PAUL
GILBERT "Burning Organ" 8
Mascot Records,
2003
"To Be With
You" von Mr. Big hat uns einst fast umgebracht. Was für ein widerliches
Lied. Um so überraschter durften wir gewesen sein, wenn wir in die
Mr Big-LP-Veröffentlichungen einstiegen, und feststellten, daß
die Amis in der Lage waren, eine gehörige Heavy Metal-Karre zu schieben.
Einen wesentlichen Anteil daran trug Gitarrist PAUL GILBERT. Der legt mit
"Burning Organ" ein neues Solo-Album vor, das natürlich in erster
Linie den Gitarristen in den Vordergrund stellt. Aber erwartet zu keiner
Sekunde langweilige Selbstdarstellung. Vielmehr liegt hier eine abwechslungsreiche
Party-Platte vor, die für eine Menge Geschmäcker etwas zu kredenzen
weiß. Und PAUL GILBERT liefert seine Arbeit mit einem kräftigen
Schuß Humor ab, so daß man ihm für die Green Day-Nummer
"Suicide Lover" oder der einfältigen Meldie bei dem Gitarren-Pop-Stück
"Amy Is Amazing" nicht böse sein kann. Das macht er mit der kultigsten
Version des Donna Summer-Disco-Hits "I Feel Love" wieder wett. Nahezu epochal
dürfte die fast banal klingende Nummer "I Am Satan" sein. In dem Song
besingt er seine Begegnung mit Judy, wie sehr er sie liebt und wie schön
alles ist. Nur eine Frage läßt ihm keine Ruhe mehr: Was, wenn
sie erfährt, wer er wirklich ist? Nur geil. Herrlich auch wie aus
dem akustischen Pop-Liedchen plötzlich ein düsterer Heavy Metal-Song
wird. Woher die Gitarren-Melodie am Ende stammt will mir einfach nicht
einfallen, hat aber was von "Season Of The Abyss" von Slayer. Nun, und
so geht es auf "Burning Organ" lustig weiter: den 70ern wird gehuldigt
("My Drum", "Bliss"), im Titelsong eine instrumentale Jazz/Funk-Nummer
serviert, mit "G.V.R.O." völlig unmotiviert auf Akustik-Gitarre Johann
Sebastian Bach eingeschoben oder bei "I Like Rock" einer der ultimativsten
Party-Kracher der Jetztzeit abgeliefert.
"I Like
Rock"/"I Am Satan"
JUB
THE
DUSKFALL „Frailty“ 9
Black Lotus
Records, 2002
Für eine
schwedische Melodic Death Metal-Band (natürlich die Thrash Metal-Einflüsse
nicht zu vergessen), die obendrein mit klangvollem Namen aufwarten kann,
ist es durchaus ungewöhnlich, daß sie von der Gründung
bis zum Debüt-Album drei Jahre braucht. Eigentlich haken sich zwei
Kollegen in der Regel unter, die schon mal irgendwo miteinander gezockt
haben, stecken den Kopf durch eine berühmte Studio-Tür
und nehmen mal eben ein Album auf. Im Falle von Mikael Sandorf (Ex-Gates
Of Ishtar) war das offensichtlich weitaus komplizierter. Dabei waren auch
die anfänglichen Mitstreiter nicht von Pappe: Tommy Konu von Deathbound,
Per Johansson von Satariel zum Beispiel. Aber erst einmal sollte das Ganze
dann doch eher Soulash heißen und erst nach dem ersten Demo kehrte
der Name THE DUSKFALL zurück. Irgendwann stand dann die Truppe mit
den Gründungsmitgliedern Sandorf und Glen Svensson, dann kam Oskar
Karlsson (ebenfalls EX-Gates Of Ishtar) hinzu, auch Kaj Molin und als Sänger
(und der ist wirklich das Salz im Süppchen) Kai Jaakkola. Daß
Skandinavier ausgerechnet bei einem griechischen Label unterkommen, ist
auch ungewöhnlich, aber nicht Gegenstand dieser Rezension.
Denn es geht
ja um die Musik, und die plettet einen vom ersten Song an sofort auf die
Stärke eines Laken herunter. Ohne Wenn und Aber wird auf "Frailty"
der Kessel geheizt, daß man auch bei empfindlichen Minus-Temperaturen
arg ins Schwitzen kommt. Dabei werden einem die Songs allerdings nicht
mit der Kohleschaufel um die Ohren geballert, sondern die Hiebe kommen
mit Schmackes. Denn der Melodien-Reichtum ist beachtlich. Auch wenn
man von dieser Art Scheiben zwei Dutzend im Schrank zu stehen hat und sich
schon 20mal schwor, keine In Flames-, Soilwork-, Dark Tranquillity-Ligisten
mehr zu dulden, wird man dieses Teil mit Vergnügen dazwischen schieben.
In dem Bewußtsein, es immer mal wieder mit freudiger Erwartung herauszukramen.
"Frailty"
JUB
NIGHTINGALE
"Alive Again: The Breathing Shadow Part IV" 10
Black Mark,
2003
Der grabsteinspröde
Gothic-Fan hat zwei Möglichkeiten: Entweder er wirft die neue NIGHTINGALE
frustriert an die Wand oder ihm geht auf, daß es neben der moll-schweren
Musik der Todessehnsüchtigen noch Klangweiten zu begehen gibt, die
in ihrer Größe unendlich scheinen. Es wird nämlich vermutlich
der Gothic-Fan sein, der sich auf NIGHTINGALEs "Alive Again: The Breathing
Shadow Part IV" stürzen wird, schlägt der Plattentitel doch eine
direkte Brücke zum Debüt der Band um Dan Swanö, das als
"The Breathing Shadow" 1995 erschien und Rosetta Stone und Sisters Of Mercy-beeinflußt
gewesen sein soll. Davon ist allerdings heute absolut nichts mehr zu hören.
Dan Swanö und Bruder Dag Swanö - firmiert hier unter dem Namen
Tom Nouga - sehen sich von Bands wie ZZ Top, UFO, Moxy, Judas Priest, Spocks
Beard und Genesis oder Musikern wie Michael Schenker beeinflußt.
Inwieweit das herauszuhören ist, sollte jeder selbst einschätzen.
Wenn Ihr über einen Chris Rea-Anfang bei "Eternal", dem "Beat It"-Riff
von Michael Jackson bei "State Of Shock" hinwegsehen könnt und dem
Ganzen allerdings noch ein paar Whitesnake-Überreichweiten zugesteht,
könnte das Inspirationsfeld schon recht gut umrissen sein. Allerdings
an einer Band kommen NIGHTINGALE nicht vorbei. Und an der werden sich die
Schweden wegen der unverkennbarsten Parallelen messen lassen müssen:
Asia. Arrangements, Melodien, Satzgesänge in den Refrains, selbst
der Einsatz der Keyboards und die Gitarrenarbeit erinnern an Asia seit
"Aqua", als John Paynes Stimme zum Markenzeichen der Briten wurde.
Appropos Stimme.
Was Dan Swanö hier abliefert, kann getrost als seine beste Leistung
seit Beginn seiner Musiker-Karriere bezeichnet werden. Mit soviel Wärme
und traumwandlerischer Sicherheit bekommt Ihr im Heavy Metal selten Sangeskünstler
zu hören.
"The One"/"Into
The Light"
JUB
GREENFLY
"Hidden Pleasures Of A Nonexistent Reality" 8
Morbid Rec.,
2003
Grün kann
doch wirklich eine widerliche Farbe sein. Bei Type O Negative zum Beispiel.
Deren Tonträger fallen doch schon deswegen auf, weil sie so unangenehm
aussehen. Wie auch bei GREENFLY aus Spanien. Deren Grün ist noch schreiender.
Aber auch häßlich. Um so hüscher ist die Musik, denn die
Band weiß, ihren Death Metal mit Elementen anzureichern, die man
so eigentlich nicht unbedingt schon einmal irgendwo anders gehört
hat. Das Grundgerüst der Musik ist klassisch: Death Metal der alten
Schule, intelligent gespielt. Ungewöhnlich wirken allerdings der heavy
rockende Groover "Hidden Pleasures Of A Nonexistent Reality", der leider
nur ein kurzes Outro ist. Oder "Crossbreaker" mit Passagen, die auch einer
europäischen Power Metal-Band hätten einfallen können. "Living
Beyond Suffering" bringt die Scheibe "Hidden Pleasures Of A Nonexistent
Reality" dann quasi auf den Punkt: Mit schwerfälligen instrumentalen
Doom-Klängen gehts los, um im zweiten Teil mit rüden deathigen
Themen dem Stück einen völlig anderen Charakter zu verpassen.
Auffällig auf der CD ist der Grindcore-Gesang, der zwischen heiserem
Gekreische und üblen Growls wechselt. Texte scheint es dabei nicht
zu geben.
Hier sollte
man ruhig mal ein Ohr riskieren. Vor allem, weil die CD nach zwei- oder
dreimaligem Hören längst nicht all ihre Geheimnisse offenbart
hat.
"Living
Beyond Suffering"
JUB
ARCH
ENEMY "Anthems Of Rebellion" 9
Century Media/Magic
Arts, 2003
Das Vermächtnis
von ARCH ENEMY ist bereits so umfangreich, daß sich die Schweden
ihren Platz im Heavy Metal-Wallhalla gesichert haben. Daran würden
auch Mega-Flops in Serie nichts mehr ändern. Aber die Amotts und Co.
müßten vermutlich von schweren Hirnkrankheiten befallen werden,
um nicht weiter geniale Übermenschlichkeiten zu erschaffen. Und selbst
dann stelle ich mir ein Album mit bizarrer Musik vor, die ihre Fans finden
würde.
"Anthems Of
Rebellion" zeigt die Band aber in bester Verfassung. Alles gesund im Hause
ARCH ENEMY, denn das neue Album platzt erneut vor betörender Song-Ideen
aus allen Nähten. Und obwohl sich ARCH ENEMY getrost an das Kopieren
von "Wages Of Sin"-Material machen könnten, ohne dabei qualitativ
abzufallen, geht die Band trotzig neue Wege. Das beginnt zum Beispiel damit,
daß "Anthems Of Rebellion" nicht wie der Vorgänger gleich beim
ersten Durchlauf ins Ohr geht. Zwar sind Refrain-Zeilen wie "Dead Eyes
See No Future" unwiderstehlich, aber schon in der Strophen-Rhythmik geht
man Umwege. Leichte Widerstände mag man auch bei den meisten der anderen
Songs verspüren, denn die Melodien sind oft in dem hyper-aggressiven
Thrash/Death Metal-Konstrukt der ARCH ENEMY-Musik verborgen. Sobald aber
Sachen wie "We Will Rise" vollständig aufgegangen sind, werden sie
zu Offenbarungen. Die zwingenden Riffs - zum Beispiel "Silent Wars" oder
"Instinct" - deuten auf eine ganz starke Thrash Metal-Schlagseite, wogegen
die Soli oft so gefühlvoll daherkommen, daß sie nicht nur einmal
der Hauch melodiösen Power Metals umweht. Natürlich ist es Angela
Gossow, die den ARCH ENEMY-Sound wesentlich mitträgt, allerdings machen
die neuen männlichen Background-Vocals einiges her (zum Beispiel "Dehumanization").
Warum fehlt
ein Punkt an der 10? Das kann man mit Songs wie "Exist To Exit" oder "Despicable
Heroes" erklären, denen der letzte Funke fehlt, die vor allem die
brutale Seite der Band dokumentieren, dieses ganz bestimmte Flair aber
ein wenig vermissen lassen. Aber das ist nur ein unwesentlicher Schönheitsfehler.
ARCH ENEMY sind auch anno 2003 eine der stärksten Heavy Metal-Bands
der Welt.
"We Will
Rise"
JUB
KISS
„Symphony Alive IV“ 10
Kiss Records/Sanctuary,
2003
Sie sind schon
30 Jahre dabei und mischen in regelmäßigen Abständen immer
wieder das gesamte Business auf. So gibt es seit kurzem Kiss Records. Wie
sagt Gene Simmons? "Wir stimmen dem alten Ausspruch ,Kannst Du sie nicht
besiegen, verbünde Dich mit ihnen' nicht zu. Wir glauben, daß
wir sie schlagen können." Plattenindustrie-Schelte vom KISS-Basser?
Das muß verkehrte Welt sein. Ist es vielleicht auch, denn mit "Alive
IV" kommen uns die Party-Rocker mit symphonischer Orchester-Begleitung.
Vor 40 000 Fans im Telstra Dome im australischen Melbourne verstärkten
sich KISS mit dem 60-köpfigen Melbourne Symphony Orchestra und zelebrierten
Songs ihrer legendären Karriere: "Detroit Rock City", "Love Gun",
"Black Diamond", "I Was Made For Lovin' You"... Das Bombast-Feuerwerk gibt
es allerdings erst auf CD zwei dieses grandiosen Doppeldeckers, denn der
erste Silberling enthält zur einen Hälfte das typische KISS-Geschredder
mit "Deuce", "Strutter", "Let Me Go Rock'n'Roll", "Lick It Up", "Calling
Dr. Love" und "Psycho Circus". Auffällig sind die auf den Punkt gespielten
Soli, die Ace Frehley in den zurückliegenden Jahren eher etwas nachlässig
hinwarf. Allerdings ist der Qualitäts-Sprung nicht verwunderlich,
denn seit einigen Monaten steht Tommy Thayer an der zweiten Klampfe. Teil
zwei auf CD eins sind akustische Versionen von "Beth", "Forever", "Goin
Blind", "Sure Know Something" und "Shandi", unterstützt von einem
symphonischen Ensemble. Diese Versionen beweisen unverkennbar, daß
KISS manchmal einfach nur nette Pop-Songs geschrieben haben.
Kommen wir
noch einmal zum Herzstück dieser Doppel-CD. Könnt Ihr Euch die
Original-Versionen von "King Of The Night Time World", "Shout It Out Loud",
"God Of Thunder" oder "Rock And Roll All Nite" vorstellen, wie sie von
durchgeknallten Streichern, Bläsern und Perkussions-Leuten voll Inbrunst
zu einem Star Wars-Soundtrack aufgeblasen werden? Wenn Ihr Zweifel daran
habt, daß es funktioniert, müßt Ihr Euch "Symphony Alive
IV" zulegen. Wenn Ihr es glaubt, sowieso. Und wer KISS bisher zu simpel
fand, könnte hier vielleicht endlich jene Nuance entdecken, die ihm
an den Amis bisher immer fehlte.
Übrigens,
niemanden sollte denken, wenn sich KISS mit einem Symphony-Orchester verbünden,
hätte das irgend etwas mit den Klassik-Ausflügen von Leuten wie
Metallica oder den Scorpions zu tun. Während Letztgenannte ihre Musik
dem Klang-Rahmen eines klassischen Klangkörpers anpaßten machten
es KISS genau umgekehrt: Sie holzten ihren Stoff wie gewohnt herunter und
die Orchester-Begleitung wurde dazu-arrangiert. Und daß dieser musikalische
Ausflug einmal mehr der KISS-Philosophie des grenzenlosen Spaß' am
Leben entspricht, unterstreicht schon jene Tatsache, daß alle 60
seriösen Musiker des Melbourner Klangkörpers in KISS-Bemalung
auf ihren Schemeln sitzen. Nur Kult.
„Deuce“/"Detroit
Rock City"
JUB
FOUR
STAR MARY „Welcome Home“ 3
Spitfire,
2002
Ich könnte
mich anpissen, wenn ich dieses "hart gearbeitet" oder "Schritt für
Schritt den eigenen Stil entwickelt" oder "konnten mit ihrer Musik überzeugen"
lese. Und dann erfährt man, daß die Truppe erst seit 1997 existiert
aber schon Songs in den TV-Serien "Party Of Five" und "Buffy The Vampire
Slayer" unterbrachte. Ach so, und bei MTVs "The Real World" und "Road Rules"
war man auch schon. Hier reden wir natürlich nicht von einem Hype,
nein, auf gar keinen Fall. FOUR STAR MARY sind mit ihrem Gitarren-Rock
zwischen Grunge und Stained aber auch sowas von innovativ und außergewöhnlich,
daß man sich bald nicht mehr einkriegt. Na gut, ein paar nette Nummern
hat dieses Album "Welcome Home". Wenn die Band aber das lockere Freeway-Tempo
verläßt, werden die Songs zäh, die Melodien gewollt und
alles geht nur noch in Richtung gefälliger Radiotauglichkeit.
„Train“
JUB
TOTAL
ECLIPSE "Ashes Of Eden" 4
LMP/SPV, 2002
Sie haben ihre
Bay Area nicht vergessen, die Amis. Die einen denken dabei sicher vor allem
ans Baden, Surfen und Sonnen. Ein paar andere erinnern sich allerdings
eher an die Zeit, als Slayer, Anthrax, Metallica und andere Heavy Metal-Bands
die Welt eroberten. Da war "Bay Area" fast schon die Bezeichnung eines
neuen Musik-Stils. Jetzt, wo die Staaten Metal-historisch in die völlige
Bedeutungslosigkeit versunken sind, kann Bay Area bestenfalls als territoriale
Orientierung für die Herkunft einer Band herhalten. Assoziationen
mit einer bestimmten Musik werden nicht mehr geweckt. Auch wenn das manche
Label-Leute einfach nicht einsehen wollen.
TOTAL ECLIPSE
kommen von eben dort, der Bay Area, San Francisco. Und sie machen US Power
Metal. Haben mit der Musik von einst also nicht viel zu tun. Vielmehr hört
man den Songs der Band an, daß man wirklich bemüht war, Stücke
zu komponieren, die einem bestimmten Anspruch gerecht werden. Daher kann
man auf "Ashes Of Eden" auch kein aggressives Geballer erwarten. Vielmehr
agiert der Fünfer hier und da etwas überambitioniert, was durchaus
auch mal aufgeblasen oder theatralisch wirkt ("Heaven On Their Minds").
"In Remembrance" klingt gar wie eine mühselig geflickte Dampfmaschine,
die nicht ganz rund läuft, schnauft und stampft, und wenn sie die
optimale Drehzahl erreicht hat, bringt sie nicht die volle Leistung. Das
trifft eigentlich auch auf "Frozen In Time" zu. Obendrein hat man an manchen
(wenigen) Stellen den Eindruck, daß Sänger Andrea Giardina an
seine Grenzen stößt. Bei "The Gatekeeper" oder "Tears Of The
World" weiß man im ersten Moment gar nicht so reht, was TOTAL ECLIPSE
von einem wollen.
Richtig geil
sind die Amis lediglich in ihrem Opener "Storm Warning". Bei dem Stück
stimmt einfach alles: die Power, das Tempo, die Refrain-Melodie, das Arrangement.
Nur ist dies leider eine Ausnahme.
"Storm
Warning"
JUB
ARENA
"Contagion" 8
Verglas Music/SPV,
2002
Der Unterschied
zwischen progressiven Metal-Bands aus den Staaten und Großbritannien
ist eklatant. Während die Amis das neoklassische Gefrickel bevorzugen,
das stark durch die 80er Jahre geprägt wurde, sind die Briten ganz
den 70ern verhaftet. Das ist bei Pallas und Marillion logisch, da sie aus
jener Zeit stammen. Aber selbst Jade, Threshold und ARENA tragen das Erbe
der frühen Genesis, Yes oder Emerson, Lake & Palmer weiter. Bei
ARENA kommt noch der enorme Bezug zu Marillion hinzu, was sicher nicht
nur an Ex-Marillion-Schlagzeuger Mick Pointer liegen wird. Und wenn man
es ganz exakt nehmen möchte, sind ARENA auch lediglich der Marillion-Ära
verhaftet, die von Sänger Fish geprägt wurde. Das wiederum läßt
den Schluß zu, daß die Band mit den aktuellen Werken von Fish
durchaus eine Allianz eingehen könnte.
Das Ganze
ist auf einem äußerst hohen Qualitäts-Level aufbereitet,
benötigt aber eine gewisse Bereitschaft beim Zuhörer, den verträumten,
vertrackten oder epischen Weisen der Briten zu folgen. Wer sich allerdings
die Zeit nimmt, kann eine kleine musikalische Welt entdecken, wie sie ihm
vorher vielleicht noch nicht offen stand. Gesetz dem Fall, Ihr habt nicht
die gesamte Fish/Marillion-Diskographie im Schrank.
"Witch
Hunt"
JUB