ABSOLUTE STEEL „The Fair Bitch
Project“ 9
Edgerunner Rec., 2002
„Perfect Party Metal“ nennen ABSOLUTE
STEEL ihre Musik auf „The Fair Bitch Project“ und liegen mit dieser Bezeichnung
absolut richtig. Denn in diesem Jahr ist wohl kaum eine andere Platte herausgekommen,
die so unbeschwert gute Laune verbreitet wie diese hier.
Die Norweger haben ganz geschickt
zwei Elemente verwoben, die bei den Headbangern schon immer für freundliche
Gesichter sorgten. Zum einen ist das der typische 80er-Jahre-Stil, zum
anderen das Thema Ficken.
Allerdings wird die CD erst einmal
gekonnt mit einer Parodie auf Manowars „Warriors Prayer“ eingeleitet, um
die Hörerschaft mit „We Sentence You To Death“ auf eine völlig
falsche Fährte zu locken. Allerdings läßt die Band in „Leatherbride“
bereits die ersten Mädels ausgelassen stöhnen. In „Smooth And
Shaved“ werden die weiblichen Lust-Seufzer kurzerhand zu einem Rhythmus-Element
umfunktioniert (ähm, was sind sie eigentlich sonst?). „Crazy Horse“
wiederum wartet im Refrain-Teil mit einem der besten Gitarren-Riffs auf,
die in diesem Jahr auf CD gebannt wurden. Glaubt man Sänger K2 schließlich,
was er in dem Song „Too Good In Bed“ von sich gibt, dürfte seine Eichel
ihm täglich störend zwischen den Fußknöcheln baumeln.
Und so geht es Schlag auf Schlag weiter: „Spread Your Legs“, „Naughty Nanny“,
„The Bitch And The Beast“ ..., um am Ende in dem Kampflied „Steelfront“
den 80er-Jahre-Metal-Höhepunkt zu erleben. Zwischendurch zaubert Andy
Boss noch völlig abstruse Gitarren-Soli, die ob ihres Tempos jedem
gestandenen Metaller ein verschmitztes Schmunzeln entlocken werden. Und
wenn K2 mit Hilfe der modernen Technik in „Leatherbride“ 57 Sekunden lang
auf einem Ton singt, weiß man schon, wo das hier lang geht.
„The Fair Bitch Project“ ist sicher
nicht innovativ, die Scheibe hat nicht einmal Songs zu bieten, die man
so noch nie gehört hat. Was sie aber hat, ist grenzenloser Witz und
einen Spaßfaktor, der kaum zu überbieten ist.
„Intro: In The Beginning“/“We
Sentence You To Death“/“Smooth And Shaved“/“Crazy Horse“/“Spread Your Legs“/“Leatherbride“/“Too
Good In Bed“/“Naughty Nanny“
JUB
KAVIAR KAVALIER „Studio Y“
7
Obscene Prod., 2002
Kennt Ihr Master’s Hammer noch? War
mal eine absolute Kultband aus der Tschechei. Sie starteten mit ultra-extremem
Black/Death Metal, um wenig später merkwürdige Musik zu kreieren,
die selbst Jiri Korn und Karel Gott bedenkenlos vorgetragen hätten.
Völlig krank diese Typen.
Daß dem tatsächlich so
ist, beweist seit rund acht Jahren Master’s Hammer-Mitmusiker Necrocock.
Der lebt in seiner Musik nämlich konsequent seine Altherren-Phantasien
aus. Und die drehen sich ausschließlich um Urin und Stuhlgang. Und
so ist „Studio Y“ ein Musik gewordener Fäkal-Porno. Besonders pikant
wird die CD allerdings erst durch die Hinzunahme der Songs des 94er Demos
„Dreams Of Kaviar“. Dort stellt Necrocock unmißverständlich
klar, daß er nach dem braunen Kack nahezu giert.
Für unsere Breitengrade dürfte
diese CD doppelt interessant sein. Nein, nicht weil hier soviele Fäkal-Sex-Fans
herumlaufen. Vielmehr singt Necrocock fast ausschließlich in deutsch.
Hier ein paar Titelzeilen: „Gummiklinik“, „Erziehung zu Gummispielen“,
„Kaviar“, „Geile Frau“ usw. Neben den Inhalten, die einigen von Euch Würgereize
in die Kehle treiben könnten, ansonsten aber eher recht witzig sind,
ist das schlechte Deutsch doch schon an sich einen Hinhörer wert.
Nichts gegen die Aussprache, aber Necrocock verwendet nicht nur hin wieder
völlig falsche bzw. nicht existente Wörter, sondern schlägt
auch unsere Grammatik kurz und klein.
Die Musik von „Studio Y“ ist eine
Mischung aus Industrial, Gothic und EBM. Starke Tendenzen zu Umbra et Imago,
nur besser. Die hinzugefügten Songs vom Demo „Dreams Of Kaviar“ sind
noch purer Metal.
„“Erziehung zu Gummispieler“/“Kaviar“/"Julia"
JUB
ZIMMERSHOLE „Legion Of Flames“
7
Virusworx, 2002
Wenn es im Heavy Metal zu 90 Prozent
auch bierernst zugeht - schwangen sich Bands mal zu Parodien auf, hatten
sie oft den Anflug von Albernheiten (J.B.O., Randalica, A.O.K., Onkel Tom
usw.). Selten waren Projekte so treffsicher, wie einst die Vereinigung
deutscher Thrash-Ikonen, um Weihnachtslieder einzuspielen.
ZIMMERSHOLE aus Canada sind durch
und durch eine Parodie, musikalisch aber auf solch hohem Niveau, daß
man bei oberflächlichem Hören den Humorgehalt kaum wahr nimmt.
Denn hier wird gebrezelt, was die Instrumente hergeben. Thrash, Death,
Industrial gehen Hand in Hand. Selbst Grindcore-Einflüsse sind auszumachen.
Obendrein werden ungeniert Größen der Szene zitiert, ohne dieser
Art der Parodie die Hauptrolle zukommen zu lassen. So gibt es bei „Re-Anaconda“
eine King Diamond-Homage, „Evil Robots“ kommt und mit dem „Master Of Puppets“-Riff
von Metallica, „Sodomanaz“ wird mit einer AC-DC-Passage abgerundet ...
Und schließlich covert die Band „This Flight Tonight“ von Nazareth,
was alles andere als nach einer Parodie klingt.
Wissen solltet Ihr noch, daß
die Band die beiden Strapping Young Lad-Musiker Jed Simon und Byron Stroud
in ihren Reihen weiß, was durchaus unterstreicht, daß man hier
ganz auf Alarm setzt.
Was die Scheibe zusätzlich
positiv auffallen läßt, ist die äußerst kurze Spielzeit
der Songs. Nach zwei, drei Minuten ist meistens Schluß.
Und schließlich die Texte.
Zwischen blödsinnig und skuril-schräg ist alles dabei. Und da
ficken lustig ist, haben ZIMMERSHOLE auch zu diesem Thema das ein oder
andere anzumerken.
Manchmal wirkt die Scheibe „Legion
Of Flames“ auf Grund der nahezu unzähligen Einflüsse etwas zerfahren.
Und ist man nicht gerade in ausgelassener Party-Stimmung, kann das Teil
durchaus an den Nerven zerren. Allerdings muß man die CD dann ja
nicht einlegen.
„Doggy Style“/“1000 Miles Of
Cock“
JUB
LIVIDITY „...'Til Only The
Sick Remain“ 5
Morbid/SPV, 2002
Porn-Grinder sollen LIVIDITY aus
den USA sein. Das sind sie gewiß, wenn es um ihre Texte geht. „Tight
‘Lil Cunt“, „A Woman’s Place Is On My Face“ oder „Anal Autopsy“ sprechen
da eine deutliche Sprache. Auch die zwischen den Songs eingestreuten Samples
sind witzig. Besonders der Dialog (?) vor „A Woman’s Place ...“. Sie fragt
ihn, während er an ihrem Körper rumlutscht, ob er sich an das
Gespräch erinnern kann, in dem es um ihre gemeinsame Heirat ging.
Von ihm kommen in der Quintessenz nur Stöhner und Worte wie „Hure“,
„Votze“ und „Ficken“, bis er offensichtlich bei ihr einlocht und sie nur
noch ein „Oh, mein Gott“ haucht. „Nicht reden, ficken“ ist die Devise.
Allerdings verströmen die vier
Vögel musikalisch die Energie eines Dildos ohne Batterie. Die
Mädels können ihn zwar immer noch verstecken, richtig lustig
wird es aber nicht. LIVIDITY, die in den Gitarren nach Death Metal, im
Gesang nach Grindcore und beim Tempo häufig nach Doom klingen, agieren
scheinbar ständig auf halber Flamme. Irgendwie kommt nix richtig aus
dem Arsch (Na ja, wenn man erst mal drin ist ...). Die CD „...'Til Only
The Sick Remain“ ist definitiv nur eine Missionars-Stellung. Besser als
gar nichts.
„Anal Autopsy“
JUB
DIMPLE MINDS "Prollsport" 3
Steamhammer/SPV, 2002
Kommen wir nun zur Abteilung "Platten
die man nicht wirklich braucht". Heute die neue DIMPLE MINDS. "Prollsport"
ist ihr Name und bietet null Überaschungen. Klar kann man sagen, daß
der Schuster bei seinen Leisten bleiben soll, doch soll er sie auch gut
verarbeiten und das tun die Dimples nicht. Der Opener "Prollsport" soll
eine selbsbeweihräuchernde Hymne sein, in der Ladde in "schönster"
Toten-Hosen-Manier diverse Alkohol-Exzesse mit "Ole Ole Ole"-Refrain auseinanderklabüstert.
Nett aber unspektakulär und weit entfernt von Gassenhauern wie "Trinker
an die Macht". Das Stück "Liebesbeweis", in dem sich der Barde charmant
zum Vollpfosten degradiert, ist eigentlich nur ein lauer Aufguß des
Oldies "Pfandpiraten". Achtet mal auf den Kehrreim. So ließe sich
die Liste fortführen, man käme auf keinen grünen Zweig mit
dieser Scheibe. Texte, die im Zehn-Minuten-Rhythmus verfaßt wurden,
ausgelutschte Melodien und irgendwie erwische ich mich bei dem Gedanken,
daß ich mal wieder Lust auf eine alte DIMPLE MINDS-Platte habe. Nur
die neue, die muß aus dem Player.
"Liebesbeweis"
THOMAS
TED NUGENT „Craveman“ 8
Spitfire Rec., 2002
Gesundheits-Apostel Ted ist zurück.
Er hatte in den Spätsiebzigern seine große Zeit, veröffentlichte
Alben, die voll Energie und Innovation waren und etablierte sich zu jener
Zeit als einer der beeindruckendsten Heavy Rock-Gitarristen. Richtig Scheiße
war TED NUGENT auch später nicht, landete mit seinen Damn Yankees
sogar Chart-Erfolge. So gut wie auf „Craveman“ war er aber lange nicht
mehr. Wenn der Einstieg mit dem New Metal-Stück „Klstrphnky“ auch
nicht jedermans Sache sein wird, beginnt schon mit Song zwei, „Crave“,
ein hart rockendes Album, das nicht nur einmal alte Glanztaten in Erinnerung
ruft. „Cat Scratch Fever“ ist allgegenwärtig, selbst Querverweise
zu Überhits wie „Stranglehold“ gibt es. Hört nur „My Baby Likes
My Butter On Her Gritz“. Nugent soliert grundsätzlich songdienlich,
es gibt keine selbstverliebten Alleingänge. TED NUGENT ist ein Heavy
Rocker, der die Party zelebriert. Zwar ohne Drogen, Alkohol und Zigaretten.
Aber dafür mit einer Überdosis Weiber. Und so geht es in seinen
Texten recht ordentlich zur Sache. „My Baby Likes My Butter ...“ deutet
es an.
Wer groovendes 70er Zeug mag und
es einfach authentischer will, als es diese ganzen Retro-Bands jemals fabrizieren
können, der wird bei „Craveman“ vor Begeisterung im Dreieck springen.
„My Baby Likes My Butter On Her
Gritz“
JUB
[vor][zurück]