angels Reach The Beauty“ überzeugte. Es waren vor allen Dingen die schwermütigen Melodien, die mit einer konsequenten Wucht vorgetragen wurden, daß einem die Bauchdecke waberte. Und von diesem Erfolgsrezept haben sich GRAVEWORM kein Stück entfernt. Auf ihrer dritten CD „Scourge Of Malice“ sind die Harmonien ähnlich eingängig, die Songs meist rund, Gothic Metal in einer seiner besten Varianten. 
„Demonic Dreams“
Natürlich kommt - wie bei GRAVEWORM üblich - auch die Black Metal-Schlagseite zum Tragen. Sänger Stefan Fiori läßt den Dämonen aus sich heraus und singt manchmal gar in Grabestiefen. Selbst die Cover-Version des Maiden-Überhits „Fear Of The Dark“ ist durchaus gelungen.
Was stört, ist der Eindruck, die GRAVEWORM-Mannschaft nimmt das mit dem „Erfolgsrezept“ ein wenig zu ernst. Die Songs wirken sehr nach einem Muster gestrickt. Also weniger aus einer Stimmung heraus geschrieben, als vielmehr geplant. Das hat den Nachteil, daß „Scourge Of Malice“ nach spätestens drei Songs gehört ist, da zu vorausschaubar. Aber manchmal will man das ja so. Und für solche Momente ist die neue GRAVEWORM ideal.
„Ars Diaboli/Sanctity Within Darkness“

JUB

UNDROP "Uprooted" 5
Lokomotive Musik/Gopal Rec./El Pulpo, 2001

Undrop - Uprooted

Eine merkwürdige CD, die die spanische Band UNDROP da aufgenommen hat. Es herrscht ein heilloses Durcheinander auf diesem Teil. Gitarrenpop mit zum Teil Reggae- und Ska-Einflüssen bietet uns das Trio. Das ist nicht das, was ich so merkwürdig finde, nein, eher die Tatsache, daß bei einem der drei mir vorliegenden Stücke jemand den tollen Einfall hatte, den Hörer vollends zu verwirren. Hat man doch das Gefühl, daß sich im Zimmer noch ein paar andere Personen unterhalten oder ein anderes Radio läuft, während man "The Minefield" hört. Die haben ´nen Vogel, die Spanier. Ansonsten ist die gut produzierte CD mit der kurzen Spielzeit zwar kein Reißer aber aufgrund der netten Melodien und der angenehmen Stimme des Sängers recht kurzweilig.
"The Minefield"

THOMAS

MORGANA „Angel“ 4
Elevate Records/66th Floor/SPV, 2001

Morgana - Angel

Hätte es vor Kurzem bei uns nicht Athena gegeben, dann wäre mein Urteil über die Landsleute der genannten Katastrophencombo sicher ein wenig negativer ausgefallen. Aber jetzt weiß ich ja, daß man den sogenannten melodiösen Power Metal schlechter machen kann als MORGANA.
Die italienische Band gefällt sich nämlich auch im Erfinden von Kinderlied-Melodien, in Double-Bass Endlos-Schleifen und schmückt sich mit einem Sänger, der auf seinen Eiern sitzt und nur hin und wieder mal aufsteht. Auffallend positiv ist der heftige Gitarrensound. Die Sechssaitige ist ständig kraftvoll vorn und verschafft so den schwulen Weisen ein paar scharfe Kanten. Und schließlich ist der Band gar die Cover-Version von Ozzys „Roads To Nowhere“ gelungen.
„The Syndrome“

JUB

AMORPHIS "Am Universum" 6
Nuclear Blast, 2001

Amorphis - Am Universum

Sieben Jahre sind nun seit dem Oberhammer "Tales From The Thousand Lakes" vergangen. Wie die Zeit vergeht. Nichts bleibt wie es war, alles ist dem steten Wandel unterzogen (von Motörhead mal abgesehen). So ist es auch nicht weiter verwunderlich daß, AMORPHIS mittlerweile ganz anders klingen als 1994. Die Veränderung zeigte sich ja schon bei "Elegy" und "Tuonela". Seit einiger Zeit haben AMORPHIS nichts mehr mit Death Metal gemeinsam. Läßt man diesen Fakt mal außen vor, kann man ohne Zweifel sagen, daß "Am Universum" eine starke Platte geworden ist, sie braucht zwar einige Durchläufe aber dann kann man sich den elegischen Melodien nur schwerlich entziehen. Die teilweise mit Saxophonklängen angereicherten Stücke besitzen durchaus Tiefgang und lassen einen beim Hören mit den Gedanken abschweifen, ohne daß man die Musik überhört. Nach wie vor kann man erkennen, daß hier AMORPHIS am Werke sind, denn die Melodieführung ist typisch für die Finnen und letztendlich auch der Schlüssel zum guten Abschneiden der Platte. Zwar werden wir wohl nie wieder eine Scheibe der Band vom Schlage "Tales..." zu hören bekommen aber grämen wir uns darob nicht weiter, denn "Am Universum" ist trotz alledem ziemlich stark geworden.
"Veil of sin"

THOMAS
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