CARNAL
FORGE "Please...Die!" 8
Century Media/Magic
Arts, 2001
Den Albumtitel
des Jahres 2001 liefern die schwedischen Prügelbarden von CARNAL FORGE
mit ihrer dritten CD "Please...Die!" ab. Gar nicht nach einer Bitte, sondern
nach Befehlen klingen jedoch die zwölf Lieder der Band um das Bruderpaar
Jari und Perti Kuusisto. Hier wird permanent im Highspeed-Tempo gehackt,
geschrotet und gebrüllt, als ob die Schweden von einer Betriebsfeier
mit anschließender Koksverkostung direkt in den Proberaum gestürmt
wären und auf dem Weg dorthin alle ihnen im Weg stehenden Passanten
mit ihren Fäusten und Schienbeinen sowie dem schweren Schuhwerk sämtliche
Knochen und Nasenbeine zu Trümmern gedroschen hätten. Jedem,
der sie nur vielleicht schief angeguckt hat, verabreichten die blutrünstigen
Thrasher die Tracht Prügel ihres Lebens. Roh, brutal und ohne Gnade
knüppelten sie die um Hilfe flehenden Gesichter im Rausch unkenntlich.
Hah! Nur geträumt! Ein Glück. Bei schlechter Laune einfach zurücklehnen
und "Please... Die!" hören. Ihr bekommt zwar etwas befremdliche Träume,
aber nach einer halben Stunde ist die Welt wieder in Ordnung. "Please...Die!"macht
zahlreiche Psychoanalytiker, neurotische Therapien und nutzlose Medikamente
für Streßpatienten überflüssig. Mit ca. 30 Mark (entspricht
ca. 15 Fantasiedollar) ist man dabei. Die Ärztekammer tut gut daran
"Please...Die!" totzuschweigen, in ihrem eigenen Interesse.
"Please...Die!"/"Butchered,
Slaughtered, Strangled, Hanged"
THOMAS
DEEPRED
"Prophetic Luster" 5
Forensick
Music, 2001
Finnische Extremmusik
war auch schon mal identitätsreicher. Impaled Nazarene, alte Sentenced,
Unholy oder Beherit hinterließen alle ihre Spuren in der hartmetallischen
Ruhmeshalle der Finnen. DEEPRED machen da leider eine Ausnahme. Ihr Grind/Death
Metal ist zwar asphalthart und gemein aber auch genauso langweilig. Einzelne
Songfragmente haben durchaus Schick, doch die Zusammensetzung läßt
zu wünschen übrig. Vor zehn Jahren währen DEEPRED sicher
im Death Metal-Boom mit nach oben gesogen worden. Aber heutzutage dürfte
sogar der Allessammler so seine Probleme mit der durchschnittlichen Musik
auf "Prophetic Luster" haben. Wobei, so hart wie es sich anhört, ist
das ja nicht gemeint. Es gibt durchaus gute Momente auf der CD. Nur sind
andere Bands eben besser.
"Luster"
THOMAS
DARK
LUNACY „Devoid“ 8
Metal Blade/SPV,
2001
Alles ist auf
den ersten Eindruck an DARK LUNACY Gothic. Angefangen bei dem „darken“
Namen bis hin zum Cover-Artwork, das förmlich nach einer weiblichen
Sopranstimme, die in schwülstigen Gitarrenpomp eingebettet ist, schreit.
Und wenn die CD dann auch noch mit einem Streich-Quartett beginnt, möchte
man seinem vorschnellen Urteil folgen. Doch schon die ersten Gitarren-Klänge
zerreißen die eben nicht gerade große Erwartungshaltung, denn
DARK LUNACY bieten uns neben durchaus gothic-haften Momenten vor allem
Death und Thrash Metal-Elemente, die durch Mikes heftigen Gesangsstil unterstrichen
werden. In diesem Zusammenhang ist der Einsatz der Streicher schon wieder
beinahe genial, setzen sie doch angenehme Kontraste.
Bemerkenswert
auch das Konzept der Scheibe „Devoid“, die sich irgendwie mit Rußlands
Geschichte zu befassen scheint (nähere Infos gab der Labeltext nicht
her und Texte lagen auch nicht bei). Aber Songs wie „Stalingrad“ oder „Forlorn“
sprechen da eine deutliche Sprache.
„Forlorn“
Merkwürdig
nur, daß diese Band aus Italien kommt. Schwer zu glauben, daß
DARK LUNACY den Russen noch einen wegen des verlorenen Krieges mitgeben.
Vielmehr scheint die eigene Geschichte einfach nicht genug Stoff herzugeben,
um daraus spannende Storys zu stricken. Das Problem hatten ja auch schon
mal die Italiener White Skull, die sich bis zu ihrem letzten Album mit
der germanischen Mythologie befaßten.
JUB
BEHOLDER
„The Legend Begins“ 2
Dragonheart/SPV,
2001
Was benötigt
heutzutage eine klischeefreie „melodische Power Metal Band“? Als erstes
eine CD mit Phantsie-Cover. - Haben wir. - Dann ein textliches Phantasie-Konzept.
- Haben wir. - Das Kernstück der CD muß ein mehrteiliges Werk
sein. - Haben wir auch, heißt „The Ancient Prophecy“ und kommt in
zwei Parts. - Klingen muß das ganze nach Manowar, Helloween und Rhapsody.
- Jawoll, haben wir auch. - Der Sänger sollte eierlos sein. - In diesem
Falle fehlt ihm zumindest eins. .... Dieses Spiel könnte man sicher
noch um einige Elemente erweitern. Aber bereits jetzt dürfte schon
klar sein, daß es sich bei BEHOLDER um eine der gesichtslosesten
Bands der Szene überhaupt handelt. Diese Italiener sind das beste
Beispiel dafür, daß der sogenannte Power Metal in der gleichen
Misere steckt, wie vor fünf, sechs Jahren der Black Metal, als es
kaum noch originelle Ideen gab und jeder nur noch wie die Großen
klingen wollte. BEHOLDER treiben das Ganze voll auf die Spitze und werden
damit zu ihrer eigenen Parodie. Schade nur, daß Co-Sängerin
Leanan Sidhe in solch einer Band verheizt wird. Sie hat nämlich eine
annehmbare Stimme.
„Ivory
Tower“
JUB
DEMON
DRIVE "Rock'n'Roll Star" 2
Barfly/Point
Music, 2001
Ah, Michael
Voss, der ehemalige Casanova-Sänger und Mittäter an der Benefizsingle
für die beim Attentat auf das WTC ums Leben gekommenen Terroristen,
hat mit DEMON DRIVE eine teuflisch gute Band am Start. Man schloß
aus Erfolgslosigkeit mit der alten Band einen Pakt mit dem Gehörnten.
Auf daß der Erfolg sich einstelle. Luzifers Angebot: "Ich mache euch
zu Rockstars. Nennt euch dafür DEMON DRIVE, und wir sind quitt." Von
der Offerte hellauf begeistert, macht Vossi gleich Nägel mit Köpfen.
Er unterschreibt den Pakt, natürlich ohne ihn vorher genau zu lesen,
und nennt die von Satan komponierte Platte auch sogleich "Rock'n'Roll Star".
Natürlich in freudiger Erwartung ob des sich nun einstellenden Weltruhmes.
Doch Ätsch, reingefallen. Luzifer lacht sich in die Pranken, hat Vossi
doch die in japanischer Miniaturschrift geschriebene Klausel übersehen
in der steht: "Vossi vermacht dem Teufel seine Seele. Als Gegenleistung
vertont der Teufel seinen Morgenstuhlgang und gibt Vossi die Tabulatur
davon." Und die Moral von der Geschichte ist: Mit dem Herrn der Fliegen
macht man keine Geschäfte, man wird eh´nur verarscht. Nicht
wahr Vossi?!
"Rock ´n´Roll
Star"
THOMAS
KELLY
KEAGY „Time Passes“ 8
Wild Frontiers/Now
& Then/XIII BIS/Point Music, 2001
„Anything
Goes“
In der Melodic
Metal-Szene wird diese Scheibe vermutlich blind gekauft. Wer sich aber
nur nebenbei für melodischen Heavy Metal interessiert und sich lediglich
die ganz besonderen Schmankerl herauspickt, könnte unter Umständen
mit dem Namen KELLY KEAGY nichts anzufangen wissen. Anders ist es da schon
bei dem Markenzeichen Night Ranger. Diese Band brachte in den 80ern ausschließlich
vorzügliche Melodic Metal-Alben heraus und chartete mit „Sister Christian“
in den Staaten gar bis in die Top 5. Und eben dieses Stück schrieb
und sang damals zum Beispiel KELLY KEAGY. Fazit? Was der Mann macht, kann
nur geil sein. Und so ist es auch. Die „Time Passes“, sein erstes Solo-Werk,
klingt herrlich vertraut aber trotzdem fremd genug, um es für sich
erst nach mehrmaligem Hören als Hit zu erschließen.
Schade, daß
einige Stücke, wie beispielsweise auch der Titelsong, ein wenig behäbig
aus den Puschen kommen. Da hilft dann auch kein netter Refrain mehr.
Interessant
für Sammler ist die illustre Musiker-Riege, die KELLY unterstützt.
Neben der halben Night Rangers-Mannschaft haben wir noch Richard Marx-
und Two Fire-Musiker sowie Ex-Mitstreiter von Survivor und Dareforce dabei.
„Too Close
To The Sun“
JUB
FLESHCRAWL
"Soulskinner" 9
Metal Blade,
2001
FLESHCRAWL
veröffentlichen ein neues Album mit dem Titel "Soulskinner", und es
war abzusehen, daß die Süddeutschen auch diesmal wieder ihr
Fähnchen in den Wind hängen würden. Anno (Jaja, ich weiß,
christlich, Entschuldigung!) 2001 gibt es wieder eine Rundumerneuerung
im Soundbild der Ulmer Band. Sprich fette New Metal-Gitarren treffen auf
satte Hip Hop-Reime, die Shouter/Rapper Sven Gross smooth in Szene zu setzen
versteht. Wie kein anderer weiß er um die Probleme der Sprayergeneration
und macht sich in "Dying Blood" Luft, indem er mit Gastrapperin Nina MC
wahre Begebenheiten von der Straße erzählt. Dazu gibt es genialen
R & B in Reinkultur mit großartigen Bläsereinsätzen.
Bei "Deathvastation" kommt die oben erwähnte New Metal-Schlagseite
zum Tragen. Ich will verdammt sein, wenn FLESHCRAWL hier nicht auf großartige
Radioeinsätze spekulieren. Denn gegen diese Ballade können selbst
Linkin Park mit ihrem Videohit "Crawling" nicht anstinken. Ich sehe schon
13jährige Schulmädchen auf einem FLESHCRAWL-Konzert in der ausverkauften
Deutschlandhalle in Berlin reihenweise in Ohnmacht fallen, nachdem sie
ihre Liebesgeständnisse zur Band raufgekreischt, und ihre Schlüpfer
und Plüschtiere abgeworfen haben. NEIN! Natürlich alles Blödsinn.
FLESHCRAWL
stehen weiterhin für kompromisslosen Death Metal mit schwedischer
Schlagseite. Ihre Songs wie gewohnt brutal, die Gitarren kellertief und
die Texte haßerfüllt. FLESHCRAWL so wie wir sie lieben. Alles
in allem eine verdammt gute Death Metal-LP. Inklusive Judas Priest Coverversion
von "Metal Gods"
"Deathvastation"/"Metal
Gods"
THOMAS
JORN
„Worldchanger“ 10
Wild Frontiers/Now
& Then/XIII BIS/Point Music, 2001
Wir hatten
ihn gerade mit der Band Ark (siehe Abgehört
vom 18. Dezember) bei uns und bereits an jener Stelle war ich so frei,
Jorn Lande in den Himmel zu loben. Jetzt legt er sein Solo-Zweitwerk „Worldchanger“
vor und kann auf der ganzen Linie überzeugen.
„Sunset
Station“
Während
Lande in seiner Arbeit bei Millenium (siehe
Abgehört vom 20. März), The Snakes, Vagabond oder Ark natürlich
von dem zur Verfügung stehenden Song-Material abhängig war, das
er immer verstand zu veredeln, ist der Norweger jetzt ganz allein für
die Sachen verantwortlich, die er da singt. Und siehe da, Lande ist nicht
nur ein Ausnahme-Sänger, sondern auch ein begnadeter Melodien-Schreiber.
Die Stücke auf diesem Album sind brillant. Und diese immer wieder
aufblitzenden Parallelen zu David Coverdale sollten die Lande-Fans schon
lange nicht mehr stören, denn Whitesnake hätten sich nach ihrer
„1987“ glücklich schätzen können, noch einmal so vortreffliche
Songs im Fundus zu wissen.
„House
Of Cards“
Textlich entpuppt
sich Jorn Lande als Friedenstaube. Er beschreibt die verrottete Erde und
sucht nach Auswegen, diese Situation zu ändern - „Weltverbesserer“
eben. Auch eine Wikinger-Geschichte gibt es mit „Tungur Knivur“. Natürlich
ist Lande weit davon entfernt, diese Zeit vikingmetallisch zu verherrlichen,
interessant ist seine Sicht auf die Christianisierung seiner Leute aber
allemal.
Tja - und
wer schon lange nichts mehr von Mayhem-Schlagzeuger Hellhammer gehört
hat, der bekommt auf „Worldchanger“ Gelegenheit dazu, denn diese Scheibe
hat Jan Aksel eingetrommelt.
JUB
KOMA
"Molestando a los Vecinos" 9
Alacran Producciones/Locomotive
Music, 2001
Kurz nachdem
wir die "Criminal"-LP der Spanier in der Sendung vorstellten (siehe Abgehört
vom 18. Dezember) und sie wider meiner Erwartung eine Hammerscheibe
geworden ist, liegt nun eine Livescheibe der Band vor. Genau wie
ich es vermutet hatte, killen KOMA live wie die Sau. In den über 80
Minuten Spielzeit gibt es einen Querschnitt ihrer bisherigen Platten in
einem astreinen Soundgewand. Das heißt druckvoll und authentisch.
Es gibt viel Improvisation und Kommunikation mit den Fans. Diese Scheibe
macht Partylaune, und so müssen Livealben einer Rockband klingen.
Dreckig, direkt und voller Spielfreude. Vamos Amigos.
"Bienvenidos
A Degüelto"
THOMAS
SIN
CITY SIX „Sin City Six“ 7
Locomotive,
2001
„Cinderella’s
Gone“
Eddy Money
trifft auf die Ramones und AC-DC. Punkt, aus. Damit ist die Musik der Band
SIN CITY SIX nahezu eindeutig beschrieben. Denn nicht einer der elf Songs
des selbstbetitelten Debüts von SIN CITY SIX fällt aus der Rolle:
Rock’n’Roll, Headbanging, Slam Dance. Hätte mir jemand erzählt,
die Truppe stamme aus den späten 70ern, ich hätte es gefressen.
„Black
Lorraine“
SIN CITY SIX
sind quasi eine spanische Band, da die Mitglieder der Truppe sämtlichst
in Madrid wohnen. Warum auch immer, denn außer dem Quoten-Spanier
Angel Ramos stammt der Rest der Band aus England und den Staaten. Vielleicht
ist die Band deswegen so cool, haben uns die Spanier in der zurückliegenden
Zeit doch eher krampfige Kapellen angeboten.
JUB
ABORTUS
„Process Of Elimination“ 8
Code 666/SPV,
2001
Wir hatten
bei uns im Studio einst die Dresdener Band Fangorn zu Gast, die ihre Musik
als Death’n’Roll beschrieben, selbst aber nicht so recht zu definieren
wußten, was damit gemeint war. Jetzt wissen wir es: ARBORTUS aus
Australien machen Death Metal, sind dabei aber dermaßen Rock’n’Roll,
daß es einem die Beine verknotet.
„The Calm
Before The ...“
Die zweite
Veröffentlichung der Band, „Process Of Elimination“, rockt ohne Ende.
Groove und Heaviness scheinen diese Typen ins Baby-Körbchen gelegt
bekommen zu haben. Die Songs kommen ohne Schnickschnack auf den Punkt und
bevor man den Anflug von Eintönigkeit zu verspüren vermag, ist
der nächste Bringer am Start.
„Worm“
JUB