CATAMENIA
„Eskhata“ 9
Massacre, 2002
Vergleicht man allein die Anzahl
der monatlichen Black Metal-Veröffentlichungen des Jahres 2002 oder
meinetwegen auch 2003 mit denen von vor fünf oder sieben Jahren, möchte
man meinen, es mit einer sterbenden Metal-Spielart zu tun zu haben. Erst
recht, wenn man sich vor Augen hält, daß selbst Flaggschiffe
wie Marduk eine empfindliche Death Metal-Schlagseite bekommen haben.
Daß das Black Metal-Genre
jedoch nicht stirbt, sondern sich lediglich der Spreu vom Weizen trennte,
zeigen Veröffentlichungen wie die von CATAMENIA. Diese finnische Band
verweigert sich auf „Eskhata“ nämlich strikt jeglicher Mischungen
und Verwässerungen. Hier gibt es eine pure Form des Black Metals,
die vor allem mit großen Melodien und episch angelegten Momenten
daherkommt. Das Label schreibt von Black Metal-Hits und man möchte
Massacre an dieser Stelle Recht geben. Denn Songs wie „Vortex“ oder „Rain
Of Blood“ schlüpfen wie mit Gleitmittel bearbeitet in die Gehörgänge
und setzen sich fest. Nicht nur den kurzen Moment nach dem Genuß
dieser CD.
Man kann CATAMENIAs Art des Black
Metal ohne Umschweife mit frühen Gehenna oder Satyricon zu „Mother
North“-Zeiten vergleichen. Und diese beiden Referenzen bürgen ja wohl
unbestritten für höchste Qualität.
Bliebe noch anzufügen, daß
CATAMENIA mit „Eskhata“ schon die vierte Veröffentlichung am Start
haben. Lohnt sich also, sich da mal den Back-Katalog zu Gemüte zu
führen.
„Rain Of Blood“
JUB
SONATA ARCTICA „Songs Of Silence
– Live In Tokyo“ 7
Century Media, 2002
Ich weiß nicht, aber irgendwie
finde ich es peinlich, daß mittlerweile so viele Heavy Metal-Bands
ihre Live-Alben in Japan aufnehmen. Gut, es ist allgemein bekannt, daß
die kleinen Spitzaugen eine ganz besondere Form der Euphorie beherrschen.
Und sicher würde eine Band wie SONATA ARCTICA in Europa nicht annähernd
die ausgelassenen Reaktionen erfahren, wie es ihnen ohrenscheinlich in
Tokio beschieden war. Auf der Scheibe „Songs Of Silence“ rasten die Samurais
nämlich aus, als wohnten sie einer Show der größten Rockband
aller Zeiten bei.
Als eine Band wie Deep Purple das
Album „Made In Japan“ veröffentlichte, war da eine Menge Exotik mit
im Spiel, denn die Mannen um Ritchie Blackmore erfuhren auch in anderen
Teilen der Welt jene Zuwendungen, die ihnen in Tokio oder Osaka entgegen
schlugen. Heute geht es nur darum, dem potentiellen CD-Käufer eine
Live-Atmosphäre zu suggerieren, wie sie halt anderenorts nicht einmal
annähernd üblich ist. Nun, und wenn dem nicht so ist, warum müssen
dann Live-Alben produziert werden? Diese Frage stellt sich bei Bands vom
Schlage SONATA ARCTICA sowieso. Denn zum einen kann ich mir nicht vorstellen,
daß es wirklich so viele Fans auf der Welt gibt, die nach einer Live-Konservierung
ihrer Faves lechzen, zum anderen sind SONATA ARCTICA eine der Bands, die
diszipliniert ihren Stiefel runterspielen, so daß die Songs sich
nicht wesentlich von den Studio-Versionen unterscheiden. Aber die Antwort
ist schnell gegeben: Klappt es nicht jedes Jahr mit einer neuen Studio-Produktion,
müssen andere Veröffentlichungen her, die das Interesse einer
kleinen Schar auf den berstenden Metal-Markt wach halten. Pure Verkaufs-Strategie,
die sich nach dem Interesse der Labels und gegen den Geldbeutel des Fans
richtet.
Genug der Aufklärung, denn
das Album ist zumindest ganz ordentlich geworden. Die Live-Atmosphäre
trägt die Scheibe wesentlich mit, und SONATA ARCTICA haben ja bekanntlich
eine ganze Reihe von Ohrwürmern, die hier kompakt kommen. Im sogenannten
melodiösen Speed Power Metal-Bereich gehören die Finnen mit zu
dem Besten, was man sich antun kann. Und so macht die Scheibe wenigstens
noch eine gehörige Portion Spaß. Und vielleicht ist sie schon
deswegen nicht mehr einfach nur übrig.
„Fullmoon“/“Respect The Wilderness“
JUB
ANCIENT RITES "And The Hordes
Stood As One" 9
Hammerheart, 2003
Während die einen auf Nummer
Sicher gehen, gibt es auf der anderen Seite die ganz Harten, die mal eben
ihr Live-Album vor der eigenen Haustür aufnehmen. ANCIENT RITES, die
belgischen Top-Stars in Sachen Viking Metal, haben in Vosselaar am 14.
Juni 2002 einen Live-Gig mitgeschnitten und diesen auf CD gebannt. Die
Autentizität ist beängstigend, ebenso die Energie. Von Overdubs
keine Spur. Die Live-Atmosphäre ist in jedem Augenblick allgegenwärtig.
Zu hören sind Songs aus der
jahrelangen Veröffentlichungsgeschichte der Band, die für ihre
nationale Haltung in Sachen Flandern bekannt ist. Und so muten manche Songs
mehr Death Metal-lastig an, andere wieder haben einen starken Black Metal-Touch.
Erst in der Neuzeit haben ANCIENT RITES eine perfekte Mischung aus beiden
Stilen gefunden, mit der die Band für sich in Anspruch nehmen kann,
eine eigene Form des Viking Metal kreiert zu haben.
Endlich mal wieder ein Live-Album,
das sich gelohnt hat. Für Fans unabdingbar. Antester können es
nicht besser treffen, denn so kommen "The Best Of"-Teile immer noch am
effektivsten rüber.
"Götterdämmerung"
JUB
THE GATHERING „Souvenirs“
8
Suburban/Psychonaut Rec., 2003
Die Entwicklung von THE GATHERING
war abzusehen. Nach „Nighttime Birds“ (1997) und „How To Measure Plane“
(1999) und „If Then Else“ (2000), die allesamt sehr experimentell ausgefallen
waren, konnte jetzt einfach keine Scheibe kommen, die sich wieder den alten
Gothic-Wurzeln zuwendet. Ja nicht mal eine CD im Stile von „If Then Else“
hätte der steten Weiterentwicklung der Band Rechnung getragen.
„Souvenirs“ ist denn auch ganz anders
als alles, was THE GATHERING jemals gemacht haben. Zuallererst haben sie
sich völlig von dem, was man landläufig als Heavy Metal bezeichnet,
verabschiedet. Was da an harten Gitarren in „These Good People“ und „Even
The Spirit Are Afraid“ anklingt, genügt gerade mal, um im Gothic-Genre
noch als metallisch wegzugehen, ist aber nicht wirklich heavy. Vielmehr
haben die Niederländer um Anneke van Giersbergen acht traurig schöne
Lieder geschrieben, in denen vor allem elektronische Effekte den ganz besonderen
Reiz der Arrangements ausmachen. Triprock nennt das Label diese Musik.
Und dieser Begriff zeigt, wie weit die Band mit dem neuen Material von
ihrer Anfangszeit vor 12 Jahren entfernt ist.
Die Melodien sind zum Teil einfach
nur großartig („These Good People“, „Monsters“), der melancholische
Gesang in Verbindung mit den sphärischen Klängen, die sich wirklich
gut zur Untermalung bizarrer Filmszenen eignen würden, beeindrucken
auf der ganzen Linie. Und bekäme zum Beispiel „You Learn About It“
einen Clip, wäre ein Daueraufenthalt in der MTV-Rotation zur besten
Tageszeit und ein damit verbundener Einstieg der CD in die Charts garantiert.
„These Good People“/“Monsters“
JUB
TOY DOLLS „We’re Mad - The
Anthology“ 7
Sanctuary Rec./Castle, 2002
Die TOY DOLLS klingen wie eine Mischung
aus Tele Tubbies und Sham 69. Das heißt, eine Oi-Punk-Band singt
permanent Kinderlieder. Dafür gibt es zwei Ursachen: Zum einen sind
die Melodien der TOY DOLLS meist so simpel gestrickt, daß selbst
Steppkes aus der kleinen Gruppe der Kita mühelos Freude am Mitsingen
entwickeln können, zum anderen ist die Stimme des Sängers die
einer Comic-Figur aus einer Kinder-Sendung. Außerdem hat er eine
Intonation, als würde er gerade seinen Kopf in einen Kinderwagen stecken
und dort mit dem Säugling solche Spielchen wie „Na, wo isser denn“
oder „Dudududududududu“ abziehen.
Natürlich ist die Musik der
TOY DOLLS nicht ohne Witz. Und der entsteht nicht nur durch den komischen
Stil, sondern vor allem durch die meist völlig abstrusen Texte.
„James Bond Lives Down Our Street“
Eine Übersicht über das
Schaffen der britischen Punk Band kann man sich jetzt auf der Doppel-CD
„We’re Mad“ machen. Hier gibt es Single-Hits oder Album-Auszüge aus
der Zeit von 1983 bis 2000. Erstaunlich, daß sich in all den Jahren
die Botschaft der TOY DOLLS nicht wesentlich geändert hat, nämlich
„Wir haben Spaß Spaß Spaß“. Das geht natürlich auch
mit einer unveränderten Musizierweise einher. Schon bizarr, sich vorzustellen,
daß da heutzutage 40-jährige Männer auf der Bühne
stehen, die Kinderlieder wie „Nellie The Elephant“ intonieren.
Witzig sind bei den TOY DOLLS natürlich
auch die Cover-Versionen. Und davon gibt es einige. Wie zum Beispiel „Kids
In Tyne & Wear“ vom 1991er Album „Fat Bob’s Feet“. Der Song stellt
eine Verballhornung des Kim Wilde-Hits „Kids In America“ dar.
„Kids In Tyne & Wear“
Die Songs der Dolls pendeln zwischen
abgrundtiefem Kinderkram und spritziger Punk-Kost. Auf dieser Zusammenstellung
überwiegt letzteres. Daher ist die Doppel-CD als Gute-Laune-Injektion
durchaus zu empfehlen. Punk-Fans, die nicht unbedingt schon alles von den
TOY DOLLS im Schrank haben, kommen an dieser Kompilation eh nicht vorbei.
JUB
STURM „Krakatoa“ 9
(BANDS BATTLE-Band 2003)
Godz Greed Records, 2000
STURM sind eine Band, die voll an
die Nieren gehen. Und wenn ich sage „voll“, dann meine ich nicht etwa nur
die Texte, die einen politisch korrekten Zeitgenossen schon mal Alpträume
verschaffen können, sondern vor allem auch die emotional aufrüttelnde
Musik. Die scheint nämlich immer dem jeweiligen textlichen Thema unterworfen.
Logisch, daß dadurch die Einheit von Text und Musik bis ins kleinste
Detail gegeben ist. Erwartet jetzt aber nicht etwa eine Rock-Oper. Vielmehr
zelebrieren die Nordländer eine Gitarren-Gewalt wie sie einst zum
Beispiel Fleischmann zu bieten hatten. Tempomäßig halten sich
STURM - ganz entgegen des gewählten Bandnamens - auf „Krakatoa“ zurück.
Dafür erdrücken einen diese Riff-Lawinen, die immer wieder durch
ruhige oder auch fast nicht mehr erwartete rasche Passagen aufgebrochen
werden.
Die Texte - übrigens alle in
deutsch - bieten jene Themen, wie man sie eigentlich von einer Heavy Metal-Band
erwarten kann. Allerdings haben in Deutschland nur englischsprachige Kapellen
das Recht, über Lustmorde oder Kinderschändung zu philosophieren,
ohne Gefahr zu laufen, selbst mit dem Gesungenen in Verbindung gebracht
zu werden. Dabei haben STURM sowohl in „Leidenschaft“ als auch in „Lach-Haft“
eine Moral zu verkünden. Allerdings wählen sie für ihre
Schilderungen sehr deutliche Worte bzw. stellen den jeweiligen Täter
sehr nachempfindbar dar.
Auch in den anderen Stücken
geht es nicht gerade ums Rote-Grütze-Anrühren oder Wäsche
waschen. STURM tauchen in die Abgründe menschlicher Leidenschaften
und Verstrickungen ein, als hätten die Band-Mitglieder so einige Probleme
zu bewältigen.
Ein besonderes Kleinod auf „Krakatoa“
ist „Der Totentanz“. Es gibt in diesem Land einen Berg an Mittelalterbands,
die sich wünschen würden, solche Songs ihr Eigen nennen zu können.
STURM absolvieren solche Nummer mal eben als Kür.
Und eines wird vermutlich jedem
nach dem Genuß dieser CD klar: STURM sind in der deutschen Heavy
Metal-Landschaft einmalig.
„Sturm“
JUB
STURM „Fragmente“ 10
(BANDS BATTLE-Band 2003)
System Shock/Godz Greeds Rec/SPV,
2002
Es wird garantiert niemanden geben,
der bei dem Einstiegs-Sample und den ersten Klängen des Stückes
„Schmerz“ nicht unwillkürlich angewidert das Gesicht verzieht. Laßt
Euch überraschen. Aber auf jeden Fall macht dieser Beginn deutlich,
daß es bei STURMs CD „Fragmente“ wieder voll auf die empfindsamen
Gehirnwindungen gibt. Und diesmal watet die Band förmlich durch Blut
und Fleisch. Allein „Stahlfleisch“ ist eine Gewalt-Orgie ohnegleichen,
die einen nicht kalt läßt. Und das vor allem, da die geschilderten
Bilder direkt aus unserem Leben kommen und nicht etwa das Drehbuch für
einen fiktiven Splatterfilm darstellen. Wer schon einmal unfreiwillig Zeuge
eines schweren Verkehrsunfalls mit Toten und Schwerverletzten war, weiß,
wovon ich rede.
Von der Musik her hat sich bei STURM
zum Glück nicht allzuviel geändert. Vielleicht ist die Band noch
ausdrucksstärker geworden. Dabei tut es gut, daß man sich ganz
auf die tonnenschweren Gitarren-Bollwerke konzentriert und die Songs mit
einer unermeßlichen Brutalität durch die Scheibe schleppt.
Das Titelstück „Fragmente“
besteht auch aus solchen. Aber nicht deshalb ist es das Meisterwerk auf
dieser CD und damit Schlüsselsong. Das Stück - durch und durch
dynamisch - zieht einen förmlich in sich hinein. Gebannt lauscht man
Worten und Klängen, um am Ende nach acht Minuten fasziniert das ganze
noch einmal über sich hereinbrechen lassen zu wollen.
Der Hiddentrack zeigt STURM schließlich
von einer völlig anderen Seite. Die Jungs outen sich hier nämlich
als Freunde des Anal-Verkehrs. In diesem speziellen Fall mit rassigen Griechinnen.
Keine Ahnung, was man an dieser
CD noch besser machen kann.
„Stahlfleisch“/“Hiddentrack“
JUB
PAIN „Nothing Remains The
Same“ 8
Stockholm Rec./Motor Music, 2002
Peter Tägtgren hat mal wieder
seiner heimlichen Leidenschaft gefrönt und Pop-Songs geschrieben.
Seit er diese Ader in sich entdeckte, gibt es das PAIN-Projekt, das - als
Industrial-Metal getarnt - Musik transportiert, die man auch Dance-Floor-Acts
ins Repertoire hätte schreiben können.
Die aktuelle PAIN-Scheibe „Nothing
Remains The Same“ steht seinen Vorgängern in nichts, aber auch gar
nichts nach. Tägtgren hat perfekte Melodien erfunden, die mal in ein
kaltes Industrial-Kleid gehüllt sind, einmal sogar Hypocrisy-Bezüge
wagen und meist in gotische Gefilde abdriften. Abwechslung pur, auch wenn
man das bei dieser Art von Musik kaum für möglich hält.
Besonders gelungen finde ich die Cover-Version des Beatles-Titels „Eleanor
Rigby“. Das Original ist ruhig, mit Streichern untersetzt. Versionen davon
gibt es unzählige. Aber niemand machte aus diesem Lied über Einsamkeit
bisher einen rasanten Heavy-Rocker. Starke Sache.
Die drei Bonus-Tracks klingen ein
wenig übrig. Hier scheint Abfall-Material verarbeitet worden zu sein,
wobei „Liar“ noch geht.
Die erste Single-Auskopplung des
Albums ist übrigens „Just Hate Me“, ein Lied, das eher zu den schwächeren
auf der Scheibe gehört. Allerdings entstand es in Zusammenarbeit mit
Max Martin, der bisher vor allem Songs für Britney Spears und die
Back Street Boys schrieb. Tägtgren ist schon ein Schelm.
„Shut Your Mouth“
JUB
NAGLFAR „Sheol“ 9
New Hawen/Century Media, 2003
Würden wir nicht wissen, daß
alles ganz anders gelaufen ist, könnte man NAGLFAR als musikalisches
Bindeglied zwischen den Prügel-Kapellen á la Marduk oder Mayhem
und den Bombast-Meistern Dimmu Borgir oder Old Man’s Child bezeichnen.
Die Antwort liegt klar auf der Hand: NAGLFAR sind auch 2003 auf „Sheol“
noch in jeder Falte Black Metal pur, mit ihren großen Melodien, die
von den Gitarren durch das gesamte Album getragen werden, dieser überbordenden
Soundwand und den geschickten Rhythmus- oder Tempo-Wechsel wirkt die Musik
jedoch wie der Wegbereiter für einen Bombast, den heute viele schon
wieder zum Teufel wünschen.
Aber wenn ich Wegbereiter sage,
dann heißt das noch lange nicht, daß NAGLFAR dort angekommen
sind, wo sie hinweisen. Vielmehr gibt es auf „Sheol“ wie eh und jeh ein
mächtiges Gitarren-Gebräu, das nach vorne stürmt und keine
Verschnaufpause läßt. Logisch, daß Jens Rydén sämtliche
Dämonen Skandinaviens zusammenkreischt. Und doch kann man sich in
die Melodien hineinlegen, ohne an irgend einer Stelle abrupt aus dem wohligen
Gefühl gestoßen zu werden. Probiert es aus.
„Of Gorgons Spawned Through Witchcraft“/“Devoured
By Naglfar“
JUB
PASSENGER „Passenger“ 7
Century Media, 2003
Na Leute, ganz so neu ist das, was
uns PASSENGER hier anbieten, wohl doch nicht. Von wegen, die Musiker hätten
genug von dem Thrash- und Death-Gebolze ihrer diversen Bands. Wenn man
hauptamtlich bei Gardenian und In Flames arbeitet, muß man sich von
ganz harten Metal-Fans gar den Vorwurf gefallen lassen, zu poppig zu sein.
Also nix mit Gebolze. Daher sind PASSENGER auch nicht wirklich ein Ausbruch
aus den Stil-Elementen genannter Bands. Während Anders Fridén
schon allein wegen seiner Stimme (wenn sie denn rauh eingesetzt wird),
die sich genau wie in seiner Stamm-Band mit eingängigen Melodien umgibt,
für In Flames-Bezüge sorgt, sind die Arrangements verdammt Gardenian-lastig,
wofür Band-Kopf und Gardenian-Gitarrist Niclas Engelin gesorgt hat
(erinnert sei da nur an „Powertool“ von der „Soulburner“). Manchmal hat
man einen Anflug von neumetallischem Sound zu überstehen, an anderer
Stelle werden Erinnerungen an Tool wach („Just The Same“ zum Beispiel).
Und natürlich hat das Ganze einen weit höheren Pop-Appeal als
die genannten Brötchengeber.
Die Songs „In Reverse“, „In My Head“,
„Just The Same“ und „Carnival Diaries“ sind hervorragende Heavy Metal-Kost,
in der Melodien das Sagen haben, die einfach unfaßbar sind. Der Rest
der CD hält dieses hohe Niveau zwar nicht ganz, aber mit diesen Stücken
haben sich PASSENGER die Meßlatte verdammt hoch gelegt.
„In Reverse“
JUB
SEVEN WITCHES „Passage To
The Other Side“ 7
Noise/Sanctuary, 2002
Allein Jack Frost würde ja schon
für Qualität bürgen, ist er doch den Meisten wenigsten von
seiner Arbeit bei Metallium und Savatage bekannt. Doch Frost ist nicht
der einzige bei SEVEN WITCHES, der ein ehrfürchtiges „Oha“ hervorruft.
Nehmen wir Joey Vera, der bei Armored Saint seine Brötchen verdiente
und Engine und Fates Warning Dampf unterm Arsch macht. Schließlich
gibt es da noch den neuen Sänger James Rivera, der bereits bei Helstar
und Destiny’s End sang. Ist nicht gerade eine unkomplizierte Konstellation,
wenn man eine homogene Band erwartet. Doch schon das SEVEN WITCHES-Debüt
„Xiled To Infinity And One“ (siehe Abgehört
vom 03. September 2002) klang alles andere als nach einer abgehobenen
Supergroup-Scheibe.
Und so ist auch „Passage To The
Other Side“ eine runde Sache geworden. Druckvolles Gitarren-Gemeter zwischen
Thrash, Power Metal und Heavy Rock, meist in außerordentlich zackigem
Tempo vorgetragen („Fever In The City“). Mit „Mental Messiah“ hat man gar
einen Hit am Start, der nicht nur wegen Rivera an Judas Priests „Painkiller“
erinnert.
Die Scheibe entstand im Eindruck
des Todes von Jack Frosts Bruder, den ein Krebsleiden in die Gruft zerrte.
Daher gibt es laut Mastermind Frost auch kaum lebensbejahende Texte. Er
habe sich viel mit dem Sterben auseinandergesetzt, was in dem siebeneinhalbminütigen
Titel-Song auf die Spitze getrieben werde. Allerdings scheint gerade dieser
Song nicht gerade am gelungensten zu sein. Etwas schwerfällig kommt
er daher und dümpelt vor sich hin. Und wenn wir schon bei den Kritik-Punkten
sind: Auch „Jhonny“ oder „Apocalyptic Dreams“ fehlt das Feuer. Damit meine
ich keineswegs Geschwindigkeit, vielmehr wirken diese Stücke nach
mehrmaligem Hören der CD etwas überflüssig.
Zuguterletzt gibt es noch die Def
Leppard-Coverversion „Wasted“ auf dem SEVEN WITCHES-Album. Gut gelungen
kann man da nur sagen und sich mal wieder eine der ersten drei Leppard-Platten
auflegen.
„Apocalyptic Dreams“/“Dance With
The Dead“
JUB
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