An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 25. Februar 2003


SINNER "There Will Be Execution" 9
Nuclear Blast, 2003

Sinner - There Will Be Execution

Ach du Scheiße, so eine enorme Härte hätte ich nie und nimmer von Matt Sinner erwartet. Zwar klingt mir die letzte Platte des Schwaben, "The End Of Sanctuary", noch im Ohr, aber bei weitem nicht als solch ein Brett wie es "There Will Be Execution" geworden ist. Der Grund dafür dürfte in erster Linie die personelle Veränderung im Line Up sein. Für Alex Beyrodt an der Klampfe kam der alte SINNER-Spezi Tom Naumann, mit dem Matt schon bei Primal Fear die Luft zum brennen brachte. Und an den Drums sitzt der Saxon-Schlagzeuger Fritz Randow, der für seinen wuchtigen Stil bekannt ist und nicht selten an Jörg Michael erinnert. Zumindest, was die straighten, kraftvollen Songs angeht. Wo SINNER schon personell dicht bei Primal Fear stehen, ist es logisch, daß sich das auf die Musik auswirkt. Gitarrist Naumann ließ auch bei SINNER nichts anbrennen und feuert eine Riffsalve nach der anderen ab. So erinnern die Lieder an eine rasende Büffelherde, die nur bei "The River" mal eine Verschnaufpause einlegt und ansonsten vor nichts und niemandem Halt macht. Dennoch gibt es starke Melodien wie zum Beispiel bei "God Raises The Dead" oder "Liberty Of Death".
SINNERs Entwicklung, mit zunehmender Karrieredauer härter zu werden anstatt zu verweichlichen, kann keinen Heavy Metal-Fan ernsthaft enttäuschen, sondern eher ermutigen, doch mal in eine SINNER-Platte reinzuhören, sofern man dies noch nicht tat. "There Will Be Execution" bietet die beste Gelegenheit dazu.
"There Will Be Execution"

THOMAS

MISERY INDEX „Overthrow“ 8
Fadeless Rec., 2002

Misery Index - Overthrow

Bei MISERY INDEX geht es offenbar lediglich um die Frage: „Wie erzeuge ich bei atemberaubender Geschwindigkeit die höchstmögliche Brutalität?“ Denn bei den acht Songs dieser mit 23 Minuten Spielzeit recht knappen CD (zwei Videos sind noch mit drauf) wird ohne Verschnaufpause gnadenlos Lack gemacht, daß einem Hören und Sehen vergehen. Grindcore trifft auf Death Metal der übelsten Sorte. Und außer bei „Alive“, „My Untold Apocalypse“ und „Manufacturing Greed“ sind Songs auf äußerst hohem Niveau entstanden. Genannte Nummern sind dann doch eher Hau-den-Lukas-Bolzer, die jede andere Polter-Combo auch hinbekommen hätte. Mit Jason Netherton, Sparky Voyles und Kevin Talley hat die Band gleich drei ehemalige Mitglieder von Dying Fetus in ihren Reihen, die sich auch schon bei M.O.D,, Fear Of God oder Suffocation rumtrieben. Schließlich gibt es da noch Mike Harrison, der mit Pessimist, Cadaver Symposium und Sadistic Torment beste Referenzen aufzuweisen weiß. „Overthrow“ meidet die Abwechslung natürlich wie der Teufel den Straßburger Münster. Aber solch ein Zeug muß manchmal einfach sein.
„Dead Shall Rise“

JUB

PANGEA "Sickness Of Annihilation" 7 (BANDS BATTLE-BAND 2003)
Eigenproduktion, 2001

Pangea - Sickness Of Annihilation

Aus den Überresten der aus Grimmen stammenden Band Midgard entstanden die Death Metaller von PANGEA, die mit ihrer "Sickness Of Annihilation"-CD ihre Aufwartung machen. Dabei rödeln sie sich äußerst old schoolig durch die sechs Songs ihrer CD. So könnte man PANGEA als eine von Suffocation minus Dreschflegelparts inspirierte Band mit den irren Riffs von Napalm Death zu "Harmony Corruption"-Zeiten bezeichnen. Fronter Marcel grummelt als sei er in einem muffigen Schuppen eingesperrt worden und läßt so Erinnerungen an den Death Metal von vor 14 Jahren wach werden. Auch der Sound der CD klingt wie der solcher Scheiben, die seinerzeit in der Fachpresse stets "Arschbomben"-Status einnahmen und dennoch Kult bei den Fans waren. Ach war das schön früher. Sieben nostalgische Punkte für "Sickness Of Annihilation". www.pangeametal.de.vuvetr@lycos.de
"Satanic Violence" 

THOMAS

ENTWINE „Time Of Despair“ 10
Century Media/Ranka Publ., 2002
Entwine - Time Of Dispair
Aaarrrggghhh. Viel zu lange hat diese Scheibe im Review-Karton gelegen, so daß sie schon beinahe ein Jahr auf dem Markt ist. Aber, was soll’s. Gute Alben nutzen nicht ab. Und das hier ist ein gutes Album. Ach, was sag ich. Dies ist ein Spitzen-Album.
Man kann zum Gothic Metal stehen wie man will, was allerdings in diesem Genre schon für Melodien erfunden wurden, ist beängstigend. ENTWINE setzen da noch einen drauf. Diese finnische Band (wo soll sie auch sonst herkommen) hat ein Gespür für zu Herzen gehende Weisen, daß einem ein warmer Schauer nach dem anderen über den Rücken läuft. Man höre nur die Ballade „Safe In A Dream“, die zwar simpel strukturiert ist, aber in ihrer Wirkung beispiellos. Kaum zu glauben, daß der Personal-Stamm dieser Band 1995 mit Death Metal begann.
„Time Of Despair“ ist das dritte Album von ENTWINE und müßte die Band eigentlich endgültig in den Gothic-Himmel katapultiert haben. Wenn dem nicht so ist, läuft irgend etwas falsch. Freunden dieser Musik sei diese Scheibe auf jeden Fall allerwärmstens ans Herz gelegt.
„Safe In A Dream“
JUB

JUDAS PRIEST "Live In London" 7
Priest Music Ltd./SPV/Steamhammer, 2003

Judas Priest - Live In London

Dieser Tage erscheint ein neues Livealbum der Heavy Metal-Dinosaurier und bietet dem Fan neben einem gewohnt guten Sound und langer Spielzeit (Doppelalbum) aber nicht viel Überraschung. Denn die Setlist ist nahezu identisch mit der der letzten Liveplatte "Live Meltdown" aus dem Jahr 1998.
Was aber in dem Punkt nachvollziehbar ist, als daß Priest eben ein paar Klassiker geschrieben haben, die bei keinem Livekonzert fehlen dürfen. So sind beide Platten, die '98er und die neue, ein Sammelsurium von Hits wie "The Hellion-Electric Eye", "Metal Gods", "Grinder", "The Sentinel", "The Touch Of Evil","Livin´After Midnight", "Breaking The Law" und und und. Was natürlich die Dringlichkeit von "Live In London" in Frage stellt. Aber die Fans werden es schon kaufen. Wenn sich das Gerücht bestätigt, welches besagt, daß Priest mit Halford als Sänger eine Abschiedstour machen wollen, um sich danach aus dem Showgeschäft zurückzuziehen, dürfte uns mindestens noch eine Liveplatte ins Haus stehen. Auch dies macht "Live In London", trotz des hohen Priest-Standards, nicht gerade unverzichtbar.
"The Sentinel"

THOMAS

CROWN OF THORNS „Karma“ 9
Voodoo Island/Point Music, 2002

Crown Of Thorns - Karma

Die Schwatten haben nie so recht den Zugang zur Heavy Metal-Szene gefunden. Erst als Crossover die Musik unterwanderte, tauchte auch mal der ein oder andere Mohr in schwermetallisch angehauchten Bands auf. Aber selbst hier setzten sich Kapellen wie Living Colour oder Body Count nicht durch.
Und mal ehrlich, Neger mit Matte oder Corps-Painting? Eher lustig. Und auch die Fan-Gemeinde zeichnete sich bisher nicht gerade durch Toleranz aus. Und doch haben es einzelne Persönlichkeiten geschafft, ohne Abstriche die Verehrung der Fan-Schar zu genießen. Nehmen wir nur Tony Butler von Big Country oder Jean Beauvoir, der Heavy Metal schwitzt, blutet und scheißt. Als der blonde Mohawk fiel er einst in der Hardcore/Punk-Band The Plasmatics auf und etablierte sich dort schon als beachtlicher Songschreiber. Nach dem Split dieser Kapelle schaffte es Beauvoir gar in die Top 10 der Staaten mit seiner Single „Feel The Heat“ von der „Drums Along The Mohawk“-LP. Zum Star wurde der Schwarze allerdings vor allem durch seine songschreiberische Tätigkeit mit Leuten von Kiss, den Ramones, mit Desmond Child oder Deborah Harry, um nur einige zu nennen. Nicht nur eine Ergänzung war Jean Beauvoir bei Little Steven und Voodoo X.
Sein Zuhause hat der Bassist nunmehr in der Band CROWN OF THORNS gefunden, die ganz sein Baby ist und seit 1993 regelmäßig Platten veröffentlicht. Anfangs bekam die Band Starthilfe von Paul Stanley und Gene Simmons, hat sich jetzt aber absolut freigeschwommen. Bester Beleg dafür ist Album Nummer fünf „Karma“, das für einen Melodic Metal-Fan eigentlich keine Wünsche offen läßt. Obendrein sind die Songs in der Essenz äußerst traditionell ausgefallen und haben durchaus den ein oder anderen 70er Einschlag. Die Bandbreite reicht von heavy-rockenden Abgehern („’Til You’ve Had Enough“) über straighte, eingängige Melodic-Nummern („Let’s Start Over Again“) bis hin zu sanften Balladen („Alone Again“). Im vergangenen Jahr hatte Jean Beauvoir mit seinen songwriterischen Fähigkeiten die jüngste Doro-Scheibe „Fight“ veredelt, was ihm die Dame mit einem Duett in „Shed No Tears“ dankt. Auch dies eine sehr feine Ballade, an der Doro mitschrieb.
„'Til You've Had Enough“

JUB

MALEVOLENT CREATION "The Will To Kill" 10
Nuclear Blast, 2002

Malevolent Creation - The Will To Kill

Eins gleich vorweg, die Band um Phil Fasciana wird mit ihrer neuen Scheibe "The Will To Kill" keinen einzigen ihrer Fans enttäuschen. Darauf gebe ich Brief und Siegel.
Denn: Die Songs sind wie immer fließend, jeder Übergang sitzt und ist wohldurchdacht, und das ist wohl die beste Vorraussetzung, um sich ganz dem Rausch der Geschwindigkeit hinzugeben, der unweigerlich nach dem Drücken der Play-Taste einsetzt. Die Riffs walzen, gebärden sich, und dennoch sind sie zu keiner Zeit leb- und charakterlose Geschosse, die auftauchen, weil sie es müssen. Vielmehr spürt man die Überzeugung und das Herzblut, welches Phil Fasciana und Rob Barrett in ihr Spiel einfließen lassen. Dem will Schlagzeugneuzugang Justin Dipinto in nichts nachstehen und prügelt die Scheiße aus seinem Kit wie es seine "großen" Vorgänger Alex Marquez, Mark Simpson oder Dave Culross in Vollendung taten. Auch am Mikro gab es einen Wechsel. Brandkanne und Knastologe Brett Hoffmann hat zwischen seinen Gefängnis-Aufenthalten, Drogendämmerzuständen und Besäufnissen kaum noch Zeit und Muße, mit einer der größten und besten Death Metal-Bands der Welt zu proben und wurde duch den Hateplow-Fronter Kyle Symmons ersetzt. Die Befürchtungen, er könnte mit seinem Hardcore/Grind-Gebrülle bei M.C. ein wenig deplaziert wirken, lösen sich zum Glück im Nichts auf, und somit kann man sagen, daß die Rabauken wieder alles richtig gemacht haben. Sogar als Produzenten hatten sie einen Bruder im Geiste an ihrer Seite. Jean-Francois Dagenais, hauptberuflich Gitarrist bei Kataklysm, brachte "The Will To Kill" soundtechnisch auf Vordermann, und nach mehrmaligem Genuß der Scheibe fällt mir einfach nichts auf, was verbesserungswürdig wäre. Somit ist diese Scheibe ein heißer Anwärter auf eine der besten zehn Platten des Jahres. Hugh!
"Pillage And Burn"

THOMAS

DEFENDING THE FAITH „Defender“ 9 (Bands Battle-Band 2003)
Eigenprod., 2002

Defending The Faith - Defender

Ich bin mal wieder völlig von den Socken. Mit DEFENDING THE FAITH ist eine Progressiv Metal-Band ins Billing des kommenden Bands Battle-Festivals gerutscht, die so manchen Konsumenten mit offenem Mund zurücklassen wird. Welch Power, was für eine Heaviness, wie großartig sind die Musiker-Leistungen, welch begnadetes Songwriting.
Wer sich immer noch vom Begriff „Progressiv“ abschrecken läßt, weil er verschachtelte Song-Konstrukte vermutet und doch lieber ein Heavy-Brett bevorzugt, der wird bei DEFENDING THE FAITH all seine Vorurteile über Bord werfen müssen. Schon beim Opener „Warning“ werden gnadenlose Riff-Attacken gefahren. „Enemy“ kann man gar als echten Speed-Kracher bezeichnen. „Magic Eyes“ oder „How Many Tears“ stehen dem eigentlich in nichts nach. Gitarrensound und Riffing sind eindeutig im Thrash Metal verwurzelt. Und doch gibt das Trio seinen progressiven Ambitionen immer wieder Raum, werden vertrackte Breaks eingebaut, rhythmische Raffinessen präsentiert oder im Gitarren-Soli-Bereich wahre Glanzleistungen vollbracht. Die fallen aber zum Teil erst nach mehrmaligem Hören der Scheibe „Defender“ auf, da das Tempo der Songs meist keine Zeit läßt, bestimmten Momenten gedanklich nachzuhängen, da zwischenzeitlich schon wieder dermaßen viel passiert ist, das die ganze Aufmerksamkeit einfordert.
Vom Härtegrad her kann man DEFENDING THE FAITH getrost mit Threshold auf eine Stufe setzen. Und ähnlich wie diese Briten setzen Robert Balci (g), Roberto D’Amico (bg) und Jürgen G. Allert (voc) ihre Fähigkeiten immer songdienlich ein, so daß jedes Stück in seiner Struktur absolut rund bleibt. Selbst das etwas brüchiger wirkende Stück „Dreaming“ funktioniert noch perfekt.
Zwei Besonderheiten gibt es noch zu erwähnen. DEFENDING THE FAITH arbeiten mit einem Drum-Computer. Und der ist erstaunlich zurückhaltend programmiert. Für eine Progressiv-Band eine wahre Meisterleistung. Aber eigentlich unterstreicht das die bereits erwähnten Vorzüge der Band aus Aalen. Dann ist da noch Sänger Jürgen G. Allert. An dieser Position haben Progressiv-Bands nicht selten ihre Probleme. Allert hingegen, der Kraft und Klarheit vereint, gehört zur ersten Riege der Metal-Shouter in diesem Land. Unglaublich aber wahr. Was ist los mit Inside Out? Die Band muß nach ganz oben. www.defending-the-faith.de juergen@defending-the-faith.de
„Warning“

JUB

COURAGOUS "Remember" 7
Eigenproduktion/Lifeguard Entertmt., 2001

Couragous - Remember

Die Frankfurter Band geistert nun schon seit ca. sieben Jahren durch die Szene und machte mit zwei Demos und einer Debut CD ("Listen") auf sich aufmerksam. Nachdem sie das "Bang Your Head"-Festival 2001 eröffneten, erschien ihre zweite CD "Remember", die es in vielerlei Hinsicht in sich hat. Zum einen verbindet sie beinahe alle modernen Metalspielarten wie New Metal-artiges Gitarrengefiepe, Sepultura-mäßigen Groove-Thrash und tribalartige Momente. Doch das ist eher der geringere Teil, welcher die Musik der Band ausmacht. Auffälliger dagegen ist ihr zum großen Teil an Nevermore erinnerndes Songwriting. COURAGOUS haben in ihren Liedern eine frappierend ähnliche Riffkomplexität, erstklassige, einfallsreiche Leads, die auch von Warrel Danes Mannen hätte stammen können. Das alles führt dazu, daß man die CD beim ersten Hören nur schwerlich verdauen kann. Zu wirr und undurchsichtig wirkt das Treiben der Hessen. Man muß sich die CD schon vier- bis fünfmal anhören, um Land zu sehen. Doch dazu muß man sich ob des hervorragenden Sounds auf "Remember" nicht etwa überwinden. Was zu Anfang verstörend und nervend klang, der Crossovereinschlag und das eingangs erwähnte Gitarrengequietsche etwa, wird nach und nach hörbar und die anfänglichen Startschwierigkeiten, die mir die Scheibe bereitete, weichen Gefallen und Sympathie. Also eine Platte mit Langzeitfunktion. Erwähnen möchte ich noch die Coverversion von Depeche Mode. Deren "People Are People" wurde in ein metallisches Gewand gekleidet und ist annehmbar ausgefallen. www.couragous.de
"A Trip Of Confidence"

THOMAS

ODROERIR „Laßt Euch sagen aus alten Tagen“ 8
Ars Metalli, 2002

Odroerir - Laßt Euch sagen aus alten Tagen

Ihr wißt, nicht selten sind Bands, die in einer großen deutschen Heavy Metal-Zeitschrift unter „Arschbomben“ avancierten, später echte Kult-Kapellen geworden. ODROERIR ist diese Ehre, „Arschbombe“ zu sein, mit ihrem Album „Laßt Euch sagen aus alten Tagen“ ebenfalls zuteil geworden. Und natürlich war dieses Urteil - wie so oft - völlig ungerechtfertigt. Aber was soll man als Rezensent der führenden Metal-Zeitschrift dieses Landes auch vernüftiges zustande bringen, wenn man voll von musikalischen Beschränktheiten ist, vor Vorurteilen strotzt und unter politisch korrektem Druck steht.
ODROERIR passen da natürlich nicht rein. Zum einen sind sie weder Mittelalter-Combo, noch Black Metal- oder Viking Metal-Band. Und doch von allem etwas. Zum anderen haben sie sich thematisch der Geschichte Thüringens verschrieben. Das ist sowohl national, als auch so spezifisch, daß es sicher vielen multikulturell und weltoffen eingestellten „Bewahrern“ des „wahren“ Heavy Metal völlig abgehen wird. Und zuguterletzt agieren ODROERIR hin und wieder scheinbar dilletantisch, was bei snobistischen Ohren in die falschen Gehirnwindungen geleitet werden könnte.
Dabei sind bei den Ostdeutschen vor allem Vorzüge ohrenscheinlich. Da haben wir die schönen, immer leicht folkigen Melodien, die mit „Iring“ einen hymnischen Höhepunkt erfahren. Desweiteren wird das Konzept erzählter Geschichten durch die Arrangements unterstützt, die sich in Sprechparts, melodische Gesänge, Kreisch-Passagen, Mittelalter-Flair, Viking-Metal-Heaviness und Epik aufgliedern. Schalmeien und Geige kommen ebenso zum Einsatz wie das klassische Heavy Metal-Instrumentarium. 
Der cleane Gesang ist nur selten perfekt, manchmal verfehlt er gar den Ton oder klingt überzogen pathetisch. Das tut der Wirkung im Kontext mit der urigen Musik jedoch keinen Abbruch.
Nicht unerwähnt sollte bleiben, daß Vordenker der Band Fix von Menhir ist, der in dieser thüringischen Gruppe einst Schlagzeug und jetzt Gitarre spielt. Logisch, daß beide Bands musikalisch nicht so weit voneinander entfernt sind.
„De exidio Thuringiae“

JUB

DIVIDED MULTITUDE "Falling To Pieces" 7
SPV/Audioglobe/Elevate Rec./99th Floor, 2002

Divided Multitude - Falling To Pieces

DIVIDED MULTITUDE haben sich dem Progressive Metal verschrieben und tragen dem Rechnung, indem sie komplexe Arrangements und verschachtelte Rhythmen benutzen. 
Dazu gesellen sich die obligatorischen, spacigen Keyboardsounds. Bis hierhin deutet alles auf eine typische und durchchnittliche Progband hin. Doch weit gefehlt. Denn die Norweger haben einen entscheidenden Unterschied zu anderen Kollegen ihres Genres. Sie haben mit Sindre Antonsen einen Sänger in ihren Reihen, der ein recht rauhes Organ hat und den Kastratenanteil der Musik gen null tendieren läßt. Darüberhinaus machen die Trondheimer an den Gitarren richtig Druck, so daß man glauben könnte, eine Death Metal-Band würde sich auf dem Prog-Sektor versuchen. Naja, nicht ganz so kraß vielleicht aber härtemäßig liegen sie definitiv über dem Durchschnitt der meisten Progbands. Eine Konstellation, die recht erfrischend wirkt. Vielleicht kann sich für DIVIDED MULTITUDE der ein oder andere erwärmen, der vorher um proggressive Sounds eher einen Bogen machte. 
"Focus"

THOMAS

DISHARMONIC ORCHESTRA „Ahead“ 7
Nuclear Blast, 2002

Disharmonic Orchestra - Ahead

Acht Jahre ist es mittlerweile her, daß die Österreicher von DISHARMONIC ORCHESTRA die Metal-Gemeinde tonträgertechnisch beehrten. Dabei waren sie garantiert eine der interessantesten Bands auf dem Markt überhaupt. Und mit „Ahead“ macht das Trio seinem Ruf der Unberechenbarkeit alle Ehre. Das Album mit den drei Vorgängern zu vergleichen, wäre müßig. Denn schon auf „Expositionsprophylaxe“ (1990) , „Not To Be Undimensional Conscious“ (1992) und „Pleasuredome“ (1994) war die Band keinem Genre wirklich zuzuordnen. Und so gibt es auch diesmal eindeutige Verweise ebenso wie ein völliges Verwirrspiel. Los geht es mit einer wunderbaren Melodie im Intro „Plus One“, um bei Song zwei, „r.u.s.m.t.s.i.m.“, den ersten klaren Death Metal-Querverweis zu liefern. Das gilt aber nur für die ersten Sekunden, denn DISHARMONIC ORCHESTRA kommen uns sowohl in diesem als auch in den nächsten beiden Stücken recht neumetallisch. „Grit Your Teeth“ läßt die Waage langsam wieder in eine andere Richtung abkippen, wenn die Band mit diesem Stück dem melodischen Death Metal Referenz erweist. Bei „Keep Falling Down“ ist dann alles schon wieder ganz anders. Hier mischen die Österreicher Death Metal mit Prog und Alternative. „Dual Peepholes“ ist dann beinahe eine reine Techno-Nummer, die mit dem superkurzen Highspeed-Death Metal-Stück „If This Is It, It Isn’t It, Is It?“ eine Entschuldigung erfährt. Ähnlich gebolzt wird bei „Pain Of Existence“ und dem Outro „i.m.s.m.t.s.u.r.“. Auch „Idiosycrated“ ist Death Metal aber auf eine sehr technische, komplizierte Art. Dann haben DISHARMONIC ORCHESTRA noch zwei potentielle Hits im Gepäck, die nicht nur gleich ins Ohr gehen, sondern obendrein außerordentlich knallen: „The Love I Hate“ und „Mindshaver“.
Dieses Album ist wie immer nichts für Leute, die einer bestimmten Metal-Spielart den absoluten Vorrang geben. Wer allerdings Spaß am Heavy Metal an sich hat und immer wieder begeistert feststellt, was man mit dieser Musik alles bewerkstelligen kann, der ist bei „Ahead“ bestens aufgehoben.
„If This Is It, It Isn’t It, Is It?“/“Mindshaver“

JUB

JEFF SCOTT SOTO "Prism" 6
Frontiers Rec., 2002

Jeff Scott Soto - Prism

Der ehemalige Yngwie Malmsteen-, Axel Rudi Pell-, Talisman- und und und Sänger kommt nun mit einer neuen Soloveröffentlichung daher und macht klar, warum er als Sänger so begehrt ist. Egal ob der funkige, mit Bläsern untersetzte Rocker "I Want To Take You Higher" im Duett mit Glenn Hughes, Schmachtfetzen wie "Till The End Of Time" oder das lockere "Eyes Of Love" - Sotos Stimme setzt sich stets hervorragend in Szene und wirkt nie deplaziert. Nur ist die Achillesverse von "Prism" die extrem radiotaugliche Grundstimmung der Platte. Leute, die JEFF SCOTT SOTO-Sachen vorher mochten, bzw. ihn nur von seinen schnelleren Metal-Sachen kannten, könnten durchaus überrascht sein, daß der Sänger mehr Pop-, Blues- und Rock-Wurzeln hat als bisher angenommen. Startete er seine Sangeskarriere doch mit dem Nachsingen von Radiomusik im elterlichen Wohnzimmer. Eben diese Roots kommen auf "Prism" deutlich zum Tragen. Doch das was er macht, macht er gut.
"By Your Side"

THOMAS

KOLDBORN "First Enslavement" 8
Die Hard/Zomba/Rising Sun, 2002

Koldborn - First Enslavement

Ein recht vielversprechendes Debütalbum in Sachen Death Metal schwedischer Prägung kommt wider Erwarten von unseren Nachbarn aus Dänemark. Haben die Flachländer - von einigen Ausnahmen mal abgesehen - meist nur Durchschnitt zu bieten, wenn es darum geht, Heavy Metal-technisch auf sich aufmerksam zu machen. KOLDBORN beschreiben ihre Musik selbst als Grind'n'Roll. Doch von Grindcore ist nicht allzuviel zu hören. Eher ist es wuchtiger Death/Thrash Metal im Midtempobereich wie etwa bei "In Breathless Sights", wo auch eine elfenhafte Frauenstimme auftaucht. Oder aber, und das ist der Großteil, rasender und wütender Death Metal mit einer ordentlichen Portion Groove der Marke Divine Empire und Entombed. Technisch astrein gespielt und mit einfallsreichen Übergängen und Riffs versehen. KOLDBORN kann man ruhig mal im Auge behalten.
"Vague Cries (Of Unborn Lives)"

THOMAS

LANFEAR „The Art Effect“ 9
Massacre, 2003

Lanfear - The Art Effect

Wenn das Label-Info bei Neuzugang Tobias Althammer am Mikrofon von einem Glücksgriff spricht, hat man den Nagel wirklich auf den Kopf getroffen. Selten trägt ein Sänger so sehr den Sound einer Band wie im Fall von LANFEAR.
Die Deutschen legen mit „The Art Effect“ ihr drittes Album vor und präsentieren damit gleichzeitig ihr Meisterstück. Kraftvoller Power Metal, der dezent mit progressiven Elementen gespickt ist und Melodien beinhaltet, die sich nur behutsam ins Merkzentrum wühlen, dann dort aber unwiderbringlich festsitzen („Stigmatized“, „Concience Inc.“). Das ist eine der besten Voraussetzungen dafür, daß diese Scheibe nicht so bald wieder aus dem Player verschwinden wird. Obendrein hat die Band auch nicht auf den ein oder anderen echten Hit verzichtet. Allein wegen „Fortune Lies Within“ dürften LANFEAR einige Herzen zufliegen. Es ist schwer, für die Musik von LANFEAR ein internationales Beispiel zu finden. Bei der Art der Melodien in Verbindung mit Sänger Althammer fallen mir vielleicht noch Eidolon aus Kanada ein. Die sind aber auch nicht gerade so bekannt, daß jetzt zwei Drittel der Metal-Fans wohlwissend „Aha“ ausrufen werden. 
Am besten antesten. Sowohl Power als auch Progressiv Metal-Fans werden in LANFEARs „The Art Effect“ eins ihrer neuen Lieblings-Alben entdecken.
„Stigmatized“

JUB
[vor][zurück]