ABGEHÖRT vom 23.
November 2004
SAXON
"Lionheart" |
Erschienen: 2004
Label: Steamhammer/SPV
Homepage: www.saxon747.com |
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On Air: "Justice" |
Es ist wirklich
schwierig, einer Band wie SAXON unbefangen zu begegnen. Wie würden
Leute diese Musik aufnehmen, die SAXON nie zuvor hörten, ja, nicht
einmal wußten, daß sie existiert? - Da würde mit Sicherheit
die auffällig treibende Gitarrenarbeit herausragen. Die Riffs von
"Man And Machine" oder "English Man'o'war" zum Beispiel sind mitreißend
und doch voll Einfallsreichtum. Der Sänger klingt ungewöhnlich
und verleiht den Songs eine ganz eigene Note, denn diese Stimme gab es
vorher noch nicht. Mmh, und die Melodien sind meist ziemlich geil. Nicht
übertrieben ausufernd, eher fest umrissen und mit ihrer Minimalität
auf unser Merkzentrum gerichtet. Und das Ganze drückt unaufhaltsam,
wirklich hartes Material. - Reicht das aus, um junge Heavy-Metal-Fans zu
ähnlichen Begeisterungsstürmen hinzureißen, wie es uns
einst bei "Wheels Of Steel" oder "Denim And Leather" widerfuhr? Dieser
verdammte Zahn der Zeit, denn auch wir, die mit SAXON groß wurden,
haben so unser Ränzlein zu tragen, wenn es darum geht, diesen Briten
die gebührende Wertschätzung zukommen zu lassen. Denn wir suchen
doch immer wieder nach Stücken, die uns eine ähnliche Gänsehaut
über den Rücken treiben wie einst "Dallas 1 pm" und "To Hell
And Back" oder wenigsten "Solid Ball Of Rock". Verdammt schwierig das alles.
"Lionheart"
ist auf jeden Fall ein gutes SAXON-Album. Die Meilensteine der Frühzeit
bleiben unerreicht, logisch. Auch die Comeback-Kracher "Solid Ball ..."
und "Forever Free" werden zur Zeit von SAXON nicht geknackt. Aber dieses
Album ist hundertmal besser, als das meiste Heavy-Metal-Material, daß
sich europäische und amerikanische Jungmänner aus den Fingern
würgen. Und eigenständig sowieso, denn wenn SAXON sich selbst
zitieren, dann tun sie es ja nicht aus Ideenlosigkeit, sondern weil sie
Elemente in die Heavy-Metal-Musik einbrachten, die stilprägend waren.
Von daher, erneut beide Daumen hoch für diese Herren. 8
von 10
JUB
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OVERDRIVE
SENSATION
"No Punk, No Metal,
No Alternative ... No Fake" |
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.overdrivesensation.com |
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On Air: "Stubbin'
The Surface" |
Wer mag Pub
Rock? Dieses Zeug der Inmates, Dr. Feelgood, Eddie & The Hot Rods oder
auch George Thorrogood. Das war damals zwar zu 90 Prozent Blues, aber immer
verdammt nah am Punk. Rose Tattoo haben sich das später zu eigen gemacht
und eine ganze Generation aufgemischt, "Nice Boys Don't Play Rock'n'Roll"
kann man da nur sagen. Das gilt auch für OVERDRIVE SENSATION, jener
Band, in der sich Endstille-Schlagzeuger Timm als Mayhemic Sensation das
Herz ausschüttet. Olli Overdrive trägt das rotzige Material sowohl
mit seinem ruppigen Gitarrenspiel als auch mit seiner versoffenen Stimme.
Und John Porno groovt, als stünde er jedes Wochenende in einer Glasgower
Kneipe und müßte bei allen lokalen Acts als Basser aushelfen.
Geile Band, diese OVERDRIVE SENSATION. 8
von 10
JUB
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MOONSORROW
"Suden Uni" |
Erschienen: 2004
Label: Spinefarm/Ranka
Publ/Motor Music/Universal
Homepage: www.moonsorrow.com |
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On Air: "Kyli
Nj Rven J Ll" |
Und wieder
wäre es an dieser Stelle angebracht, die unglaubliche Entwicklung
der finnischen Heavy-Metal-Szene zu würdigen. Denn mit MOONSORROW
mischt eine Band mit, die nicht nur die finnische Melodien-Schwermut perfekt
umsetzt und dem Folk Raum gibt, sondern die obendrein das Erbe von Bathory
bewahrt. Schon der Opener "Ukkosenjumalan Poika" läßt uns an
die besten "Hammerheart"-Zeiten zurückdenken und zieht mit seiner
wundervollen Melodie sofort in den Bann. "Kyli Nj Rven J Ll" wartet dann
zu Beginn gleich mit einem Stilmittel auf, das sich auf "Suden Uni" mehrfach
wiederholt: hämmernden Stakkato-Gitarren wird zerbrechlicher Akkordeon-Klang
entgegengesetzt. Ob nun in diesem Moment, in den episch-breiten Passagen
oder wenn es volkstümlich beschwingt wird - es gibt in diesem Song
ausschließlich beeindruckende Momente. Dieser Mix aus Folk, Pagan
und Black Metal setzt sich auf dem gesamten Album fort, das bereits 2000
auf Plasmatica schon einmal erschien. In "1065: Aika", einem elfminütigen
Werk, findet die Scheibe ihren Höhepunkt und der MOONSORROW-Stil seine
Vollendung. Es gibt nur wenige Bands, die so tadellos agieren. Und nach
all der Melancholie und Kraftmeierei endet das Album mit "Tulkaapa Ij T",
einem Lied, daß uns akustisch eine Vorstellung davon gibt, wie Finnen-Partys
aussehen, wenn alle 3,8 im Turm haben. Nicht umsonst hat das Stück
eine eigene Überschrift, und die lautet: Drinking Music. 10
von 10
JUB
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W.A.S.P.
"The Neon God: Part
2 -The Demise" |
Erschienen: 2004
Label: Sanctuary/Noise
Homepage: www.waspnation.com |
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On Air: "Never
Say Die"/"Come Back To Black" |
Was ich bei
aller Verehrung von Blackie Lawless' Schaffen nicht für möglich
gehalten habe, ist Realität geworden: "Neon God: Part 2 - The Demise"
ist besser als Teil 1. Die Scheibe vereint sämtliche Qualitäten
der ersten Runde (siehe Abgehört von
13. Juli 2004) und setzt in Sachen Abwechslung und Melodiösität
noch eins drauf. Mit "Never Say Die" und "Come Back To Black" sind hier
obendrein zwei der stärksten W.A.S.P.-Stücke schlechthin am Start.
Wer sich einst bei "Unholy Terror" von Blackie abwandte, weil er nach all
den schwachen 90er-Ergüssen keine Hoffnung mehr auf eine Erholung
des Meisters hatte, kann jetzt mit wehenden Fahnen zu W.A.S.P. zurückkehren.
Denn die Band hat Bestand bewiesen und "Dying For The World" (2002) war
keine Eintagsfliege. Und komplex wie die Musik ist auch die Story um Jesse,
dessen alles manipulierendes Imperium an den eigenen Verletzbarkeiten zugrunde
geht.
In den letzten
Monaten war viel über Blackies Live-Präsenz zu lesen und zu hören.
Und nichts gutes. An dieser Stelle sei zumindest revidiert, daß die
musikalische Leistung des Amis auf der Bühne großartig ist.
Allerdings wird ganz deutlich, daß Blackie derzeit körperlich
nicht in bester Verfassung ist, daher auch die ziemlich kurzen Auftritte.
Das sei ihm nachgesehen. Viel wichtiger ist es, daß uns der Typ noch
solange wie möglich erhalten bleibt. 10
von 10
JUB
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ABIARTHAR
"Picture Of Death" |
Erschienen: 2000
Label: Eigenproduktion
Homepage: --- |
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On Air: "Unsere
Urahnen" |
Eigentlich
schade, daß dieser Kassetten-Markt immer kleiner wird, denn irgendwie
hatte das was. Und so unattraktiv sind die MCs auch nicht. Bei der Qualität
mancher Demos kommt das Magnetband-Rauschen richtig gut. Aber das nur so
am Rande.
ABIARTHAR
aus Zwickau geben sich auf ihrem 2000er Demo-Debüt richtig Mühe.
Nicht nur, daß man versucht hat, soundtechnisch einen gewissen Standard
zu erreichen, auch songwriterisch will die Band mächtig auftrumpfen
- und verzettelt sich völlig. Allein schon die Mischung aus Death
und Black Metal will irgendwie nicht funktionieren, was wohl daran liegt,
daß die Band zwischen den Stilen springt wie beim Gummi-Twist. Die
vier Songs des Demos haben grundsätzlich keinen roten Faden. Es wird
wüst drauflosgearbeitet, ohne etwas zu schaffen. Quasi ein Loch buddeln,
indem man das andere zuschaufelt.
Nichtsdestotrotz
klingen ABIARTHAR hoffnungsvoll, was vor allem an der durchschlagenden
Aggressivität und der offensichtlichen Befähigung der Musiker
an ihren Instrumenten liegen mag. Leider weiß ich im Moment nicht,
ob es die Band noch gibt. Aber das könnt Ihr ja selbst herausfinden,
wenn es Euch interessiert. 4 von 10
JUB
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ULFSDALIR
"Christenhass" |
Erschienen: 2003
Label: Christhunt Productions
Homepage: --- |
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On Air: "Vergessene
Wurzeln" |
Es gibt wirklich
nicht viele Labels, bei denen man sich so auf Musik und Inhalt der unter
Vertrag befindlichen Bands verlassen kann, wie bei Christhunt. Und so ist
es schon förmlich programmatisch, wenn der Gitarrist der deutschen
Schwarzmetaller Ewiges Reich, ULFSDALIR, seine aktuelle Scheibe "Christenhass"
nennt. Denn musikalisch bekommt ihr hier das pure Old-School-Geknüppel
zu hören, wie es vor gut zwölf, 13 Jahren die Underground-Welt
auf den Kopf stellte. Logisch, daß ULFSDALIR den Black Metal nicht
neu erfindet und mit altem Gorgoroth-Material ebenso vergleichbar ist wie
meinetwegen mit Falkenbach. Aber den Preis in der Schneller-Höher-Weiter-Kategorie
muß er auch gar nicht gewinnen, machen er das, was er tut, doch mit
ohrenscheinlichem Herzblut. Manchmal agiert er vielleicht ein wenig zu
zurückhaltend ("Flamme des Hasses"), was die ein oder andere Song-Passage
an einen vorüberscheucht, ohne daß man sie mit Interesse verfolgt
hätte. Darüber hinaus klingt die CD recht rasch produziert. Auch
ist es bei dem Thema ("Ruhmtaten der Ahnen", "Flamme des Hasses", "Unser
Sieg" oder "Vergessene Wurzeln") bedauerlich, daß man nicht die Bohne
von den Texten versteht. "Christenhass" wird eine gut sortierte Black-Metal-Sammlung
sicher nicht gerade unermeßlich im Wert steigern, hinein gehört
das Teil aber durchaus. 6
von 10
JUB
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TIMO RAUTIAINEN
& TRIO NISKALAUKAUS
"Hartes Land" |
Erschienen: 2004
Label: Cyclone
Empire/Soulfood
Homepage: www.trioniskalaukaus.net |
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On Air: "Elegie"/"Schneewanderer"/"Trauerkleid"/"Kalter
Zustand"/"Ihr braucht mich nicht" |
Es gibt doch
noch Offenbarungen. Selbst ein Tonträger-Markt, der sich vor Übergewicht
keinen Zentimeter mehr bewegt und nach jedem Input stundenlang mit der
Übelkeit kämpft, um dann doch die Hälfte wieder halbverdaut
auszukotzen, vermag Produkte an die Oberfläche zu bringen, die alle
Ansprüche an überwältigender Musik erfüllen. Wie im
Falle von TIMO RAUTIAINEN & TRIO NISKALAUKAUS.
In Finnland
sind diese rauhen Typen längst ein Mega-Act. In Deutschland eher unbekannt,
sollten sie aber spätestens mit ihrem zweiten deutschsprachigen Album
"Hartes Land" eine breite Hörerschaft erreichen. Und das allein schon
wegen ihrer traumhaften Melodien, die den Begriff Melancholie neu definieren
dürften: Fette Gitarren ziehen einen in einen Strudel voll kummervoller
Weisen, die nie zu einem bestimmten Zwecke komponiert klingen, sondern
wie von einem Moment zum anderen aus den Instrumenten fließend. Wenn
die Begriffe Musik und Schönheit eine Symbiose eingehen können,
dann tun sie das hier in Vollendung.
Die Texte
der Band markieren auf dem Heavy-Metal-Markt die beste deutsche Lyrik seit
vielen Jahren. Wir Deutschen klammern uns nicht nur an alltägliche
Sprechrhythmen, was uns eh limitiert, sondern haben es offenbar verlernt,
unsere Sprache wirklich zu gebrauchen. Während deutsche Bands ständig
bedeutungsschwangere Psychoanalysen herauswürgen, gesellschaftsunrelevante
Sinnbilder erschaffen, die selbst im Vorlesungssaal einer Uni auf Desinteresse
stoßen würden oder in völliger Verkennung poetischer
Stilmittel die Worte vergewaltigen, um einem intellektuellen Anspruch zu
genügen, den nicht einmal Intellektuelle erkennen, erzählen die
Finnen um Timo Rautiainen einfach nur Geschichten. Da wacht eine Mutter
am Sterbelager ihres Sohnes ("Elegie"), besinnt sich ein Mann angesichts
des Todes seines Bruders der Liebe zu dem Verblichenen ("Hartes Land"),
erkennt ein verrückter Junge im Erwachen des Frühlings mehr als
jeder andere ("Zeit der steigenden Säfte"), fliehen finnische Bauern
vor russischem Bombenterror im Zweiten Weltkrieg ("Schneewanderer") oder
erkennt ein Vater, durch sein Tun seine Familie verloren zu haben ("Ihr
braucht mich nicht"). Die Geschichten sind winzig klein und doch berühren
sie zutiefst. Nicht nur, weil sie wahr sind, sondern weil sie mit innigster
Zuneigung erzählt werden. Mit innigster Zuneigung zu einem Volk und
zur Heimat. TIMO RAUTIAINEN & TRIO NISKALAUKAUS lieben die finnischen
Menschen und das Land, in dem sie leben. Und deshalb können sie auch
unbefangen Tränen vergießen, wenn sie all den Kummer widerspiegeln,
der ihren Landsleuten täglich begegnet in diesem harten Land. 10
von 10
JUB
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WHERE
ANGELS FALL
"Dies Irae EP" |
Erschienen: 2004
Label: Edgerunner
Music/TWS
Homepage: www.whereangelsfall.com |
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On Air: "Hollow" |
Wie kann man
nur. Diese norwegische Gothic-Band hat nichts, was einen halbwegs normal
veranlagten Label-Chef dazu verleiten könnte, einen Vertrag aus der
Tasche zu ziehen. Die Songs sind stinklangweilig, die Arrangements sind
geklaut und Sängerin Eirin Bendingtsen klingt, als hätte sie
gerade eine Grippe auskuriert. Obendrein ist sie unattraktiv. Für
die Produktion dieser EP wurde allerdings einiges aufgefahren, so daß
der Soundschwulst und die fetten Tragik-Chöre sehr professionell klingen.
Das macht die Scheibe allerdings nicht besser. Vor allem nicht, da einem
die Klischees dreist ins Ohr rotzen. Bei "Requiem" wird's schließlich
gar etwas orientalisch.
Angesichts
der Tatsache, daß es die Band erst seit 2003 gibt und sie solch extrem
durchschnittliche Musik abliefert, ist es mehr als erstaunlich, daß
sich Edgerunner Music erbarmten und diese Vier-Track-CD produzierten. Für
meine Begriffe gehören diese Pseudo-Traueklöße noch mindesten
zwei Jahre in den Probenraum. 3
von 10
JUB
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IN BLACKEST
VELVET
"3 song demo'ntrackstration" |
Erschienen: 2004
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.InBlackestVelvet.de |
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On Air: "As
Light" |
Alles beim
Alten im Hause IN BLACKEST VELVET. Schon auf "Edenflow" (siehe Abgehört
vom 25. September 2001) dominierte melodischer Schweden-Death-Metal, ohne
wie der pure Abklatsch zu klingen. Und wie auf dem Album von 2001 werden
bangkompatible Heavy-Metal-Passagen in die Kompositionen gemischt, daß
es ein Freude ist ("As Light"). Aber gerade bei den beiden anderen Nummern
auf diesem Drei-Track-Demo kommt erneut das kleine Problem der deutschen
Band zum Tragen: Man will an manchen Stellen einfach zuviel. Besonders
bei "Rocket Rose" fällt es auf, wie urplötzlich erstaunlich gute
Melodie-Linien eine Wendung erfahren, die sich unangenehm im Gehörgang
windet. Allerdings sind diese kleinen Momente nicht das dominierende Element
in der Musik von IN BLACKEST VELVET. Die ist dann doch eher solide und
basiert auf den besseren Vorlagen skandinavischer Größen. 6
von 10
JUB
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Wie nahe Folklore
von Naturvölkern beieinanderliegt, beweisen HEDNINGARNA aus Schweden.
Obwohl die Band seit ihrer ersten Veröffentlichung "Hedningarna" (1989)
konsequent nordischen Folk zelebriert oder verarbeitet, klingen die Songs
wahlweise slawisch, asiatisch oder indianisch. Das ist nicht nur schwer
beeindruckend, sondern läßt interessierte Folk-Hörer unter
Umständen tiefer in die Historie nordischer oder germanischer Folklore
eintauchen. Das The-Best-Of-Album "1989-2003" gibt einen wunderbaren Überblick
über das Schaffen der Band, das vor allem von dem manchmal das Trommelfell
zerfetzenden Gesang der immer wieder wechselnden Sängerinnen dominiert
wird. Interessant auch, wie frei die Band mit dem folkigen Korsett umgeht.
Da werden harte Gitarren ebenso verwendet wie Synthi- oder Computersounds
oder mittelalterliche Weisen. Auch wenn diese Kombinationen wie der Widerspruch
schlechthin klingen, muß man HEDNINGARNA zugestehen, daß es
paßt. 8 von 10
JUB
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RICHIE
KOTZEN
"Get Up" |
Erschienen: 2004
Label: Frontiers/Soulfood
Homepage: www.richiekotzen.com |
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On Air: "Remember" |
Als Gitarrist
von Poison und Mr. Big hat sich RICHIE KOTZEN bei jener Heavy-Metal-Gemeinde,
die es eher mit Bands von Iron Maiden bis Morbid Angel hält, nicht
gerade den Status eines Lieblingsgitarristen erspielt. Ja, da wurde er
eher müde belächelt. Und das nicht nur wegen seines lustigen
Namens. Seit dieser Typ allerdings Solo-Alben veröffentlicht, läßt
er die lederbejackten Fans mehr und mehr mit offenen Mündern und großen
Ohren zurück. Nehmen wir nur seine Blues-Scheibe "Bi Polar Blues"
oder den Überflieger "Change" aus 2003 (siehe Abgehört
vom 11. Mai 2004). Da glänzte er vor allem mit sanften Tönen,
wagte sich gar in popmusikalische Gefilde vor.
Sein Selbstbewußtsein
stellt RICHIE KOTZEN einmal mehr mit dem aktuellen Album "Get Up" unter
Beweis, auf dem nichts so ist wie auf dem Vorgänger. Denn hier wird
kompromißlos gerockt. Selbst balladeske Töne läßt
er nur in Form eines Blues' zu ("Remember"). Ansonsten kann man ihm Qualitäten
von Bands wie Free oder alten Aerosmith bescheinigen. Und wer damit nichts
anzufangen weiß, weil er zu jung ist, dem seinen als Referenz Lenny
Kravitz oder The Black Crowes genannt. Wobei er für meine Begriffe
die beiden letzteren noch locker an die Wand bratzt. 10
von 10
JUB
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ADARO
"Schlaraffenland" |
Erschienen: 2004
Label: Inside
Out/SPV
Homepage: www.adaro.de |
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On Air: "Wer
alten Weibern traut" |
Handelte es
sich bei ADARO um blutige Newcomer, würden sie der sogenannten Mittelalterszene
eine verdammt vitale Frischzellenkur verpassen. Da die Band allerdings
schon seit 1997 auf dem Tonträgermarkt präsent ist, gehört
sie eigentlich schon eher einer etablierten Kaste an. Und somit sind die
vier Herren und die Dame ein Beleg dafür, daß es unter diesen
traditionsbewußten Barden viel mehr gibt, als laute Trommelgruppen,
die von Mittelaltermarkt zu Mittelaltermarkt ziehen oder jene Kollegen
von Tanzwut, In Extremo und Co, die Dudelsack, Drehleier und Schalmeien
in Neue Deutsche Härte verpacken. ADARO agieren auf ihrem nunmehr
vierten Album enorm differenziert. Das beginnt bei weihnachtlich anmutenden
Folkweisen ("Wohl dem Leibe", "Es ist ein Schnee gefallen"), geht über
lyrische Popsongs ("Lieg still") bis hin zu hartem Gitarren-Einsatz und
Doublebass-Verwendung ("Nu ruh mit Sorgen", "Frau, du sollst unvergessen
sein"). Typische mittelalterliche Instrumente kommen natürlich auch
bei ADARO zum Einsatz, die Band scheut im gleichen Moment aber nicht vor
Trip-Hop-Grooves zurück ("Psalm XIII").
Ganz bemerkenswert
sind die beiden Sangeskünstler. Vokalistin Konstanze Kulinsky ist
sicher nicht die stimmliche Offenbarung, setzt ihr sehr zartes Organ aber
absolut optimal ein. Frontmann Christoph Pelgen ist jene Säule in
der ADARO-Musik, die das Gebälk zwar zu gleichen Anteilen hält,
allerdings aufgrund seiner Verzierung am Auffälligsten strahlt. Soll
heißen, Pelgen singt mit einer äußerst ausdrucksstarken
Stimme, die scheinbar eine Ausbildung erfahren hat. Kein heiseres Jahrmarkt-Keuchen,
sondern klarer, schöner aber kraftvoller Gesang. Selbst in dem Moritaten-haft
gesprochenen "Der Edelfalk" setzt Christoph Pelgen Achtungszeichen.
Die Texte
stammen von Leuten wie Hans Sachs (1494-1576), Oswald von Wolkenstein (1377-1445),
Reinmar von Hagenau (um 1200) und Jakob Thurner und sind dementsprechend
in uralten Formen deutscher Sprache dargeboten. Auch die Kraft der Aussage
ist enorm: Derb, frivol, herzerweichend aber immer klar in dem, was erzählt
werden soll. 9 von 10
JUB
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SONATA
ARCTICA
"Reckoning Night" |
Erschienen: 2004
Label: Nuclear
Blast
Homepage: www.sonataarctica.info |
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On Air: "Wildfire" |
Wer würde
glauben, daß SONATA ARCTICA ihrer Musik jetzt eine kleine Thrash-Metal-Note
verpassen, die Gitarren tiefer stimmen oder Black-Metal-Gesurre zulassen?
Genau, niemand. Und so ist "Reckoning Night" eine Scheibe geworden, die
zum Katalog der Finnen paßt wie eine schwarzbunte Kuh zu den anderen.
Rasch gespielter Euro-Power-Metal mit erheblichem Keyboard-Einsatz, der
weiterhin bemerkenswerte Melodien zu bieten hat, die im Refrain schon mal
mit Chören verfettet werden. Und alles mit der entsprechenden Bombast-Note.
Wenn sich das neue Album von den ganzen Vorgängern unterscheidet,
dann in der extrem sterilen Produktion. Hier stimmt alles, worunter die
Härte litt. SONATA ARCTICA-Fans werden mit ihren Helden sehr zufrieden
sein. Und darauf kommt es doch wohl an, oder? 7
von 10
JUB
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