An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 27. Mai 2003


NEGLIGENT COLLATERAL COLLAPSE "Reprocess Segment Database Extender" 7
Obscene Prod, 2002

Negligent Collateral Collapse - Reprocess Segment Database Extender

"Ein Schweinchen namens Babe" war so niedlich aber leider unwahr. Und so wie es jetzt "In" ist, in jeder Wohnung, in jedem Schlafzimmer, ja unter jedem Toiletten-Deckel eine Web-Cam anzubringen, um das Ganze im Internet zu übertragen, haben die drei Bekloppten von NEGLIGENT COLLATERAL COLLAPSE offenbar ein Tonaufzeichnungs-Gerät in einer Sauen-Mast-Anlage angebracht. Denn was Euch auf "Reprocess Segment Database Extender" entgegentönt, ist das grauenvolle Leben eines Hauschweins von der Einlieferung in den Massenstall bis zu seiner Schlachtung. Mal grunzt es genüßlich vor sich hin (vermutlich beim Einschlafen), dann erwarten uns Laute, die eine recht breite Stimmungs-Vielfalt offenbaren. Und schließlich ist da verzweifeltes Quieken zu hören, das sich zu einem in Todesangst hervorgestoßenen Kreischen steigert. Grauenvoll diese Geräusche. Manchmal fühlt man sich gar an das Schlachtfest von "Tanz der Teufel I" erinnert.
Musikalisch eingefaßt wurde das schweinische Hörspiel von dem tschechischen Trio durch brutale Death Metal-Strukturen, die nicht selten recht simpel daherkommen. Nach 33 Minuten ist alles vorbei, aufgeteilt in 23 verschiedene Themenbereiche. Diese CD ist weder etwas für empfindsame Menschen, noch hat der klassische Heavy Metal-Fan daran seine Freude. Grinder und Death Metal-Fans, die es besonders extrem lieben, haben hier einen kurzweiligen Spaß gefunden.
"The Hunt"/"Focused"

JUB

SHADOWKEEP „A Chaos Theory“ 8
LMP/SPV, 2002

ShadowKeep - A Chaos Theory

Prog Metal aus Großbritannien hat eine lange Tradition, die nur so strotzt vor Qualitäts-Highlights. Das beginnt bei Bands der 70er Jahre, zu denen man durchaus auch Jethro Tull zählen kann, geht über Marillion oder Pallas bis hin zu Threshold und Arena. Und so haben UK-Prog-Bands schon mal einen Bonus weg, bevor sich die CD überhaupt erst einmal im Player dreht. Auch bei SHADOWKEEP ist dieser Vorschuß-Lorbeer-Busch nicht umsonst ausgerissen, denn "A Chaos Theory" ist ein fettes Album, das die spannendsten Arrangement- und Rhythmus-Ideen mit fetter Härte und starken Melodien zu vereinen weiß. Allerdings schielen SHADOWKEEP mit ihren Songs doch mehr über den Teich, denn stilistisch haben die Briten mehr von Nevermore oder Rush als von ihren Landsleuten. Das stellt aber kein Problem dar, sind auch die nordamerikanischen Proger nicht von schlechten Eltern.
Wenn sich die Band mit anhaltender Spielzeit hier und da mal selbst zitiert, ist das auch nicht wirklich schlimm, da Zitate, die bei der Erstverwendung schon wirkungsvoll sind, ruhig die ein oder andere Abwandlung erfahren dürfen.
"Thorns And A Rose"

JUB

SIXTY WATT SHAMAN „Reason To Live" 4
Spitfire, 2002

Sixty Watt Shaman - Reason To Live

Wenn auf der Hülle einer CD der Aufkleber "Produced by Scott Reeder (Unida, ex-Kyuss)" prangt, ist es wohl mehr als eindeutig, welche Hörerschaft man da versucht anzusprechen. SIXTY WATT SHAMAN haben theoretisch auch alles, was diese sogenannten Stoner Rock-Kapellen ausmacht: eine Prise 70er, ein Löffel Blues, eine Messerspitze Southern Rock, einen Hauch Heavy Metal. Bei SIXTY WATT SHAMAN kommt noch ein Schwung Hardcore hinzu, der vor allem durch Brüll-Sänger Daniel Kerzwick in die Musik getragen wird. Obendrein spürt man bei fast jedem Song, daß man sehr den neuen C.O.C. verhaftet zu scheint. Allerdings erreicht man diese Band nicht einmal auf Sichtweite, verlieren sich SIXTY WATT SHAMAN doch vor allem in wütenden Lärm-Attacken, denen eine Eingängigkeit abgeht. Die Melodien klingen, als wären sie bei C.O.C. als untauglich aussortiert worden. An dieser Stelle spielen aber vor allem Hörgewohnheiten eine Rolle, denn so mancher mag bucklige Weisen lieber, als Gänsehaut-Harmonien, aus Furcht, letztere könnten zu schnell abnutzen. An mir schrammen die Songs auch nach dem fünften Durchlauf der CD herzlos vorbei. Deshalb halte ich "Reason To Live" für die Stoner Rock-Sammlung nicht gerade für notwendig.
"Horse You Rode In On"

JUB

EDGE OF THORNS "Riders Of The Storm" 7
Eigenproduktion, 2001

Edge Of Thorns - Riders Of The Storm

Kennt Ihr diese Band? Freunde des melodischen Heavy Metals der 80er Jahre deutscher Prägung sollten sich unbedingt für EDGE OF THORNS interessieren. Denn allein dieser kleine 4-Track-Appetithappen hat es mächtig in sich. Zumindest, was das songwriterische Talent anbetrifft, offenbaren die Songs einiges. Selbst die Ballade "A Rose For The Dead" ist ein gutes Stück Musik, das allerdings besonders unter dem platten Sound leidet. Die Akustik-Gitarre klingt hier scheußlich hausbacken und der Gesang ist pathetisch überzogen. Auch bei den restlichen drei Sachen wird so manch einer bemängeln, daß ihm das Ganze nicht fett genug aus den Boxen grummelt, aber Metal-Songs á la "Riders Of The Storm" und "Beyond Horizon" kommen selbst mit einem Banjo gespielt noch gut rüber. Die Jungs haben bei der Zusendung dieses Tonträgers eine volle CD angekündigt. Ob das Teil erschienen ist, weiß ich im Moment nicht. Sollte es das Teil allerdings geben, könnt Ihr garantiert zuschlagen, denn dann bekommt Ihr zu den Klasse-Songs garantiert auch den erforderlichen Sound.
"Beyond Horizon"

JUB

BISS „Joker In The Deck“ 9
Point Music, 2002

Biss - Joker In The Deck

Es war schon kurios: Fernando Garcia (Victory) und Doc Heyne (Tanner), die den meisten Heavy Metal-Fans mit ihren Ex-Formationen vermutlich extrem am Arsch vorbeigegangen waren, legten mit einem kurzen gemeinsamen Spaziergang eine Scheibe vor, die nicht nur einen Metal-Hammer nach dem anderen bot, sondern vor allem vor Leichtigkeit und Spielwitz strotzte (siehe "Abgehört" vom 1. Oktober 2002). So recht wollte ich bei aller Begeisterung jedoch nicht daran glauben, daß das Ganze Bestand haben würde. Und als Garcia das Projekt verließ, schienen meine Vorahnungen bestätigt. Allerdings habe ich da den Sturkopf Doc Heyne unterschätzt. Der scharte Ex-Vengeance-Basser Barend Curbois mit Ex-Vandenberg-Drummer Jos Zoomer um sich verstärkte die Truppe obendrein mit Shouter Michael Bormann (Bonfire, Letter X, Charade, The Sygnet), um den Zweitling "Joker In The Deck" einzuspielen. Und was die Truppe da zustande brachte, ist nahezu sensationell. Dieser Melodic Metal ist Zeug auf allerhöchstem Niveau. Manchmal agieren BISS us-amerikanisch mit enormem Pop-Appeal, dann geht es wieder eher europäisch heftig zu, vor allem in der zweiten Hälfte der CD. Allerdings wird jedes Stück von einer ins Schwarze komponierten Melodie getragen. Hört nur den Opener "Dogfighter" (gemeinsam mit AOR-Legende Paul Sabu geschrieben) oder "Primal Scream" - wie soll man das noch besser machen. "Joker In The Deck" wiederum ist ein eher düsterer Rocker, den vor allem Bormann mit seiner eindringlichen und zwingenden Stimme veredelt.
„Primal Scream“

JUB

FESTERING FLESH "Experiments With A Sick Pussy" 7
Eigenproduktion, 2001

Festering Flesh - Experiments With A Sick Pussy

"Pervert Alpendeath" nennen die Jungs von FESTERING FLESH ihre Musik und erwecken damit ein wenig den Eindruck, hier könnten wir es mit einer der zahlreichen Spaß-Metal-Kapellen zu tun haben, die beim erstmaligen Hören meist ganz unterhaltsam sind, den Metaller aber meist nicht länger als eine CD-Veröffentlichung lang interessieren. Jedoch weit gefehlt. Das "Alpen"-Ding verweist weniger auf das Kokettieren mit volksmusikalischen Albernheiten, sondern lenkt uns direkt auf das Heimatland Österreich. Darüberhinaus ist die FESTERING FLESH-Musik heftigster Death Metal, den das Quartett durchaus abwechslungsreich gestaltet und zum Teil mit technischen Parts anreichert. Einen zusätzlicher Reiz erhält das Ganze durch die lebensfrohen Texte der Band: "Vaginal Flesh Torn Inside Out", "Experiments With A Sick Pussy" oder "Experience In Homosexual Necrophilism". Das sind doch durchaus ein paar lustige Beschäftigungen. Diese Mini-CD enthält bei einer Spielzeit von über 17 Minuten nur drei Songs, was anzeigt, daß FESTERING FLESH nicht mal nur kurz ein paar Riffs herunterzupfen, um zur nächsten Aktion überzugehen. Die Ösis reizen ihre Ideen voll aus und werden dabei nicht langatmig. Selbst der siebenminütige Titelsong hat bis zur letzten Sekunde Pfiff. www.festeringflesh.com / Masturbathor@gmx.net
"Vaginal Flesh Torn Inside Out"

JUB

SCEPTER "Fucking Metal Motherfuckers" 7
Merciless Rec, 2003

Scepter - Fucking Metal Motherfuckers

Wie war das mit Warhammer? Da sie immer noch existieren, müssen sie ja ein paar Scheiben verkaufen. Allerdings kenne ich niemanden, der diese 1:1-Hellhammer-Kopie wirklich mag. Dann doch lieber die paar Sachen vom Original. Nun, und wie ist das jetzt mit SCEPTER? Eigentlich müßten die doch als Quasi-1:1-Kopie der frühen Celtic Frost ebenfalls durchfallen. Tun sie aber eigenartigerweise nicht. Das liegt unter anderem daran, daß sich die Amis nicht unbedingt an das Kompositions-Schema der Schweizer um Tom G. Warrior halten ("Slaveship"). Allerdings lassen die stoisch vor sich hin brummenden Frost-Gitarren und der Tom G. Warrior-Gesang von John Karnes kaum Interpretationsmöglichkeiten. Selbst wenn die Musiker der Band aus Chicago das vornehmlich schleppende Tempo ihrer Vorbilder verlassen und wie bei "Age Of Consent" oder dem Titelsong die Matte etwas zackiger kreisen lassen - das Kleinhirn hämmert immer wieder: "Celtic Frost-Celtic Frost". Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb macht "Fucking Metal Motherfuckers" Laune. Testet das Ganze mal an. Fanatische Celtic Frost-Alles-Sammler sollten unbedingt ein Ohr riskieren. 
"Fucking Metal Motherfuckers"

JUB

HARMONY „Dreaming Awake“ 7
Massacre, 2003

Harmony - Dreaming Awake

Na, da fühlt man sich schon ein wenig in die Irre geführt. HARMONY? "Dreaming Awake"? Alles klar, bei den auf dem Back-Cover-Foto in schwarze Stretch-Klamotten gehüllten Kurzhaar-Burschen kann man schon mal von gotischen Volltönen ausgehen. Aber schon das Opener-Instrumental "Into The Afterlife" suggeriert uns eine eher progressiv angehauchte Metal-Mucke, die mit "Eternity" in den typisch europäischen Power Metal übergeht. Abgestopptes Gitarrenspiel in raschem Tempo, Double-Bass-Getacker, eine helle Stimme über eine dem Kitsch nicht abgeneigte Melodie. Mit "Dreaming Awake" ist dann schon wieder alles ganz anders. Die kleinen progressiven Wendungen in der Rhythmus-Gestaltung tauchen wieder auf, allerdings ist das Gitarrenspiel nahezu raffiniert in einen Midtempo-Groover integriert, die Melodie erhebt Anspruch auf das Attribut "Außergewöhnlich". Und schließlich gibt es noch einen instrumentalen Zwischen-Part, der aus Gothic-Keyboards-Sphären in ein Malmsteensches Gitarren-Solo aufsteigt. Das ist ein 10-Punkte-Song, weil über jegliche Kritik erhaben. "Without You" könnte jede bessere Ami-Melodic-Band im Program haben. Allerdings würden die eine Ballade sicher radiotauglich etwas knapper fassen und nicht auf sieben Minuten strecken. Bei "Fall Of Man" tönt es dann ganz in Sonata Arctica-Manier wieder heftiger aus den Boxen. Und ähnlich wie die Finnen, wissen die schwedischen HARMONY aus der 08/15-Strophe über eine starke Bridge in den knappen Refrain zu geleiten, der nur aus der Titel-Zeile besteht, sich aber sofort im Hirn festsetzt. Mit "When Shadows Fall" zieht ein Hauch von Schwerfälligkeit in die HARMONY-Welt ein. Auch hier reißt es der geile Refrain raus. Über das neo-klassische "Maze Of The Past" geht es in die straighteste Nummer des Albums, namens "She". Und es funktioniert. Die Härte ist ausreichend und läßt vor allem den Melodie- und Arrangement-Ideen genügend Raum. "Remember" beschließt die Scheibe und hat etwas von "When Shadows Fall", klingt aber trotzdem ein wenig wie hinten angehängt. Die songwriterischen Eigenheiten stehen immer instrumentalen und gesanglichen Leistungen der absoluten Spitzenklasse gegenüber. Daher überweigen die Gründe, sich dieses Album zuzulegen, bei Weitem.
„Dreaming Awake“

JUB

MESSIAH "Hymn To Abramelin" 8
Massacre/Soulfood,1986/2003

Messiah - Hymn To Abramelin

"Infernalisch" war das erste, was mir zu MESSIAH einfiel. Als Mitte der 80er Jahre die extremen Bands sich in den Richtungen Thrash, Death und Black Metal zu polarisieren suchten, enstand nicht selten solch ein wüster Stilmix, wie ihn seinerzeit MESSIAH fabrizierten. Hauptsache es wurde geknüppelt, was das Zeug hielt. Da wurde weder darüber nachgedacht, warum man gerade dieses oder jenes Tempo anschlug, Mosh-Parts waren etwas für Bademeister und klassische Songstrukturen gehörten scheinbar endgültig der Vergangenheit an. Man höre nur "Anarchus": Noch heute dürfte dieses Lied für unbedarfte Musik-Konsumenten wie der Versuch von Hirnamputierten, "Fuchs Du hast die Gans gestohlen" zu spielen, klingen. Und wenn dann "Tschösi" Wilhelm Kühne ins Mikrophon kotzt, kreischt und bellt, hatten MESSIAH es sich auch mit den letzten Heavy Metal-Fans alter Schule versaut. Wie muß dieses Album 1986 gewirkt haben? Laut Wolf-Rüdiger Mühlmann vergötterten die Extreme-Fans und die Fanzine-Szene diese Band, was nachvollziehbar ist, denn die 80er waren eine Zeit, in der beim Heavy Metal eigentlich alles möglich war. Wie zum Beispiel MESSIAH auch mit ihrem Song "Thrashing Madness" belegen, in dem "Brögi" Broggi wie vom Spitz gebissen auf den Seiten seiner Gitarre einen Ton rödelt und "Tschösi" das Ganze hier und da mit einem schrillen "Aaaaarrrggghhhh" anreichert. Und es gibt sogar eine kleine musikalische Homage an die Schweizer Landsleute Hellhammer. Wer nämlich spätestens bei "Total Maniac" nicht die Celtic Frost-Vorläufer im Ohr hat, ist entweder noch sehr jung oder hat sich nie für extremen Heavy Metal interessiert.
Im Kontext mit der damaligen Zeit betrachtet, ist die Scheibe "Hymn To Abramelin" definitiv ein kleiner Meilenstein. Setzt man heutige Maßstäbe an, müßte man sicher die Frage stellen, was die Jungs eigentlich von einem wollen. Aber selbst diese Reaktion weist letzten Endes nur darauf hin, daß es sich hier um ein abgrundtief kultiges Tonträger-Teil handelt, das mit vier bisher unveröffentlichten Tracks angereichert wurde.
"Messiah (extra version)"

JUB

MESSIAH "Extreme Cold Weather" 8
Massacre/Soulfood,1987/2003

Messiah - Extreme Cold Weather

"Extrem kaltes Wetter" - Hammer. So betitelten MESSIAH ihren Zweitling aus dem Jahre 1987. Das Band-Logo erinnerte jetzt auch weniger an eine Mischung aus Wurzel-Troll und Gewitter-Himmel als vielmehr in Frost erstarrt. Der ans Kruzifix genagelte Jesus, der bisher das "E" geschmückt hatte, fehlte. War ihm vermutlich zu kalt. Auch der Gitarren-Sound auf "Extreme Cold Weather" hatte eine winterliche Überarbeitung erhalten. Hier dürften eine Vielzahl Black Metal-Bands ihre Inspirationen erhalten haben, denn "Brögis" Klampfe klirrt weitaus spitzer, als noch im Vorjahr. Ansonsten sind die Zutaten die gleichen. MESSIAH sind weiterhin weit davon entfernt, gefällige Metal-Songs zu schreiben. Metallica zum Beispiel dürften schon damals im Vergleich zu den Schweizern wie eine brave Highschool-Combo geklungen haben. Daß MESSIAH ihre Performance in Live-Konzerten in Sachen Wildheit ins Unermeßliche steigerten, wird auf der vorliegenden CD-Version von "Extreme Cold Weather" ebenfalls belegt. Da kann man nur gespannt sein, was die Männer bei ihrem Sonder-Gig auf dem diesjährigen With Full Force zu bieten haben. Zusätzlich bekommt Ihr auf der Scheibe noch drei Songs des Demos "Powertrash" von 1985 und vier Stücke des Demos "The Infernal Thrashing", ebenfalls von 1985.
"Radezky March: We Hate To Be In The Army Now"/"The Last Inferno"

JUB

MADDER MORTEM "Deadlands" 5
Century Media/Magic Arts Publ, 2002

Madder Mortem - Deadlands

"Soundtrack" heißt es da im Begleitschreiben zur MADDER MORTEM-Scheibe "Deadlands". Und geht man davon aus, daß die einzelnen Stücke auf einem Soundtrack mit Stilvielfalt glänzen, weil sie die unterschiedlichsten Bilder unterstreichen müssen, trifft diese Bezeichnung zu. MADDER MORTEM machen so ziemlich alles, was man im düsteren Genre bewerkstelligen kann. Es wird schwerfällig gedoomt ("Faceless", "Silverspine"), grimmig gerockt ("Necropol Lit"), progressiv gefirlefanzt ("Distance Will Save Us") oder gothic-typisch gelitten ("Deadlands"). Dreh- und Angelpunkt der meist recht schwer zugänglichen Musik sind die heavy Gitarren und der vordergründige Gesang von Agnete M. Kirkevaag. Das ist alles durchaus interessant, allerdings treffen die Songs nicht ins Herz. Selbst im Kopf baut sich hier und da ein Bollwerk auf, um nicht zuviel dieser verschrobenen Stücke ins Zentrum vordringen zu lassen. Wenn Ihr es trotzdem mit den Norwegern probieren wollt, erwartet nichts, sonst schlagen sie Euch gnadenlos vor den Kopf.
"Omnivore"

JUB

HESS "Just Another Day" 2
Frontiers Rec., 2003

Hess - Just Another Day

Er ist nicht der Sohn einer Nazi-Größe, sondern Sänger in einer der besten kanadischen Melodic Metal-Fomationen der Neuzeit. HESS hat uns nicht nur einmal mit seiner Band Harem Scarem in Erstaunen versetzt (siehe Abgehört vom 15. Oktober 2002 und Abgehört vom 17. Dezember 2002). Was der Mann hier allerdings auf seiner Solo-Scheibe verzapft hat, ist billigster Radio-Mainstream-Scheiß. Mit Metal hat das absolut nicht zu tun. Ja, nicht einmal mit Rock. Hier wird belanglos vor sich hingeklampft, werden Lagerfeuer-Melodien angestimmt und dabei wird krampfhaft an den Slips der kleinen Mädchen gezogen. Schlimm. Natürlich ist Harry Hess die ein oder andere gute Melodie eingefallen, allerdings kommt die dann in all dem Schlaim kaum zur Geltung. Kennt Ihr Alexander von "Deutschland sucht den Superstar"? Er und HESS könnten auf Tour gehen und würden erfolgreich die gleiche Zielgruppe erreichen.
"Wasted Away"

JUB
DIE GASTREZENSIONEN: Deddy, ehemaliger Moderator von INTERREGNUM

UNRULY CHILD „The Basement Demos“ CD+DVD 7
Frontier Records, 2002

Unruly Child - The Basement Demos

Nachdem 1992 der Erstling von UNRULY CHILD recht erfolgreich veröffentlicht wurde, dauerte es bis 1998, daß mit „Waiting For The Sun“ eine neue Scheibe auf den Markt kam. In der Zwischenzeit hat man außer einer Geschlechtsumwandlung (aus Mark Free wurde 1995 Marcie Free und damit wohl für eine Metalband nicht mehr ganz tauglich) und einigen Umbesetzungen auch noch Musik gemacht. 
2002 rückte man mit Aufnahmen heraus, die zwischen 1992 und 1994 entstanden sind und sich teilweise in ähnlicher Form auf den ersten beiden Scheiben wiederfinden. Da es alles hochkarätige Musiker sind, die mit ihren Personalakten jeden Plattenchef beeindrucken können, ist das Wort „Demos“ im Titel mehr als irreführend. 
UNRULY CHILD um Keyboarder Guy Allison und Gitarristen Bruce Gowdy haben Melodic Metal vom Feinsten abgeliefert, der technisch ausgefeilt und erstaunlich abwechslungsreich - mit einigen Anleihen - ist („Long Hair Woman“ - Led Zeppelin, „Take Me Down Nasty“ - Def Leppard). Sie haben mit dieser Musik das Rad zwar nicht neu erfunden, aber es läuft schön rund. „On The Rise“ öffnet die Ohren recht eindrucksvoll, „Still Believe“ macht Frauen schwach, was Fräulein Mark wohl nicht so interessiert haben wird. 
Als Bonus ist noch eine DVD beigelegt, mit Interviews, Studioaufnahmen und einem Livemitschnitt. Für hartgesottene Fans mögen ja Bild- und Tonaufnahmen mit einer Handkamera in Studio und Probenräumen noch interessant sein, als Bonus kann man so etwas noch mitnehmen, die Bezeichnung Demo entschuldigt wieder alles, ansonsten ist die DVD nicht der Bringer.
Anspieltipp: „Long Hair Woman“, „Take Me Down Nasty“, “On The Rise”

DEDDY

UNRULY CHILD “UC III” 7
Wild Frontiers, 2002

Unruly Child - UC III

Inzwischen auf ein Trio geschmolzen, legt UNRULY CHILD ihr drittes Werk vor. Die Herren Gowdy (git, b, dr) und Allison (key, b, dr) haben sich Philip Bardowell (bei Peter Criss als Mark Anthony) ans Mikro geholt. Musikalisch hat sich nicht viel geändert, durchgestylter Melodic-Metal auf hohem Niveau. 
Man kann der Band nicht vorwerfen, nicht arrangieren oder spielen zu können. Ihre kleinen Zitate bereichern eher, als das sie peinlich sind („All Around Me“ – mal wieder Led Zeppelin). Satzgesang, Dynamik und Melodien in Hülle und Fülle. Die Band bewegt sich aber auf einem Markt, der schier übersättigt ist. Deshalb ist es nicht einfach, sich ein Urteil über die UC III zu bilden. Sind solche glatten Arrangements, u.a. in der Ballade „Something“  nun eine kommerzielle Anbiederung oder einfach nur schön? „Bring Me Home“ fängt ein wenig wie ein Boygroup-Song an, entwickelt sich aber zu einem metallischen Schmachtsong, bei dem man schon die eine oder andere Dame ins Bett bekommt. Das ist doch auch etwas. Der noch mit der/die/das Mark Free entstandene namensgebende Song „Unruly Child“ befindet sich auch noch auf der Scheibe, haut aber nicht unbedingt vom Hocker. Da kommen „Tear Me Down“ und „Kings Of Tragedy“ schon eher rüber. 
Anspieltipp: „All Around Me“, „Tear Me Down”

DEDDY
 

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