An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 25. März 2003


CATAMENIA „Eskhata“ 9
Massacre, 2002

Catamenia - Eskhata

Vergleicht man allein die Anzahl der monatlichen Black Metal-Veröffentlichungen des Jahres 2002 oder meinetwegen auch 2003 mit denen von vor fünf oder sieben Jahren, möchte man meinen, es mit einer sterbenden Metal-Spielart zu tun zu haben. Erst recht, wenn man sich vor Augen hält, daß selbst Flaggschiffe wie Marduk eine empfindliche Death Metal-Schlagseite bekommen haben.
Daß das Black Metal-Genre jedoch nicht stirbt, sondern sich lediglich der Spreu vom Weizen trennte, zeigen Veröffentlichungen wie die von CATAMENIA. Diese finnische Band verweigert sich auf „Eskhata“ nämlich strikt jeglicher Mischungen und Verwässerungen. Hier gibt es eine pure Form des Black Metals, die vor allem mit großen Melodien und episch angelegten Momenten daherkommt. Das Label schreibt von Black Metal-Hits und man möchte Massacre an dieser Stelle Recht geben. Denn Songs wie „Vortex“ oder „Rain Of Blood“ schlüpfen wie mit Gleitmittel bearbeitet in die Gehörgänge und setzen sich fest. Nicht nur den kurzen Moment nach dem Genuß dieser CD.
Man kann CATAMENIAs Art des Black Metal ohne Umschweife mit frühen Gehenna oder Satyricon zu „Mother North“-Zeiten vergleichen. Und diese beiden Referenzen bürgen ja wohl unbestritten für höchste Qualität.
Bliebe noch anzufügen, daß CATAMENIA mit „Eskhata“ schon die vierte Veröffentlichung am Start haben. Lohnt sich also, sich da mal den Back-Katalog zu Gemüte zu führen. 
„Rain Of Blood“

JUB

SONATA ARCTICA „Songs Of Silence – Live In Tokyo“  7
Century Media, 2002

Sonata Arctica - Songs Of Silence - Live In Tokyo

Ich weiß nicht, aber irgendwie finde ich es peinlich, daß mittlerweile so viele Heavy Metal-Bands ihre Live-Alben in Japan aufnehmen. Gut, es ist allgemein bekannt, daß die kleinen Spitzaugen eine ganz besondere Form der Euphorie beherrschen. Und sicher würde eine Band wie SONATA ARCTICA in Europa nicht annähernd die ausgelassenen Reaktionen erfahren, wie es ihnen ohrenscheinlich in Tokio beschieden war. Auf der Scheibe „Songs Of Silence“ rasten die Samurais nämlich aus, als wohnten sie einer Show der größten Rockband aller Zeiten bei.
Als eine Band wie Deep Purple das Album „Made In Japan“ veröffentlichte, war da eine Menge Exotik mit im Spiel, denn die Mannen um Ritchie Blackmore erfuhren auch in anderen Teilen der Welt jene Zuwendungen, die ihnen in Tokio oder Osaka entgegen schlugen. Heute geht es nur darum, dem potentiellen CD-Käufer eine Live-Atmosphäre zu suggerieren, wie sie halt anderenorts nicht einmal annähernd üblich ist. Nun, und wenn dem nicht so ist, warum müssen dann Live-Alben produziert werden? Diese Frage stellt sich bei Bands vom Schlage SONATA ARCTICA sowieso. Denn zum einen kann ich mir nicht vorstellen, daß es wirklich so viele Fans auf der Welt gibt, die nach einer Live-Konservierung ihrer Faves lechzen, zum anderen sind SONATA ARCTICA eine der Bands, die diszipliniert ihren Stiefel runterspielen, so daß die Songs sich nicht wesentlich von den Studio-Versionen unterscheiden. Aber die Antwort ist schnell gegeben: Klappt es nicht jedes Jahr mit einer neuen Studio-Produktion, müssen andere Veröffentlichungen her, die das Interesse einer kleinen Schar auf den berstenden Metal-Markt wach halten. Pure Verkaufs-Strategie, die sich nach dem Interesse der Labels und gegen den Geldbeutel des Fans richtet.
Genug der Aufklärung, denn das Album ist zumindest ganz ordentlich geworden. Die Live-Atmosphäre trägt die Scheibe wesentlich mit, und SONATA ARCTICA haben ja bekanntlich eine ganze Reihe von Ohrwürmern, die hier kompakt kommen. Im sogenannten melodiösen Speed Power Metal-Bereich gehören die Finnen mit zu dem Besten, was man sich antun kann. Und so macht die Scheibe wenigstens noch eine gehörige Portion Spaß. Und vielleicht ist sie schon deswegen nicht mehr einfach nur übrig.
„Fullmoon“/“Respect The Wilderness“

JUB

ANCIENT RITES "And The Hordes Stood As One" 9
Hammerheart, 2003

Ancient Rites - And The Hordes Stood As One

Während die einen auf Nummer Sicher gehen, gibt es auf der anderen Seite die ganz Harten, die mal eben ihr Live-Album vor der eigenen Haustür aufnehmen. ANCIENT RITES, die belgischen Top-Stars in Sachen Viking Metal, haben in Vosselaar am 14. Juni 2002 einen Live-Gig mitgeschnitten und diesen auf CD gebannt. Die Autentizität ist beängstigend, ebenso die Energie. Von Overdubs keine Spur. Die Live-Atmosphäre ist in jedem Augenblick allgegenwärtig.
Zu hören sind Songs aus der jahrelangen Veröffentlichungsgeschichte der Band, die für ihre nationale Haltung in Sachen Flandern bekannt ist. Und so muten manche Songs mehr Death Metal-lastig an, andere wieder haben einen starken Black Metal-Touch. Erst in der Neuzeit haben ANCIENT RITES eine perfekte Mischung aus beiden Stilen gefunden, mit der die Band für sich in Anspruch nehmen kann, eine eigene Form des Viking Metal kreiert zu haben.
Endlich mal wieder ein Live-Album, das sich gelohnt hat. Für Fans unabdingbar. Antester können es nicht besser treffen, denn so kommen "The Best Of"-Teile immer noch am effektivsten rüber.
"Götterdämmerung"

JUB

THE GATHERING „Souvenirs“ 8
Suburban/Psychonaut Rec., 2003
The Gathering - Souvenirs
Die Entwicklung von THE GATHERING war abzusehen. Nach „Nighttime Birds“ (1997) und „How To Measure Plane“ (1999) und „If Then Else“ (2000), die allesamt sehr experimentell ausgefallen waren, konnte jetzt einfach keine Scheibe kommen, die sich wieder den alten Gothic-Wurzeln zuwendet. Ja nicht mal eine CD im Stile von „If Then Else“ hätte der steten Weiterentwicklung der Band Rechnung getragen.
„Souvenirs“ ist denn auch ganz anders als alles, was THE GATHERING jemals gemacht haben. Zuallererst haben sie sich völlig von dem, was man landläufig als Heavy Metal bezeichnet, verabschiedet. Was da an harten Gitarren in „These Good People“ und „Even The Spirit Are Afraid“ anklingt, genügt gerade mal, um im Gothic-Genre noch als metallisch wegzugehen, ist aber nicht wirklich heavy. Vielmehr haben die Niederländer um Anneke van Giersbergen acht traurig schöne Lieder geschrieben, in denen vor allem elektronische Effekte den ganz besonderen Reiz der Arrangements ausmachen. Triprock nennt das Label diese Musik. Und dieser Begriff zeigt, wie weit die Band mit dem neuen Material von ihrer Anfangszeit vor 12 Jahren entfernt ist.
Die Melodien sind zum Teil einfach nur großartig („These Good People“, „Monsters“), der melancholische Gesang in Verbindung mit den sphärischen Klängen, die sich wirklich gut zur Untermalung bizarrer Filmszenen eignen würden, beeindrucken auf der ganzen Linie. Und bekäme zum Beispiel „You Learn About It“ einen Clip, wäre ein Daueraufenthalt in der MTV-Rotation zur besten Tageszeit und ein damit verbundener Einstieg der CD in die Charts garantiert.
„These Good People“/“Monsters“
JUB

TOY DOLLS „We’re Mad - The Anthology“ 7
Sanctuary Rec./Castle, 2002

Toy Dolls - We're Mad - The Anthology

Die TOY DOLLS klingen wie eine Mischung aus Tele Tubbies und Sham 69. Das heißt, eine Oi-Punk-Band singt permanent Kinderlieder. Dafür gibt es zwei Ursachen: Zum einen sind die Melodien der TOY DOLLS meist so simpel gestrickt, daß selbst Steppkes aus der kleinen Gruppe der Kita mühelos Freude am Mitsingen entwickeln können, zum anderen ist die Stimme des Sängers die einer Comic-Figur aus einer Kinder-Sendung. Außerdem hat er eine Intonation, als würde er gerade seinen Kopf in einen Kinderwagen stecken und dort mit dem Säugling solche Spielchen wie „Na, wo isser denn“ oder „Dudududududududu“ abziehen.
Natürlich ist die Musik der TOY DOLLS nicht ohne Witz. Und der entsteht nicht nur durch den komischen Stil, sondern vor allem durch die meist völlig abstrusen Texte.
„James Bond Lives Down Our Street“
Eine Übersicht über das Schaffen der britischen Punk Band kann man sich jetzt auf der Doppel-CD „We’re Mad“ machen. Hier gibt es Single-Hits oder Album-Auszüge aus der Zeit von 1983 bis 2000. Erstaunlich, daß sich in all den Jahren die Botschaft der TOY DOLLS nicht wesentlich geändert hat, nämlich „Wir haben Spaß Spaß Spaß“. Das geht natürlich auch mit einer unveränderten Musizierweise einher. Schon bizarr, sich vorzustellen, daß da heutzutage 40-jährige Männer auf der Bühne stehen, die Kinderlieder wie „Nellie The Elephant“ intonieren.
Witzig sind bei den TOY DOLLS natürlich auch die Cover-Versionen. Und davon gibt es einige. Wie zum Beispiel „Kids In Tyne & Wear“ vom 1991er Album „Fat Bob’s Feet“. Der Song stellt eine Verballhornung des Kim Wilde-Hits „Kids In America“ dar.
„Kids In Tyne & Wear“
Die Songs der Dolls pendeln zwischen abgrundtiefem Kinderkram und spritziger Punk-Kost. Auf dieser Zusammenstellung überwiegt letzteres. Daher ist die Doppel-CD als Gute-Laune-Injektion durchaus zu empfehlen. Punk-Fans, die nicht unbedingt schon alles von den TOY DOLLS im Schrank haben, kommen an dieser Kompilation eh nicht vorbei.

JUB

STURM „Krakatoa“ 9 (BANDS BATTLE-Band 2003)
Godz Greed Records, 2000

Sturm - Krakatoa

STURM sind eine Band, die voll an die Nieren gehen. Und wenn ich sage „voll“, dann meine ich nicht etwa nur die Texte, die einen politisch korrekten Zeitgenossen schon mal Alpträume verschaffen können, sondern vor allem auch die emotional aufrüttelnde Musik. Die scheint nämlich immer dem jeweiligen textlichen Thema unterworfen. Logisch, daß dadurch die Einheit von Text und Musik bis ins kleinste Detail gegeben ist. Erwartet jetzt aber nicht etwa eine Rock-Oper. Vielmehr zelebrieren die Nordländer eine Gitarren-Gewalt wie sie einst zum Beispiel Fleischmann zu bieten hatten. Tempomäßig halten sich STURM - ganz entgegen des gewählten Bandnamens - auf „Krakatoa“ zurück. Dafür erdrücken einen diese Riff-Lawinen, die immer wieder durch ruhige oder auch fast nicht mehr erwartete rasche Passagen aufgebrochen werden.
Die Texte - übrigens alle in deutsch - bieten jene Themen, wie man sie eigentlich von einer Heavy Metal-Band erwarten kann. Allerdings haben in Deutschland nur englischsprachige Kapellen das Recht, über Lustmorde oder Kinderschändung zu philosophieren, ohne Gefahr zu laufen, selbst mit dem Gesungenen in Verbindung gebracht zu werden. Dabei haben STURM sowohl in „Leidenschaft“ als auch in „Lach-Haft“ eine Moral zu verkünden. Allerdings wählen sie für ihre Schilderungen sehr deutliche Worte bzw. stellen den jeweiligen Täter sehr nachempfindbar dar.
Auch in den anderen Stücken geht es nicht gerade ums Rote-Grütze-Anrühren oder Wäsche waschen. STURM tauchen in die Abgründe menschlicher Leidenschaften und Verstrickungen ein, als hätten die Band-Mitglieder so einige Probleme zu bewältigen.
Ein besonderes Kleinod auf „Krakatoa“ ist „Der Totentanz“. Es gibt in diesem Land einen Berg an Mittelalterbands, die sich wünschen würden, solche Songs ihr Eigen nennen zu können. STURM absolvieren solche Nummer mal eben als Kür.
Und eines wird vermutlich jedem nach dem Genuß dieser CD klar: STURM sind in der deutschen Heavy Metal-Landschaft einmalig.
„Sturm“

JUB

STURM „Fragmente“ 10 (BANDS BATTLE-Band 2003)
System Shock/Godz Greeds Rec/SPV, 2002

Sturm - Fragmente

Es wird garantiert niemanden geben, der bei dem Einstiegs-Sample und den ersten Klängen des Stückes „Schmerz“ nicht unwillkürlich angewidert das Gesicht verzieht. Laßt Euch überraschen. Aber auf jeden Fall macht dieser Beginn deutlich, daß es bei STURMs CD „Fragmente“ wieder voll auf die empfindsamen Gehirnwindungen gibt. Und diesmal watet die Band förmlich durch Blut und Fleisch. Allein „Stahlfleisch“ ist eine Gewalt-Orgie ohnegleichen, die einen nicht kalt läßt. Und das vor allem, da die geschilderten Bilder direkt aus unserem Leben kommen und nicht etwa das Drehbuch für einen fiktiven Splatterfilm darstellen. Wer schon einmal unfreiwillig Zeuge eines schweren Verkehrsunfalls mit Toten und Schwerverletzten war, weiß, wovon ich rede.
Von der Musik her hat sich bei STURM zum Glück nicht allzuviel geändert. Vielleicht ist die Band noch ausdrucksstärker geworden. Dabei tut es gut, daß man sich ganz auf die tonnenschweren Gitarren-Bollwerke konzentriert und die Songs mit einer unermeßlichen Brutalität durch die Scheibe schleppt.
Das Titelstück „Fragmente“ besteht auch aus solchen. Aber nicht deshalb ist es das Meisterwerk auf dieser CD und damit Schlüsselsong. Das Stück - durch und durch dynamisch - zieht einen förmlich in sich hinein. Gebannt lauscht man Worten und Klängen, um am Ende nach acht Minuten fasziniert das ganze noch einmal über sich hereinbrechen lassen zu wollen.
Der Hiddentrack zeigt STURM schließlich von einer völlig anderen Seite. Die Jungs outen sich hier nämlich als Freunde des Anal-Verkehrs. In diesem speziellen Fall mit rassigen Griechinnen.
Keine Ahnung, was man an dieser CD noch besser machen kann.
„Stahlfleisch“/“Hiddentrack“

JUB

PAIN „Nothing Remains The Same“ 8
Stockholm Rec./Motor Music, 2002

Pain - Nothing Remains The Same

Peter Tägtgren hat mal wieder seiner heimlichen Leidenschaft gefrönt und Pop-Songs geschrieben. Seit er diese Ader in sich entdeckte, gibt es das PAIN-Projekt, das - als Industrial-Metal getarnt - Musik transportiert, die man auch Dance-Floor-Acts ins Repertoire hätte schreiben können.
Die aktuelle PAIN-Scheibe „Nothing Remains The Same“ steht seinen Vorgängern in nichts, aber auch gar nichts nach. Tägtgren hat perfekte Melodien erfunden, die mal in ein kaltes Industrial-Kleid gehüllt sind, einmal sogar Hypocrisy-Bezüge wagen und meist in gotische Gefilde abdriften. Abwechslung pur, auch wenn man das bei dieser Art von Musik kaum für möglich hält. Besonders gelungen finde ich die Cover-Version des Beatles-Titels „Eleanor Rigby“. Das Original ist ruhig, mit Streichern untersetzt. Versionen davon gibt es unzählige. Aber niemand machte aus diesem Lied über Einsamkeit bisher einen rasanten Heavy-Rocker. Starke Sache.
Die drei Bonus-Tracks klingen ein wenig übrig. Hier scheint Abfall-Material verarbeitet worden zu sein, wobei „Liar“ noch geht.
Die erste Single-Auskopplung des Albums ist übrigens „Just Hate Me“, ein Lied, das eher zu den schwächeren auf der Scheibe gehört. Allerdings entstand es in Zusammenarbeit mit Max Martin, der bisher vor allem Songs für Britney Spears und die Back Street Boys schrieb. Tägtgren ist schon ein Schelm.
„Shut Your Mouth“

JUB

NAGLFAR „Sheol“ 9
New Hawen/Century Media, 2003

Naglfar - Sheol

Würden wir nicht wissen, daß alles ganz anders gelaufen ist, könnte man NAGLFAR als musikalisches Bindeglied zwischen den Prügel-Kapellen á la Marduk oder Mayhem und den Bombast-Meistern Dimmu Borgir oder Old Man’s Child bezeichnen. Die Antwort liegt klar auf der Hand: NAGLFAR sind auch 2003 auf „Sheol“ noch in jeder Falte Black Metal pur, mit ihren großen Melodien, die von den Gitarren durch das gesamte Album getragen werden, dieser überbordenden Soundwand und den geschickten Rhythmus- oder Tempo-Wechsel wirkt die Musik jedoch wie der Wegbereiter für einen Bombast, den heute viele schon wieder zum Teufel wünschen.
Aber wenn ich Wegbereiter sage, dann heißt das noch lange nicht, daß NAGLFAR dort angekommen sind, wo sie hinweisen. Vielmehr gibt es auf „Sheol“ wie eh und jeh ein mächtiges Gitarren-Gebräu, das nach vorne stürmt und keine Verschnaufpause läßt. Logisch, daß Jens Rydén sämtliche Dämonen Skandinaviens zusammenkreischt. Und doch kann man sich in die Melodien hineinlegen, ohne an irgend einer Stelle abrupt aus dem wohligen Gefühl gestoßen zu werden. Probiert es aus.
„Of Gorgons Spawned Through Witchcraft“/“Devoured By Naglfar“

JUB

PASSENGER „Passenger“ 7
Century Media, 2003

Passenger - Passenger

Na Leute, ganz so neu ist das, was uns PASSENGER hier anbieten, wohl doch nicht. Von wegen, die Musiker hätten genug von dem Thrash- und Death-Gebolze ihrer diversen Bands. Wenn man hauptamtlich bei Gardenian und In Flames arbeitet, muß man sich von ganz harten Metal-Fans gar den Vorwurf gefallen lassen, zu poppig zu sein. Also nix mit Gebolze. Daher sind PASSENGER auch nicht wirklich ein Ausbruch aus den Stil-Elementen genannter Bands. Während Anders Fridén schon allein wegen seiner Stimme (wenn sie denn rauh eingesetzt wird), die sich genau wie in seiner Stamm-Band mit eingängigen Melodien umgibt, für In Flames-Bezüge sorgt, sind die Arrangements verdammt Gardenian-lastig, wofür Band-Kopf und Gardenian-Gitarrist Niclas Engelin gesorgt hat (erinnert sei da nur an „Powertool“ von der „Soulburner“). Manchmal hat man einen Anflug von neumetallischem Sound zu überstehen, an anderer Stelle werden Erinnerungen an Tool wach („Just The Same“ zum Beispiel). Und natürlich hat das Ganze einen weit höheren Pop-Appeal als die genannten Brötchengeber. 
Die Songs „In Reverse“, „In My Head“, „Just The Same“ und  „Carnival Diaries“ sind hervorragende Heavy Metal-Kost, in der Melodien das Sagen haben, die einfach unfaßbar sind. Der Rest der CD hält dieses hohe Niveau zwar nicht ganz, aber mit diesen Stücken haben sich PASSENGER die Meßlatte verdammt hoch gelegt.
„In Reverse“ 

JUB

SEVEN WITCHES „Passage To The Other Side“ 7
Noise/Sanctuary, 2002

Seven Witches - Passage To The Other Side

Allein Jack Frost würde ja schon für Qualität bürgen, ist er doch den Meisten wenigsten von seiner Arbeit bei Metallium und Savatage bekannt. Doch Frost ist nicht der einzige bei SEVEN WITCHES, der ein ehrfürchtiges „Oha“ hervorruft. Nehmen wir Joey Vera, der bei Armored Saint seine Brötchen verdiente und Engine und Fates Warning Dampf unterm Arsch macht. Schließlich gibt es da noch den neuen Sänger James Rivera, der bereits bei Helstar und Destiny’s End sang. Ist nicht gerade eine unkomplizierte Konstellation, wenn man eine homogene Band erwartet. Doch schon das SEVEN WITCHES-Debüt „Xiled To Infinity And One“ (siehe Abgehört vom 03. September 2002) klang alles andere als nach einer abgehobenen Supergroup-Scheibe.
Und so ist auch „Passage To The Other Side“ eine runde Sache geworden. Druckvolles Gitarren-Gemeter zwischen Thrash, Power Metal und Heavy Rock, meist in außerordentlich zackigem Tempo vorgetragen („Fever In The City“). Mit „Mental Messiah“ hat man gar einen Hit am Start, der nicht nur wegen Rivera an Judas Priests „Painkiller“ erinnert.
Die Scheibe entstand im Eindruck des Todes von Jack Frosts Bruder, den ein Krebsleiden in die Gruft zerrte. Daher gibt es laut Mastermind Frost auch kaum lebensbejahende Texte. Er habe sich viel mit dem Sterben auseinandergesetzt, was in dem siebeneinhalbminütigen Titel-Song auf die Spitze getrieben werde. Allerdings scheint gerade dieser Song nicht gerade am gelungensten zu sein. Etwas schwerfällig kommt er daher und dümpelt vor sich hin. Und wenn wir schon bei den Kritik-Punkten sind: Auch „Jhonny“ oder „Apocalyptic Dreams“ fehlt das Feuer. Damit meine ich keineswegs Geschwindigkeit, vielmehr wirken diese Stücke nach mehrmaligem Hören der CD etwas überflüssig.
Zuguterletzt gibt es noch die Def Leppard-Coverversion „Wasted“ auf dem SEVEN WITCHES-Album. Gut gelungen kann man da nur sagen und sich mal wieder eine der ersten drei Leppard-Platten auflegen.
„Apocalyptic Dreams“/“Dance With The Dead“

JUB


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