NEGLIGENT COLLATERAL COLLAPSE
"Reprocess Segment Database Extender" 7
Obscene Prod, 2002
"Ein Schweinchen namens Babe" war
so niedlich aber leider unwahr. Und so wie es jetzt "In" ist, in jeder
Wohnung, in jedem Schlafzimmer, ja unter jedem Toiletten-Deckel eine Web-Cam
anzubringen, um das Ganze im Internet zu übertragen, haben die drei
Bekloppten von NEGLIGENT COLLATERAL COLLAPSE offenbar ein Tonaufzeichnungs-Gerät
in einer Sauen-Mast-Anlage angebracht. Denn was Euch auf "Reprocess Segment
Database Extender" entgegentönt, ist das grauenvolle Leben eines Hauschweins
von der Einlieferung in den Massenstall bis zu seiner Schlachtung. Mal
grunzt es genüßlich vor sich hin (vermutlich beim Einschlafen),
dann erwarten uns Laute, die eine recht breite Stimmungs-Vielfalt offenbaren.
Und schließlich ist da verzweifeltes Quieken zu hören, das sich
zu einem in Todesangst hervorgestoßenen Kreischen steigert. Grauenvoll
diese Geräusche. Manchmal fühlt man sich gar an das Schlachtfest
von "Tanz der Teufel I" erinnert.
Musikalisch eingefaßt wurde
das schweinische Hörspiel von dem tschechischen Trio durch brutale
Death Metal-Strukturen, die nicht selten recht simpel daherkommen. Nach
33 Minuten ist alles vorbei, aufgeteilt in 23 verschiedene Themenbereiche.
Diese CD ist weder etwas für empfindsame Menschen, noch hat der klassische
Heavy Metal-Fan daran seine Freude. Grinder und Death Metal-Fans, die es
besonders extrem lieben, haben hier einen kurzweiligen Spaß gefunden.
"The Hunt"/"Focused"
JUB
SHADOWKEEP
„A Chaos Theory“ 8
LMP/SPV, 2002
Prog Metal
aus Großbritannien hat eine lange Tradition, die nur so strotzt vor
Qualitäts-Highlights. Das beginnt bei Bands der 70er Jahre, zu denen
man durchaus auch Jethro Tull zählen kann, geht über Marillion
oder Pallas bis hin zu Threshold und Arena. Und so haben UK-Prog-Bands
schon mal einen Bonus weg, bevor sich die CD überhaupt erst einmal
im Player dreht. Auch bei SHADOWKEEP ist dieser Vorschuß-Lorbeer-Busch
nicht umsonst ausgerissen, denn "A Chaos Theory" ist ein fettes Album,
das die spannendsten Arrangement- und Rhythmus-Ideen mit fetter Härte
und starken Melodien zu vereinen weiß. Allerdings schielen SHADOWKEEP
mit ihren Songs doch mehr über den Teich, denn stilistisch haben die
Briten mehr von Nevermore oder Rush als von ihren Landsleuten. Das stellt
aber kein Problem dar, sind auch die nordamerikanischen Proger nicht von
schlechten Eltern.
Wenn sich
die Band mit anhaltender Spielzeit hier und da mal selbst zitiert, ist
das auch nicht wirklich schlimm, da Zitate, die bei der Erstverwendung
schon wirkungsvoll sind, ruhig die ein oder andere Abwandlung erfahren
dürfen.
"Thorns And A Rose"
JUB
SIXTY
WATT SHAMAN „Reason To Live" 4
Spitfire,
2002
Wenn auf der
Hülle einer CD der Aufkleber "Produced by Scott Reeder (Unida, ex-Kyuss)"
prangt, ist es wohl mehr als eindeutig, welche Hörerschaft man da
versucht anzusprechen. SIXTY WATT SHAMAN haben theoretisch auch alles,
was diese sogenannten Stoner Rock-Kapellen ausmacht: eine Prise 70er, ein
Löffel Blues, eine Messerspitze Southern Rock, einen Hauch Heavy Metal.
Bei SIXTY WATT SHAMAN kommt noch ein Schwung Hardcore hinzu, der vor allem
durch Brüll-Sänger Daniel Kerzwick in die Musik getragen wird.
Obendrein spürt man bei fast jedem Song, daß man sehr den neuen
C.O.C. verhaftet zu scheint. Allerdings erreicht man diese Band nicht einmal
auf Sichtweite, verlieren sich SIXTY WATT SHAMAN doch vor allem in wütenden
Lärm-Attacken, denen eine Eingängigkeit abgeht. Die Melodien
klingen, als wären sie bei C.O.C. als untauglich aussortiert worden.
An dieser Stelle spielen aber vor allem Hörgewohnheiten eine Rolle,
denn so mancher mag bucklige Weisen lieber, als Gänsehaut-Harmonien,
aus Furcht, letztere könnten zu schnell abnutzen. An mir schrammen
die Songs auch nach dem fünften Durchlauf der CD herzlos vorbei. Deshalb
halte ich "Reason To Live" für die Stoner Rock-Sammlung nicht gerade
für notwendig.
"Horse
You Rode In On"
JUB
EDGE
OF THORNS "Riders Of The Storm" 7
Eigenproduktion,
2001
Kennt Ihr diese
Band? Freunde des melodischen Heavy Metals der 80er Jahre deutscher Prägung
sollten sich unbedingt für EDGE OF THORNS interessieren. Denn allein
dieser kleine 4-Track-Appetithappen hat es mächtig in sich. Zumindest,
was das songwriterische Talent anbetrifft, offenbaren die Songs einiges.
Selbst die Ballade "A Rose For The Dead" ist ein gutes Stück Musik,
das allerdings besonders unter dem platten Sound leidet. Die Akustik-Gitarre
klingt hier scheußlich hausbacken und der Gesang ist pathetisch überzogen.
Auch bei den restlichen drei Sachen wird so manch einer bemängeln,
daß ihm das Ganze nicht fett genug aus den Boxen grummelt, aber Metal-Songs
á la "Riders Of The Storm" und "Beyond Horizon" kommen selbst mit
einem Banjo gespielt noch gut rüber. Die Jungs haben bei der Zusendung
dieses Tonträgers eine volle CD angekündigt. Ob das Teil erschienen
ist, weiß ich im Moment nicht. Sollte es das Teil allerdings geben,
könnt Ihr garantiert zuschlagen, denn dann bekommt Ihr zu den Klasse-Songs
garantiert auch den erforderlichen Sound.
"Beyond
Horizon"
JUB
BISS
„Joker In The Deck“ 9
Point Music,
2002
Es war schon
kurios: Fernando Garcia (Victory) und Doc Heyne (Tanner), die den meisten
Heavy Metal-Fans mit ihren Ex-Formationen vermutlich extrem am Arsch vorbeigegangen
waren, legten mit einem kurzen gemeinsamen Spaziergang eine Scheibe vor,
die nicht nur einen Metal-Hammer nach dem anderen bot, sondern vor allem
vor Leichtigkeit und Spielwitz strotzte (siehe "Abgehört"
vom 1. Oktober 2002). So recht wollte ich bei aller Begeisterung jedoch
nicht daran glauben, daß das Ganze Bestand haben würde. Und
als Garcia das Projekt verließ, schienen meine Vorahnungen bestätigt.
Allerdings habe ich da den Sturkopf Doc Heyne unterschätzt. Der scharte
Ex-Vengeance-Basser Barend Curbois mit Ex-Vandenberg-Drummer Jos Zoomer
um sich verstärkte die Truppe obendrein mit Shouter Michael Bormann
(Bonfire, Letter X, Charade, The Sygnet), um den Zweitling "Joker In The
Deck" einzuspielen. Und was die Truppe da zustande brachte, ist nahezu
sensationell. Dieser Melodic Metal ist Zeug auf allerhöchstem Niveau.
Manchmal agieren BISS us-amerikanisch mit enormem Pop-Appeal, dann geht
es wieder eher europäisch heftig zu, vor allem in der zweiten Hälfte
der CD. Allerdings wird jedes Stück von einer ins Schwarze komponierten
Melodie getragen. Hört nur den Opener "Dogfighter" (gemeinsam mit
AOR-Legende Paul Sabu geschrieben) oder "Primal Scream" - wie soll man
das noch besser machen. "Joker In The Deck" wiederum ist ein eher düsterer
Rocker, den vor allem Bormann mit seiner eindringlichen und zwingenden
Stimme veredelt.
„Primal
Scream“
JUB
FESTERING
FLESH "Experiments With A Sick Pussy" 7
Eigenproduktion,
2001
"Pervert Alpendeath"
nennen die Jungs von FESTERING FLESH ihre Musik und erwecken damit ein
wenig den Eindruck, hier könnten wir es mit einer der zahlreichen
Spaß-Metal-Kapellen zu tun haben, die beim erstmaligen Hören
meist ganz unterhaltsam sind, den Metaller aber meist nicht länger
als eine CD-Veröffentlichung lang interessieren. Jedoch weit gefehlt.
Das "Alpen"-Ding verweist weniger auf das Kokettieren mit volksmusikalischen
Albernheiten, sondern lenkt uns direkt auf das Heimatland Österreich.
Darüberhinaus ist die FESTERING FLESH-Musik heftigster Death Metal,
den das Quartett durchaus abwechslungsreich gestaltet und zum Teil mit
technischen Parts anreichert. Einen zusätzlicher Reiz erhält
das Ganze durch die lebensfrohen Texte der Band: "Vaginal Flesh Torn Inside
Out", "Experiments With A Sick Pussy" oder "Experience In Homosexual Necrophilism".
Das sind doch durchaus ein paar lustige Beschäftigungen. Diese Mini-CD
enthält bei einer Spielzeit von über 17 Minuten nur drei Songs,
was anzeigt, daß FESTERING FLESH nicht mal nur kurz ein paar Riffs
herunterzupfen, um zur nächsten Aktion überzugehen. Die Ösis
reizen ihre Ideen voll aus und werden dabei nicht langatmig. Selbst der
siebenminütige Titelsong hat bis zur letzten Sekunde Pfiff. www.festeringflesh.com
/ Masturbathor@gmx.net
"Vaginal
Flesh Torn Inside Out"
JUB
SCEPTER
"Fucking Metal Motherfuckers" 7
Merciless
Rec, 2003
Wie war das
mit Warhammer? Da sie immer noch existieren, müssen sie ja ein paar
Scheiben verkaufen. Allerdings kenne ich niemanden, der diese 1:1-Hellhammer-Kopie
wirklich mag. Dann doch lieber die paar Sachen vom Original. Nun, und wie
ist das jetzt mit SCEPTER? Eigentlich müßten die doch als Quasi-1:1-Kopie
der frühen Celtic Frost ebenfalls durchfallen. Tun sie aber eigenartigerweise
nicht. Das liegt unter anderem daran, daß sich die Amis nicht unbedingt
an das Kompositions-Schema der Schweizer um Tom G. Warrior halten ("Slaveship").
Allerdings lassen die stoisch vor sich hin brummenden Frost-Gitarren und
der Tom G. Warrior-Gesang von John Karnes kaum Interpretationsmöglichkeiten.
Selbst wenn die Musiker der Band aus Chicago das vornehmlich schleppende
Tempo ihrer Vorbilder verlassen und wie bei "Age Of Consent" oder dem Titelsong
die Matte etwas zackiger kreisen lassen - das Kleinhirn hämmert immer
wieder: "Celtic Frost-Celtic Frost". Trotzdem oder vielleicht auch gerade
deshalb macht "Fucking Metal Motherfuckers" Laune. Testet das Ganze mal
an. Fanatische Celtic Frost-Alles-Sammler sollten unbedingt ein Ohr riskieren.
"Fucking
Metal Motherfuckers"
JUB
HARMONY
„Dreaming Awake“ 7
Massacre,
2003
Na, da fühlt
man sich schon ein wenig in die Irre geführt. HARMONY? "Dreaming Awake"?
Alles klar, bei den auf dem Back-Cover-Foto in schwarze Stretch-Klamotten
gehüllten Kurzhaar-Burschen kann man schon mal von gotischen Volltönen
ausgehen. Aber schon das Opener-Instrumental "Into The Afterlife" suggeriert
uns eine eher progressiv angehauchte Metal-Mucke, die mit "Eternity" in
den typisch europäischen Power Metal übergeht. Abgestopptes Gitarrenspiel
in raschem Tempo, Double-Bass-Getacker, eine helle Stimme über eine
dem Kitsch nicht abgeneigte Melodie. Mit "Dreaming Awake" ist dann schon
wieder alles ganz anders. Die kleinen progressiven Wendungen in der Rhythmus-Gestaltung
tauchen wieder auf, allerdings ist das Gitarrenspiel nahezu raffiniert
in einen Midtempo-Groover integriert, die Melodie erhebt Anspruch auf das
Attribut "Außergewöhnlich". Und schließlich gibt es noch
einen instrumentalen Zwischen-Part, der aus Gothic-Keyboards-Sphären
in ein Malmsteensches Gitarren-Solo aufsteigt. Das ist ein 10-Punkte-Song,
weil über jegliche Kritik erhaben. "Without You" könnte jede
bessere Ami-Melodic-Band im Program haben. Allerdings würden die eine
Ballade sicher radiotauglich etwas knapper fassen und nicht auf sieben
Minuten strecken. Bei "Fall Of Man" tönt es dann ganz in Sonata Arctica-Manier
wieder heftiger aus den Boxen. Und ähnlich wie die Finnen, wissen
die schwedischen HARMONY aus der 08/15-Strophe über eine starke Bridge
in den knappen Refrain zu geleiten, der nur aus der Titel-Zeile besteht,
sich aber sofort im Hirn festsetzt. Mit "When Shadows Fall" zieht ein Hauch
von Schwerfälligkeit in die HARMONY-Welt ein. Auch hier reißt
es der geile Refrain raus. Über das neo-klassische "Maze Of The Past"
geht es in die straighteste Nummer des Albums, namens "She". Und es funktioniert.
Die Härte ist ausreichend und läßt vor allem den Melodie-
und Arrangement-Ideen genügend Raum. "Remember" beschließt die
Scheibe und hat etwas von "When Shadows Fall", klingt aber trotzdem ein
wenig wie hinten angehängt. Die songwriterischen Eigenheiten stehen
immer instrumentalen und gesanglichen Leistungen der absoluten Spitzenklasse
gegenüber. Daher überweigen die Gründe, sich dieses Album
zuzulegen, bei Weitem.
„Dreaming
Awake“
JUB
MESSIAH "Hymn To Abramelin"
8
Massacre/Soulfood,1986/2003
"Infernalisch" war das erste, was
mir zu MESSIAH einfiel. Als Mitte der 80er Jahre die extremen Bands sich
in den Richtungen Thrash, Death und Black Metal zu polarisieren suchten,
enstand nicht selten solch ein wüster Stilmix, wie ihn seinerzeit
MESSIAH fabrizierten. Hauptsache es wurde geknüppelt, was das Zeug
hielt. Da wurde weder darüber nachgedacht, warum man gerade dieses
oder jenes Tempo anschlug, Mosh-Parts waren etwas für Bademeister
und klassische Songstrukturen gehörten scheinbar endgültig der
Vergangenheit an. Man höre nur "Anarchus": Noch heute dürfte
dieses Lied für unbedarfte Musik-Konsumenten wie der Versuch von Hirnamputierten,
"Fuchs Du hast die Gans gestohlen" zu spielen, klingen. Und wenn dann "Tschösi"
Wilhelm Kühne ins Mikrophon kotzt, kreischt und bellt, hatten MESSIAH
es sich auch mit den letzten Heavy Metal-Fans alter Schule versaut. Wie
muß dieses Album 1986 gewirkt haben? Laut Wolf-Rüdiger Mühlmann
vergötterten die Extreme-Fans und die Fanzine-Szene diese Band, was
nachvollziehbar ist, denn die 80er waren eine Zeit, in der beim Heavy Metal
eigentlich alles möglich war. Wie zum Beispiel MESSIAH auch mit ihrem
Song "Thrashing Madness" belegen, in dem "Brögi" Broggi wie vom Spitz
gebissen auf den Seiten seiner Gitarre einen Ton rödelt und "Tschösi"
das Ganze hier und da mit einem schrillen "Aaaaarrrggghhhh" anreichert.
Und es gibt sogar eine kleine musikalische Homage an die Schweizer Landsleute
Hellhammer. Wer nämlich spätestens bei "Total Maniac" nicht die
Celtic Frost-Vorläufer im Ohr hat, ist entweder noch sehr jung oder
hat sich nie für extremen Heavy Metal interessiert.
Im Kontext mit der damaligen Zeit
betrachtet, ist die Scheibe "Hymn To Abramelin" definitiv ein kleiner Meilenstein.
Setzt man heutige Maßstäbe an, müßte man sicher die
Frage stellen, was die Jungs eigentlich von einem wollen. Aber selbst diese
Reaktion weist letzten Endes nur darauf hin, daß es sich hier um
ein abgrundtief kultiges Tonträger-Teil handelt, das mit vier bisher
unveröffentlichten Tracks angereichert wurde.
"Messiah (extra version)"
JUB
MESSIAH "Extreme Cold Weather"
8
Massacre/Soulfood,1987/2003
"Extrem kaltes Wetter" - Hammer.
So betitelten MESSIAH ihren Zweitling aus dem Jahre 1987. Das Band-Logo
erinnerte jetzt auch weniger an eine Mischung aus Wurzel-Troll und Gewitter-Himmel
als vielmehr in Frost erstarrt. Der ans Kruzifix genagelte Jesus, der bisher
das "E" geschmückt hatte, fehlte. War ihm vermutlich zu kalt. Auch
der Gitarren-Sound auf "Extreme Cold Weather" hatte eine winterliche Überarbeitung
erhalten. Hier dürften eine Vielzahl Black Metal-Bands ihre Inspirationen
erhalten haben, denn "Brögis" Klampfe klirrt weitaus spitzer, als
noch im Vorjahr. Ansonsten sind die Zutaten die gleichen. MESSIAH sind
weiterhin weit davon entfernt, gefällige Metal-Songs zu schreiben.
Metallica zum Beispiel dürften schon damals im Vergleich zu den Schweizern
wie eine brave Highschool-Combo geklungen haben. Daß MESSIAH ihre
Performance in Live-Konzerten in Sachen Wildheit ins Unermeßliche
steigerten, wird auf der vorliegenden CD-Version von "Extreme Cold Weather"
ebenfalls belegt. Da kann man nur gespannt sein, was die Männer bei
ihrem Sonder-Gig auf dem diesjährigen With Full Force zu bieten haben.
Zusätzlich bekommt Ihr auf der Scheibe noch drei Songs des Demos "Powertrash"
von 1985 und vier Stücke des Demos "The Infernal Thrashing", ebenfalls
von 1985.
"Radezky March: We Hate To Be
In The Army Now"/"The Last Inferno"
JUB
MADDER MORTEM "Deadlands"
5
Century Media/Magic Arts Publ, 2002
"Soundtrack" heißt es da im
Begleitschreiben zur MADDER MORTEM-Scheibe "Deadlands". Und geht man davon
aus, daß die einzelnen Stücke auf einem Soundtrack mit Stilvielfalt
glänzen, weil sie die unterschiedlichsten Bilder unterstreichen müssen,
trifft diese Bezeichnung zu. MADDER MORTEM machen so ziemlich alles, was
man im düsteren Genre bewerkstelligen kann. Es wird schwerfällig
gedoomt ("Faceless", "Silverspine"), grimmig gerockt ("Necropol Lit"),
progressiv gefirlefanzt ("Distance Will Save Us") oder gothic-typisch gelitten
("Deadlands"). Dreh- und Angelpunkt der meist recht schwer zugänglichen
Musik sind die heavy Gitarren und der vordergründige Gesang von Agnete
M. Kirkevaag. Das ist alles durchaus interessant, allerdings treffen die
Songs nicht ins Herz. Selbst im Kopf baut sich hier und da ein Bollwerk
auf, um nicht zuviel dieser verschrobenen Stücke ins Zentrum vordringen
zu lassen. Wenn Ihr es trotzdem mit den Norwegern probieren wollt, erwartet
nichts, sonst schlagen sie Euch gnadenlos vor den Kopf.
"Omnivore"
JUB
HESS "Just Another Day" 2
Frontiers Rec., 2003
Er ist nicht der Sohn einer Nazi-Größe,
sondern Sänger in einer der besten kanadischen Melodic Metal-Fomationen
der Neuzeit. HESS hat uns nicht nur einmal mit seiner Band Harem Scarem
in Erstaunen versetzt (siehe Abgehört
vom 15. Oktober 2002 und Abgehört
vom 17. Dezember 2002). Was der Mann hier allerdings auf seiner Solo-Scheibe
verzapft hat, ist billigster Radio-Mainstream-Scheiß. Mit Metal hat
das absolut nicht zu tun. Ja, nicht einmal mit Rock. Hier wird belanglos
vor sich hingeklampft, werden Lagerfeuer-Melodien angestimmt und dabei
wird krampfhaft an den Slips der kleinen Mädchen gezogen. Schlimm.
Natürlich ist Harry Hess die ein oder andere gute Melodie eingefallen,
allerdings kommt die dann in all dem Schlaim kaum zur Geltung. Kennt Ihr
Alexander von "Deutschland sucht den Superstar"? Er und HESS könnten
auf Tour gehen und würden erfolgreich die gleiche Zielgruppe erreichen.
"Wasted Away"
JUB
DIE GASTREZENSIONEN: Deddy, ehemaliger
Moderator von INTERREGNUM
UNRULY CHILD „The Basement
Demos“ CD+DVD 7
Frontier Records, 2002
Nachdem 1992 der Erstling von UNRULY
CHILD recht erfolgreich veröffentlicht wurde, dauerte es bis 1998,
daß mit „Waiting For The Sun“ eine neue Scheibe auf den Markt kam.
In der Zwischenzeit hat man außer einer Geschlechtsumwandlung (aus
Mark Free wurde 1995 Marcie Free und damit wohl für eine Metalband
nicht mehr ganz tauglich) und einigen Umbesetzungen auch noch Musik gemacht.
2002 rückte man mit Aufnahmen
heraus, die zwischen 1992 und 1994 entstanden sind und sich teilweise in
ähnlicher
Form auf den ersten beiden Scheiben wiederfinden. Da es alles hochkarätige
Musiker sind, die mit ihren Personalakten jeden Plattenchef beeindrucken
können, ist das Wort „Demos“ im Titel mehr als irreführend.
UNRULY CHILD um Keyboarder Guy Allison
und Gitarristen Bruce Gowdy haben Melodic Metal vom Feinsten abgeliefert,
der technisch ausgefeilt und erstaunlich abwechslungsreich - mit einigen
Anleihen - ist („Long Hair Woman“ - Led Zeppelin, „Take Me Down Nasty“
- Def Leppard). Sie haben mit dieser Musik das Rad zwar nicht neu erfunden,
aber es läuft schön rund. „On The Rise“ öffnet die Ohren
recht eindrucksvoll, „Still Believe“ macht Frauen schwach, was Fräulein
Mark wohl nicht so interessiert haben wird.
Als Bonus ist noch eine DVD beigelegt,
mit Interviews, Studioaufnahmen und einem Livemitschnitt. Für hartgesottene
Fans mögen ja Bild- und Tonaufnahmen mit einer Handkamera in Studio
und Probenräumen noch interessant sein, als Bonus kann man so etwas
noch mitnehmen, die Bezeichnung Demo entschuldigt wieder alles, ansonsten
ist die DVD nicht der Bringer.
Anspieltipp: „Long Hair Woman“,
„Take Me Down Nasty“, “On The Rise”
DEDDY
UNRULY CHILD “UC III” 7
Wild Frontiers, 2002
Inzwischen auf ein Trio geschmolzen,
legt UNRULY CHILD ihr drittes Werk vor. Die Herren Gowdy (git, b, dr) und
Allison (key, b, dr) haben sich Philip Bardowell (bei Peter Criss als Mark
Anthony) ans Mikro geholt. Musikalisch hat sich nicht viel geändert,
durchgestylter Melodic-Metal auf hohem Niveau.
Man kann der Band nicht vorwerfen,
nicht arrangieren oder spielen zu können. Ihre kleinen Zitate bereichern
eher, als das sie peinlich sind („All Around Me“ – mal wieder Led Zeppelin).
Satzgesang, Dynamik und Melodien in Hülle und Fülle. Die Band
bewegt sich aber auf einem Markt, der schier übersättigt ist.
Deshalb ist es nicht einfach, sich ein Urteil über die UC III zu bilden.
Sind solche glatten Arrangements, u.a. in der Ballade „Something“
nun eine kommerzielle Anbiederung oder einfach nur schön? „Bring Me
Home“ fängt ein wenig wie ein Boygroup-Song an, entwickelt sich aber
zu einem metallischen Schmachtsong, bei dem man schon die eine oder andere
Dame ins Bett bekommt. Das ist doch auch etwas. Der noch mit der/die/das
Mark Free entstandene namensgebende Song „Unruly Child“ befindet sich auch
noch auf der Scheibe, haut aber nicht unbedingt vom Hocker. Da kommen „Tear
Me Down“ und „Kings Of Tragedy“ schon eher rüber.
Anspieltipp: „All Around Me“,
„Tear Me Down”
DEDDY
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