ABGEHÖRT vom 26. Oktober 2004

INNERSELF
"Emotional Disorder"
Erschienen: 2003
Label: Locomotive Music
Homepage: www.innerselfzone.com
INNERSELF - Emotional Disorder On Air: "Change The World"/"Hate Feeds Hate"
Um es vorweg zu nehmen: "Emotional Disorder" von INNERSELF ist für mich d i e Entdeckung des Jahres. Es gab 2004 wirklich bereits einen Berg von herausragenden Alben, die eigentlich in jeden CD- und Plattenschrank gehören, diese Scheibe jedoch hat mich nicht nur geplettet, sondern vom ersten Song an sofort in Begeisterung ausbrechen lassen.
Grund für diese emotionale Leichtfertigkeit ist die Tatsache, daß sich bei INNERSELF zu jeder Sekunde das manifestiert, was Heavy Metal definiert: ungezügelte Energie. Und die muß nicht künstlich durch hektisches Blast-Getacker oder magentiefen Grunzgesang erzeugt werden, sondern entsteht einzig und allein durch wuchtige Riff-Wände, die nicht einmal besonders variieren. Die Musik von INNERSELF hat die Wucht, Kraft und Gewalt der besten US-Power-Metal-Bands, ist allerdings völlig entschlackt worden. Keine progressiven Verbiegungen, keine Rhythmus- oder Tempo-Brüche, keine Vokal-Turnereien, kein Solo-Firlefanz - bei INNERSELF gibt es ohne Unterlaß immer genau auf die Zwölf. Man könnte diese CD hindurch headbangen und kein einziger Umweg (abgesehen von dem Instrumental "Dead Calm") würde einen aus dem Rhythmus bringen.
Obendrein sind die Stücke trefflich komponiert, daß sie sich sogar erlauben, festzusetzen und hat Sänger Fernando Mateos jene Stimme, die immer klar genug bleibt, um die Melodien zu markieren, und doch so rauh ist, daß sie unter die Haut geht. INNERSELF sind für mich derzeit definitiv die beste spanische Heavy-Metal-Band. 10 von 10
JUB

WATCH THEM DIE
"Watch Them Die"
Erschienen: 2004
Label: Century Media/Magic Arts Publ.
Homepage: www.watchthemdie.com
WATCH THEM DIE - Watch Them Die On Air: "The Struggle"
Wieder was Neues aus Amiland. Diesmal aus San Fransisco, wo sich vor 35 Jahren noch jeder junge Mensch Blumen hinter die Ohren klemmte. Heutzutage wird zugeschaut, wie andere verrecken: WATCH THEM DIE. Und diese Hardcore/Thrash Metal-Mischung ist wirklich saufies. Die Gitarren messerschaft, der Gesang giftig oder einlullend und die Songs kommen mit einer Wucht, als würde ein Haufen schwerbewaffneter Straßengangster in einem vollbesetzten Restaurant seine Magazine leerballern. Und das dauert und dauert, Overkill nennt man das. Die Leute liegen schon durchlöchert in der Gegend herum, zucken aber immer noch, weil wieder und wieder Geschosse in ihre aufgerissenen Leiber dringen. Und wer der Meinung ist, nach vier, fünf Songs das Brutalo-Repertoire der Band erfahren zu haben, wird mit "Sadist Ways" und dem achteinhalbminütigen "Resurrection" eines Besseren belehrt. Hier geht es noch einmal richtig zur Sache, wird gnadenlos hingerichtet, auch wenn kleine Mädchen Tränen vergießen.
Fettes Album, meine Herren. 8 von 10
JUB

CRIMINAL
"No Gods No Masters"
Erschienen: 2004
Label: Metal Blade
Homepage: www.criminal1.com
CRIMINAL - No Gods No Masters On Air: "Doggy Style"/"1000 Miles Of Cock"
Bei diesem Album sollte man am Ende anfangen. Auch wenn "Aberration", der Industrial-lastige Opener, mit seinem Stakkato-Rhythmus mächtig die Eingeweide durchrüttelt, haben die Ex-Chilenen von CRIMINAL ihre Übernummer für den Schluß aufgehoben. Oder wie anders soll man einen Song wie "Faceless" bezeichnen, der trotz aller Heftigkeit mit einer wunderhübschen Refrainmelodie daherkommt. Übrigens kann diese auffällige Verquickung als ein Markenzeichen von CRIMINAL gewertet werden. Denn es kann noch so hölzern zugehen, leicht schwebenden Melodie-Segmente (meist vom Keyboard unterstützt, manchmal übernimmt das auch die Leadgitarre) tauchen immer wieder auf. Richtig wahr nimmt man diese Nuance erst beim dritten oder vierten Durchlauf von "No Gods No Masters", denn der erste Eindruck ist gnadenloses Gebolze, das manchmal gar über sich selbst herzufallen scheint. Aber bei näherem Hinhören wird aus dem Death/Thrash-Kraftakt der Wut ein clever durchgezeichnetes Album, das mit jedem Song zu wuchern versteht, da ständig etwas Neues geschieht.
Man erinnere sich an das Vorgänger-Album "Cancer" (2000), das schon sehr stark war. Dieses Teil hier ist noch um eine Note besser. Vielleicht liegt es am Umzug der Band nach England, wo man sich Leute wie Zac O'Neil von Extreme Noise Terror oder Mark Royce (Ex-Entwined) in die Band holte. Lediglich die beiden Standbeine Rodrigo Contreras (ld-g) und Pentagram-Legende Anton Reisenegger (g/voc) blieben. 9 von 10
JUB

DIES ATER
"Out Of The Dark"
Erschienen: 2004
Label: Black Attakk/Soul Food
Homepage: www.diesater.de
DIES ATER - Out Of The Dark On Air: "Out Of The Dark"/"Death To Last"/"Ewiges Eis"
DIES ATER schocken. Nein, nicht wie es einige unzufriedene Zeitgenossen jetzt wieder vermuten mögen, denn politisch ist die Band auch auf ihrer neuesten EP völlig zurückhaltend. Vielmehr klatschen die Berliner der Fangemeinde ein Brett vor die Rübe, indem sie eine eigene Version des Falco-Hits "Out Of The Dark" präsentieren. Ha, und was für eine. Nicht, daß die Band den Song des Österreichers jetzt zum ultimativen Black-Metal-Hammer umfunktionierte, vielmehr sind DIES ATER trotz hinzugefügter Gitarrenwucht nah am Original und dramatiisren das Ganze mit Unfallgeräuschen und dem Ton einer Herz-Rhythmus-Machine. Das erzeugt beißende Gänsehaut.
Der zweite neue Song, "Death To Last", hat trotz des Black-Metal-Verweises genau wie "Out Of The Dark" einen Hang zum Gothic. Darüber hinaus - und das ist von immenser Bedeutung - ist das Stück ebenso wie das sich anschließende "Ewiges Eis" durch und durch rund. Nahe an den klassischen Songstrukturen, eindringliche Melodie-Themen, die sich songdienlich wiederholen, Überflüssiges weggelassen, um die Nummer flüssig zu machen. Wie sagte Keyboarder Ole Caust in einem INTERREGNUM-Interview? Es sei nichts so schwer, wie simple, nachvollziehbare Songs zu schreiben. Das ist den DIES ATER-Leuten auf "Out Of The Dark" großartig gelungen.
Am Ende gibt es noch eine neue Version des "Chanting Evil"-Stücks "Dethrone The Weak Mortality". 9 von 10
JUB

JORN
"Out To Every Nation"
Erschienen: 2004
Label: AFM
Homepage: www.jornlande.com
JORN - Out To Every Nation On Air: "Young Forever"
Soloschlag Nummer drei. Wie kann ein Musiker in 356 Bands singen, die sich zum größten Teil völlig unterscheiden (Masterplan, Ark, Millenium, Snakes, Vagabond, Mundanus Imperium) und dann noch bei Soloarbeiten - JORN ist natürlich als Bandprojekt zu werten - einen Variantenreichtum präsentieren, als hätte hier jemand seine ganzen Kreativquell ausgeschöpft. Nehmen wir nur den Vorgänger "Worldchanger" (2001). Der war vor allem trefflicher Melodic Metal mit einem Hang zu epischen Momenten. Auf dem neuen Album gibt der norwegische Kultshouter Jorn Lande uns die Progressiv-Kante. Aber nicht gar zu eckig. Denn "Out To Every Nation" oder "Behind The Clown" sind unter die Haut kriechende Songs, die gerade auch von Landes Stimme getragen werden. Die klingt übrigens immer noch hier und da nach David Coverdale, was der Nordländer nicht zu verstecken braucht, denn so gut wie JORN in "Something Real" waren Whitesnake schon lange nicht mehr.
Vertrackt und dramatisch gestaltet kommen uns JORN bei "Living with Wolves" und treiben es bei dem Mini-Werk "Vision Eyes" auf die Spitze. Und bevor das Album abrupt abbricht, drücken JORN uns mit "When Angel Wings Were White" noch einen rein. Man erwartet bei dem zu Herzen gehenden Einstieg ein Mammut-Werk, das dann schließlich doch nur ein Fragment zu sein scheint.
Textlich ist Jorn Lande immer noch auf dem Weltverbesserer-Tripp. Das ist aber nie peinlich oder aufgesetzt. Erst recht nicht, da der Norweger durchaus immer wieder den Patrioten raushängen läßt (siehe Cover-Foto).
Im Großen und Ganzen ist der Vorgänger ob seiner Eingängigkeit ein bißchen besser (was natürlich reine Geschmackssache ist), nichtsdestotrotz bleibt "Out To Every Nation" ein Album mit Langzeitwirkung. 8 von 10
JUB

CAMULOS
"Spiel des Blutes"
Erschienen: 2003
Label: Christhunt Prod.
Homepage: ---
CAMULOS - Spiel des Blutes On Air: "Spiel des Blutes"
Anfang, Mitte der 90er war eine neue Qualität in den Heavy-Metal-Underground eingedrungen: das Anpissen. Nein, das ist nicht der Beginn des Natursekt (NS)-Black-Metals gewesen, sondern markierte die Eröffnung von Grabenkämpfen, bei denen sich Gruppen untereinander in Interviews oder bei anderen Gelegenheiten die Lunte an die Füße legten. Um sich selbst zu erhöhen, mußten andere niedergemacht werden. Seinen Höhepunkt erreichte das Ganze mit dem Vorwurf extremer politischer Umtriebe. Im Schaffen der Bands war davon in 99 Prozent der Fälle nichts zu vernehmen. Aber jeder wußte was, hatte jenes gehört und gelesen, dies oder das erlebt. Und Grußlisten in CD-Booklets oder provozierende Aussagen in Interviews wurden als Beweismaterial herangezogen. Wie wirksam solche Diffamierungen in Deutschland sind, dürfte jedem bekannt sein.
Auch CAMULOS sind einer beispiellosen Hetzkampagne ausgesetzt, obwohl sie in ihren bisherigen Tonträgerveröffentlichungen mit keinem Wort politische Statements ablassen (sofern man religiöse Bekenntnisse nicht dazu zählt). Denn wie schon auf dem bereits indizierten Vorgänger "Der Untermensch" (übrigens nicht aus politischen Gründen) strotzt auch "Spiel des Blutes" nur so vor Haßtiraden gegen das Christentum. Dabei bekommt man allerdings keine Plattheiten zu hören. Allein der Titelsong mit seiner Geschichte über eine junge Frau, die dem mittelalterlichen Hexenwahn zum Opfer fiel, ist ein ergreifendes Stück Musik, das einem die pure Gänsehaut über den Rücken jagt. Unmißverständlich bringen Nazgul und Zorn in Stücken wie "Herr der Sklaven", "Der Antichrist" oder "Gottes Geschenk" ihre Haltung zu einer Religion zum Ausdruck, die seit 1000 Jahren die Welt verheert und deren Speerspitze, die USA, zur Vernichtung aller Andersdenkender aufmarschiert ist.
Getragen werden die Botschaften von CAMULOS durch rauhen aber kompakt aufgebauten Black Metal, der sich - wie in "Heil dem Krieg!" oder "Antichrist" - auch Death-Metal-Einflüssen nicht verschließt. Die Melodien sind tatsächlich eingängig und machen ein Wiederhören der CD zur Wonne.
Ein Hinweis an alle zart besaiteten Political-Correctness-Gemüter, die sich eigenartigerweise Death- oder Black-Metal-Fans nennen und den Ton von CAMULOS als zu heftig empfinden: Laßt Euch von Euren großen Geschwistern mal die Texte Eurer amerikanischen oder skandinavischen Lieblingsband übersetzen. Ihr werdet einen ganzen CD-Schrank ausräumen müssen. 8 von 10
JUB

ABYDOS
"The Little Boy's Heavy Mental
Shadow Opera About The
Inhabitants Of His Diary"
Erschienen: 2004
Label: InsideOut
Homepage: www.vandenplas.de
ABYDOS The Little Boy's Heavy Mental Shadow Opera... On Air: "The Inhabitants Of His Diary"/"Wildflowersky"
Wenn Vanden Plas-Schlagzeuger Andreas Lill im Intro "The Inhabitants Of His Diary" den Schlagzeuglehrer mimt, mag man beeindruckt sein oder sich dezent vor einer Progressiv-Protz-Lawine fürchten, denn immerhin liegt mit "The Little Boy's ..." das erste Album des Projektes des Vanden Plas-Sängers Andy Kuntz, ABYDOS genannt, vor. Und man weiß ja nie, was die Musiker progressiv angehauchter Bands im stillen Kämmerlein so ausbrüten. Man denke da nur an Jonas Reingold, der mit seinen Flower Kings nicht genug bekam und die noch vertrakteren Karmakanic ins Leben rief.
Andy Kuntz ist da von einem ganz anderen Kaliber. Denn der schreibt durchweg Songs. Egal, ob die nun 4.46 Minuten lang sind oder sich auf 12.03 Minuten ausdehnen. Immer, wohlgemerkt immer, bekommt man eine tragende Melodie geboten, die nicht nur schön ist, sondern meist sogar unglaublich eingängig. Schon "Silence", die dritte Nummer auf diesem Album, faßt das Ganze zusammen. Hier bilden die starke Refrainmelodie, krachharte Gitarrenriffs und ein sanftes, fast sphärisches Elektronic-Zwischenstück ein selten gehörtes Zusammenspiel. Schwere Dramatik und die schon erwähnte Eingängigkeit treffen in "Coppermoon (The Other Side)" aufeinander, um sofort eine Verbindung einzugehen. Und schon wenig später, bei "Radio Earth" umschwirren uns glitzernde Goldsternchen, plustern sich rosa Wolken auf, sieht man alles in Bonbonfarben, wenn ABYDOS uns ganz soft kommen, um dann irgendwann mit "Abydos" den symphonischen Wahnsinn auf uns herabzugießen. Manch ein Film würde sich solch eine Orchestergewalt wünschen.
Hier sind nur einige Songs herausgepickt, die anderen stehen den genannten in nichts nach. Das ist insofern ungewöhnlich, daß es sich bei "The Little Boy's ..." um ein Konzept-Album handelt, das auf einem von Kuntz verfaßten Theaterstück basiert. Da neigt man häufig zu Füllern, um die Handlung voranzutreiben. Bei ABYDOS ist davon absolut nichts zu merken.
Auch wenn ich an dieser Stelle sentimental wirke, aber ABYDOS haben eines der besten Alben diesen Jahres vorgelegt. 10 von 10
JUB

UFO
"You Are Here"
Erschienen: 2004
Label: Steamhammer/SPV
Homepage: http://ufo.dave-wood.org
UFO - You Are Here On Air: "Call Me"

UFO waren eine der ungewöhnlichsten Heavy-Metal-Bands der 70er Jahre - und für mich eine der besten. Bis Michael Schenker hinzukam. Der deutsche Scorpions-Abgang machte aus der spacigen Beinahe-Prog-Band einen Melodic-Act, der zwar sehr erfolgreich, jedoch musikalisch unscheinbarer wurde. In den 80ern war es dann ein ständiges Auf und Ab, auch stilistisch versuchten sich die Mannen um Phil Mogg (einer der begnadetsten Sänger im Business) und Pete Way an einigen Winkelzügen. Und auch wenn UFO viele die US-Melodic-Metal-Phase ("Misdemeanor") übel nahmen, schuf die Band gerade in dieser Zeit einige der besten Songs, ohne Michael.
In den 90ern gelangten UFO ausgerechnet mit dem Rein und Raus von Schenker immer wieder in die Schlagzeilen, sind aber musikalisch erneut ohne den dominanten Gitarristen am besten. Denn "You Are Here" ist ein Album voller gut hörbarer Rock-Songs, die eigentlich völlig gegen den Zeitgeist gebürstet wurden. Mit Vinnie Moore an der Gitarre (wieder solch ein Virtuose), haben sie merkwürdigerweise einen Mann am Start, der sich mit Kaspereien zurückhält und völlig song- und damit banddienlich arbeitet. Jason Bonham leistet ganze Schlagzeugarbeit und erinnert in der wuchtigen Art zu trommeln an seinen Vater (John Bonham, Led Zeppelin).
"You Are Here" ist ein nostalgisches Album, das viel bluesiges Feeling transportiert. Das heißt aber nicht, Ihr hättet es hier mit einer Bluesplatte zu tun. Der Heavy Rock steht eindeutig im Mittelpunkt. Allerdings passiert hier nichts zum Selbstzweck, sind die Stücke sämtlichst gut durchdacht. Vielleicht bleiben auch deswegen speedige Nummern aus. 8 von 10
JUB

DREAM EVIL
"The Book Of Heavy Metal"
Erschienen: 2004
Label: Century Media
Homepage: www.dreamevil.se
DREAM EVIL - The Book Of Heavy Metal On Air: "Only For The Night"/"Book Of Heavy Metal"
Sie spielen eigentlich seit Gründung im vorderen Drittel der klassischen Heavy-Metal-Szene mit. Auf jedem bisher veröffentlichten Album haben sie obendrein HM-Huldigungssongs, die sämtlichst zu Kultklassikern avancieren könnten. Und um das Ganze perfekt zu machen und die unmißverständliche Ausrichtung zu betonen, heißt Scheibe Nummer drei mal gleich "The Book Of Heavy Metal". Und das ist gar nicht mal hochgestapelt, denn einmal mehr werden uns Songs um die Ohren gepatscht, die vor Riff-Orgasmen nur so strotzen. Logisch, daß da der Titelsong ganz besonders herauszuheben ist. Ebenso "The Sledge" oder "The Mirror". Mit "Let's Make Rock" gibt es Reminiszensen an Saxons "Dallas 1 pm" und "No Way" läßt Ozzy Osbourne wach werden. Herausragend ist einmal mehr die Gitarrenarbeit, was nicht verwundert, denn der Jung-Grieche Gus G. hat wieder ganze Arbeit geleistet und ist ja bekannter Weise bereits eine Leuchte in der Szene.
In Zukunft wird es vermutlich schwerer für die Schweden von DREAM EVIL, den Gus G. hat sich von der Band getrennt, um mehr Augenmerk auf seine Bands Firewind und Mystic Prophecy zu legen. 7 von 10
JUB

NECROPHAGIA
"Goblins Be Thine"
Erschienen: 2004
Label: Red Stream
Homepage: www.necrophagia.com
NECROPHAGIA - Goblins Be Thine On Air: "To Sleep With The Dead"
Jaaaaa, Ihr könnt Euch wieder im Blut suhlen, durch den Kot kriechen, Euch mit Sperma und Sekret übergießen - NECROPHAGIA sind wieder da. Zwar gibt es nur ein Mini-Album, dafür ist es umso grandioser. Der Opener, "Sadako's Curse", ist in bester Polter-Manier im Sodomschen "Obsessed By Cruelty"-Stil gestaltet, was mit "To Sleep With The Dead" allerdings sofort ein Widerpart entgegengesetzt bekommt. Hier gibt es nämlich die gesamte Titel-Melodie von Jörg Butgereits "Necromantik"-Filmen. Und das ist richtig widerlich. Wer den ersten Teil kennt, weiß, was ich meine. "Young Burial" ist ein verkrüppeltes Kind, aus Elektronik und Doom gezeugt, und bildet mit seinen zwölf Minuten nicht nur das zeitliche, sondern auch musikalische Herzstück der CD. Da laufen tatsächlich Bilder vor dem geistigen Auge ab, wie sie abscheulicher nicht sein können. Diese akustische Tortur wird mit "The Fog" und "Goblin Be Thine" fortgesetzt, wobei der letztere mehr ein Noise-Konstrukt darstellt. Der Hidden-Track ist ein Bastard aus NECROPHAGIA-Geballer und Film-Samples. Haut rein, vor allem die armen Frauen, die da schreien müssen. Danke, Killjoy, Du perverses Tier, schön, daß es NECROPHAGIA gibt. Dadurch bleibt einem die Hoffnung erhalten, daß Amiland nicht nur aus abartigen, katholischen Bush-Wählern besteht.9 von 10
JUB

THE RAVENOUS
"Blood Delirium"
Erschienen: 2004
Label: Red Stream
Homepage: www.necrophagia.com
THE RAVENOUS - Blood Delirium On Air: "Baptized By Demons Piss"
Killjoy-Phantasien (oder die Aufzeichnung von Abenteuern?!) die Zweite. Während der Necrophagia-Mann mit seiner Hauptband gerade das splattrig-morbide "Goblins Be Thine" veröffentlichte, legt er jetzt auch mit dem Projekt THE RAVENOUS einen nach. Und hier geht es nicht weniger brutal zu. Thema? Hört sie schreien ("August Underground") und stöhnen ("Baptized By Demons Piss"), dann wißt Ihr, hier geht es nicht ums Socken häkeln. Musikalisch sind THE RAVENOUS gar noch einen Tick polteriger als Necrophagia. Wenn auch unter dem Death-Metal-Banner gelistet ist der Grindcore auf "Blood Delirium" nicht weit. Allerdings ist das Ganze nicht sehr abwechslungsreich, und man scheut sich auch nicht vor Jammerkaken-Soli, die so spannend nunmal nicht sind. Trotzdem klingen auch aus diesem ungestümen Gerödel Ohrwürmer heraus, "Gore Whore" zum Beispiel.
Gore-Fans müssen RAVENOUS haben, jene, die Feinheiten lieben, sollten vielleicht erst einmal ein Ohr riskieren (boah, welch Wortwitz), bevor sie sich das Teil zulegen. 6 von 10
JUB

1349
"Beyond The Apocalypse"
Erschienen: 2004
Label: Candlelight/PHD
Homepage: www.khaoz.no
1349 - Beyond The Apocalypse On Air: "Perished In Pain"
Fett, fetter, am fettesten. Die gnadenlose Hysterie von Marduk trifft auf Anflüge aus dem Hause Emperor. Und Satyricons Frost trommelt seinen Marsch dazu. Obendrein sind 1349 auf "Beyond The Apocalypse" mit einer so satten Produktion ausgestattet, daß dieser Black Metal hier die Wucht von Death-Walzen hat. Weitere Umschreibungen erübrigen sich, denn der Schlag mit einer Eisenstange ins Gesicht ist ebenfalls völlig unmißverständlich und bedarf keiner Erklärungen. 9 von 10
JUB

THRUDVANGAR
"Ahnenthron"
Erschienen: 2004
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.thrudvangar.de.vu
THRUDVANGAR - Ahnenthron On Air: "Ahnenthron"
Was sich mit der "Vorab-CD" (siehe Abgehört vom 29. Juni 2004) ankündigte, wird nun mit "Ahnenthron" untermauert: Mit THRUDVANGAR schickt sich eine weitere ostdeutsche Band an, die Viking/Pagan-Szene aufzumischen. Und Potential haben die Jungs. Die Stücke "Kampf des Lebens", "Piraten des Nordens" und auch "Thingfrieden" (in dieser Reihenfolge) werden sich Euer bemächtigen wie die sagenhaften Sirenen. "Sonnenwende - Friedenszeit im germanischen Lande/Ein Krieger wird zum einfachen Mann/Der Alltag ist jetzt sein Kampf/Felder beackern, Vieh zu hüten ..." röchelt Sänger und Basser Sven und eine Gänsehaut schüttelt den Körper - und will nicht vergehen, wenn der Refrain hymnisch anklingt: "Schwert oder Hacke, Schild oder Pflug/Krieg und Alltag - großer Ruhm." Ja, so funktioniert es. So kommen wir unseren Vorvätern näher, wenn wir begreifen, daß sie nicht nur Kämpfe ausfochten, Schiffe lenkten oder Feste feierten. Der einfache Alltag war es, der auch ihr Leben bestimmte, die tägliche Sorge um die Familie. Das haben THRUDVANGAR wunderbar eingefangen.
Zu bemängeln wäre ein Teil der traditionellen wirkenden Melodien, die mal folkig anmuten, dann aber wieder zu sehr ins Mittelalterliche abdriften, was eher zu Kapellen vom Schlage In Extremo passen würde. Da werden THRUDVANGAR ihren Kompositionen noch etwas mehr Sorgsamkeit angedeihen lassen müssen. Der röchelnde Gesang von Sven ist außergewöhnlich, braucht sich aber schnell auf und hält für eine volle CD nicht die Spannung beim Hörer. Gut, daß ab "Kampf des Lebens" die reine Stimme häufiger auftaucht.
Nun, und die recht rauhe Produktion - einschließlich dezente rhythmische Unsicherheiten - soll hier nur erwähnt werden, nicht aber Gegenstand einer kritischen Bemerkung sein.
THRUDVANGAR haben also noch Raum für Entwicklungen, sind aber schon so gut, daß "Ahnenthron" jedem Viking/Pagan-Fan unbedingt ans Herz gelegt werden sollte. 8 von 10
JUB

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