HURRICANE „Liquifury“ 8
Frontiers/Now&Then/Point, 2001
Angesichts der Masse an Melodic Metal-Veröffentlichungen
in den vergangenen zwei Jahren, müßte die Frühphase des
neuen Jahrtausends eigentlich genau dieser Musik gehören. Aber Masse
allein macht es ja nicht. Und trotzdem bleibt der Eindruck bestehen, sind
viele der gestandenen Bands, Projekte und Newcomer doch von einer enorm
hohen Qualität. Und so gehört auch die Gruppe HURRICANE mit ihrem
Album „Liquifury“ zu den Sachen, die auf der Haben-Seite zu finden sind.
Diese Band ist mittlerweile quasi
das Projekt des Sängers/Gitarristen Kelly Hansen und des Schlagwerkers
Jay Schellen (nicht auf den Seychellen geboren). Gegründet wurde die
Truppe allerdings bereits 1985 und veröffentlichte zwischen '85 und
'90 drei erfolgreiche Melodic Metal-Alben. Der Split der Band 1991 war
auf den Bankrott ihrer Plattenfirma zurückzuführen, rechnete
man sich doch ohne Deal im Rücken und angesichts einer sich mehr und
mehr auf Grunge, Alternative und Crossover einschießenden Szene wenige
Zukunfts-Chancen aus.
Die wittert man jetzt aber wieder.
Zu recht, denn vom Melodic-Boom sprach ich eingangs schon. Und HURRICANE
haben berechtigte Hoffnungen auf weitere rockende Jahre. Wenn auch aus
den 80er Jahren stammend, ist die Band auf „Liquifury“ zu keiner Zeit hausbacken,
wenn es Parallelen zu gestandenen Acts der Vergangenheit auch zu Hauf gibt.
Der Opener „Ruler Gold“ hat etwas von Deep Purple, „New God“ könnte
dem Schaffen Glenn Hughes des vergangenen Jahrzehnts entnommen sein,
„Heart Made Of Stone“ erinnert an Styx, auch wegen Hansens stimmlicher
Nähe zu Tommy Shaw.
Der Härtegrad ist außerordentlich
annehmbar und wird nicht etwa zu Gunsten radiotauglicher Gefälligkeit
heruntergeschraubt. Natürlich haben wir auch bei HURRICANE die unvermeidlichen
Balladen, die man sich aber antun kann, ohne peinlich berührt ins
Rund zu schauen, ob auch ja niemand mithört.
Schwachpunkt der Scheibe ist die
Tatsache, daß die Songs ab „Bleed For Me“ etwas schwächer sind,
als die Stücke davor. Irgendwie scheint Hansen und Schellen am Ende
ein klein wenig die Luft ausgegangen zu sein. Trotzdem bleiben auch diese
Stücke immer noch besser als der meiste Durchschnitt.
“Heart Made Of Stone“
JUB
MY DYING BRIDE „The Voice
Of The Wretched“ 8
Peaceville, 2002
Oh ja, wie erholsam. Endlich wieder
Doom, der uns schon in der Vergangenheit regelmäßig gezeigt
hat, daß das Leben bei weitem nicht so hektisch ist, wie es täglich
über die Bühne geht. Und wer kann uns diese Erkenntnis immer
noch am besten vermitteln? Natürlich: MY DYING BRIDE. Die sind jetzt
mit ihrer Live-Scheibe „The Voice Of The Wretched“ am Start und haben damit
ein absolut Klasse Ton-Dokument abgeliefert. Songs wie „Snow In My Hand“,
„Under Your Wings And Into Your Arms“ oder „She Is The Dark“ sind eh unschlagbar.
Und live wird von den lava-zähen Briten auch kein Gramm von der Waage
genommen. Die Gitarren wälzen sich aus den Boxen, daß es mir
unverständlich scheint, wie in einer dermaßen dicken Luft den
Fans ein Zeitlupen-Bangen möglich ist.
Gut auch, daß hier keine Overdubs
zu finden sind. Die Musik kommt ebenso pur wie der für Metal-Konzerte
eigentlich symptomatische spärliche Beifall.
Die Songs der Scheibe sind identisch
mit dem Live-Set ihrer Tour des vergangenen Jahres, wo das Teil in Holland
auch aufgenommen wurde.
„The Snow In My Hand“
JUB
DIO „Killing The Dragon“
7
Spitfire, 2002
In unserer über alles geliebten
Szene gibt es feste Größen, die - seit sie auf dem Markt sind
- nicht nur annähernd gleichbleibende Qualität abliefern, sondern
auch in Präsentation und Musik von Platte zu Platte nahezu identisch
sind. Motörhead, Iron Maiden, Status Quo, Saxon um nur einige zu nennen
und rein musikalisch halbwegs in der Liga zu bleiben, in der eine weitere
feste Größe spielt - nämlich Ronnie James Dio. Der hatte
sicher bei seinen Ausflügen bei Rainbow, Elf oder Black Sabbath auch
die ein oder andere musikalische Veränderung mitmachen dürfen,
als DIO klang der kleine Sänger allerdings schon auf der „Holy Diver“
(1983) wie heuer auf „Killing The Dragon“.
Natürlich ist erst genanntes
Album ein Klassiker und auch von DIO himself nicht ohne weiteres zu toppen,
„Killing The Dragon“ wartet allerdings wieder mit einigen tadellosen Songs
nach bestem DIO-Strickmuster auf. Das Zeug ist ordentlich heavy, mit äußerst
stimmdienlichen Melodien ausgestattet, liegt meist im Midtempo-Bereich.
Hervorzuheben seien an dieser Stelle „Along Comes A Spider“, „Guilty“ und
der Titelsong. Nicht so gelungen sind „Cold Feet“, „Rock’n’Roll“ und „Throw
Away Children“. Nichtsdestotrotz ein solides Teil.
„Along Comes A Spider“
JUB
THE MEADS OF ASPHODEL „The
Excommunication Of Christ“ 10
Supernal Music, 2001
Als hätten die Briten es vernommen,
daß mein Co-Mann Thomas und ich uns erst kürzlich über
die bemerkenswert kleine Rolle wunderten, die die Angelsachsen in der Metal-Szene
mittlerweile spielen. Schon flatterte „The Excommunication Of Christ“ der
Band THE MEADS OF ASPHODEL auf meinen Tisch und reiht sich in die eher
rar gesäte 10-Punkte-Fraktion ein.
„Agrat Bat Malab“
Das Außergewöhnlichste
an dieser Band ist der Fakt, daß sie tatsächlich einen klanglichen
Zusammenhang zwischen den Prog-Bands der 70er, dem 80er Melodieverständnis
und 90er Hörgewohnheiten herzustellen weiß. Einen Stil- und
Zeiten-Mix versuchen viele. Nur die wenigsten entwickeln daraus allerdings
tatsächlich einen kompakten Stil, der beinahe unverkennbar zu sein
scheint.
Laßt Euch nicht von dem Begriff
„Prog“ abschrecken, denn er steht hier nicht für vertrackte Arrangements.
Vielmehr sind es fast hausbackene Bass-Grooves oder eisige Keyboard-Teppiche
wie in „Assault And Battery“, die Erinnerungen wecken. Und trotzdem kann
man den Leuten vom Platten-Label durchaus folgen, wenn sie in der Musik
von THE MEADS OF ASPHODEL auch Black Metal vermuten. Der ist auf jeden
Fall vorhanden. Trotzdem ist die Band vielleicht eher in die Viking-Richtung
zu drücken, da es dort ja bekanntlich musikalisch nicht so streng
zugeht.
Textlich setzt man sich mit dem
Christentum auseinander. Keine Haß-Tiraden, kein „Hail Satan“, keine
Kriegs-Erklärung. Vielmehr versucht die Band, Jesus als sterblichen
Wichtigtuer zu sehen und die christliche Religion als Irrtum zu entlarven.
Der Belzebub gehört nach Ansicht von Sänger Metatron und Gitarrist
und Keyboarder Jaldaboath mit zu dieser Irritation.
Passend zum Thema sind mittelalterliche
Passagen in die Musik integriert, die sicher – wie vom Label beschrieben
– Klangbilder aus dem mittleren oder fernen Osten sein könnten. Man
darf aber nicht vergessen, wie stark auch die Mittelalter-Musik des Abendlandes
vom orientalischen Flair beeinflußt war.
„The Excommunication ...“ ist aber
nicht nur eine Scheibe zum Philosophieren, sondern vor allem ein brillantes
Album, das Euren Player so schnell nicht wieder verlassen wird.
Die ersten 1000 Einheiten kommen
übrigens mit Bonustrack.
„Rise In Godless Hell“
JUB
PINK CREAM 69 “Endangered“
7
Massacre/Connected, 2001
Seit ein paar Augenblicken ist mittlerweile
auch bereits die „Endangered“ von PINK CREAM 69 draußen, und bevor
die Jungs das nächste Album ins Volk werfen, sollen sie auch bei INTERREGNUM
zu Ehren kommen, denn immerhin haben sie innerhalb der deutschen Melodic
Metal-Kavallerie eines der schnellsten Pferde unterm Arsch.
Mit „Electrified“ hatte die Band
sich ja geradezu furios aus dem Alternative- und Grunge-Sumpf zurückgemeldet
und sich mit Perlen á la „Shame“ oder „Higher Kind Of Life“ bei
den Fans für den Nachäffer-Stuß entschuldigt. „Endangered“
knüpft an das Rezept des Comebacks an. „Shout“, „Trust The Wiseman“
oder „Enslaved“ sind echte Kracher: Heaviness gepaart mit astreinen Melodien.
Allerdings fehlt der aktuellen Scheibe der durchgehende Glanz. Nicht jeder
Song scheint von der britisch-griechisch-deutschen Band aus Karlsruhe (Hä?)
auf seine Haltbarkeit abgeklopft worden zu sein. „Shadow Of Time“, „High
As A Mountain” oder Bonustrack “One Time Is Not Enough” sind Sachen, die
auch Bon Jovi gebacken bekommen hätte. Mit “He Took The World” (zu
deutsch “Er nahm die Welt mal eben so nebenbei im Handstreich”) gibt es
eine marschierende Homage an Adolf Hitler … nein, Scherz. Auch wenn Herr
H. im Mittelteil des Songs selbst zu Wort kommt, stellen sich PINK CREAM
69 auf die Seite jener, die mit Vehemenz Tyrannei verurteilen. Musikalisch
sehr sauber umgesetzt.
Die Cover-Version des The Who-Klassikers
„Pinball Wizzard“ ist – mit Verlaub – überhaupt nicht gelungen. Ist
aber auch ein schweres Unterfangen, hat man es bei diesem Stück doch
mit einer ähnlichen Institution zu tun, wie es bei „Satisfaction“
von den Stones, „Locomotive Breath“ von Jethro Tull oder „Stairway To Heaven“
von Led Zeppelin der Fall ist.
Aber nichtsdestotrotz: Immer noch
eine sehr gute Platte, die für Melodic-Fans unverzichtbar ist.
„Shout“
JUB
WITHERING SURFACE „Walking
On Phantom Ice“ 8
Cobro Records/PHD, 2001
Haltet mich nicht für unkritisch.
Allerdings finde ich es allmählich auch schon beängstigend, wie
ich in letzter Zeit mit 8, 9 oder 10 Punkten um mich schmeiße. Aber
was soll ich tun, wenn es tatsächlich vor allem sehr gute bis herausragende
Alben sind, die ich per Zufallsgenerator aus der Review-Kiste entnahm.
Und so sind WITHERING SURFACE wieder
eine Band, die mit ihrer dritten Veröffentlichung, „Walking On Phantom
Ice“, nachhaltig auf sich aufmerksam macht. Nur mal eben reingehört,
wird die Masse von Euch die Band sofort nach Schweden drücken, Göteborg
womöglich. Bei WITHERING SURFACE handelt es sich allerdings um Dänen.
Nicht wirklich weit weg von der Melodic-Death-Schmiede im Nachbarland und
doch nicht gerade der Stil, der in der Heimat der Fäkal-Pornographie
im Allgemeinen gepflegt wird. Vielleicht haben WITHERING SURFACE auch deswegen
soviel Platz, um alle bewährten Stilmittel von In Flames über
Dismember bis Soilwork voll auszureizen. Das machen die Jungs äußerst
passabel. Ach, was schreib ich da? Mehr als passabel, denn Parallelen zu
stilistisch ähnlich gelagerten Bands zieht man bestenfalls als Hilfsmittel
zur Beschreibung der Musik. Wirklich geklaut haben die Dänen kaum
etwas.
„Night Of Shame“/“Breed What
You Kill“
JUB
CYBELE „Interactive Playground“
8
Voices Of Wonder, 2001
Thomas mag es, wenn die Mädels
oben rum so ungefähr jeweils eine Hand voll zu bieten haben. Angesichts
der Klo-Pfoten meines Co-Mannes bei INTERREGNUM fällt jene Kategorie
bei mir schon fast unter „Mördertitten“. Allerdings sind ihm die Tröten
von zwei der drei Maiden bei CYBELE auch zuviel. Da stehen ja sogar die
Ärmchen ab …
Ich befürchte, mich an dieser
Stelle ein wenig zu verplaudern. Denn eigentlich haben es die Norwegerinnen
verdient, daß man sich vor allem mit ihrer Musik befaßt, anstatt
sich über anatomische Besonderheiten zu mokieren.
CYBELE bieten uns mit „Interactive
Playground“ Album Nummer drei an. Die beiden ersten - „Brightly Blackhearted“
und „Songs Of Soil“ - sind mir gänzlich unbekannt, sollen aber weitaus
mehr mit Heavy Metal zu tun gehabt haben, als das neue Produkt. Aber angesichts
solch fein gesponnener Musik wie auf „Interactive …“ kann ich auf einen
Vergleich mit dem alten Material gern verzichten. Hier haben wir es nämlich
mit einer perfekten Mischung aus Phillip Boa, Björk und P. J. Harvey
zu tun. Gut, der Björk-Touch hätte nicht sein müssen, stört
aber nicht wirklich. Boa ist nicht nur bei „Living Satellites“ allgegenwärtig
und Polly Jean hätte geradezu mit im Studio sein können. Vor
allem die dynamische „Rid Of Me“-Scheibe hätte hier gut Pate gestanden
haben können.
CYBELE werden sicherlich bei der
dominierenden Sanftheit in den Songs in erster Linie der Gothic-Gemeinde
nahe stehen. Auch der pure Pop-Fan wird diese Band mögen können,
wäre sie ihm bekannt. Das soll aber keinen Metal-Freak abhalten, sich
diese kleine Entspannungs-Pille anzutun. Denn auch wir haben mal den ein
oder anderen Tag, an dem wir uns gern das Fell streicheln lassen. Und sei
es nur von schönen und zerbrechlichen Melodien.
„Living Satellites“
JUB
ENSLAVEMENT OF BEAUTY „Megalomania“
9
Voices Of Wonder/Head Not Found,
2001
Das sollen jene ENSLAVEMENT OF BEAUTY
sein, die mit ihrem Debüt „Traces O’ Red“ 1999 bei INTERREGNUM geradezu
für eine Tüte voller Running Gags sorgten? Es geschehen also
doch noch Zeichen und Wunder, denn die Entwicklung, die Alexander Myrholl
(voc & lyrics) und Tony Eugene Tunheim (git & composing) zwischen
diesen beiden Alben nahmen, ist vor allem erstaunlich. Kaum nachzuvollziehen,
warum sie mit ihrem Debüt solchen Quatsch ablieferten.
Damals nervte ein Spielzeug-Keyboard
im Hintergrund, waren die Melodien meist fachmännisch banal gehalten,
war von den viel gerühmten klassischen Einflüssen nicht einmal
ein Hauch zu verspüren. Der Qualitätssprung kann unter Umständen
mit der Hinzunahme von Borknagar-Drummer Asgeir Mickelson und dem Bassisten
Hans Age Holmen zu tun haben. Ganz talentlos können die beiden Haupt-Protagonisten
allerdings nicht sein.
„Megalomania“ hingegen drückt
einen gleich mit dem Opener „Dainty Delusive Doll“ in die Sitze. Black
Metal macht Alarm, unterbrochen von einem Weibergesang, der selten so geil
klang wie bei ENSLAVEMENT OF BEAUTY. Leider tauchen diese Stimmen in dieser
Form auf dem Album nicht noch einmal auf. „Malignant Midwinter Murders“
ist mit seinem Pomp, der um eine sehr annehmbare Melodie gewickelt wurde,
symptomatisch für die Scheibe. Und wenn „Comme Il Faut“ in Rhythmik
und Gesangs-Einbettung ein wenig merkwürdig klingt, bleibt das Stück
trotzdem hörbar. „Benign Bohemian Brilliance“ bringt einen neuen Aspekt
in das black metallische Erscheinungsbild des Albums. Hier wird es nämlich
ein wenig folkig, wobei das Ganze doch mehr wie ein Tanz vom Hofe Ludwigs
XIV. klingt. Dieses Stilmittel setzt sich bei „Prudence Kept Her Purity“
fort, wo die rhythmische Gestaltung an osteuropäische Klänge
erinnert. Auch „Seven Dead Orchids“ hätte man sicher schon vor 200
Jahren getanzt, damals wäre das Ganze aber garantiert nicht von sägenden
Gitarren und kreischenden Gesängen transportiert worden. Und dann
der Höhepunkt: „Ye That Tempteth, Ye That Bequeth“ mit einem Pink
Floyd-Gitarren-Solo ist einfach nur groß. Ein Hammersong.
Auch wenn die anderen der insgesamt
14 Stücke hier außen vor blieben, gibt es kaum Schwächen
auf dieser Scheibe. Norwegen ist immer noch für Überraschungen
gut.
„Malignant Midwinter Murders“
JUB
SYMPHONY X „Live On The Edge
Of Forever“ 8
Inside Out/SPV, 2001
SYMPHONY X sind eine der Bands, deren
Tonträger man ehrfurchtsvoll in die Hände nimmt, bei denen man
sich mit gedämpfter Stimme unterhält, wenn sich die CD im Player
dreht und von denen selbst Black Metal-Fans mit zurückhaltender Achtung
sprechen, um nicht Gefahr zu laufen, müde belächelt zu werden.
SYMPHONY X sind Meister ihres Fachs.
In der Progressive Metal-Szene stehen sie mit ganz oben, obwohl es sie
doch gerade mal erst acht Jahre gibt. Aber die Band verstand es, all das
zu vereinen, was sowohl Progressive-Fans in Verzückung bringt als
auch den ordinären Metal-Anhänger begeistert. Denn beinahe straighte
Härte und komplizierte Arrangements müssen sich nicht ausschließen.
Zum perfekten banddienlichen Zusammenspiel kommen egozentrische Solo-Eskapaden,
die einem Hochachtung abringen. Und schließlich wird künstlerischer
Anspruch nicht etwa mit Melodiösität bezahlt, vielmehr sind bei
SYMPHONY X trotz der vertracktesten Rhythmus-Strukturen immer wieder angenehme
Harmonien zu entdecken.
Dokumentiert wird diese Meisterlichkeit
nun auf dem Doppel-Live-Album „Live On The Edge Of Forever“, das zur einen
Hälfte neun Songs des jüngsten Studio-Albums „The New Mythology
Suite“ (siehe Abgehört vom 28.
August 2001) enthält und auf CD zwei mit Stücken aus „Twilight
In Olympus“ und „The Divine Wings Of Tragedy“ daherkommt. Und ohne Frage
ist das Ganze nicht nur perfekt auf der Bühne live reproduziert, sondern
auch soundtechnisch brillant aufbereitet.
Einziges Manko: Es ist nicht gerade
ein Spaziergang, sich durch diese Doppel-CD zu hören. Die Konzentrationsfähigkeit
wird voll beansprucht, was das Album nicht gerade zu einem Dauerbrenner
im Player werden läßt.
„Communion And The Oracle“
JUB
LAMENTU „Liack“
6
Inch Prod./Code 666/Audioglobe,
2001
Na Leute, mal Bock drauf, etwas völlig
Neues kennenzulernen? Das gilt natürlich nicht für jene, die
Tonträger der Band LAMENTU schon im Schrank zu stehen haben. Alle
anderen jedenfalls dürften mit einer Mischung aus Black und Death
Metal sowie afrikanischer Folkore noch nie in Berührung gekommen sein.
Und nicht daß Ihr denkt, wir hätten es hier mit der ersten Prügel-Combo
aus Namibia zu tun. Nein, LAMENTU sind Italiener, die ihrem Afrika-Auftritt
im Zweiten Weltkrieg hinterhertrauern. - Nein, Scherz. Allerdings weiß
ich nicht wirklich, was diese Itaker dazu bewog, ihre Musik mit Neger-Mucke
anzureichern, Percussion-Gangs ganzer Stämme durch ihr Album „Liack“
trommeln zu lassen.
Bei dem Hinweis auf der CD, „Liack
ist das Königreich, in dem Christen mit Voodoo-Ritualen gefoltert
werden“, kommt man dem Anliegen schon ein ganzes Stück näher.
Um allerdings seine antichristliche Haltung zum Ausdruck zu bringen, muß
man sich meiner Ansicht nach nicht gleich mit einem afrikanischen Dämonen
zusammenschmeißen.
Allerdings, und das muß an
dieser Stelle einfach der Ehrlichkeit halber angeführt werden, ist
das schon interessant, was LAMENTU da fabriziert haben. Erinnert ein bißchen
an die Anfangs-Sequenz von „Exorzist“ und an den gesamten Streifen „Exorzist
II“. Nur wollen die Songs an sich nicht so recht abgehen. Man wird das
Gefühl nicht los, daß hier mehr Wert auf das außergewöhnliche
Klangbild als auf das Feilen an den einzelnen Stücken gelegt wurde.
Gehackt wird hier durchaus, allerdings
hält sich dabei auch der Druck in Grenzen. Mit leicht schräg
ist LAMENTUS Musik noch am besten beschrieben. Oder sagen wir, das Zeug
ist eigentlich etwas für völlig Verrückte.
LAMENTU gehören genau wie Astimi
(siehe Abgehört vom 11. Juni 2002)
der mediterranen Szene an. Die Bands aus dieser Ecke tragen ihre Songs
in einem alten sizialianischen Dialekt vor.
Interessant immer, trotzdem nicht
leicht zu knacken. Einfach mal anchecken das Zeug, vielleicht findet der
ein oder andere darin ja genau das, was er schon immer gesucht hat.
„Aggrissu“
JUB
BRAINSTORM „Metus Mortis“
8
Metal Blade, 2001
Man könnte ihnen allesamt die
gleichen Trikots überstülpen und doch gegeneinander antreten
lassen: Angel Dust, Squealer, Iron Saviour, BRAINSTORM. Es wäre ein
Kopf-an-Kopf-Rennen ohne Gleichen. Kein Wunder übrigens, haben sie
doch alle in der selben Liga trainiert.
Man möchte manchmal meinen,
das dieser melodiöse Power Metal irgendwann ausgereizt sein müßte.
Vor allem, wenn man die vielen kläglichen Versuche der Südeuropäer
auf diesem Gebiet über sich ergehen lassen muß. Hier in Deutschland
sieht das allerdings schon ganz anders aus. Mit der entsprechenden Historie
im Rücken paaren sich bei unseren Bands Erfahrungen mit entsprechenden
Fähigkeiten. Denn auch BRAINSTORM gibt es schon seit 1989. Und banal
waren die nie.
„Metus Mortis“ hat jedoch nicht
nur 100prozentiges zu bieten. Das tut aber angesichts von Songs wie „Hollow
Hideaway“, „Shadowland“ oder „Under Lights“ gar nicht Not. Wer nämlich
auf seinen Alben immer mal wieder über sich hinauswächst, der
kann mit dem ein oder anderen Song durchaus mal kürzer treten, ohne
dabei jemals wirklich schlecht zu sein.
BRAINSTORM kreieren Sachen, die
meist mühelos ins Ohr gehen. Sei es eine Klasse Refrain-Melodie, ein
Hammer-Start-Riff oder eine eindringliche Passage - irgend etwas läßt
eigentlich ständig aufhorchen. Und versprochen: Wer diese CD vier-,
fünfmal gehört hat, wird sie danach nur schwerlich missen können.
Übrigens, das Teil ist absolut balladenfrei.
„Hollow Hideaway“
JUB
UNDER SUSPICION „Under Suspicion“
8
Frontiers/Now&Then/XIII BIS/Point,
2001
Eigentlich spricht fast nichts für
die Band UNDER SUSPICION. Es beginnt bei dem völlig grottig am Computer
hergestellten Cover nebst Booklet. Das machen die meisten Undergrounder
mit ihren eigenproduzierten Sachen um Längen besser. Die Typen Klay
Shroedel (dr & key), Peter Roberts (g) und Jeff Adams (voc & bg)
sehen wie so oft eher nach einer Mischung von George Michael und Roadies
von Pur aus. Und schließlich der Bandname, na ja.
Auch die Referenzen der einzelnen
Band-Mitglieder dürften jeden halbwegs normalen Heavy Metal-Fan das
Weite suchen lassen: Klay war jüngst Filmmusiker, Peter hat schon
25 Platten und 70 Singles produziert, darunter Top-20-Einsteiger der Dance-Charts
(Hä?), und Jeff geht mit der Zusammenarbeit mit in unseren Breitengraden
weniger bekannten Melodic-Acts hausieren.
Aber Vorurteile sind selten gute
Berater. Denn die selbst betitelte Scheibe von UNDER SUSPICION dürfte
wieder einmal ein gefundenes Fressen für all jene sein, die für
lange Autobahnfahrten Immortal, Mayhem, Vader oder Destruction einfach
zu nervenaufreibend finden. Denn wie bei nicht wenigen guten us-amerikanischen
Melodic Metal-Acts gilt auch bei UNDER SUSPICION: Motor anlassen, CD rein
und Ihr werdet garantiert die nächste Radarfalle übersehen und
mit 50 km/h zuviel mal wieder für einen Monat Euren Lappen los.
Und diesmal sind nicht nur die Melodien
top, stimmt der Drive. Auch in Sachen Härtegrad hat das Trio einiges
zu bieten.
Mißlungen sind „Fly“ und „Destination
Unknown“. Auch die Ballade „Hold On“ ist ziemlich schwul. Der Rest - und
das sind immer noch sieben Stücke - ist absolut gelungen. Und gehört
zum besseren Melodic-Zeug der zurückliegenden Monate.
„Come Tomorrow“
JUB
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