JUB
ANNIHILATOR
"Carnival Diablos" 9
Steamhammer/SPV
Nachdem die
vielgepriesene Vorgängerscheibe "Criteria For A Black Widow", die
mit vier Fünfteln des Original-Line-ups eingespielt wurde und letztendlich
doch nicht so prall ausfiel, stellt ANNIHILATORs neue Platte "Carnival
Diablos" den eigentlichen Neustart in der Geschichte der Band dar.Vorbei
die Zeit in der ANNIHILATOR mit mehr oder weniger gelungenen Experimenten
versuchten, den Ansprüchen des Zeitgeistes und der Plattenfirma gerecht
zu werden. Was auf dem Vorgänger bereits angekündigt wurde, nämlich
eine deutliche "back to the roots"-Besinnung in die für ANNIHILATOR
kreativ und kommerziell gesehene Glanzzeit ´89/´90 ("Alice
In Hell"), findet auf "Carnival Diablos" seine Vollendung. Musikalisch
gibt es auf der Platte keinen Ausfall zu verzeichnen. Das liegt zum einen
natürlich an der genial-markanten Gitarrenarbeit von Jeff Waters und
seinem Gespür für erstklassiges Songwriting. Dennoch darf man
den anderen Faktoren, nämlich Neuzugang Joe Comeau (Ex-Overkill, Liege
Lord, Ramrod) nicht unterschätzen.
"Epic of
war"
Joe weiß
die sehr abwechslungsreich ausgefallenen Songs mit seiner variablen Stimme
nahezu perfekt in Szene zu setzen. Egal bei welchem Song, ob bei dem sphärischen
Titelsong der Scheibe, dem AC/DC-beeinflußten "Shallow Grave", dem
Slayer zur Ehre gereichenden Thrasher "Hunter Killer" oder dem punkigen
Hidden track "Chicken & Corn", zu jedem Zeitpunkt klingt die Band wie
eine seit Jahren funktionierende Einheit. Mitunter ertappt man sich bei
dem Gedanken, bei dem man mit einem leichten Lächeln auf den Lippen
an die Vorgänger Joes denkt und sich zurückerinnert, wie jeder
von ihnen als der ultimative Ersatz von Randy Rampage in den Magazinen
gefeiert wurde.(Jeff mal aussen vorgelassen) Heute hat man die Gewissheit
daß ein stämmiger, sympathischer Glatzkopf mit einer Monsterstimme
sie alle, Rampage eingeschlossen, in den Sack steckt.
"The Rush"
Fazit: so
spielfreudig frisch und kurzweilig hat man ANNIHILATOR schon lange nicht
mehr erlebt. Gebt der Band ruhig mal eine Chance, sie werden euch nicht
entäuschen. Egal aus welcher Metalecke ihr kommt, an einem Fetzer
wie "Hunter Killer" dürften alle ihren Spaß haben.
"Hunter
killer"
THOMAS
IN FLAMES
„The Tokyo Showdown - Live In Japan 2000“ 6
Nuclear Blast,
2001
Ich frage mich
häufig, wann der Sinn von Live-Alben kippte. Vielleicht waren die
Scorpions mit ihrem „World Wide Live“ Mitte der 80er Jahre schuld, daß
bei Konzerten mitgeschnittene Songs seitdem meist wie eine 1:1-Wiedergabe
der Studioaufnahmen klingen. Die Scorps hatten damals die besten Elemente
einzelner Songs aus verschiedenen Live-Auftritten zusammengeschnitten oder
im Studio Gesänge und Gitarrensoli nachträglich eingefügt.
Alles sollte so perfekt wie möglich sein.
Dummerweise
haben sich viele Bands der Neuzeit bei Live-Alben das Ziel gesetzt, vor
allem zu zeigen, was sie auf ihren Instrumenten leisten, mit welchen Fertigkeiten
sie den Studiovorgaben auch vor Publikum gewachsen sind. Leider scheinen
dies auch IN FLAMES so zu halten.
„Food For
The Gods“
Erinnern wir
uns an Alben wie „Made In Japan“ von Deep Purple, „Live Killers“ von Queen,
„Live At Leeds“ von The Who, „Live Album“ von Grand Funk Railroad. Ja selbst
Iron Maidens „Live After Death“ kann hier mit aufgezählt werden. Da
ging es um die Wiedergabe einer ganz besonderen Atmosphäre. Es waren
faszinierende Improvisationen zu hören, Songs wurden in bisher nie
veröffentlichten Versionen vorgetragen, Stücke gespielt, die
nur zu den Live-Sets gehörten. Und es wurde immer sehr stark das Publikum
mit einbezogen, um nicht zu sagen, die Fans hatten ihren ganz wesentlichen
Anteil an den jeweiligen Scheiben. Und genauso halte ich ein Live-Album
für legitim. Und nur so reizt es mich, so ein Teil auch immer wieder
zu hören.
Das, was IN
FLAMES abliefern, ist das disziplinierte Herunterspielen einer Best-Of-Liste.
Variiert wird fast überhaupt nicht. Vom Publikum ist so gut wie nix
zu hören. Wenn die Songs nicht so gut wären, könnte man
an dieser Stelle sagen: Überflüssig. Aber zumindest die Musik
macht eine Menge Spaß. Das wußte ich aber schon bei den Studioalben.
„Ordinary
Story“
JUB
ABROGATION
"Handwerk des Todes" 5
Eigenproduktion
"Mit Hacke
und Schaufel grab´ich sie aus/entweiht die Gräber voller Graus".
So tönt es von der Eigenproduktion "Handwerk des Todes" der Magdeburger
Band ABROGATION.
Und das gar
nicht mal so übel. Die 1995 unter dem Einfluß von Death Metal
der Sorte Gorefest gegründete Band brachte es bisher auf drei Veröffentlichungen.
Eine Demo-CD "Screams Of Soul", eine selbstfinanzierte EP "Creation Of
Madness" und nun die CD "Handwerk des Todes". Mittlerweile hat man sich
vom Death Metal der Anfangstage fast gänzlich verabschiedet. Ebenso
von den englischen Texten, heuer wird in der Muttersprache gedichtet, mal
packend, mal wieder etwas laienhaft. Doch das fällt nicht weiter ins
Gewicht, da man erkennen kann, das ABROGATION für sich nicht in Anspruch
nehmen, mal den Pulitzerpreis einheimsen zu wollen.
"Leichendieb"
Die Musik
metert gut drauflos und der Effekt, sich wärend der Spielzeit der
CD an den Kopf zuschlagen - bei vielen Eigenproduktionen keine Seltenheit
- bleibt erfreulicherweise aus. Vielmehr hat man das Verlangen, mit Kopf
und Fuß mitzuwippen und manche Titel, wie zum Beispiel "Der schwarze
Tod", "Blasphemie" oder "Leichendieb", nochmal zu hören. Kräftiger
Heavy Metal mit Thrash-Anleihen und herbem Gesang jenseits des rammsteinschen
R-Gerolles trifft die Sache wohl am Besten. Sauber gespielt und kurzweilig
ist die CD auch. Nur ist der Sound ob der unzureichenden finanziellen Mittel
nicht ganz so der Brüller. Aber hey - es gibt Demos, die klingen um
Klassen schlechter.
"Der schwarze
Tod"
Allerdings
sollte man beim Abspielen der CD aufpassen, denn der erste Titel ist nur
für den PC gedacht. Darauf enthalten ist neben einigen Bandfotos das
Video zum Song "Die Schlacht". Nur eines gibt mir zu denken. Muß
eine Band vom Status wie ABROGATION Hidden Tracks auf eine Eigenproduktion
bringen?
Kontakt: Rainer
Wiezorek, Brunnenstr. 4, 49 214 Bad Roternfelde, Preis: 23 DM inkl. P.&
V.
THOMAS
MOONSPELL
„Darkness And Hope“ 8
Century Media/Magic
Arts Publishing, 2001
MOONSPELL sind
ein typisches Beispiel dafür, wie man das Gegenteil erreicht, wenn
man mit einer Hauruck-Aktion schneller die Schatzkammern füllen möchte,
als es real ausführbar ist. Denn mit „Irreligious“ (1996) waren die
Portugiesen auf dem besten Weg, international in der ersten Liga mitspielen
zu können. Diese Mischung aus Black Metal-Versatzstücken und
hymnenhaften Melodiebögen verpackt in einem Gothic Metal-Grundstock
begeisterte von Mal zu Mal mehr Fans. Auch die ganz „Harten“ ließen
sich auf MOONSPELL ein, lieferte die Band doch meist beeindruckende und
energiegeladene Live-Konzerte ab, auf denen die Südländer es
gehörig krachen ließen.
Tja, und dann
wollte man - vielleicht mit schlechten Beratern im Rücken - die große
Gothic-Sensation werden, lieferte zwei unentschlossene Alben ab („Sin/Pecado“
- 1998, „The Butterfly Effect“ - 1999) und verschleuderte so vier wertvolle
Jahre auf dem Weg zum Star-Ruhm. MOONSPELL büßten nämlich
eine ganze Reihe alter Fans ein, denn der Zauber früherer Stücke
war völlig verschwunden. Die Band klang mal austauschbar, mal unerträglich
experimentell, jedoch nie originell.
Das haben
MOONSPELL nun endlich auch selbst erkannt. Ob „Darkness And Hope“ als legitimer
Nachfolger von „Irreligious“ jedoch unter Umständen nicht etwas zu
spät kommt, wird sich erst noch zeigen. Zumindest stimmt jetzt alles
wieder.
„Firewalking“
Dieses Stück
ist nahezu programmatisch für MOONSPELLs Rückbesinnung, denn
es ist praktisch das „Opium II“. Allerdings hält die Band sich mit
Eigenkopien auf der CD im Weiteren zurück. Vielmehr haben Fernando
Ribeiro (voc), Sergio Crestana (bass), Mike Gaspar (dr), Pedro Paixao (Keys)
und Ricardo Amorim (git) wieder eine stattliche Anzahl herrlicher Gothic
Metal-Songs kreiert, die abtrünnige Fans sicher ins MOONSPELL-Lager
zurückpfeifen werden.
„Rapaces“
Sicher bedarf
es eines mehrmaligen Hörens der CD, um wirklich alle Feinheiten und
verborgenen Melodien herauszufiltern. Da hatte man es mit „Irreligeous“
einfacher. Aber Frauen, die man erst auf den zweiten Blick schön findet,
sind manchmal im Bett das absolute Torpedoboot.
JUB
DIES
ATER "Through Weird Woods" 9
Last Episode/Connected
Nach einem
mittelalterlich anmutenden Intro fegen uns die Berliner Szenegrößen
DIES ATER eine achtminütige Black Metal-Salve mit dem schönen
Titel "Scorned Heroine" um die Ohren. Mal episch mit langezogenen Melodiebögen,
mal stampfend um dann wieder in rasendes Inferno umzuschlagen. Daraufhin
wieder Keyboardklänge und schleppende Rhythmen,
und das Geballer
beginnt von vorn. Klingt nicht besonders aufregend, nicht wahr? Ist es
bei flüchtigem Hinhören auch nicht. Zu viel in diese Richtung
tendierendes Material wurde in den letzten Jahren veröffentlicht als
das solch eine Beschreibung noch Jemanden hinter dem Ofen vorlocken könnte.
Aber - damit
würde man den Musikern von DIES ATER Unrecht tun. Denn bei genauem
Hinhören eröffnet sich dem Hörer ein kleines blackmetallisches
Meisterwerk. Löscht in euren Gruften mal die Kerzen und dreht den
Volksempfänger einen Ticken lauter, um zum Beispiel "Scorned Heroine"
zu geniessen.
"Scorned
Heroine"
Da werden
Erinnerungen an die Zeit ´95/´96 wach, als Black Metal noch
interessant war und die meisten Musiker noch mehr bemüht waren, ihre
Instrumente zu spielen. Da galten Schminken und Foto-Sessions noch nicht
als Hauptaufgabe einer Black Metal Band. Also kurz bevor vieles den Bach
runterging. Hört man einen Song wie "Wintersturm", merkt man der Band
förmlich das Herzblut an, das sie vergossen. Die auflockernden Zwischenspiele
tragen das ihre zur Gesamtatmosphäre bei und der Sound ist bombig.
So macht Black Metal Sinn und Spaß (natürlich heimlich im Keller)
zu hören.
Liebhaber
dunkler, obskurer Metalklänge sollten hier bedingungslos zugreifen.
"Wintersturm"
THOMAS
EMINENZ
„The Blackest Dimension“ 8
Last Episode/Connected,
2000
Hiermit möchte
ich Abbitte leisten, daß ich diese Klasse CD ein gutes Jahr im Promo-Karton
herumliegen ließ. Aber vielleicht ruft diese Review dem ein oder
anderen in Erinnerung, daß es da im Erzgebirge eine Band gibt, die
zum exzellenten Teil des deutschen Undergrounds gehört.
Die nunmehr
vierte CD der Band, „The Blackest Dimension“, zeigt EMINENZ in einer Frische
und Rauhheit, daß man meinen könnte, Jungspunde versuchten,
den Underground zu knacken, um in neue Popularitätsdimensionen vorzustoßen.
Während zum Beispiel BLOODSHED mit „Skullcrusher“ das beste Beispiel
abgaben, wie schwer es ist, eine gesunde Mischung von Black und Death Metal-Elementen
zu finden (siehe Abgehört vom 18. September), hatten EMINENZ es ihnen
mit diesem Album Ende des vergangenen Jahres bereits vorgemacht. Die Grenzen
der beiden Stil-Richtungen verwischen fast völlig. Und obwohl dem
Ganzen noch Thrash- und Doom-Sprenksel beigemischt wurden, verliert die
Musik - die übrigens herrlich roh produziert wurde - zu keiner Zeit
an Druck.
Bei soviel
Lob könnte sich vielleicht mancher wundern, warum die Band immer noch
eher ein Schattendasein fristet. Ganz einfach: Zum einen gilt der Prophet
im eigenen Land nichts, zum anderen haben die Ostdeutschen zwölf Jahre
dermaßen konsequent ihren Stiefel gefahren, daß kein Platz
für Einflüsse wechselnder Modeerscheinungen blieb.
Und doch -
auch ein makelloser Körper hat Pickel: In Sachen Keyboard-Einsatz
wäre an manchen Stellen hin und wieder weniger mehr gewesen. Wen solche
Hintergrundteppiche aber nicht stören, dem sei - so er die Band bisher
eher ignorierte - „The Blackest Dimension“ wärmstens ans Herz gelegt.
„Darkness
Comes Over Us“
JUB
IN BLACKEST
VELVET „Edenflow“ 7
Sturmesflügel/Prophecy
Productions, 2000
Ha, noch so
eine Stilmix-Band, die sich als vergessenes Kleinod entpuppt. IN BLACKEST
VELVET aus Deutschland veröffentlichten „Edenflow“ im November des
vergangenen Jahres und lieferten damit ihren Beitrag zur Vielfalt des nationalen
Amateur-Kapellen-Feldes. Dabei legten sie viel Wert auf die Verarbeitung
der unterschiedlichsten schwermetallischen Einflüsse. Man kann schon
- wie vom Label angepriesen - Schweden-Death entdecken, allerdings ist
nicht jede Art von melodiöser Metal-Musik mit Kreischgesang auch tatsächlich
immer mit diesem Etikett versehbar. Und so bewegen sich IN BLACKEST VELVET
zum Teil in ganz typischen Heavy Metal-Gefilden der 80er Jahre, nur daß
hier die neuen Sound-Möglichkeiten und das spielerische Selbstverständnis
der Musiker für Verfremdungen sorgen. Und vermutlich machen scheinbare
Gegensätze dieses Album so interessant. Obendrein ist es abwechslungsreich
genug, bei jedem Song Neues entdecken zu können. Allerdings können
die Musiker nicht verbergen, daß sie manchmal einfach in ihrer Begeisterung
einen Schritt zu weit gingen und ein, zwei Brüche in den Songs besser
weggelassen hätten.
Daß
die Jungs ihr Handwerk verstehen, zeigt schließlich die Cover-Version:
„Losing My Religion“ von R.E.M. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt: Coverst
du Songs, dann mach sie besser als das Original oder verändere sie
so, daß sie einen eigenen Charakter bekommen. Letzteres haben sich
IN BLACKEST VELVET zu Herzen genommen und eine herrlich abgefahrene Version
dieses einstigen Chart-Knackers kreiert.
„Losing
My Religion“
JUB
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