An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 24. Februar 2004


SAVALLION DAWN "The Charge" 7 (BANDS BATTLE-Band 2004)
Eigenproduktion, 2002

SAVALLION DAWN - The Charge

Mit "The Charge" legen die Oldenburger von SAVALLION DAWN ein klischeearmes und gut produziertes Demo/Album vor, welches stark von der Stimme des Frontmannes Ernesto lebt, der in den mittleren Tonlagen nicht selten nach Gerrit P. Mutz von Sacred Steel klingt. Zumindest hat er ein ähnliches, leicht weinerlich klingendes Timbre, welches mir sehr gut gefällt. Doch ein guter Sänger alleine macht noch lange keine CD. Die Musiker in SAVALLION DAWN spielen allesamt sehr ambitioniert. Mittelschneller Heavy Metal ist die Devise. Dramatik und Epik kommen in den Kompositionen ebenso zum Tragen wie die ausgezeichneten Leads der Gitarristen, nicht selten erinnerten sie mich an die seeligen Death zu ihrer Semi-Prog-Phase Ende der 90er. Allerdings ist die Musik alles andere als beim ersten Mal zugänglich. Zwar versuchen die Oldenburger, nicht auf Teufel-komm-raus den Zuhörer mit Break-Orgien zu verwirren, doch sind die Kompositionen so angelegt, daß man schon einige Durchläufe braucht, um mit den Melodien warm zu werden. Doch das sollte Euch die Zeit wert sein. SAVALLION DAWN versprechen viel und halten es auch. www.savallion-dawn.de
"Seven Signs"

THOMAS

DEIN SCHATTEN "Das ewige Eis" 9
Irond Record, 2003

DEIN SCHATTEN - Das ewige Eis

Rammstein sind die militant-totalitäre Version, Umbra et Imago haben den Sado-Maso-Part inne und Oomph! fordern zum Tanzen auf. In dieser Aufzählung müßte sich eigentlich DEIN SCHATTEN einreihen, denn Dieter Bornschlegel alias Bonzero besetzt die Nische des Totengräbers. Tatsächlich: "Das ewige Eis" ist zwar ein Mix aus stampfendem Industrial, sphärischem Synthi-Pop und Gothic, zieht aber dermaßen runter, daß ein Genuß dieses Albums nicht wie so oft in ähnlichen Fällen in Depressionen führt, sondern mit dem Ableben enden sollte. "Schuld und Sühne" ist eine grimmige Absage an das Christentum, "Er kommt zurück" als Satans-Beschwörung zu verstehen, "Das Tier", "Geister in mir" und "Hallo?" variieren das Thema des psychopathischen Killers oder Kinderfickers, "Tränen der Seele" vereint scheinbar alle Worte der deutschen Sprache, die man mit Depressionen in Verbindung bringen könnte, und "Abschied" bedarf keiner Erläuterungen. Wenn es auf dieser Scheibe etwas zu lachen gibt, dann kommt bestenfalls ein Schmunzeln auf, wenn DEIN SCHATTEN ein Suzan Vega-Stück anstimmt und daraus das Vampir-Grusel-Epos "My Name Is Luc(if)a" macht.
Allerdings könnt Ihr, so Ihr wollt, die gesamte Scheibe als eine Parodie nehmen. Erst recht, wenn man weiß, daß sie von einem mittlerweile 50-jährigen Krautrocker aufgenommen wurde. Denn Bornschleger war erstmals auf einer LP im Jahre 1971 zu hören, spielte später mit Atlantis, Ramesh, Guru Guru oder der Electric Famliy. Das sind völlig andere Baustellen. Daß der altgediente Rock-Musiker sein Handwerk allerdings versteht, zeigt die Tatsache, daß die Betrachtungsweise völlig egal ist: Ob Parodie oder bierernst gemeint, "Das ewige Eis" begeistert.
Obendrein bekommt man auf dieser CD einen Hit mitgeliefert, der allein schon einen Deal bei einem Major-Label verdient hätte: "Woanders sein" ist perfekt und steckt "Augen auf, ich komme" (Oomph!) um Längen in den Sack. Weshalb hier die Plattenbosse nicht zugeschlagen haben, ist eines der unzähligen Geheimnisse des Musik-Business. 
"Schuld und Sühne"/"Woanders sein" (Clubmix)

JUB

XIV DARK CENTURIES "... den Ahnen zum Gruße" 6
CCP Records/SPV, 2003

XIV DARK CENTURIES - ... den Ahnen zum Gruße

Wenn sich deutsche Bands thematisch mit der Geschichte ihres Landes auseinandersetzen, wittert der gemeine Fan gleich politische Inkorrektheit, dabei ist das nur legitim, in der deutschen Früh- und Vorgeschichte zu stöbern, da sie spannende Fakten und Sagen in sich birgt, die so langsam aber sicher in Vergessenheit geraten. Um so interessierter war ich, als ich die CD "... den Ahnen zum Gruße" in die Finger bekam. Ein Blick in das Textblatt ließ die Freude jedoch alsbald in Nüchternheit umschlagen. Ähnlich wie ihre Kollegen von Hel ist es auch den Thüringern sehr wichtig zu zeigen, daß sie sich die Namen und Orte der nordischen Mythologie eifrig draufgepackt haben. Kaum eine Strophe oder ein Refrain, in dem nicht Ragnarök, Walhalla, Odin, Einherjer und Co. auftauchen. Das alles wirkt somit verdammt aufgesetzt, ohne das ich der Band hier ihre Überzeugung absprechen möchte. Texte wie "Tetes Coupees-der Schädelkult" oder der Titelsong mögen recht ansprechend sein und unter ehrenwertem Vorwand geschrieben, die Umsetzung jedoch konnte mich nicht recht überzeugen. Doch es gibt nicht nur Texte auf der CD, die Musik bewegt sich zwischen Black und Death Metal, was den Gesang und einige Riffs anbelangt. Ebenso spielen auch Tasteninstrumente und Akustikgitarren eine tragende Rolle in der Musik der Ostdeutschen. Schlagzeuger Rüd hat ein paar interessante Rhythmen auf der Pfanne und bei den Gitarrenarrangements haben sich die Musiker auch große Mühe gegeben. Schade, daß viele Harmonien im etwas drucklosen Gesamtsound untergehen. Ums eine oder andere mal hörte ich doch schon mal Quorthons Geist aus den Kompositionen der Akustischen. Was natürlich in Ordnung geht. Das einzige was der Scheibe fehlt, um Dauergast in meinem Player zu werden, sind eingängige Hymnen, die einen so richtig packen und den Verstand rauben. Ansonsten aber eine interessante Scheibe.
"Tetes Coupees-der Schädelkult"/"Fenrir"

THOMAS

EDGUY „Burning Down The Opera - Live“ 7
AFM, 2003

EDGUY - Burning Down The Opera - Live

EDGUY haben sich definitiv zu einem der Flaggschiffe im deutschen Heavy Metal der Marke "melodische Power" gemausert. Dieses Live-Album belegt das. Die Songsauswahl wird die Fans zufriedenstellen, der Sound ist exzellent (keine Ahnung, ob nachgebessert wurde), die Stimmung großartig, die einzelnen Musiker erhalten genügend Raum, ihre Fähigkeiten an den Instrumenten unter Beweis zu stellen - und doch: Irgendwie hält sich die Freude über diese Aufnahmen hier in Grenzen. Das hängt zum einen damit zusammen, daß sich EDGUY nicht so wesentlich von einer Vielzahl anderer Melodic Power Metal-Bands aus Skandinavien, Italien oder Deutschland unterscheiden und zum anderen, daß man dieses Material halt in seiner Studio-Version schon häufig genug zu Gehör bekam. Auch ist dieses musicalhafte Vibrieren in Sammets Stimme live nicht sooo geil. Während auf den Studio-Alben darüberhinaus hier und dort ein paar Überraschungen um die Ecke huschen, klingt das Live-Material ziemlich eintönig. Daran können auch die Konversationsmomente zwischen Sammet und Publikum nichts ändern.
EDGUY-Fans will ich hier nichts vergällen, denn die werden dieser Scheibe nichts Negatives abringen. Zumal das Teil als Doppel-CD kommt, 103 Minuten dauert und ein Booklet besitzt, mit dem man sich eine ganze Zeit beschäftigen kann. Leute, die Power Metal im Allgemeinen bevorzugen und nach ein paar coolen neuen Songs suchen, denen sei der folgende Tonträger empfohlen.
„Tears Of A Mandrake“

JUB

EDGUY "King Of Fools" 9
Nuclear Blast, 2004

EDGUY - King Of Fools

Eine neue EDGUY-Scheibe steht vor der Tür. Ende März soll sie in den Läden zu finden sein. Und Ihr könnt Euch ohne Frage darauf freuen, denn der Appetitmacher "King Of Fools" ist ein echter Knaller. Schon der Titelsong dieser EP, der dann auch auf dem Album zu finden sein wird, ist eine Nummer, wie sie auch eine Band wie EDGUY nicht gerade am Fließband produziert. Und daß dann vier Songs folgen, die nicht auf der kommenden Platte sind und von denen drei absolutes Hit-Potential haben, ist mehr als nur eine Empfehlung für das kommende Material. Auch wenn "New Age Messiah" und "The Savage Union" eher typisches EDGUY-Material darstellen, haben sich die Hessen hier nicht von einem ausgenudelten Erfolgsrezept leiten lassen, sondern Ohrwürmer komponiert, die für sich stehen. "Holy Water" hat dann für meine Begriffe wieder eher die Qualität von "King ..." und läßt nicht nur durch die Hinzunahme des Film-Orchesters Babelsberg aufhorchen. Denn hier paaren sich einmal mehr Heaviness, Melancholie und Melodiegefühl nach EDGUY-Art. Und genau diese Songs sind es, die diese Band weiter in der Gunst der Metal-Gemeinde steigen lassen werden.
Song Nummer fünf, "Life And Times Of A Bonus Track", hat sicher Witz, ist aber musikalisch nicht so der Bringer.
"Holy Water" 

JUB

FLESHGORE „Killing Absorption“ 7
Eigenproduktion, 2003

FLESHGORE - Killing Absorption

Manchmal genügen die Stilbezeichnungen, die sich Bands verpassen, tatsächlich, um zu wissen, worum es geht bei der Musik. Oder will jemand behaupten, er habe nicht sofort technisch hochwertiges, abgrundtiefes, meist im Midtempobereich angesiedeltes Death Metal-Geballer im Ohr, wenn er "US Brutal Death Grind" ließt. Nur, daß die Jungs halt nicht aus den Staaten kommen, sondern aus der Ukraine.
FLESHGORE machen ihre Sache auf ihrem Zweitling wirklich gut. Sänger Cannibal grunzt und growlt in den übelsten Tonlagen, die Gitarren wühlen sich durch betonschwere Riffs, das Drumming läßt aufhorchen. Treten diese Jungs irgendwo live auf, muß man zuschauen, sonst könnte man etwas verpassen. Allerdings passiert solche Musik auf diesem Erdenrund mittlerweile so häufig, daß es selbst so manchem eingefleischten Fan schwer fallen könnte, einige Bands voneinander zu unterscheiden. Auch FLESHGORE ringen noch um ein eigenes Profil. Nichtsdestotrotz macht ihre Musik auch auf den jetzigen Level absolut Laune.
„Prepare To Die“

JUB

BLACK LABEL SOCIETY "The Blessed Hellride" 9
Spitfire/cmm, 2003

BLACK LABEL SOCIETY - The Blessed Hellride

Auf bisherigen BLACK LABEL SOCIETY-Platten hatte ich immer den Eindruck, daß dem Supergitarristen Zakk Wylde zwar geile Riffs und Leads einfielen, sein Songwriting jedoch dem immer ein wenig hinterher hing. Mit "The Blessed Hellride" hält sich beides in etwa die Waage. "Funeral Bell" hat ein geiles Wechselspiel zwischen Stakkatoriffing und Melodiegitarre und wartet mit einem einprägsamen Refrain auf. "Stoned And Drunk" ist eine prägnante Abrißbirne mit einer starken Melodie. "Doomsday Jesus" schwächelt wieder ein wenig mit seinem Rhythmus-betonten Aufbau. Der Hit der Scheibe ist jedoch das im Duett mit Wylde-Ziehvater Ozzy Osbourne aufgenommene "Stillborn". Hier und in anderen Songs der Platte zeigt sich, an wem sich Wylde gesanglich orientiert. Wem B.L.S.-Platten bisher nicht schmeckten, da sie zu uneingängig waren, kann "The Blessed Hellride" ruhig mal antesten, denn diese Platte ist meiner Meinung nach Zakks beste.
"Stillborn"

THOMAS

BRAINSTORM "Soul Temptations" 8
Metal Blade, 2003

BRAINSTORM - Soul Temptations

Wer im eigenen Homepage-Namen den Begriff True Metal führt, muß es wirklich ernst meinen. Und das tun BRAINSTORM. Denn auch "Soul Temptation" ist ein Lehrstück des klassischen Heavy Metal, der vor allem auf bangkompatiblen Rhythmen und knackigen Melodien fußt. Selbst wenn es wie bei "Nunca nos rendimos" breite Streicherteppiche zu hören gibt, lassen BRAINSTORM sich in ihrer straight nach vor gespielten Art nicht stören. Ähnliches geschieht mit "Fading", das ganz auf die Refrainmelodie hinsteuert, die sich herrlich entfaltet und so gar nicht brachial rüberkommt. Doch BRAINSTORM verleihen auch diesem Midtempo-Song eine durchaus angenehme Wucht.
Herzstück des Albums ist der Drilling "Trinity Of Lust", die obligatorische Mini-Oper der Power oder True Metal-Bands. Die Deutschen kommen uns hier ganz weltmusikalisch, indem sie sich ohrenscheinlich bei indischer Musik bedienten. Während zum einen dieser Ausflug den Reiz der Songs ausmacht, liegt in dem selbst auferlegten Korsett aber auch der berühmte Pferdefuß, denn die Band versucht sich nicht nur in Intros den fremdländischen Weisen anzunähern, sondern das Ganze in die eigene Gitarrenarbeit zu verpacken. Dabei entstehen wie zum Beispiel in "Shiva's Tears" kleine Längen. Aber da es sich bei diesem Konzept-Stück lediglich um drei Songs handelt, ist "Trinity Of Lust" zuallererst eine Bereicherung der aktuellen BRAINSTORM-Scheibe. Denn wie gestartet, geht es schließlich weiter: "To The Head" ist am Ende wieder ein gnadenloser Nackenbrecher.
"The Sentinel"

JUB

MISANTHROPIC "Demo 2002" 7
Eigenproduktion, 2002

MISANTHROPIC - Demo 2002

Einen ziemlich geilen Bastard aus Death Metal im Großen und Black Metal im Kleinen haben die Ingelheimer von MISANTHROPIC mit ihrem 2002er Demo abgeliefert. Hier gehen Melodie und Aggression Hand in Hand einher, ohne daß das eine Extrem das andere unterbuttert. Die rasenden, hymnischen Riffs werden an passenden Stellen mit interessanten Akustik-Parts aufgelockert, die Leads und Melodien versprühen eine sehnsüchtig-melancholische Stimmung, ohne auch nur ansatzweise tuntig zu wirken. All die Erfahrungen, die nötig sind, um solch eine kurzweilige CD abzuliefern, konnten die Musiker schon in Bands wie Agathodaimon oder etwa Nocte Obducta sammeln. Mittlerweile hat die Band einen Deal in der Tasche und wartet mit einem neuen Album auf. Dennoch sei Euch das Demo der Band empfohlen, denn keiner der auf gut gespielten Death/Black Metal steht, sollte von MISANTHROPIC enttäuscht werden. www.misanthropic.de
"The Answers Inside Me"

THOMAS

DEFENDING THE FAITH „Radical Change“ 8
Eigenprod., 2003

DEFENDING THE FAITH - Radical Change

"Radical Change"? Auch wenn DEFENDING THE FAITH ihr zweites Album so nannten, müssen Fans dieser Band keine Abkehr von Stärken des "Defender"-Albums (siehe Abgehört vom 25. Februar 2003) befürchten. In den Gitarren sind die Aalener steinhart, haben es über weite Strecken vor allem mächtig eilig und ersannen Melodien, die einen internationalen Mega-Act vermuten lassen. Und doch ist etwas anders: "Radical Change" ist um Längen progressiver als sein Vorgänger. Die Stolpersteine im Riffing sind weitaus raffinierter als auf "Defender", die rhythmischen Brüche überraschender und die Stimmungsänderungen fallen konsequenter aus. Das tut der Wirkung der Musik allerdings keinen Abbruch, da die Musiker ihr Handwerk zu jeder Zeit perfekt beherrschen.
Was allerdings überhaupt nicht mehr funktioniert, ist der Drumcomputer. Wie unglaublich lebendig würde zum Beispiel ein Song wie "D.T.F." klingen, hätte hier ein Schlagzeuger die Möglichkeit, seine ausgeklügelten Figuren zu zaubern. Nicht auszudenken. So wird man jedoch von einem eintönig vor sich hin tackernden Computer-Sound penetriert, der obendrein garantiert zurückhaltender programmiert wurde, als ein Zappelphilipp hinter der Schießbude in der Lage wäre, zu trommeln. Somit hat man sich eine gehörige Portion vergeben (auch, wenn ich weiß, wie unheimlich schwer es ist, wirklich großartige Schlagzeuger aufzutreiben).
DEFENDING THE FAITH bleiben für Prog-Fans, die ihrer Lieblingsmusik die Wut des Thrash Metals gönnen, eine der ersten Adressen. Die Band sollte aber schleunigst das Line up verstärken, um mit dem nächsten Album den nötigen Schritt nach vorn zu machen.
„D.T.F.“

JUB
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