An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 25. Dezember 2001


CARNAL FORGE "Please...Die!" 8
Century Media/Magic Arts, 2001
Carnal Forge - Please ... Die!
Den Albumtitel des Jahres 2001 liefern die schwedischen Prügelbarden von CARNAL FORGE mit ihrer dritten CD "Please...Die!" ab. Gar nicht nach einer Bitte, sondern nach Befehlen klingen jedoch die zwölf Lieder der Band um das Bruderpaar Jari und Perti Kuusisto. Hier wird permanent im Highspeed-Tempo gehackt, geschrotet und gebrüllt, als ob die Schweden von einer Betriebsfeier mit anschließender Koksverkostung direkt in den Proberaum gestürmt wären und auf dem Weg dorthin alle ihnen im Weg stehenden Passanten mit ihren Fäusten und Schienbeinen sowie dem schweren Schuhwerk sämtliche Knochen und Nasenbeine zu Trümmern gedroschen hätten. Jedem, der sie nur vielleicht schief angeguckt hat, verabreichten die blutrünstigen Thrasher die Tracht Prügel ihres Lebens. Roh, brutal und ohne Gnade knüppelten sie die um Hilfe flehenden Gesichter im Rausch unkenntlich. Hah! Nur geträumt! Ein Glück. Bei schlechter Laune einfach zurücklehnen und "Please... Die!" hören. Ihr bekommt zwar etwas befremdliche Träume, aber nach einer halben Stunde ist die Welt wieder in Ordnung. "Please...Die!"macht zahlreiche Psychoanalytiker, neurotische Therapien und nutzlose Medikamente für Streßpatienten überflüssig. Mit ca. 30 Mark (entspricht ca. 15 Fantasiedollar) ist man dabei. Die Ärztekammer tut gut daran "Please...Die!" totzuschweigen, in ihrem eigenen Interesse. 
"Please...Die!"/"Butchered, Slaughtered, Strangled, Hanged"
THOMAS

DEEPRED "Prophetic Luster" 5
Forensick Music, 2001

Deepred - Prophetic Luster

Finnische Extremmusik war auch schon mal identitätsreicher. Impaled Nazarene, alte Sentenced, Unholy oder Beherit hinterließen alle ihre Spuren in der hartmetallischen Ruhmeshalle der Finnen. DEEPRED machen da leider eine Ausnahme. Ihr Grind/Death Metal ist zwar asphalthart und gemein aber auch genauso langweilig. Einzelne Songfragmente haben durchaus Schick, doch die Zusammensetzung läßt zu wünschen übrig. Vor zehn Jahren währen DEEPRED sicher im Death Metal-Boom mit nach oben gesogen worden. Aber heutzutage dürfte sogar der Allessammler so seine Probleme mit der durchschnittlichen Musik auf "Prophetic Luster" haben. Wobei, so hart wie es sich anhört, ist das ja nicht gemeint. Es gibt durchaus gute Momente auf der CD. Nur sind andere Bands eben besser.
"Luster"

THOMAS

DARK LUNACY „Devoid“ 8
Metal Blade/SPV, 2001

Dark Lunacy - Devoid

Alles ist auf den ersten Eindruck an DARK LUNACY Gothic. Angefangen bei dem „darken“ Namen bis hin zum Cover-Artwork, das förmlich nach einer weiblichen Sopranstimme, die in schwülstigen Gitarrenpomp eingebettet ist, schreit. Und wenn die CD dann auch noch mit einem Streich-Quartett beginnt, möchte man seinem vorschnellen Urteil folgen. Doch schon die ersten Gitarren-Klänge zerreißen die eben nicht gerade große Erwartungshaltung, denn DARK LUNACY bieten uns neben durchaus gothic-haften Momenten vor allem Death und Thrash Metal-Elemente, die durch Mikes heftigen Gesangsstil unterstrichen werden. In diesem Zusammenhang ist der Einsatz der Streicher schon wieder beinahe genial, setzen sie doch angenehme Kontraste.
Bemerkenswert auch das Konzept der Scheibe „Devoid“, die sich irgendwie mit Rußlands Geschichte zu befassen scheint (nähere Infos gab der Labeltext nicht her und Texte lagen auch nicht bei). Aber Songs wie „Stalingrad“ oder „Forlorn“ sprechen da eine deutliche Sprache.
„Forlorn“
Merkwürdig nur, daß diese Band aus Italien kommt. Schwer zu glauben, daß DARK LUNACY den Russen noch einen wegen des verlorenen Krieges mitgeben. Vielmehr scheint die eigene Geschichte einfach nicht genug Stoff herzugeben, um daraus spannende Storys zu stricken. Das Problem hatten ja auch schon mal die Italiener White Skull, die sich bis zu ihrem letzten Album mit der germanischen Mythologie befaßten.

JUB

BEHOLDER „The Legend Begins“ 2
Dragonheart/SPV, 2001

Beholder - The Legend Begins

Was benötigt heutzutage eine klischeefreie „melodische Power Metal Band“? Als erstes eine CD mit Phantsie-Cover. - Haben wir. - Dann ein textliches Phantasie-Konzept. - Haben wir. - Das Kernstück der CD muß ein mehrteiliges Werk sein. - Haben wir auch, heißt „The Ancient Prophecy“ und kommt in zwei Parts. - Klingen muß das ganze nach Manowar, Helloween und Rhapsody. - Jawoll, haben wir auch. - Der Sänger sollte eierlos sein. - In diesem Falle fehlt ihm zumindest eins. .... Dieses Spiel könnte man sicher noch um einige Elemente erweitern. Aber bereits jetzt dürfte schon klar sein, daß es sich bei BEHOLDER um eine der gesichtslosesten Bands der Szene überhaupt handelt. Diese Italiener sind das beste Beispiel dafür, daß der sogenannte Power Metal in der gleichen Misere steckt, wie vor fünf, sechs Jahren der Black Metal, als es kaum noch originelle Ideen gab und jeder nur noch wie die Großen klingen wollte. BEHOLDER treiben das Ganze voll auf die Spitze und werden damit zu ihrer eigenen Parodie. Schade nur, daß Co-Sängerin Leanan Sidhe in solch einer Band verheizt wird. Sie hat nämlich eine annehmbare Stimme.
„Ivory Tower“

JUB

DEMON DRIVE "Rock'n'Roll Star" 2
Barfly/Point Music, 2001

Demon Drive - Rock'n'Roll Star

Ah, Michael Voss, der ehemalige Casanova-Sänger und Mittäter an der Benefizsingle für die beim Attentat auf das WTC ums Leben gekommenen Terroristen, hat mit DEMON DRIVE eine teuflisch gute Band am Start. Man schloß aus Erfolgslosigkeit mit der alten Band einen Pakt mit dem Gehörnten. Auf daß der Erfolg sich einstelle. Luzifers Angebot: "Ich mache euch zu Rockstars. Nennt euch dafür DEMON DRIVE, und wir sind quitt." Von der Offerte hellauf begeistert, macht Vossi gleich Nägel mit Köpfen. Er unterschreibt den Pakt, natürlich ohne ihn vorher genau zu lesen, und nennt die von Satan komponierte Platte auch sogleich "Rock'n'Roll Star". Natürlich in freudiger Erwartung ob des sich nun einstellenden Weltruhmes. Doch Ätsch, reingefallen. Luzifer lacht sich in die Pranken, hat Vossi doch die in japanischer Miniaturschrift geschriebene Klausel übersehen in der steht: "Vossi vermacht dem Teufel seine Seele. Als Gegenleistung vertont der Teufel seinen Morgenstuhlgang und gibt Vossi die Tabulatur davon." Und die Moral von der Geschichte ist: Mit dem Herrn der Fliegen macht man keine Geschäfte, man wird eh´nur verarscht. Nicht wahr Vossi?!
"Rock ´n´Roll Star"

THOMAS

KELLY KEAGY „Time Passes“ 8
Wild Frontiers/Now & Then/XIII BIS/Point Music, 2001

Kelly Keagy - Time Passes

„Anything Goes“
In der Melodic Metal-Szene wird diese Scheibe vermutlich blind gekauft. Wer sich aber nur nebenbei für melodischen Heavy Metal interessiert und sich lediglich die ganz besonderen Schmankerl herauspickt, könnte unter Umständen mit dem Namen KELLY KEAGY nichts anzufangen wissen. Anders ist es da schon bei dem Markenzeichen Night Ranger. Diese Band brachte in den 80ern ausschließlich vorzügliche Melodic Metal-Alben heraus und chartete mit „Sister Christian“ in den Staaten gar bis in die Top 5. Und eben dieses Stück schrieb und sang damals zum Beispiel KELLY KEAGY. Fazit? Was der Mann macht, kann nur geil sein. Und so ist es auch. Die „Time Passes“, sein erstes Solo-Werk, klingt herrlich vertraut aber trotzdem fremd genug, um es für sich erst nach mehrmaligem Hören als Hit zu erschließen. 
Schade, daß einige Stücke, wie beispielsweise auch der Titelsong, ein wenig behäbig aus den Puschen kommen. Da hilft dann auch kein netter Refrain mehr.
Interessant für Sammler ist die illustre Musiker-Riege, die KELLY unterstützt. Neben der halben Night Rangers-Mannschaft haben wir noch Richard Marx- und Two Fire-Musiker sowie Ex-Mitstreiter von Survivor und Dareforce dabei.
„Too Close To The Sun“

JUB

FLESHCRAWL "Soulskinner" 9
Metal Blade, 2001

Fleshcrawl - Soulskinner

FLESHCRAWL veröffentlichen ein neues Album mit dem Titel "Soulskinner", und es war abzusehen, daß die Süddeutschen auch diesmal wieder ihr Fähnchen in den Wind hängen würden. Anno (Jaja, ich weiß, christlich, Entschuldigung!) 2001 gibt es wieder eine Rundumerneuerung im Soundbild der Ulmer Band. Sprich fette New Metal-Gitarren treffen auf satte Hip Hop-Reime, die Shouter/Rapper Sven Gross smooth in Szene zu setzen versteht. Wie kein anderer weiß er um die Probleme der Sprayergeneration und macht sich in "Dying Blood" Luft, indem er mit Gastrapperin Nina MC wahre Begebenheiten von der Straße erzählt. Dazu gibt es genialen R & B in Reinkultur mit großartigen Bläsereinsätzen. Bei "Deathvastation" kommt die oben erwähnte New Metal-Schlagseite zum Tragen. Ich will verdammt sein, wenn FLESHCRAWL hier nicht auf großartige Radioeinsätze spekulieren. Denn gegen diese Ballade können selbst Linkin Park mit ihrem Videohit "Crawling" nicht anstinken. Ich sehe schon 13jährige Schulmädchen auf einem FLESHCRAWL-Konzert in der ausverkauften Deutschlandhalle in Berlin reihenweise in Ohnmacht fallen, nachdem sie ihre Liebesgeständnisse zur Band raufgekreischt, und ihre Schlüpfer und Plüschtiere abgeworfen haben. NEIN! Natürlich alles Blödsinn. 
FLESHCRAWL stehen weiterhin für kompromisslosen Death Metal mit schwedischer Schlagseite. Ihre Songs wie gewohnt brutal, die Gitarren kellertief und die Texte haßerfüllt. FLESHCRAWL so wie wir sie lieben. Alles in allem eine verdammt gute Death Metal-LP. Inklusive Judas Priest Coverversion von "Metal Gods"
"Deathvastation"/"Metal Gods"

THOMAS

JORN „Worldchanger“ 10
Wild Frontiers/Now & Then/XIII BIS/Point Music, 2001

Jorn - Worldchanger

Wir hatten ihn gerade mit der Band Ark (siehe Abgehört vom 18. Dezember) bei uns und bereits an jener Stelle war ich so frei, Jorn Lande in den Himmel zu loben. Jetzt legt er sein Solo-Zweitwerk „Worldchanger“ vor und kann auf der ganzen Linie überzeugen.
„Sunset Station“
Während Lande in seiner Arbeit bei Millenium (siehe Abgehört vom 20. März), The Snakes, Vagabond oder Ark natürlich von dem zur Verfügung stehenden Song-Material abhängig war, das er immer verstand zu veredeln, ist der Norweger jetzt ganz allein für die Sachen verantwortlich, die er da singt. Und siehe da, Lande ist nicht nur ein Ausnahme-Sänger, sondern auch ein begnadeter Melodien-Schreiber. Die Stücke auf diesem Album sind brillant. Und diese immer wieder aufblitzenden Parallelen zu David Coverdale sollten die Lande-Fans schon lange nicht mehr stören, denn Whitesnake hätten sich nach ihrer „1987“ glücklich schätzen können, noch einmal so vortreffliche Songs im Fundus zu wissen. 
„House Of Cards“
Textlich entpuppt sich Jorn Lande als Friedenstaube. Er beschreibt die verrottete Erde und sucht nach Auswegen, diese Situation zu ändern - „Weltverbesserer“ eben. Auch eine Wikinger-Geschichte gibt es mit „Tungur Knivur“. Natürlich ist Lande weit davon entfernt, diese Zeit vikingmetallisch zu verherrlichen, interessant ist seine Sicht auf die Christianisierung seiner Leute aber allemal.
Tja - und wer schon lange nichts mehr von Mayhem-Schlagzeuger Hellhammer gehört hat, der bekommt auf „Worldchanger“ Gelegenheit dazu, denn diese Scheibe hat Jan Aksel eingetrommelt.

JUB

KOMA "Molestando a los Vecinos" 9
Alacran Producciones/Locomotive Music, 2001

Koma - Molestando a los Vecinos

Kurz nachdem wir die "Criminal"-LP der Spanier in der Sendung vorstellten (siehe Abgehört vom 18. Dezember) und sie wider meiner Erwartung eine Hammerscheibe geworden ist, liegt nun eine Livescheibe der Band vor.  Genau wie ich es vermutet hatte, killen KOMA live wie die Sau. In den über 80 Minuten Spielzeit gibt es einen Querschnitt ihrer bisherigen Platten in einem astreinen Soundgewand. Das heißt druckvoll und authentisch. Es gibt viel Improvisation und Kommunikation mit den Fans. Diese Scheibe macht Partylaune, und so müssen Livealben einer Rockband klingen. Dreckig, direkt und voller Spielfreude. Vamos Amigos.
"Bienvenidos A Degüelto"

THOMAS

SIN CITY SIX „Sin City Six“ 7
Locomotive, 2001

Sin City Six - Sin City Six

„Cinderella’s Gone“
Eddy Money trifft auf die Ramones und AC-DC. Punkt, aus. Damit ist die Musik der Band SIN CITY SIX nahezu eindeutig beschrieben. Denn nicht einer der elf Songs des selbstbetitelten Debüts von SIN CITY SIX fällt aus der Rolle: Rock’n’Roll, Headbanging, Slam Dance. Hätte mir jemand erzählt, die Truppe stamme aus den späten 70ern, ich hätte es gefressen.
„Black Lorraine“
SIN CITY SIX sind quasi eine spanische Band, da die Mitglieder der Truppe sämtlichst in Madrid wohnen. Warum auch immer, denn außer dem Quoten-Spanier Angel Ramos stammt der Rest der Band aus England und den Staaten. Vielleicht ist die Band deswegen so cool, haben uns die Spanier in der zurückliegenden Zeit doch eher krampfige Kapellen angeboten.

JUB

ABORTUS „Process Of Elimination“ 8
Code 666/SPV, 2001

Abortus - Process Of Elimination

Wir hatten bei uns im Studio einst die Dresdener Band Fangorn zu Gast, die ihre Musik als Death’n’Roll beschrieben, selbst aber nicht so recht zu definieren wußten, was damit gemeint war. Jetzt wissen wir es: ARBORTUS aus Australien machen Death Metal, sind dabei aber dermaßen Rock’n’Roll, daß es einem die Beine verknotet.
„The Calm Before The ...“
Die zweite Veröffentlichung der Band, „Process Of Elimination“, rockt ohne Ende. Groove und Heaviness scheinen diese Typen ins Baby-Körbchen gelegt bekommen zu haben. Die Songs kommen ohne Schnickschnack auf den Punkt und bevor man den Anflug von Eintönigkeit zu verspüren vermag, ist der nächste Bringer am Start. 
„Worm“

JUB
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