An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABSOLUTE STEEL-Interview vom 26. November 2002


ABSOLUTE STEEL „The Fair Bitch Project“ 9
Edgerunner Rec., 2002

Absolute Steel - The Fair Bitch Project

„Perfect Party Metal“ nennen ABSOLUTE STEEL ihre Musik auf „The Fair Bitch Project“ und liegen mit dieser Bezeichnung absolut richtig. Denn in diesem Jahr ist wohl kaum eine andere Platte herausgekommen, die so unbeschwert gute Laune verbreitet wie diese hier.
Die Norweger haben ganz geschickt zwei Elemente verwoben, die bei den Headbangern schon immer für freundliche Gesichter sorgten. Zum einen ist das der typische 80er-Jahre-Stil, zum anderen das Thema Ficken.
Allerdings wird die CD erst einmal gekonnt mit einer Parodie auf Manowars „Warriors Prayer“ eingeleitet, um die Hörerschaft mit „We Sentence You To Death“ auf eine völlig falsche Fährte zu locken. Allerdings läßt die Band in „Leatherbride“ bereits die ersten Mädels ausgelassen stöhnen. In „Smooth And Shaved“ werden die weiblichen Lust-Seufzer kurzerhand zu einem Rhythmus-Element umfunktioniert (ähm, was sind sie eigentlich sonst?). „Crazy Horse“ wiederum wartet im Refrain-Teil mit einem der besten Gitarren-Riffs auf, die in diesem Jahr auf CD gebannt wurden. Glaubt man Sänger K2 schließlich, was er in dem Song „Too Good In Bed“ von sich gibt, dürfte seine Eichel ihm täglich störend zwischen den Fußknöcheln baumeln. Und so geht es Schlag auf Schlag weiter: „Spread Your Legs“, „Naughty Nanny“, „The Bitch And The Beast“ ..., um am Ende in dem Kampflied „Steelfront“ den 80er-Jahre-Metal-Höhepunkt zu erleben. Zwischendurch zaubert Andy Boss noch völlig abstruse Gitarren-Soli, die ob ihres Tempos jedem gestandenen Metaller ein verschmitztes Schmunzeln entlocken werden. Und wenn K2 mit Hilfe der modernen Technik in „Leatherbride“ 57 Sekunden lang auf einem Ton singt, weiß man schon, wo das hier lang geht.
„The Fair Bitch Project“ ist sicher nicht innovativ, die Scheibe hat nicht einmal Songs zu bieten, die man so noch nie gehört hat. Was sie aber hat, ist grenzenloser Witz und einen Spaßfaktor, der kaum zu überbieten ist.
„Intro: In The Beginning“/“We Sentence You To Death“/“Smooth And Shaved“/“Crazy Horse“/“Spread Your Legs“/“Leatherbride“/“Too Good In Bed“/“Naughty Nanny“

JUB

KAVIAR KAVALIER „Studio Y“ 7
Obscene Prod., 2002

Kaviar Kavalier - Studio Y

Kennt Ihr Master’s Hammer noch? War mal eine absolute Kultband aus der Tschechei. Sie starteten mit ultra-extremem Black/Death Metal, um wenig später merkwürdige Musik zu kreieren, die selbst Jiri Korn und Karel Gott bedenkenlos vorgetragen hätten. Völlig krank diese Typen.
Daß dem tatsächlich so ist, beweist seit rund acht Jahren Master’s Hammer-Mitmusiker Necrocock. Der lebt in seiner Musik nämlich konsequent seine Altherren-Phantasien aus. Und die drehen sich ausschließlich um Urin und Stuhlgang. Und so ist „Studio Y“ ein Musik gewordener Fäkal-Porno. Besonders pikant wird die CD allerdings erst durch die Hinzunahme der Songs des 94er Demos „Dreams Of Kaviar“. Dort stellt Necrocock unmißverständlich klar, daß er nach dem braunen Kack nahezu giert.
Für unsere Breitengrade dürfte diese CD doppelt interessant sein. Nein, nicht weil hier soviele Fäkal-Sex-Fans herumlaufen. Vielmehr singt Necrocock fast ausschließlich in deutsch. Hier ein paar Titelzeilen: „Gummiklinik“, „Erziehung zu Gummispielen“, „Kaviar“, „Geile Frau“ usw. Neben den Inhalten, die einigen von Euch Würgereize in die Kehle treiben könnten, ansonsten aber eher recht witzig sind, ist das schlechte Deutsch doch schon an sich einen Hinhörer wert. Nichts gegen die Aussprache, aber Necrocock verwendet nicht nur hin wieder völlig falsche bzw. nicht existente Wörter, sondern schlägt auch unsere Grammatik kurz und klein.
Die Musik von „Studio Y“ ist eine Mischung aus Industrial, Gothic und EBM. Starke Tendenzen zu Umbra et Imago, nur besser. Die hinzugefügten Songs vom Demo „Dreams Of Kaviar“ sind noch purer Metal.
„“Erziehung zu Gummispieler“/“Kaviar“/"Julia"

JUB

ZIMMERSHOLE „Legion Of Flames“ 7
Virusworx, 2002

Zimmershole - Legion Of Flames

Wenn es im Heavy Metal zu 90 Prozent auch bierernst zugeht - schwangen sich Bands mal zu Parodien auf, hatten sie oft den Anflug von Albernheiten (J.B.O., Randalica, A.O.K., Onkel Tom usw.). Selten waren Projekte so treffsicher, wie einst die Vereinigung deutscher Thrash-Ikonen, um Weihnachtslieder einzuspielen.
ZIMMERSHOLE aus Canada sind durch und durch eine Parodie, musikalisch aber auf solch hohem Niveau, daß man bei oberflächlichem Hören den Humorgehalt kaum wahr nimmt. Denn hier wird gebrezelt, was die Instrumente hergeben. Thrash, Death, Industrial gehen Hand in Hand. Selbst Grindcore-Einflüsse sind auszumachen. Obendrein werden ungeniert Größen der Szene zitiert, ohne dieser Art der Parodie die Hauptrolle zukommen zu lassen. So gibt es bei „Re-Anaconda“ eine King Diamond-Homage, „Evil Robots“ kommt und mit dem „Master Of Puppets“-Riff von Metallica, „Sodomanaz“ wird mit einer AC-DC-Passage abgerundet ... Und schließlich covert die Band „This Flight Tonight“ von Nazareth, was alles andere als nach einer Parodie klingt.
Wissen solltet Ihr noch, daß die Band die beiden Strapping Young Lad-Musiker Jed Simon und Byron Stroud in ihren Reihen weiß, was durchaus unterstreicht, daß man hier ganz auf Alarm setzt.
Was die Scheibe zusätzlich positiv auffallen läßt, ist die äußerst kurze Spielzeit der Songs. Nach zwei, drei Minuten ist meistens Schluß.
Und schließlich die Texte. Zwischen blödsinnig und skuril-schräg ist alles dabei. Und da ficken lustig ist, haben ZIMMERSHOLE auch zu diesem Thema das ein oder andere anzumerken.
Manchmal wirkt die Scheibe „Legion Of Flames“ auf Grund der nahezu unzähligen Einflüsse etwas zerfahren. Und ist man nicht gerade in ausgelassener Party-Stimmung, kann das Teil durchaus an den Nerven zerren. Allerdings muß man die CD dann ja nicht einlegen.
„Doggy Style“/“1000 Miles Of Cock“

JUB

LIVIDITY „...'Til Only The Sick Remain“ 5
Morbid/SPV, 2002

Lividity - ...'Til Only The Sick Remain

Porn-Grinder sollen LIVIDITY aus den USA sein. Das sind sie gewiß, wenn es um ihre Texte geht. „Tight ‘Lil Cunt“, „A Woman’s Place Is On My Face“ oder „Anal Autopsy“ sprechen da eine deutliche Sprache. Auch die zwischen den Songs eingestreuten Samples sind witzig. Besonders der Dialog (?) vor „A Woman’s Place ...“. Sie fragt ihn, während er an ihrem Körper rumlutscht, ob er sich an das Gespräch erinnern kann, in dem es um ihre gemeinsame Heirat ging. Von ihm kommen in der Quintessenz nur Stöhner und Worte wie „Hure“, „Votze“ und „Ficken“, bis er offensichtlich bei ihr einlocht und sie nur noch ein „Oh, mein Gott“ haucht. „Nicht reden, ficken“ ist die Devise.
Allerdings verströmen die vier Vögel musikalisch die Energie eines Dildos ohne Batterie.  Die Mädels können ihn zwar immer noch verstecken, richtig lustig wird es aber nicht. LIVIDITY, die in den Gitarren nach Death Metal, im Gesang nach Grindcore und beim Tempo häufig nach Doom klingen, agieren scheinbar ständig auf halber Flamme. Irgendwie kommt nix richtig aus dem Arsch (Na ja, wenn man erst mal drin ist ...). Die CD „...'Til Only The Sick Remain“ ist definitiv nur eine Missionars-Stellung. Besser als gar nichts.
„Anal Autopsy“

JUB
DIMPLE MINDS "Prollsport" 3
Steamhammer/SPV, 2002

Kommen wir nun zur Abteilung "Platten die man nicht wirklich braucht". Heute die neue DIMPLE MINDS. "Prollsport" ist ihr Name und bietet null Überaschungen. Klar kann man sagen, daß der Schuster bei seinen Leisten bleiben soll, doch soll er sie auch gut verarbeiten und das tun die Dimples nicht. Der Opener "Prollsport" soll eine selbsbeweihräuchernde Hymne sein, in der Ladde in "schönster" Toten-Hosen-Manier diverse Alkohol-Exzesse mit "Ole Ole Ole"-Refrain auseinanderklabüstert. Nett aber unspektakulär und weit entfernt von Gassenhauern wie "Trinker an die Macht". Das Stück "Liebesbeweis", in dem sich der Barde charmant zum Vollpfosten degradiert, ist eigentlich nur ein lauer Aufguß des Oldies "Pfandpiraten". Achtet mal auf den Kehrreim. So ließe sich die Liste fortführen, man käme auf keinen grünen Zweig mit dieser Scheibe. Texte, die im Zehn-Minuten-Rhythmus verfaßt wurden, ausgelutschte Melodien und irgendwie erwische ich mich bei dem Gedanken, daß ich mal wieder Lust auf eine alte DIMPLE MINDS-Platte habe. Nur die neue, die muß aus dem Player.
"Liebesbeweis"

THOMAS


TED NUGENT „Craveman“ 8
Spitfire Rec., 2002

Ted Nugent - Craveman

Gesundheits-Apostel Ted ist zurück. Er hatte in den Spätsiebzigern seine große Zeit, veröffentlichte Alben, die voll Energie und Innovation waren und etablierte sich zu jener Zeit als einer der beeindruckendsten Heavy Rock-Gitarristen. Richtig Scheiße war TED NUGENT auch später nicht, landete mit seinen Damn Yankees sogar Chart-Erfolge. So gut wie auf „Craveman“ war er aber lange nicht mehr. Wenn der Einstieg mit dem New Metal-Stück „Klstrphnky“ auch nicht jedermans Sache sein wird, beginnt schon mit Song zwei, „Crave“, ein hart rockendes Album, das nicht nur einmal alte Glanztaten in Erinnerung ruft. „Cat Scratch Fever“ ist allgegenwärtig, selbst Querverweise zu Überhits wie „Stranglehold“ gibt es. Hört nur „My Baby Likes My Butter On Her Gritz“. Nugent soliert grundsätzlich songdienlich, es gibt keine selbstverliebten Alleingänge. TED NUGENT ist ein Heavy Rocker, der die Party zelebriert. Zwar ohne Drogen, Alkohol und Zigaretten. Aber dafür mit einer Überdosis Weiber. Und so geht es in seinen Texten recht ordentlich zur Sache. „My Baby Likes My Butter ...“ deutet es an. 
Wer groovendes 70er Zeug mag und es einfach authentischer will, als es diese ganzen Retro-Bands jemals fabrizieren können, der wird bei „Craveman“ vor Begeisterung im Dreieck springen.
„My Baby Likes My Butter On Her Gritz“

JUB
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