BYRON "Byron" 7
Swell Creek Rec./Sonic/SoulFood,
2002
Dieser Tonträger ist absolut
Nieten-Schädel-Blut-Pentagram-Eingeweide-Gewalt- und Metal-frei. Und
von der gesamten Familie konsumierbar. Die Musik baut sich auf simple und
melodiöse Gitarrenriffs und ebenso einfaches aber effektvolles Schlagzeugspiel
auf. Die Stimme klingt sauber und paßt zu der Musik wie die Faust
aufs Auge. Den Melodien kann man ein gewisses Hitpotential nicht absprechen.
BYRON könnten durchaus als eine Mischung aus Studentenrock und gemäßigteren
Bad Religion durchgehen und machen dabei keine schlechte Figur.
"Virus"/"I Know,I Know"
THOMAS
WARMEN "Beyond Abilities"
6
Century Media/Magic Arts, 2002
Projekte wie WARMEN erinnern mich
irgendwie immer an "Die unendliche Geschichte". Ein nicht mehr gänzlich
unbekannter aber auch noch nicht zu bekannter Halbstar tritt aus dem Schatten
seiner Band hervor, in der ein anderer das Sagen hat, indem er ein Solo-Album
veröffentlicht. In WARMENs Fall das zweite (das Debüt "Unknown
Solider" erschien 2000). Damit die Leute einen Kaufanreiz mehr haben, werden
noch andere mehr oder weniger bekannte Musiker in das Projekt involviert.
In diesem Fall sind das Timo Kotipelto von Stratovarius, der die Lieder
"Spark" und "Singer's Chance" einsang. Sowie Sinergys Kimberly Goss, die
ihr recht dünnes Stimmchen bei "Hidden" sowie der Heart-Coverversion
"Alone" erklingen läßt. Dieses Strickmuster ist in der letzten
Zeit arg überstrapaziert worden, so daß solch eine Aktion in
meinen Augen nur dann Sinn macht, wenn dabei etwas außergewöhnlich
Ungewöhnliches herauskommt. Oder die Songs so stark sind, daß
die CD wirklich etwas Besonderes darstellt. (Bruce Dickinson´s "Chemical
Wedding" fällt mir da ein. Aber das nur am Rande.) WARMEN oder besser
Janne Warman, hauptberuflich Keyboarder bei Children Of Bodom, glänzt
auf "Beyond Abilities" mit tadelosem Keyboardspiel und auch Schlagzeuger
Mirka Rantanen weiß zu gefallen. Auch die Stücke mit Kotipelto
sind gut. Ansonsten gibt es weder großartigen noch schlechten (logischerweise)
keyboardlastigen Melodic Power Metal, der eher zur Kür als zur Pflicht
beim Einkauf von Tonträgern gehört.
"Spark"/"Alone"
THOMAS
CRYSTAL BALL "Virtual Empire"
2
Nuclear Blast, 2002
Der Power Metal der Band CRYSTAL
BALL verhält sich zu dem solcher Bands wie zum Beispiel Jag Panzer
oder Nevermore vom Qualitätslevel wie Fast Food zu einem Drei-Gänge-Menü
in einem Spezialitäten-Restaurant. Macht zwar satt aber nur als Notlösung.
Im Klartext heißt das, daß die Musik der Schweizer sehr vorhersehbar
ist. Die Gesangs-Arrangements rufen nur ein müdes Gähnen hervor,
und die Klampfen sind so bissig wie ein Maikätzchen, und irgendwie
schimmert ab und zu der Spirit von Europe minus Hitpotential durch. Leider
haben CRYSTAL BALL im Gegensatz zu Dorn, Peccatum oder Stahlhammer noch
nicht einmal Schmunzelkultfaktor.
"Hands Of God"
THOMAS
C Of E "Protect Me From What
I Want" 7
Great White North Rec., 2002
Der Name des Labels könnte Political
Correctness-Fans schon zu denken geben. Aber das nur am Rande. Die Band
auf diesem Label, C Of E, ist da schon viel interessanter. Hier gibt es
eine echte Thrash/Hardcore-Mixtur zu hören. Echt deswegen, weil der
Thrash-Anteil verdammt nach Slayer klingt und der Hardcore eben nach Hardcore.
Und obwohl (oder gerade weil) diese beiden Elemente (die meiner Meinung
nach nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben sollten) für
sich gesehen in der jeweiligen Szene je 100 Credibility-Punkte bekommen
würden, funktioniert die Verquickung in diesem Falle sehr gut. Denn
die Übergänge sind fließend und klingen nicht erzwungen
oder um des Selbstzweckes wegen.
So stehen Gang-Shouts und Hanneman/King-Soli
nebeneinander, ohne sich gegenseitig zu massakrieren. Diese Leistung verdient
Respekt.
"Fear Me"/"Drowning"/"170 Boom"
THOMAS
GEOFF TATE "Geoff Tate" 2
Sanctuary, 2002
Ganz weit von den frühen Großtaten
seiner Hauptband Queensryche entfernt musiziert der Sänger und Songschreiber
GEOFF TATE auf seiner Solo-CD und macht einen sehr müden Eindruck,
wenn er sich durch seine recht undramatischen Songs singt. Langatmige "Uuuhh-Aaahh"-Backingvocals,
schwaches Piano-Geklimper und wenig gute Ideen ziehen sich durch die ca.
fünfzig Minuten Spielzeit des Albums. Daß Tate auf seiner Solo-Scheibe
ganz und gar nicht nach Queensryche klingen will, leuchtet mir zwar ein,
aber das, was er macht, schleppt sich ohne großen Wiedererkennungswert
vor sich hin. Das ändert sich auch nicht, nachdem man dem Album einige
Anlaufversuche gibt.
"Flood"
THOMAS
SHADOWCAST "Desperate Accuse
Dimension" 4
CCP Rec./SPV, 2002
Ein weiterer Newcomer auf CCP Records
sind SHADOWCAST. Das Trio um Vordenker Clemens Mayr ist bemüht, aus
dem Wust der Gothic (Death) Metal Bands heraus zu ragen, mit denen man
sie oberflächlich vergleichen könnte. Viel Doublebass, düstere
Keys und Stakkato-Gitarren kann man auf "Desperate Accuse Dimension" ausmachen.
Auch eine heisere Brüllstimme, die sich von Zeit zu Zeit in einen
klaren Sprechgesang und Gesang wandelt. Doch fehlen ihnen die schwülstigen
Melodien, die weiblichen Backingvocals und schlagerartige Singalongs, um
sie mit den Crematorys dieser Welt in einen Topf schmeißen zu können.
Das ist SHADOWCASTs Pluspunkt. Doch ist das Ganze noch ein wenig unausgegoren.
Denn auf der CD fehlen noch die Aha-Effekte, hier und da ein Pfund Agressivität
mehr hätte der Platte sicher nicht schlecht gestanden. Clemens' Stimme
ist im Gegensatz zu seinen mitunter recht abgefahrenen Keyboardlinien noch
etwas identitätslos, was aber nicht an seinem stimmlichen Volumen
liegt, sondern - so glaube ich - an dem Vorhaben, wie Tiamats Johan klingen
zu wollen. Alles in allem könnte man sagen, daß "Desperate Accuse
Dimension" die Platte einer Band auf Identitätssuche ist.
"Pharmakon"
THOMAS
STYGMA IV "The Human Twilight
Zone" 7
Eigenproduktion, 2002
Nun ist es raus. Jon Oliva hat noch
einen anderen Bruder, den er immer verheimlicht hat. Er ist in die Schweiz
abgetaucht und singt ebenfalls in einer Rockband. Nur, daß er sich
nun Ritchie Krenmaier nennt und glaubte, unerkannt zu bleiben. Doch leider
hat er sich bei "The Void" selbst verraten. Dies könnte man zumindest
glauben, wenn man den Jungs von STYGMA IV zum ersten Mal ein Ohr leiht.
Doch Savatage sind nicht der einzige Einfluß, den man bei "The Human
Twilight Zone" ausmachen kann. Denn bei "Sleep" hat man sich kompositorisch
anscheinend von King Diamond beraten lassen, zumindest schimmert sein Geist
ab und zu bei einigen Passagen durch. Das alles soll aber nicht heißen,
daß STYGMA IV ideenlose Kopisten sind. Nein. Eher soll es Euch veranschaulichen,
mit welchen Qualitäten die Musiker hier aufwarten. Ihre Stärken
liegen eindeutig im Bereich Dramatik und Geschwindigkeit. Nur, wenn sie
es mal balladesker versuchen, treffen sie nicht unbedingt meinen Nerv.
So zum Beispiel in "The Way To Light", aber das kann ich ihnen ja schlecht
zum Vorwurf machen.
"The Void"/"The Way To Light"
THOMAS
RING OF FIRE "The Oracle"
8
Frontiers Rec./Now & Then/XIII
Bis Rec./ Point Music, 2002
Die Labelnamen lassen es bereits
vermuten. Melodischer, laut Info, neoklassischer Heavy Metal ist auf "The
Oracle" für die Ewigkeit konserviert worden. Mitnichten handelt es
sich bei RING OF FIRE um eine echte Band im klassischen Sinne, sondern
um ein neu zusammengewürfeltes All-Star-Projekt von Ausnahmemusikern
wie zum Beispiel Mark Boals (voc), Virgil Donati (dr - Planet X, Southern
Sons), George Bellas (git - Mogg/Way), Philip Bynoe (bg - Steve Vai Band)
sowie unserem Artension-Spezi Vitalij Kuprij an den Tasten. Letzterer ist
für alle musikalischen Arrangements verantwortlich, weswegen das Keyboard
eine sehr starke Rolle in RING OF FIREs Musik einnimmt und darüberhinaus
im Gesamtsound sehr dominant ist, ohne jedoch die Gitarre unterzubuttern.
Was auch sehr schade wäre, denn was Bellas abliefert, ist mehr als
nur Standardgefrickel von der Stange ("Samurai"), denn der Gitarrist versteht
es, seinem Spiel Leben einzuhauchen, was bei solchen Bands nicht immer
der Fall ist. Sehr oft ist eine gewisse Sterilität gerade bei "Zauber"-Bands
auszumachen. Auch Kuprij selbst fällt - wie schon bei Artension -
durch sein Spiel positiv auf. Seine Stärken liegen gerade bei den
dezenten Zwischensprenkseln.
Alles in Allem: Klasse Musiker,
durchdachtes Songwriting, wenig instrumentelle Egotrips. Also empfehlenswert.
"Circle Of Time"/"The Oracle"
THOMAS
SOMBER SERENITY "Singular"
4
Medusa Prod., 2002
Wie eine Mixtur aus My Dying Bride,
Bathory und Solstice (U.K.) klingen SOMBER SERENITY auf "Singular". Wobei
diese Einflüsse nicht permanent zum Tragen kommen. Die Gitarren verbreiten
Tristess soweit das Ohr reicht, sehr schön nachzuhören bei "The
Severance". Nur kommt bei der Produktion nicht ganz das zum Vorschein,
was sich die Band vermutlich beim Komponieren so gedacht hat. Beim ersten
Durchlauf nervte die Musik gewaltig, bei genauem Hinhören stellte
ich fest, daß die Songs nicht vordergründig daran schuld sind.
Die sind mitunter clever arrangiert, nur machen die kraftlose Gitarre und
der nicht kräftigere klare Gesang es einem schwer, das festzustellen.
So kann man, wenn man es hart sagen will, "Singular" attestieren, eine
Platte zu sein, die in der Theorie gut funktioniert, aber in der Praxis
einfach einen schwachbrüstigen Eindruck macht.
"The Severance"
THOMAS
THEE MALDOROR KOLLECTIVE "New
Era Viral Order" 8
Audioglobe/Code 666/SPV, 2002
Eine interessante CD haben die Naturwissentschaftsfans
von THEE MALDOROR KOLLECTIVE abgeliefert.
Ähnlich wie bei Ram-Zet wird
eine kalte, beabsichtigt sterile Atmosphäre erzeugt durch den permanenten
Einsatz von maschinell anmutenden Stakkatoriffs und unterkühlten technioden
Synthesizerklängen. Dazu gesellen sich leicht verzerrte Keiffvocals
und R2-D2-Gefiepe. Spacige Keyboards, wie sie einst Nocturnus einzustzen
wußten, stehen monotonen Raumschiff-Enterprise-Borddurchsagen gegenüber.
Dazu gibt es noch Samples, die aus Gesprächen und Monologen aus gerichtsmedizinischen
Räumen zu stammen scheinen. So als wenn der Pathologe sich Notizen
aufs Band spricht. Das alles wird zu einer funktionierenden Einheit verschmolzen,
und wenn nicht die künstlich in die Länge gezogenen Spielzeiten
der Songs wären, würde ich dem gar eine neun geben. Eine interessante
Platte für den Sologebrauch.
"Xaos DNA Released"
THOMAS
KJU: "Draw Lines On"
5
Swell Creek/Soul Food/cmm, 2002
Nur ganz entfernt mit Heavy Metal
zu tun hat die CD "Draw Lines On" von der deutschen Band KJU:. Viel eher
ist kräftiger Rock die Devise aber nicht im Sinne von Hellacopters
oder Gluecifer, sondern die Musik ist streckenweise wie ein im Käfig
unruhig auf und ab laufender Tiger, der von Zeit zu Zeit schon mal ans
Gitter springt, um nach einem neugierigen Besucher zu packen. Zumindest
auf den Höhepunkten der Scheibe. Jenseits dieser Höhepunkte wird
auch schonmal verträumt die auf "Stoner Rock" gestellte Gitarre geschrummelt,
um den erfolglosen Versuch zu unternehmen, Crowbar-mäßige Tristess
zu verbreiten. Einen Moment später kommt der Student im Manne durch
und langweilt mit wenig ideenreichen Songs die missmutig vor sich hin grummeln.
Prädikat: Zwiespältig.
"Iodine"
THOMAS
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