An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

Abgehört vom 27. August 2002


BYRON "Byron" 7
Swell Creek Rec./Sonic/SoulFood, 2002

Byron - Byron

Dieser Tonträger ist absolut Nieten-Schädel-Blut-Pentagram-Eingeweide-Gewalt- und Metal-frei. Und von der gesamten Familie konsumierbar. Die Musik baut sich auf simple und melodiöse Gitarrenriffs und ebenso einfaches aber effektvolles Schlagzeugspiel auf. Die Stimme klingt sauber und paßt zu der Musik wie die Faust aufs Auge. Den Melodien kann man ein gewisses Hitpotential nicht absprechen. BYRON könnten durchaus als eine Mischung aus Studentenrock und gemäßigteren Bad Religion durchgehen und machen dabei keine schlechte Figur.
"Virus"/"I Know,I Know"

THOMAS

WARMEN "Beyond Abilities" 6
Century Media/Magic Arts, 2002

Warmen - Beyond Abilities

Projekte wie WARMEN erinnern mich irgendwie immer an "Die unendliche Geschichte". Ein nicht mehr gänzlich unbekannter aber auch noch nicht zu bekannter Halbstar tritt aus dem Schatten seiner Band hervor, in der ein anderer das Sagen hat, indem er ein Solo-Album veröffentlicht. In WARMENs Fall das zweite (das Debüt "Unknown Solider" erschien 2000). Damit die Leute einen Kaufanreiz mehr haben, werden noch andere mehr oder weniger bekannte Musiker in das Projekt involviert. In diesem Fall sind das Timo Kotipelto von Stratovarius, der die Lieder "Spark" und "Singer's Chance" einsang. Sowie Sinergys Kimberly Goss, die ihr recht dünnes Stimmchen bei "Hidden" sowie der Heart-Coverversion "Alone" erklingen läßt. Dieses Strickmuster ist in der letzten Zeit arg überstrapaziert worden, so daß solch eine Aktion in meinen Augen nur dann Sinn macht, wenn dabei etwas außergewöhnlich Ungewöhnliches herauskommt. Oder die Songs so stark sind, daß die CD wirklich etwas Besonderes darstellt. (Bruce Dickinson´s "Chemical Wedding" fällt mir da ein. Aber das nur am Rande.) WARMEN oder besser Janne Warman, hauptberuflich Keyboarder bei Children Of Bodom, glänzt auf "Beyond Abilities" mit tadelosem Keyboardspiel und auch Schlagzeuger Mirka Rantanen weiß zu gefallen. Auch die Stücke mit Kotipelto sind gut. Ansonsten gibt es weder großartigen noch schlechten (logischerweise) keyboardlastigen Melodic Power Metal, der eher zur Kür als zur Pflicht beim Einkauf von Tonträgern gehört.
"Spark"/"Alone"

THOMAS

CRYSTAL BALL "Virtual Empire" 2
Nuclear Blast, 2002

Crystal Ball - Virtual Empire

Der Power Metal der Band CRYSTAL BALL verhält sich zu dem solcher Bands wie zum Beispiel Jag Panzer oder Nevermore vom Qualitätslevel wie Fast Food zu einem Drei-Gänge-Menü in einem Spezialitäten-Restaurant. Macht zwar satt aber nur als Notlösung. Im Klartext heißt das, daß die Musik der Schweizer sehr vorhersehbar ist. Die Gesangs-Arrangements rufen nur ein müdes Gähnen hervor, und die Klampfen sind so bissig wie ein Maikätzchen, und irgendwie schimmert ab und zu der Spirit von Europe minus Hitpotential durch. Leider haben CRYSTAL BALL im Gegensatz zu Dorn, Peccatum oder Stahlhammer noch nicht einmal Schmunzelkultfaktor. 
"Hands Of God"

THOMAS

C Of E "Protect Me From What I Want" 7
Great White North Rec., 2002

C Of E - Protect Me From What I Want

Der Name des Labels könnte Political Correctness-Fans schon zu denken geben. Aber das nur am Rande. Die Band auf diesem Label, C Of E, ist da schon viel interessanter. Hier gibt es eine echte Thrash/Hardcore-Mixtur zu hören. Echt deswegen, weil der Thrash-Anteil verdammt nach Slayer klingt und der Hardcore eben nach Hardcore. Und obwohl (oder gerade weil) diese beiden Elemente (die meiner Meinung nach nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben sollten) für sich gesehen in der jeweiligen Szene je 100 Credibility-Punkte bekommen würden, funktioniert die Verquickung in diesem Falle sehr gut. Denn die Übergänge sind fließend und klingen nicht erzwungen oder um des Selbstzweckes wegen.
So stehen Gang-Shouts und Hanneman/King-Soli nebeneinander, ohne sich gegenseitig zu massakrieren. Diese Leistung verdient Respekt.
"Fear Me"/"Drowning"/"170 Boom"

THOMAS

GEOFF TATE "Geoff Tate" 2
Sanctuary, 2002

Geoff Tate - Geoff Tate

Ganz weit von den frühen Großtaten seiner Hauptband Queensryche entfernt musiziert der Sänger und Songschreiber GEOFF TATE auf seiner Solo-CD und macht einen sehr müden Eindruck, wenn er sich durch seine recht undramatischen Songs singt. Langatmige "Uuuhh-Aaahh"-Backingvocals, schwaches Piano-Geklimper und wenig gute Ideen ziehen sich durch die ca. fünfzig Minuten Spielzeit des Albums. Daß Tate auf seiner Solo-Scheibe ganz und gar nicht nach Queensryche klingen will, leuchtet mir zwar ein, aber das, was er macht, schleppt sich ohne großen Wiedererkennungswert vor sich hin. Das ändert sich auch nicht, nachdem man dem Album einige Anlaufversuche gibt.
"Flood"

THOMAS

SHADOWCAST "Desperate Accuse Dimension" 4
CCP Rec./SPV, 2002

Shadowcast - Desperate Accuse Dimension

Ein weiterer Newcomer auf CCP Records sind SHADOWCAST. Das Trio um Vordenker Clemens Mayr ist bemüht, aus dem Wust der Gothic (Death) Metal Bands heraus zu ragen, mit denen man sie oberflächlich vergleichen könnte. Viel Doublebass, düstere Keys und Stakkato-Gitarren kann man auf "Desperate Accuse Dimension" ausmachen. Auch eine heisere Brüllstimme, die sich von Zeit zu Zeit in einen klaren Sprechgesang und Gesang wandelt. Doch fehlen ihnen die schwülstigen Melodien, die weiblichen Backingvocals und schlagerartige Singalongs, um sie mit den Crematorys dieser Welt in einen Topf schmeißen zu können. Das ist SHADOWCASTs Pluspunkt. Doch ist das Ganze noch ein wenig unausgegoren. Denn auf der CD fehlen noch die Aha-Effekte, hier und da ein Pfund Agressivität mehr hätte der Platte sicher nicht schlecht gestanden. Clemens' Stimme ist im Gegensatz zu seinen mitunter recht abgefahrenen Keyboardlinien noch etwas identitätslos, was aber nicht an seinem stimmlichen Volumen liegt, sondern - so glaube ich - an dem Vorhaben, wie Tiamats Johan klingen zu wollen. Alles in allem könnte man sagen, daß "Desperate Accuse Dimension" die Platte einer Band auf Identitätssuche ist.
"Pharmakon"

THOMAS 

STYGMA IV "The Human Twilight Zone" 7
Eigenproduktion, 2002

Stygma IV - The Human Twilight

Nun ist es raus. Jon Oliva hat noch einen anderen Bruder, den er immer verheimlicht hat. Er ist in die Schweiz abgetaucht und singt ebenfalls in einer Rockband. Nur, daß er sich nun Ritchie Krenmaier nennt und glaubte, unerkannt zu bleiben. Doch leider hat er sich bei "The Void" selbst verraten. Dies könnte man zumindest glauben, wenn man den Jungs von STYGMA IV zum ersten Mal ein Ohr leiht. Doch Savatage sind nicht der einzige Einfluß, den man bei "The Human Twilight Zone" ausmachen kann. Denn  bei "Sleep" hat man sich kompositorisch anscheinend von King Diamond beraten lassen, zumindest schimmert sein Geist ab und zu bei einigen Passagen durch. Das alles soll aber nicht heißen, daß STYGMA IV ideenlose Kopisten sind. Nein. Eher soll es Euch veranschaulichen, mit welchen Qualitäten die Musiker hier aufwarten. Ihre Stärken liegen eindeutig im Bereich Dramatik und Geschwindigkeit. Nur, wenn sie es mal balladesker versuchen, treffen sie nicht unbedingt meinen Nerv. So zum Beispiel in "The Way To Light", aber das kann ich ihnen ja schlecht zum Vorwurf machen.
"The Void"/"The Way To Light"

THOMAS

RING OF FIRE "The Oracle" 8
Frontiers Rec./Now & Then/XIII Bis Rec./ Point Music, 2002

Ring Of Fire - The Oracle

Die Labelnamen lassen es bereits vermuten. Melodischer, laut Info, neoklassischer Heavy Metal ist auf "The Oracle" für die Ewigkeit konserviert worden. Mitnichten handelt es sich bei RING OF FIRE um eine echte Band im klassischen Sinne, sondern um ein neu zusammengewürfeltes All-Star-Projekt von Ausnahmemusikern wie zum Beispiel Mark Boals (voc), Virgil Donati (dr - Planet X, Southern Sons), George Bellas (git - Mogg/Way), Philip Bynoe (bg - Steve Vai Band) sowie unserem Artension-Spezi Vitalij Kuprij an den Tasten. Letzterer ist für alle musikalischen Arrangements verantwortlich, weswegen das Keyboard eine sehr starke Rolle in RING OF FIREs Musik einnimmt und darüberhinaus im Gesamtsound sehr dominant ist, ohne jedoch die Gitarre unterzubuttern. Was auch sehr schade wäre, denn was Bellas abliefert, ist mehr als nur Standardgefrickel von der Stange ("Samurai"), denn der Gitarrist versteht es, seinem Spiel Leben einzuhauchen, was bei solchen Bands nicht immer der Fall ist. Sehr oft ist eine gewisse Sterilität gerade bei "Zauber"-Bands auszumachen. Auch Kuprij selbst fällt - wie schon bei Artension - durch sein Spiel positiv auf. Seine Stärken liegen gerade bei den dezenten Zwischensprenkseln. 
Alles in Allem: Klasse Musiker, durchdachtes Songwriting, wenig instrumentelle Egotrips. Also empfehlenswert.
"Circle Of Time"/"The Oracle"

THOMAS

SOMBER SERENITY "Singular" 4
Medusa Prod., 2002

Somber Serenity - Singular

Wie eine Mixtur aus My Dying Bride, Bathory und Solstice (U.K.) klingen SOMBER SERENITY auf "Singular". Wobei diese Einflüsse nicht permanent zum Tragen kommen. Die Gitarren verbreiten Tristess soweit das Ohr reicht, sehr schön nachzuhören bei "The Severance". Nur kommt bei der Produktion nicht ganz das zum Vorschein, was sich die Band vermutlich beim Komponieren so gedacht hat. Beim ersten Durchlauf nervte die Musik gewaltig, bei genauem Hinhören stellte ich fest, daß die Songs nicht vordergründig daran schuld sind. Die sind mitunter clever arrangiert, nur machen die kraftlose Gitarre und der nicht kräftigere klare Gesang es einem schwer, das festzustellen. So kann man, wenn man es hart sagen will, "Singular" attestieren, eine Platte zu sein, die in der Theorie gut funktioniert, aber in der Praxis einfach einen schwachbrüstigen Eindruck macht.
"The Severance"

THOMAS

THEE MALDOROR KOLLECTIVE "New Era Viral Order" 8
Audioglobe/Code 666/SPV, 2002

Thee Maldoror Kollective

Eine interessante CD haben die Naturwissentschaftsfans von THEE MALDOROR KOLLECTIVE abgeliefert.
Ähnlich wie bei Ram-Zet wird eine kalte, beabsichtigt sterile Atmosphäre erzeugt durch den permanenten Einsatz von maschinell anmutenden Stakkatoriffs und unterkühlten technioden Synthesizerklängen. Dazu gesellen sich leicht verzerrte Keiffvocals und R2-D2-Gefiepe. Spacige Keyboards, wie sie einst Nocturnus einzustzen wußten, stehen monotonen Raumschiff-Enterprise-Borddurchsagen gegenüber. Dazu gibt es noch Samples, die aus Gesprächen und Monologen aus gerichtsmedizinischen Räumen zu stammen scheinen. So als wenn der Pathologe sich Notizen aufs Band spricht. Das alles wird zu einer funktionierenden Einheit verschmolzen, und wenn nicht die künstlich in die Länge gezogenen Spielzeiten der Songs wären, würde ich dem gar eine neun geben. Eine interessante Platte für den Sologebrauch.
"Xaos DNA Released"

THOMAS

KJU: "Draw Lines On" 5
Swell Creek/Soul Food/cmm, 2002

Kju: - Draw Lines On

Nur ganz entfernt mit Heavy Metal zu tun hat die CD "Draw Lines On" von der deutschen Band KJU:. Viel eher ist kräftiger Rock die Devise aber nicht im Sinne von Hellacopters oder Gluecifer, sondern die Musik ist streckenweise wie ein im Käfig unruhig auf und ab laufender Tiger, der von Zeit zu Zeit schon mal ans Gitter springt, um nach einem neugierigen Besucher zu packen. Zumindest auf den Höhepunkten der Scheibe. Jenseits dieser Höhepunkte wird auch schonmal verträumt die auf "Stoner Rock" gestellte Gitarre geschrummelt, um den erfolglosen Versuch zu unternehmen, Crowbar-mäßige Tristess zu verbreiten. Einen Moment später kommt der Student im Manne durch und langweilt mit wenig ideenreichen Songs die missmutig vor sich hin grummeln.
Prädikat: Zwiespältig.
"Iodine"

THOMAS
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