An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 25. Juni 2002

 

HURRICANE „Liquifury“ 8
Frontiers/Now&Then/Point, 2001

Hurricane - Liquifury

Angesichts der Masse an Melodic Metal-Veröffentlichungen in den vergangenen zwei Jahren, müßte die Frühphase des neuen Jahrtausends eigentlich genau dieser Musik gehören. Aber Masse allein macht es ja nicht. Und trotzdem bleibt der Eindruck bestehen, sind viele der gestandenen Bands, Projekte und Newcomer doch von einer enorm hohen Qualität. Und so gehört auch die Gruppe HURRICANE mit ihrem Album „Liquifury“ zu den Sachen, die auf der Haben-Seite zu finden sind.
Diese Band ist mittlerweile quasi das Projekt des Sängers/Gitarristen Kelly Hansen und des Schlagwerkers Jay Schellen (nicht auf den Seychellen geboren). Gegründet wurde die Truppe allerdings bereits 1985 und veröffentlichte zwischen '85 und '90 drei erfolgreiche Melodic Metal-Alben. Der Split der Band 1991 war auf den Bankrott ihrer Plattenfirma zurückzuführen, rechnete man sich doch ohne Deal im Rücken und angesichts einer sich mehr und mehr auf Grunge, Alternative und Crossover einschießenden Szene wenige Zukunfts-Chancen aus.
Die wittert man jetzt aber wieder. Zu recht, denn vom Melodic-Boom sprach ich eingangs schon. Und HURRICANE haben berechtigte Hoffnungen auf weitere rockende Jahre. Wenn auch aus den 80er Jahren stammend, ist die Band auf „Liquifury“ zu keiner Zeit hausbacken, wenn es Parallelen zu gestandenen Acts der Vergangenheit auch zu Hauf gibt. Der Opener „Ruler Gold“ hat etwas von Deep Purple, „New God“ könnte dem Schaffen Glenn Hughes  des vergangenen Jahrzehnts entnommen sein, „Heart Made Of Stone“ erinnert an Styx, auch wegen Hansens stimmlicher Nähe zu Tommy Shaw.
Der Härtegrad ist außerordentlich annehmbar und wird nicht etwa zu Gunsten radiotauglicher Gefälligkeit heruntergeschraubt. Natürlich haben wir auch bei HURRICANE die unvermeidlichen Balladen, die man sich aber antun kann, ohne peinlich berührt ins Rund zu schauen, ob auch ja niemand mithört.
Schwachpunkt der Scheibe ist die Tatsache, daß die Songs ab „Bleed For Me“ etwas schwächer sind, als die Stücke davor. Irgendwie scheint Hansen und Schellen am Ende ein klein wenig die Luft ausgegangen zu sein. Trotzdem bleiben auch diese Stücke immer noch besser als der meiste Durchschnitt.
“Heart Made Of Stone“

JUB

MY DYING BRIDE „The Voice Of The Wretched“ 8
Peaceville, 2002

My Dying Bride - The Voice Of The Wretched

Oh ja, wie erholsam. Endlich wieder Doom, der uns schon in der Vergangenheit regelmäßig gezeigt hat, daß das Leben bei weitem nicht so hektisch ist, wie es täglich über die Bühne geht. Und wer kann uns diese Erkenntnis immer noch am besten vermitteln? Natürlich: MY DYING BRIDE. Die sind jetzt mit ihrer Live-Scheibe „The Voice Of The Wretched“ am Start und haben damit ein absolut Klasse Ton-Dokument abgeliefert. Songs wie „Snow In My Hand“, „Under Your Wings And Into Your Arms“ oder „She Is The Dark“ sind eh unschlagbar. Und live wird von den lava-zähen Briten auch kein Gramm von der Waage genommen. Die Gitarren wälzen sich aus den Boxen, daß es mir unverständlich scheint, wie in einer dermaßen dicken Luft den Fans ein Zeitlupen-Bangen möglich ist.
Gut auch, daß hier keine Overdubs zu finden sind. Die Musik kommt ebenso pur wie der für Metal-Konzerte eigentlich symptomatische spärliche Beifall.
Die Songs der Scheibe sind identisch mit dem Live-Set ihrer Tour des vergangenen Jahres, wo das Teil in Holland auch aufgenommen wurde. 
„The Snow In My Hand“

JUB

DIO „Killing The Dragon“ 7
Spitfire, 2002

Dio - Killing The Dragon

In unserer über alles geliebten Szene gibt es feste Größen, die - seit sie auf dem Markt sind - nicht nur annähernd gleichbleibende Qualität abliefern, sondern auch in Präsentation und Musik von Platte zu Platte nahezu identisch sind. Motörhead, Iron Maiden, Status Quo, Saxon um nur einige zu nennen und rein musikalisch halbwegs in der Liga zu bleiben, in der eine weitere feste Größe spielt - nämlich Ronnie James Dio. Der hatte sicher bei seinen Ausflügen bei Rainbow, Elf oder Black Sabbath auch die ein oder andere musikalische Veränderung mitmachen dürfen, als DIO klang der kleine Sänger allerdings schon auf der „Holy Diver“ (1983) wie heuer auf „Killing The Dragon“.
Natürlich ist erst genanntes Album ein Klassiker und auch von DIO himself nicht ohne weiteres zu toppen, „Killing The Dragon“ wartet allerdings wieder mit einigen tadellosen Songs nach bestem DIO-Strickmuster auf. Das Zeug ist ordentlich heavy, mit äußerst stimmdienlichen Melodien ausgestattet, liegt meist im Midtempo-Bereich. Hervorzuheben seien an dieser Stelle „Along Comes A Spider“, „Guilty“ und der Titelsong. Nicht so gelungen sind „Cold Feet“, „Rock’n’Roll“ und „Throw Away Children“. Nichtsdestotrotz ein solides Teil.
„Along Comes A Spider“

JUB

THE MEADS OF ASPHODEL „The Excommunication Of Christ“ 10
Supernal Music, 2001

The Meads Of Asphodel - The Excommunication Of Christ

Als hätten die Briten es vernommen, daß mein Co-Mann Thomas und ich uns erst kürzlich über die bemerkenswert kleine Rolle wunderten, die die Angelsachsen in der Metal-Szene mittlerweile spielen. Schon flatterte „The Excommunication Of Christ“ der Band THE MEADS OF ASPHODEL auf meinen Tisch und reiht sich in die eher rar gesäte 10-Punkte-Fraktion ein.
„Agrat Bat Malab“
Das Außergewöhnlichste an dieser Band ist der Fakt, daß sie tatsächlich einen klanglichen Zusammenhang zwischen den Prog-Bands der 70er, dem 80er Melodieverständnis und 90er Hörgewohnheiten herzustellen weiß. Einen Stil- und Zeiten-Mix versuchen viele. Nur die wenigsten entwickeln daraus allerdings tatsächlich einen kompakten Stil, der beinahe unverkennbar zu sein scheint.
Laßt Euch nicht von dem Begriff „Prog“ abschrecken, denn er steht hier nicht für vertrackte Arrangements. Vielmehr sind es fast hausbackene Bass-Grooves oder eisige Keyboard-Teppiche wie in „Assault And Battery“, die Erinnerungen wecken. Und trotzdem kann man den Leuten vom Platten-Label durchaus folgen, wenn sie in der Musik von THE MEADS OF ASPHODEL auch Black Metal vermuten. Der ist auf jeden Fall vorhanden. Trotzdem ist die Band vielleicht eher in die Viking-Richtung zu drücken, da es dort ja bekanntlich musikalisch nicht so streng zugeht.
Textlich setzt man sich mit dem Christentum auseinander. Keine Haß-Tiraden, kein „Hail Satan“, keine Kriegs-Erklärung. Vielmehr versucht die Band, Jesus als sterblichen Wichtigtuer zu sehen und die christliche Religion als Irrtum zu entlarven. Der Belzebub gehört nach Ansicht von Sänger Metatron und Gitarrist und Keyboarder Jaldaboath mit zu dieser Irritation.
Passend zum Thema sind mittelalterliche Passagen in die Musik integriert, die sicher – wie vom Label beschrieben – Klangbilder aus dem mittleren oder fernen Osten sein könnten. Man darf aber nicht vergessen, wie stark auch die Mittelalter-Musik des Abendlandes vom orientalischen Flair beeinflußt war.
„The Excommunication ...“ ist aber nicht nur eine Scheibe zum Philosophieren, sondern vor allem ein brillantes Album, das Euren Player so schnell nicht wieder verlassen wird.
Die ersten 1000 Einheiten kommen übrigens mit Bonustrack.
„Rise In Godless Hell“ 

JUB

PINK CREAM 69 “Endangered“ 7
Massacre/Connected, 2001

Pink Cream 69 - Endangered

Seit ein paar Augenblicken ist mittlerweile auch bereits die „Endangered“ von PINK CREAM 69 draußen, und bevor die Jungs das nächste Album ins Volk werfen, sollen sie auch bei INTERREGNUM zu Ehren kommen, denn immerhin haben sie innerhalb der deutschen Melodic Metal-Kavallerie eines der schnellsten Pferde unterm Arsch.
Mit „Electrified“ hatte die Band sich ja geradezu furios aus dem Alternative- und Grunge-Sumpf zurückgemeldet und sich mit Perlen á la „Shame“ oder „Higher Kind Of Life“ bei den Fans für den Nachäffer-Stuß entschuldigt. „Endangered“ knüpft an das Rezept des Comebacks an. „Shout“, „Trust The Wiseman“ oder „Enslaved“ sind echte Kracher: Heaviness gepaart mit astreinen Melodien. Allerdings fehlt der aktuellen Scheibe der durchgehende Glanz. Nicht jeder Song scheint von der britisch-griechisch-deutschen Band aus Karlsruhe (Hä?) auf seine Haltbarkeit abgeklopft worden zu sein. „Shadow Of Time“, „High As A Mountain” oder Bonustrack “One Time Is Not Enough” sind Sachen, die auch Bon Jovi gebacken bekommen hätte. Mit “He Took The World” (zu deutsch “Er nahm die Welt mal eben so nebenbei im Handstreich”) gibt es eine marschierende Homage an Adolf Hitler … nein, Scherz. Auch wenn Herr H. im Mittelteil des Songs selbst zu Wort kommt, stellen sich PINK CREAM 69 auf die Seite jener, die mit Vehemenz Tyrannei verurteilen. Musikalisch sehr sauber umgesetzt.
Die Cover-Version des The Who-Klassikers „Pinball Wizzard“ ist – mit Verlaub – überhaupt nicht gelungen. Ist aber auch ein schweres Unterfangen, hat man es bei diesem Stück doch mit einer ähnlichen Institution zu tun, wie es bei „Satisfaction“ von den Stones, „Locomotive Breath“ von Jethro Tull oder „Stairway To Heaven“ von Led Zeppelin der Fall ist.
Aber nichtsdestotrotz: Immer noch eine sehr gute Platte, die für Melodic-Fans unverzichtbar ist.
„Shout“

JUB

WITHERING SURFACE „Walking On Phantom Ice“ 8
Cobro Records/PHD, 2001

Withering Surface - Walking On Phantom Ice

Haltet mich nicht für unkritisch. Allerdings finde ich es allmählich auch schon beängstigend, wie ich in letzter Zeit mit 8, 9 oder 10 Punkten um mich schmeiße. Aber was soll ich tun, wenn es tatsächlich vor allem sehr gute bis herausragende Alben sind, die ich per Zufallsgenerator aus der Review-Kiste entnahm.
Und so sind WITHERING SURFACE wieder eine Band, die mit ihrer dritten Veröffentlichung, „Walking On Phantom Ice“, nachhaltig auf sich aufmerksam macht. Nur mal eben reingehört, wird die Masse von Euch die Band sofort nach Schweden drücken, Göteborg womöglich. Bei WITHERING SURFACE handelt es sich allerdings um Dänen. Nicht wirklich weit weg von der Melodic-Death-Schmiede im Nachbarland und doch nicht gerade der Stil, der in der Heimat der Fäkal-Pornographie im Allgemeinen gepflegt wird. Vielleicht haben WITHERING SURFACE auch deswegen soviel Platz, um alle bewährten Stilmittel von In Flames über Dismember bis Soilwork voll auszureizen. Das machen die Jungs äußerst passabel. Ach, was schreib ich da? Mehr als passabel, denn Parallelen zu stilistisch ähnlich gelagerten Bands zieht man bestenfalls als Hilfsmittel zur Beschreibung der Musik. Wirklich geklaut haben die Dänen kaum etwas.
„Night Of Shame“/“Breed What You Kill“

JUB

CYBELE „Interactive Playground“ 8
Voices Of Wonder, 2001

Cybele - Interactive Playground

Thomas mag es, wenn die Mädels oben rum so ungefähr jeweils eine Hand voll zu bieten haben. Angesichts der Klo-Pfoten meines Co-Mannes bei INTERREGNUM fällt jene Kategorie bei mir schon fast unter „Mördertitten“. Allerdings sind ihm die Tröten von zwei der drei Maiden bei CYBELE auch zuviel. Da stehen ja sogar die Ärmchen ab …
Ich befürchte, mich an dieser Stelle ein wenig zu verplaudern. Denn eigentlich haben es die Norwegerinnen verdient, daß man sich vor allem mit ihrer Musik befaßt, anstatt sich über anatomische Besonderheiten zu mokieren. 
CYBELE bieten uns mit „Interactive Playground“ Album Nummer drei an. Die beiden ersten - „Brightly Blackhearted“ und „Songs Of Soil“ - sind mir gänzlich unbekannt, sollen aber weitaus mehr mit Heavy Metal zu tun gehabt haben, als das neue Produkt. Aber angesichts solch fein gesponnener Musik wie auf „Interactive …“ kann ich auf einen Vergleich mit dem alten Material gern verzichten. Hier haben wir es nämlich mit einer perfekten Mischung aus Phillip Boa, Björk und P. J. Harvey zu tun. Gut, der Björk-Touch hätte nicht sein müssen, stört aber nicht wirklich. Boa ist nicht nur bei „Living Satellites“ allgegenwärtig und Polly Jean hätte geradezu mit im Studio sein können. Vor allem die dynamische „Rid Of Me“-Scheibe hätte hier gut Pate gestanden haben können. 
CYBELE werden sicherlich bei der dominierenden Sanftheit in den Songs in erster Linie der Gothic-Gemeinde nahe stehen. Auch der pure Pop-Fan wird diese Band mögen können, wäre sie ihm bekannt. Das soll aber keinen Metal-Freak abhalten, sich diese kleine Entspannungs-Pille anzutun. Denn auch wir haben mal den ein oder anderen Tag, an dem wir uns gern das Fell streicheln lassen. Und sei es nur von schönen und zerbrechlichen Melodien.
„Living Satellites“

JUB

ENSLAVEMENT OF BEAUTY „Megalomania“ 9
Voices Of Wonder/Head Not Found, 2001

Enslavement Of Beauty - Megalomania

Das sollen jene ENSLAVEMENT OF BEAUTY sein, die mit ihrem Debüt „Traces O’ Red“ 1999 bei INTERREGNUM geradezu für eine Tüte voller Running Gags sorgten? Es geschehen also doch noch Zeichen und Wunder, denn die Entwicklung, die Alexander Myrholl (voc & lyrics) und Tony Eugene Tunheim (git & composing) zwischen diesen beiden Alben nahmen, ist vor allem erstaunlich. Kaum nachzuvollziehen, warum sie mit ihrem Debüt solchen Quatsch ablieferten.
Damals nervte ein Spielzeug-Keyboard im Hintergrund, waren die Melodien meist fachmännisch banal gehalten, war von den viel gerühmten klassischen Einflüssen nicht einmal ein Hauch zu verspüren. Der Qualitätssprung kann unter Umständen mit der Hinzunahme von Borknagar-Drummer Asgeir Mickelson und dem Bassisten Hans Age Holmen zu tun haben. Ganz talentlos können die beiden Haupt-Protagonisten allerdings nicht sein.
„Megalomania“ hingegen drückt einen gleich mit dem Opener „Dainty Delusive Doll“ in die Sitze. Black Metal macht Alarm, unterbrochen von einem Weibergesang, der selten so geil klang wie bei ENSLAVEMENT OF BEAUTY. Leider tauchen diese Stimmen in dieser Form auf dem Album nicht noch einmal auf. „Malignant Midwinter Murders“ ist mit seinem Pomp, der um eine sehr annehmbare Melodie gewickelt wurde, symptomatisch für die Scheibe. Und wenn „Comme Il Faut“ in Rhythmik und Gesangs-Einbettung ein wenig merkwürdig klingt, bleibt das Stück trotzdem hörbar. „Benign Bohemian Brilliance“ bringt einen neuen Aspekt in das black metallische Erscheinungsbild des Albums. Hier wird es nämlich ein wenig folkig, wobei das Ganze doch mehr wie ein Tanz vom Hofe Ludwigs XIV. klingt. Dieses Stilmittel setzt sich bei „Prudence Kept Her Purity“ fort, wo die rhythmische Gestaltung an osteuropäische Klänge erinnert. Auch „Seven Dead Orchids“ hätte man sicher schon vor 200 Jahren getanzt, damals wäre das Ganze aber garantiert nicht von sägenden Gitarren und kreischenden Gesängen transportiert worden. Und dann der Höhepunkt: „Ye That Tempteth, Ye That Bequeth“ mit einem Pink Floyd-Gitarren-Solo ist einfach nur groß. Ein Hammersong. 
Auch wenn die anderen der insgesamt 14 Stücke hier außen vor blieben, gibt es kaum Schwächen auf dieser Scheibe. Norwegen ist immer noch für Überraschungen gut.
„Malignant Midwinter Murders“

JUB

SYMPHONY X „Live On The Edge Of Forever“ 8
Inside Out/SPV, 2001

Symphony X - Live On The Edge Of Forever

SYMPHONY X sind eine der Bands, deren Tonträger man ehrfurchtsvoll in die Hände nimmt, bei denen man sich mit gedämpfter Stimme unterhält, wenn sich die CD im Player dreht und von denen selbst Black Metal-Fans mit zurückhaltender Achtung sprechen, um nicht Gefahr zu laufen, müde belächelt zu werden.
SYMPHONY X sind Meister ihres Fachs. In der Progressive Metal-Szene stehen sie mit ganz oben, obwohl es sie doch gerade mal erst acht Jahre gibt. Aber die Band verstand es, all das zu vereinen, was sowohl Progressive-Fans in Verzückung bringt als auch den ordinären Metal-Anhänger begeistert. Denn beinahe straighte Härte und komplizierte Arrangements müssen sich nicht ausschließen. Zum perfekten banddienlichen Zusammenspiel kommen egozentrische Solo-Eskapaden, die einem Hochachtung abringen. Und schließlich wird künstlerischer Anspruch nicht etwa mit Melodiösität bezahlt, vielmehr sind bei SYMPHONY X trotz der vertracktesten Rhythmus-Strukturen immer wieder angenehme Harmonien zu entdecken.
Dokumentiert wird diese Meisterlichkeit nun auf dem Doppel-Live-Album „Live On The Edge Of Forever“, das zur einen Hälfte neun Songs des jüngsten Studio-Albums „The New Mythology Suite“ (siehe Abgehört vom 28. August 2001) enthält und auf CD zwei mit Stücken aus „Twilight In Olympus“ und „The Divine Wings Of Tragedy“ daherkommt. Und ohne Frage ist das Ganze nicht nur perfekt auf der Bühne live reproduziert, sondern auch soundtechnisch brillant aufbereitet.
Einziges Manko: Es ist nicht gerade ein Spaziergang, sich durch diese Doppel-CD zu hören. Die Konzentrationsfähigkeit wird voll beansprucht, was das Album nicht gerade zu einem Dauerbrenner im Player werden läßt.
„Communion And The Oracle“

JUB

LAMENTU „Liack“ 6
Inch Prod./Code 666/Audioglobe, 2001

Lamentu - Liack

Na Leute, mal Bock drauf, etwas völlig Neues kennenzulernen? Das gilt natürlich nicht für jene, die Tonträger der Band LAMENTU schon im Schrank zu stehen haben. Alle anderen jedenfalls dürften mit einer Mischung aus Black und Death Metal sowie afrikanischer Folkore noch nie in Berührung gekommen sein. Und nicht daß Ihr denkt, wir hätten es hier mit der ersten Prügel-Combo aus Namibia zu tun. Nein, LAMENTU sind Italiener, die ihrem Afrika-Auftritt im Zweiten Weltkrieg hinterhertrauern. - Nein, Scherz. Allerdings weiß ich nicht wirklich, was diese Itaker dazu bewog, ihre Musik mit Neger-Mucke anzureichern, Percussion-Gangs ganzer Stämme durch ihr Album „Liack“ trommeln zu lassen.
Bei dem Hinweis auf der CD, „Liack ist das Königreich, in dem Christen mit Voodoo-Ritualen gefoltert werden“, kommt man dem Anliegen schon ein ganzes Stück näher. Um allerdings seine antichristliche Haltung zum Ausdruck zu bringen, muß man sich meiner Ansicht nach nicht gleich mit einem afrikanischen Dämonen zusammenschmeißen. Lamentu
Allerdings, und das muß an dieser Stelle einfach der Ehrlichkeit halber angeführt werden, ist das schon interessant, was LAMENTU da fabriziert haben. Erinnert ein bißchen an die Anfangs-Sequenz von „Exorzist“ und an den gesamten Streifen „Exorzist II“. Nur wollen die Songs an sich nicht so recht abgehen. Man wird das Gefühl nicht los, daß hier mehr Wert auf das außergewöhnliche Klangbild als auf das Feilen an den einzelnen Stücken gelegt wurde.
Gehackt wird hier durchaus, allerdings hält sich dabei auch der Druck in Grenzen. Mit leicht schräg ist LAMENTUS Musik noch am besten beschrieben. Oder sagen wir, das Zeug ist eigentlich etwas für völlig Verrückte.
LAMENTU gehören genau wie Astimi (siehe Abgehört vom 11. Juni 2002) der mediterranen Szene an. Die Bands aus dieser Ecke tragen ihre Songs in einem alten sizialianischen Dialekt vor.
Interessant immer, trotzdem nicht leicht zu knacken. Einfach mal anchecken das Zeug, vielleicht findet der ein oder andere darin ja genau das, was er schon immer gesucht hat.
„Aggrissu“

JUB

BRAINSTORM „Metus Mortis“ 8
Metal Blade, 2001

Brainstorm - Metus Mortis

Man könnte ihnen allesamt die gleichen Trikots überstülpen und doch gegeneinander antreten lassen: Angel Dust, Squealer, Iron Saviour, BRAINSTORM. Es wäre ein Kopf-an-Kopf-Rennen ohne Gleichen. Kein Wunder übrigens, haben sie doch alle in der selben Liga trainiert.
Man möchte manchmal meinen, das dieser melodiöse Power Metal irgendwann ausgereizt sein müßte. Vor allem, wenn man die vielen kläglichen Versuche der Südeuropäer auf diesem Gebiet über sich ergehen lassen muß. Hier in Deutschland sieht das allerdings schon ganz anders aus. Mit der entsprechenden Historie im Rücken paaren sich bei unseren Bands Erfahrungen mit entsprechenden Fähigkeiten. Denn auch BRAINSTORM gibt es schon seit 1989. Und banal waren die nie.
„Metus Mortis“ hat jedoch nicht nur 100prozentiges zu bieten. Das tut aber angesichts von Songs wie „Hollow Hideaway“, „Shadowland“ oder „Under Lights“ gar nicht Not. Wer nämlich auf seinen Alben immer mal wieder über sich hinauswächst, der kann mit dem ein oder anderen Song durchaus mal kürzer treten, ohne dabei jemals wirklich schlecht zu sein.
BRAINSTORM kreieren Sachen, die meist mühelos ins Ohr gehen. Sei es eine Klasse Refrain-Melodie, ein Hammer-Start-Riff oder eine eindringliche Passage - irgend etwas läßt eigentlich ständig aufhorchen. Und versprochen: Wer diese CD vier-, fünfmal gehört hat, wird sie danach nur schwerlich missen können. Übrigens, das Teil ist absolut balladenfrei.
„Hollow Hideaway“

JUB

UNDER SUSPICION „Under Suspicion“ 8
Frontiers/Now&Then/XIII BIS/Point, 2001

Under Suspicion - Under Suspicion

Eigentlich spricht fast nichts für die Band UNDER SUSPICION. Es beginnt bei dem völlig grottig am Computer hergestellten Cover nebst Booklet. Das machen die meisten Undergrounder mit ihren eigenproduzierten Sachen um Längen besser. Die Typen Klay Shroedel (dr & key), Peter Roberts (g) und Jeff Adams (voc & bg) sehen wie so oft eher nach einer Mischung von George Michael und Roadies von Pur aus. Und schließlich der Bandname, na ja.
Auch die Referenzen der einzelnen Band-Mitglieder dürften jeden halbwegs normalen Heavy Metal-Fan das Weite suchen lassen: Klay war jüngst Filmmusiker, Peter hat schon 25 Platten und 70 Singles produziert, darunter Top-20-Einsteiger der Dance-Charts (Hä?), und Jeff geht mit der Zusammenarbeit mit in unseren Breitengraden weniger bekannten Melodic-Acts hausieren.
Aber Vorurteile sind selten gute Berater. Denn die selbst betitelte Scheibe von UNDER SUSPICION dürfte wieder einmal ein gefundenes Fressen für all jene sein, die für lange Autobahnfahrten Immortal, Mayhem, Vader oder Destruction einfach zu nervenaufreibend finden. Denn wie bei nicht wenigen guten us-amerikanischen Melodic Metal-Acts gilt auch bei UNDER SUSPICION: Motor anlassen, CD rein und Ihr werdet garantiert die nächste Radarfalle übersehen und mit 50 km/h zuviel mal wieder für einen Monat Euren Lappen los.
Und diesmal sind nicht nur die Melodien top, stimmt der Drive. Auch in Sachen Härtegrad hat das Trio einiges zu bieten. 
Mißlungen sind „Fly“ und „Destination Unknown“. Auch die Ballade „Hold On“ ist ziemlich schwul. Der Rest - und das sind immer noch sieben Stücke - ist absolut gelungen. Und gehört zum besseren Melodic-Zeug der zurückliegenden Monate.
„Come Tomorrow“

JUB
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