ABGEHÖRT vom 26. Juli 2005




MISERY SPEAKS
"Things Fall Apart"
Erschienen: 2004
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.miseryspeaks.com
MISERY SPEAKS - Things Fall Apart On Air: "In Memory"

Schon damals beim Bands-Battle-Auftritt 2002 in Stavenhagen haben die Münsteraner von MISERY SPEAKS einen guten musikalischen Eindruck hinterlassen. Mit ihrer neuen CD „Things Fall Apart“ untermauern die fünf Musiker diesen guten Ruf. „Things Fall Apart“ ist klasse Melodic Death Metal der Marke Dark Tranquillity zu „The Mind’s I“-Zeiten. Musikalische Ungezügeltheit hält sich mit verhalteneren Momenten angenehm die Waage. „Counterparts“ zum Beispiel vereint D-Zug-artige Speedparts mit fragilen Melodien in interessantem Songwriting. „Ache“ hingegen ist ein vertonter Tag(Alb)traum, hypnotisch, elegisch und mit einem Grundriff, das nicht langweilig wird. Auch nicht auf sechs Minuten. Kurz: Wer glaubt, die Innovatoren der Göteborg-Szene an ein Mainstreampublikum verloren zu haben, einhergehend mit musikalischem Identitätsverlust, der kann ohne Bedenken bei „Things Fall Apart“ reinhören. Hier gibt es einiges zu entdecken. 
9 von 10

THOMAS



SCARCROW
"Road To Ruin"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.scarcrow.com
SCARCROW - Road To Ruin On Air: "Shadowsoul"

Das Trio SCARCROW aus Wernau spielt rifflastigen Rock/Metal, der sowohl den Accept-Jünger als auch den Stoner-Rock-Fan ansprechen könnte. Frontmann Stefan Dudowitsch hat eine Stimme, die man liebt oder haßt. Fakt ist, der Gesang paßt zur Musik. Die kommt ohne Firlefanz aus und hat einfache, einprägsame Hooklines. Diese jedoch sind nicht immer der Stein der Weisen. Von den fünf Songs sind „Shapes Of Time“ und „My Queen“ noch recht packend. Die anderen Songs verpuffen auf halber Strecke, denn der rote Faden verliert sich noch zu oft.
4 von 10

THOMAS



ANUBIZ
"Leid"
Erschienen: 2002
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.anubiz.de
ANUBIZ - Leid On Air: "Narben"

Gothic aus Deutschland ist nicht gerade das, was man als marktführend bezeichnen kann. Aber natürlich haben auch die Teutonen schon Spuren hinterlassen. Erinnert sei da nur an Crematory oder Umbra et Imago. Ob einem die nun gefallen oder nicht, sei mal dahingestellt. ANUBIZ allerdings werden mit Musik vom Schlage "Leid" kaum neues Terrain für den deutschen Gothic erschließen, denn was es da zu hören gibt, ist nicht nur 1000mal vorher dagewesen, sondern vor allem übelst langweilig.
Die Band hat sich vornehmlich dem Thema Kindesmißbrauch zugewandt, was ja prinzipiell schon Mal total anödet. Wie oft wollen Musiker dieses Thema denn noch besingen. Und vor allem immer aus Sicht des Beobachters oder des Opfers. Der eine Blickwinkel ist der erhobene Zeigefinger, der andere das Betroffenheitsgejammer. Ich kann immer wieder nur die Tätersicht empfehlen. Daß das durch und durch geht, haben Falco mit "Jeanie" und - um in der Szene zu bleiben - Gold für Eisen mit "Sie war 10" bewiesen.
Und was soll am Ende dabei herauskommen, wenn eine Band eine CD mit sieben Songs in der immer gleichen Stimmung abliefert, die obendrein ähnliche Geschichten erzählen, die wiederum in eine sehr steife Lyrik verpackt sind, welche schließlich von ganz schwachen Sangeskünstlern vorgetragen wird.
3 von 10

JUB



PRESIDENT EVIL
"The Electromagnetic Superstorm"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.presidentevil.de
PRESIDENT EVIL - The Electromagnetic Superstorm On Air: "Electromagnetic Superstorm"

Das Vier-Track-Demo der Band PRESIDENT EVIL aus Bremen klingt, als sei es nach einer Schablone der Metalcore-Szene eingespielt worden. Trotz des zu leisen und untransparenten Sounds hört man die altbekannten Strickmuster, Stakkato-Riffing, Mosh-Parts, Freak-Geräusche auf den Klampfen. Alles schön nach Schema F kopiert und nachgespielt. Die Elemente haben einen Bart, auf den sogar ZZ Top neidisch wären. Die Band sieht sich irgendwo zwischen Kyuss und Slayer. Was wäre der Mensch, hätte er keine Träume?
1 von 10

THOMAS



AASKEREIA
"Zwischen den Welten ..."
Erschienen: 2005
Label: Christhunt Productions
Homepage: www.aaskereia.de
AASKEREIA - Zwischen den Welten ... On Air: "Der stille Schrei"

Manchmal bleibt die Zeit einfach stehen. Und wir, die wir miteilen, wundern uns, daß es da etwas gibt, das direkt neben uns existiert und doch schon vor zehn Jahren dagewesen zu sein scheint. So verschroben wie es klingt, ist es gar nicht. Denn bei AASKEREIA dürften Black/Pagan-Metal-Fans, die wenigstens so um die 25 Jahre alt sind, ein kleines Dejavu-Erlebnis haben, klingen die Deutschen doch auf "Zwischen den Welten ..." verdammt nach Helheim zu "Jormundgand"-Zeiten. Und das war 1995. Gut, sie sind nich ganz so schnell, das ist aber nicht weiter von Belang. Zumindest ist Grim ein kranker Kreischer, wie es heute nicht mehr so häufig zu hören ist. Und wenn er es clean versucht, klingt er ein bißchen nach Darkwoods My Betrothed - wieder ein Bezug zum Viking/Pagan Metal von vor zehn, zwölf Jahren. Besonders beeindruckend kommt "Der stille Schrei", wo sich Grim unter Schmerzen zu winden scheint. Sehr grausig. 
Ein Klassiker wie "Jormundgand" wird "Zwischen den Welten..." mit Sicherheit nicht, was allerdings auch nicht die Intention der Band gewesen sein dürfte. Ein fester Bestandteil im Black/Pagan-Fundus des Fans sollte diese CD aber durchaus sein. Für kommende Taten wären ein paar indeenreichere Melodien (nebst Arrangement) sicher nicht von Nachteil. Trotzdem könnte ich mir vorstellen, dieses Teil auch in zehn Jahren mal wieder hervorzukramen, um die Musik zu genießen.
7 von 10

JUB



SWAN CHRISTY
"Julian"
Erschienen: 2003
Label: Black Lotus Rec.
Homepage: www.swanchristy.com
SWAN CHRISTY - Julian On Air: "Pure Inspiration"

Die Griechen stellen den Klassifikationen gewohnten Hörer auf eine harte Probe. Hier ist nichts wie es scheint. Auf ihrer vierten Scheibe haben SWAN CHRISTY Elemente des Trip Hop, Industrial, Pop, Drum’n Bass und EBM mit Soundtrack-artigen Sequenzen gekreuzt und mit allerlei elektronischer Spielerei aufgepeppt. Dabei entstehen mal hypnotisierende mal witzige oder auch bekloppte Klanglandschaften, die zwar allesamt nichts mit Heavy Metal zu tun haben, jedoch Spaß am Hören verbreiten. Stellt Euch vor, Pink Floyd und Primus hätten vor einer imaginären, gemeinsamen Probe ein paar Teile zu viel geworfen und freien Zugang zu allerlei elektronischen Instrumenten gehabt. Das Ergebnis könnte auf den Namen SWAN CHRISTY hören. 
7 von 10

THOMAS



HORIZON
"Worlds Apart"
Erschienen: 2005
Label: Massacre/Soulfood
Homepage:
HORIZON - Worlds Apart On Air: "Hell Or High Water"

Wenn es funktioniert, sollte man nichts ändern. So hat es HORIZON-Kopf Patrick Hemer gehalten und mit "Worlds Apart" ein Album eingespielt, das sich locker mit dem Debüt messen kann (siehe Abgehört vom 29. Oktober 2002). Was gut war, ist geblieben: harte Gitarren, intelligente Riffs, sehr gute Melodien, und Prog-Strukturen, die bestenfalls die Fähigkeiten der Musiker dokumentieren, ohne die Songs zu technischen Lehrbeispielen zu verhunzen. Heavy Metal der altbewährten und trefflichen Art also.
Verwunderlich ist lediglich der Klang der Toms. Die tackeren wie diese elektronischen Sechsecke, wie sie in den 80ern bei schwulen Pop-Kapellen mal übelst angesagt waren. Wenn man sich darauf konzentriert, wird man verrückt. Allerdings sollte man über diesen Produktions-Fehltritt hinwegsehen, denn der Rest kann sich wirklich hören lassen.
8 von 10

JUB



CENOTAPH
"Rehearsal Shit"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.cenotaph-death.de
CENOTAPH - Rehearsal Shit On Air: "Triple Murder"

Ganz so schlimm wie uns der Titel der CD es suggeriert, ist die Musik von CENOTAPH nicht. Die Grundidee der Songs wird zwar ganz schön in die Länge gezogen, und hier und da hört man noch die Unerfahrenheit der Musiker in den Leads oder den Breaks heraus, doch ebenso kann man den vier Songs der Death-Metal-Band aus dem Raum Nürnberg einen guten Groove-Ansatz und eine schön räudige Stimme attestieren. Dabei sollte man nicht außer Acht lassen, daß die Musiker noch recht jung sind (damals zwischen 16 und 21). Ob hier noch Großes auf uns zukommt, kann ich hier und jetzt noch nicht sagen, aber vielleicht überraschen uns CENOTAPH mit ihrer nächsten CD. Wir sind gespannt.
4 von 10

THOMAS



HALGADOM
"Sein und Werden"
Erschienen: 2005
Label: Sonnenkreuz
Homepage: www.halgadom.org
HALGADOM - Sein und Werden On Air: "Wenn Sonnenräder leuchten"/"Das Hügelgrab"

Bei Euren Sonnenwend-Feiern werden HALGADOM vermutlich ein fester Bestandteil bei der Beschallung sein. Aber natürlich ist diese Band nicht nur etwas für traditionelle oder religiöse Ereignisse. Denn der Neo-Folk der Band - hier mit fünf Stücken unter der Überschrift "Geist" dokumentiert - ist so wunderbar lyrisch, eingebettet in streichelnden Melodien, daß man ihn wahrlich zu beinahe jeder Gelegenheit hören mag. Erzeugt wird dieses Bedürfnis darüber hinaus auch durch die Wärme in der Instrumentierung (Akustik-Gitarren, Violine) und in der Stimme von Eva. Endlich mal eine Sängerin, die einfach nur singt und nicht ständig dem Zwang unterliegt, zu tirilieren.
Teil zwei der CD ist reiner Pagan Metal und wird unter "Materie" geführt. Die Melodien sind simpel gehalten, auch die Arrangements. Aber genau deshalb sind die Stücke so wirkungsvoll. Wie hätte man den Botschaften von "Das Hügelgrab", "Runenkraft" oder "Stahl" folgen sollen, wenn sie in instrumentalen Kaspereien versunken wären.
Und wenn wir gerade dabei sind: Die Texte können Euch stark machen. Da gibt es viel mehr als der tägliche Ungeist uns vorzugaukeln versucht. Auf der Suche nach dem Glück oder einfach der Zufriedenheit muß man nicht verzweifelt das Labyrinth der Moderne durchstreifen. Es gibt gerade Wege. Nur gehört Mut dazu, diese zu gehen.
10 von 10

JUB



SOORT
"Fuck Everything I’m Living For"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.soort.com
kein cover On Air: "Fuck Everything I’m Living For"

Irgendwo in der Schnittmenge zwischen Korn und Limb Bizkit bewegen sich SOORT mit ihrer Fünf-Song-CD. Soweit so gut. Ist ja nicht so dramatisch. Große Bands finden immer Nacheiferer. Das Problem bei SOORT ist einfach, daß sie genau den Sound machen, der im Moment sehr hip und angesagt ist, somit viele Bands dieses Genres unterwegs sind und man die Gruppen schon langsam nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Sie klingen mittlerweile beinahe alle gleich. Beliebig austauschbar und frei von eigenen Ideen. Es fehlt SOORT an zündenden Momenten, an Mut zu Neuerungen und leider auch an Charisma, um sich aus dem Einheitsbrei herauszuheben. Der Sound geht in Ordnung, doch die Musik ist recht halbgar. 
2 von 10

THOMAS



SOULLESS HEART
"Prisoner Of The Night"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.soullessheart.tk
SOULLESS HEART - Prisoner Of The Night On Air: "Death Of The Antichrist"

Auch nicht schlecht, SOULLESS HEART verbinden traditionellen Heavy Metal/Thrash Metal mit heiserem Black-Metal-Gesang. Interessante Kombination. Nicht wie bei Bewitched etwa, deren Musik mehr ungestümer Natur war, viel eher ist im Falle SOULLESS HEART eine leichte Iced-Earth-Schlagseite (aus deren Frühphase) auszumachen. Die Leadgitarre steht zwar noch nicht 100prozentig wie eine Eins, doch Gespür für ihre Instrumente haben die Gitarristen allemale. Dasselbe trifft auch auf Schlagzeuger Florian Rienkens zu. Der Knabe hat mit seinen 15 Lenzen zwar noch nicht den Rundlauf wie die Profis, aber in ihm steckt viel Potential, wie man am Ende der CD beim Schlagzeugsolo hören kann. 
5 von 10

THOMAS
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