An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 27. November 2001


LOST HORIZON "Awakening The World" 6
Musik For Nations, 2001

Lost Horizon - Awakening The World

Menschliche Marionetten schuften mit verbundenen Augen an den Strippen, welche von Geiern, Ratten Und Schweinen in Anzügen geführt werden. Ob mit Computer oder Schaufel, sie sind den Peitschen ihrer Peiniger gnadenlos ausgesetzt. Doch vom Himmel herab, in das Tal des Jammers, kommen vier Warriors of Steel, um mit den Mißtänden aufzuräumen. Mit Kriegsbemalung und grimmigen Gesichtern befreien sie die Menschheit und legen ihre Peiniger an die Ketten. Da jammern sie, die Bluthunde und Aasgeier. Doch es nützt nichts. LOST HORIZON haben die Szenerie fest im Griff. 
Leute, so ein geiles Cover habe ich seit der letzten S.O.D.-Scheibe nicht mehr gesehen. Mit zittrigen Fingern schob ich die CD in den Player, um einer weiteren Offenbarung vom Schlage Wizard oder Goddess Of Desire zu lauschen. Naja, es wurde eher eine kleine Entäuschung, denn LOST HORIZON gehen etwas zu berechenbar und wenig eigenständig zu Werke. Härtemäßig spielt das ganze ungefähr in der Hammerfall-zu-Debutzeiten-Liga. Allerdings vermisse ich einschneidende Ohrwürmer und ein wenig Dramatik. Eine Platte voller unterhaltsamer Klischees, nicht schlecht aber auch nicht wirklich gut. Einen Zusatzpunkt für das geniale Cover.
"Sworn In The Metal Wind"

THOMAS

WINDIR „1184“ 7
Voices Of Wonder/Head Not Found, 2001

Windir - 1184

WINDIR, eine typische norwegische Viking-Metal-Band, machen es den Fans dieser Musik so einfach wie möglich. Es ist eigentlich alles enthalten, was diesen Stil zumindest annähernd definieren könnte: Black Metal-Blast-Parts, Kreischgesang, breit angelegte Keyboard-Melodien, cleane hymnenhafte Gesänge, Folk-Elemente und Geschichten der Nordmänner.
Während WINDIR mit „Todeswalzer“, „1184“ und „Dance Of Mortal Lust“ noch ein wenig verspielt klingen, scheinen sie ab „The Spiritlord“ in Fahrt gekommen zu sein. Zwar stammt das meiste dann aus der Ufta-ufta-Region, geht aber - mit sehr schönen Melodien versehen - gehörig ab.
„Journey To The End“

JUB

MOSHQUITO "Worlds End" 5
Morbid Rec./SPV, 2001

Moshquito - Worlds End

Sehr skeptisch bin ich an die neue Scheibe von MOSHQUITO, "Worlds End", herangegangen. Denn die letzte Veröffentlichung der Ostdeutschen löste nicht gerade Begeisterungsstürme bei mir aus. Bei "Secrets", so der Titel der vorletzten CD, bekam man musikalisch solide Durchschnittsware und textlich den aufklärenden Zeigefinger in Überlebensgröße geboten. Ging es der Band damals noch um das Thema Kindesmißbrauch, so befaßt man sich heuer mit dem Ende der Welt (laut Titel, Texte liegen mir nicht vor). Beim Opener "Animals" wird schon deutlich klar, wer bei der in Gera beheimateten Band musikalisch hoch im Kurs steht: amerikanische Hüpfcore-Thrashbands vom Schlage Machine Head. MOSHQUITO paaren diese Einflüsse mit New Metal-Gitarren-Rückkopplungsgeräuschen und einem Schuß S.O.D.-Groove. Das ist zwar alles schön und gut und an manchen Stellen thrasht "Worlds End" auch recht ordentlich, aber MOSHQUITO haben ihre Identität traurigerweise abgegeben und klingen heute beliebig austauschbar. Obwohl "Worlds End" "Secrets" um eine Nasenlänge schlägt, ist die CD recht unspektakulär.
"Animals"

THOMAS

NIGHT IN GALES „Necrodynamic“ 6
Massacre Rec/Connected, 2001

Night In Gales - Necrodynamic

1998 war das Jahr für NIGHT IN GALES. Das Album „Thunderbeast“ hatte damals nicht nur mich aus dem Sessel gekickt. Die Dampframme war tadellos, die Melodien erstaunlich. „Nailwork“ 2000 lahmte da schon ein wenig. Und leider hat sich auch mit „Necrodynamic“ nicht viel verändert. NIGHT IN GALES sind voll Härte und Energie wie eh und je. Allerdings regiert auf dem aktuellen Album die Orientierungslosigkeit. Schweden-Death reiht sich an Thrash-Elemente, die von Alternative-Tupfern zerrissen werden. „Thunderbeast“-Melodien? Fehlanzeige. Eher wird steif an guten Ideen vorbeiagiert.
„Blackelectric“

JUB

VOICE "Golden Signs" 7
AFM Rec./Connected, 2001

Voice - Golden Signs

Sehr nach schwulem Eunuchen-Weicheier-Metal sieht das Cover zu der "Golden Signs"-CD von VOICE aus. Doch tritt hier in diesem Falle mal wieder die alte Weisheit vom Buch und dessen Einband in Kraft, und so mußte ich mich eines Besseren belehren lassen. Entgegen meiner Erwartung haben wir es bei der dritten Veröffentlichung von VOICE mehr mit kraftvollem, melodiösem Metal, denn mit ödem Progressivgewimmer zu tun. Schnell im Presseinfo nachgeschaut und siehe da, am Schlagzeug sitzt ein alter Bekannter: Stefan Schwarzmann, früher durch seine Arbeit bei Running Wild, U.D.O. und Accept bekannt. Daß der Mann für donnernde Drums steht, hat er in der Vergangenheit zur Genüge bewiesen. So auch in diesem Falle. Warum alle Welt immer nur auf Jörg Michael starrt und Herr Schwarzmann, welcher die selben Qualitäten aufweist, eher unbeachtet bleibt, ist mir nach dem Hören der Scheibe erneut ein Rätsel. Doch auch der Rest der Band braucht sich nicht hinter dem Trommelpromi zu verstecken. So singt Sänger Oliver Glas zwar hoch, doch driftet er nie ins peinliche Gequietsche ab. Sehr angenehm. Die Gitarrenarbeit ist gehobener Durchschnitt und die Refrains zeitweise mitreißend. Zwar fehlen VOICE noch ein paar Übersongs, doch eine gute Scheibe kann man ihnen allemal attestieren.
"Golden Signs"

THOMAS

THE DREAMSIDE „Mirror Moon“ 8
Serenades/Connected, 2001

The Dreamside - Mirror Moon

„Mirror Moon“
Wie sich der Begriff Gothic im neuen Jahrtausend definieren kann, demonstrieren THE DREAMSIDE auf ihrem dritten Album „Mirror Moon“. Treibende Bass-Beats unter einschmeichelnden Melodien, die von der ins Hirn gehenden Stimme der italienischen Sängerin Kemi Vita getragen werden, ziehen einen bereits bei den Einstiegsstücken „Mirror Moon“ und „Above Below Around“ in den Tonträger. Und während man an dieser Stelle durchaus zufrieden meint, der Gitarrist bekäme vermutlich nichts mehr zu tun, wird man bereits mit dem nicht minder eingängigen Song „Get Away“ eines Besseren belehrt. Wenn es diese von Umbra et Imago in einem Lied beschriebenen Gothic-Treffs in irgendwelchen Kellergewölben gibt, dann laufen die DREAMSIDE-Songs dort garantiert rauf und runter.
„Get Away“
Einziges Manko dieser CD ist die von Zeit zu Zeit aufblitzende Nähe Kemis Stimme zu Björk. Da Björk so ziemlich das widerwärtigste weibliche Geschöpf des Musikgeschäfts ist, stört dieser Vergleich ungemein. Ich brauch nur an das aktuelle Video denken, wo Björk oben ohne ... uarrgh, ich muß kotzen.

JUB

AURORA BOREALIS "Northern Lights" 7
Die Hard Music, 2001

Aurora Borealis - Northern Lights

Wenn eine Band AURORA BOREALIS heißt und ihre Platte "Northern Lights", dann könnte man ob der (sicherlich unfreiwilligen) Komik an eine Parodiescheibe denken, welche die ganzen, einst von Immortal zur Perfektion getriebenen, Eis- und Schnee-Klischees gebührend auf die Schippe nimmt. Doch ein Funprojekt sind AURORA BOREALIS mit Nichten. Vielmehr gibt es Death Metal mit Black Metal-Versatzstücken um die Ohren. Rasend schnell und das Label stellt sogar Vergleiche mit Emperor an. Zumindest eins haben die Amis mit den Norwegern gemein, nämlich das beide Bands sehr talentierte Musiker in ihren Reihen haben. Originellerweise haben die beiden Musiker von AURORA BOREALIS, Derik Roddy (Drums) und Ron Vento (Bass, Git, Voc), sich zu jedem Songtitel ein eigenes Logo auf der Coverrückseite einfallen lassen. Sogar für die fünf Bonus-Tracks speziell für den europäischen Raum. Sie sehen zwar nicht überwältigend aus, aber eine nette Idee ist es allemal.
Daß die Musiker, welche sich unter anderem schon bei Hate Eternal, Malevolent Creation und Nile einen Namen gemacht haben, als amerikanische Eliteband seitens des Labels gefeiert werden, halte ich jedoch für übertrieben.
Da zuvor genannte Bands da schon die besseren Songs schreiben. Dennoch ist "Northern Lights" eine amtliche Vollbedienung in Sachen Highspeed-Geknüppel. 
"Images In The Nightsky"
 

THOMAS

HUSH "II" 7
Now&Then, Cargo Rec./Point Music/XIII Bis Rec., 2001

Hush - II

HUSH bieten auf ihrem zweiten, schlicht "II" betitelten Longplayer erstklassigen Gute-Laune-Heavyrock. Das Cover mit dem Verkehrsschild hätte nicht besser gewählt werden können, denn die Musik läßt sich definitiv als Autofahrtmusik beschreiben. Wer bei Titeln wie "Don't Say Goodnight" oder "Is It Good Enough?" nicht automatisch das Gaspedal durchtritt, hat wahrscheinlich eine Mittelohrentzündung oder keinen Führerschein. HUSH klingen wie ein Relikt aus vergangenen Tagen, als es Slipknot, Linkin Park oder auch Limp Bizkit noch nicht gab und Rock Musik noch fröhlich sein durfte, ohne suspekt zu klingen. Es gibt auch keine Musiker-Ego-Solo-Ausbrüche, in denen viel gezaubert wird. Kabel in die Verstärker und los. Diese sauber und transparent produzierte CD könnt Ihr ohne Reue mal beim anonymen, hektischen Musikaliengroßhändler Eures Vertrauens antesten. Ach ja, mit "Forever" gibt es noch eine gutklassige Ballade mit auf den Weg.
"Don´t Say Goodnight"

THOMAS 

EIDOLON „Hallowed Apparition“ 9
Metal Blade, 2001

Eidolon - Hallowed Apparition

Wenn EIDOLON mit „De-evolution“ und „Lords Of Desecration“ loslegen, könnte man noch meinen, den Jungs ist es nicht so recht gelungen, Gesangsmelodien zu erfinden. Bei „Forever Be Free“ schleicht sich aber schon langsam die Annahme ein, daß das hier so sein soll.
„Forever Be Free“
Zwei Männer bestimmen die Geschicke dieser kanadischen Formation. Zum einen ist das Ex-King Diamond-Gitarrist Glen Drover, zum anderen Ex-Infernal Majesty-Schlagzeuger Shawn Drover. Beide haben ausgiebig Raum, sich in der EIDOLON-Musik zu entfalten. Vor allem Glen läßt seinem Riff-Faible eine lange Leine. Heavy Metal sind EIDOLON nämlich ohne Ende. Allein der Gesang von Brian Soulard wird eine geteilte Auffassung finden. Brian singt nämlich scheinbar nicht nur in nahezu einer Tonlage, sondern treibt sich ständig auf halben Tönen herum. Das erinnert an Confessor, manchmal an Nevermore oder ganz alte Vicious Rumours. Ich finde es jetzt mittlerweile unglaublich stark.
„You Will Burn“

JUB

MEMORY GARDEN "Mirage" 6
Metal Blade, 2000

Memory Garden - Mirage

Die Schweden MEMORY GARDEN fristen, trotz fast achtjährigem Bestehens, noch immer ein Mauerblümchendasein in der Metal-Szene. Ganz in der Tradition solcher Doombands wie Saint Vitus, Count Raven oder Candlemass. Und eben auch in solcher Tradition steht die Musik der Tempoverweigerer. Schwere Gitarren, schwermütige, doch nie zu kitschige oder todtraurige Leads und Gesangslinien treffen auf Akustikparts und ein ideenreiches Schlagzeugspiel. Doch im Gegensatz zu oben genannten Bands zünden die Songs nicht so richtig und es stellt sich auch kein Gänsehaut-Effekt ein, den solche Musik normalerweise bei mir hervorruft. Es fehlen einfach die Wahnsinnsmelodien wie z.B. bei Count Raven oder Vitus.
"Mirage" ist also mehr was für Komplettisten.
"Shade"

THOMAS
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