ABGEHÖRT vom 28. Juni 2005

PARAGON
"Revenge"
Erschienen: 2005
Label: Remedy Records
Homepage: www.paragon-legions.de
PARAGON - Revenge On Air: "Assassins"
Schön das man sich auf gewisse Bands stets verlassen kann. Die Hamburger gehören zweifelsohne dazu. PARAGON-Platten, das heißt, die Gitarren sind Brett und meterdick. PARAGON-Platten, das heißt, die Beats blasen Dir den Marsch bis die Nackenwirbel bröseln. PARAGON-Platten, das heißt auch, daß man kein schwules Geschwurbel oder halbgare Songs vorgesetzt bekommt. PARAGON stehen für kompromißlosen Heavy Metal, der den Namen auch verdient, es gibt keine überkandidelten Solo-Eskapaden einzelner Instrumente, keine aufgesetzten Konzepte und keine übertriebene Imagepflege. Nur geilen Metal - ehrlich, hart und laut. „Revenge“ macht da keine Ausnahme. Gut gelungen ist auch die Coverversion von Manowars „The Gods Made Heavy Metal“. Fans wissen eh, was zu tun ist. Neueinsteiger sollten die CD unbedingt mal antesten. Alles wie immer eigentlich. Gut so. 10 von 10
THOMAS

JENNIE TEBLER
"Silverwing"
Erschienen: 2005
Label: Black Mark
Homepage: 
JENNIE TEBLER - Silverwing On Air: "Silverwing"
Es gehört nicht zu unserer Verfahrensweise, hier Singles zu reviewen. Aber JENNIE TEBLER ist nicht die erste Ausnahme, die wir machen. Denn manchmal sind auch Veröffentlichungen, die wie in diesem Fall nur zwei Songs enthalten, epochal.
Und "Silverwing" hat diesen Begriff verdient, denn hier bekommen wir Grüße aus Walhalla. Quorthon ist ein Jahr nach seinem Tod wieder allgegenwärtig.
Bei "Silverwing" handelt es sich vermutlich um die letzte Quorthon-Komposition, die auf einen Tonträger gebannt wurde. Und bei der er obendrein sämtliche Instrumente einspielte. Eigentlich sollte es ein Quorthon/JENNIE TEBLER-Projekt geben, das unter dem Namen Silverwing vermutlich ein ganzes Album auf den Markt bringen wollte. Dazu ist es ja bedauerlicher Weise nicht mehr gekommen. Was uns da allerdings entgangen ist, zeigt der Song "Silverwing" überdeutlich. Ein düsterer, schwerer Rocker, der schon in seinen ersten Riffs Gänsehaut erzeugt, die dann zu einem schmerzlichen Frösteln wird, wenn die sanfte Stimme Teblers einsetzt, die die Monströsität der Gitarrenwalze aufbricht. Der Refrain arbeitet diesen Gegensatz noch faszinierender aus. Es ist nicht übertrieben, festzustellen, daß "Silverwing" einer der besten Songs ist, die Quorthon je schrieb.
Wunderbar auch die "Song To Hall Up High"-Version JENNIE TEBLERs. Dieses Stück war auf der Bathory-Scheibe "Hammerheart" zu finden und ging damals schon unter die Haut. Diese Atmosphäre kann die einstige Lake-Of-Tears-Sängerin zwar nicht toppen, kommt ihr aber sehr nahe. 10 von 10
JUB

BOWES & MORLEY
“Mo’s Barbeque”
Erschienen: 2004
Label: Frontiers Records
Homepage: www.bowesandmorley
Bowes & Morley - Mo´s Barbeque On Air: „Living For The City"
Leute packt die Holzkohle und den Grill aus, kauft Steaks und Würstchen und laßt Euch mal wieder bei Bier und Schnaps gehen! Luke Morley und Danny Bowes, eher bekannt von ihrer Hauptband Thunder, blasen zum Grillabend. Das sogar buchstäblich (unterste Schublade auf, kurz geschmunzelt, Schublade wieder zu), denn die etwas in die Jahre gekommenen Herren verwenden Bläsereinsätze ebenso wie Backgroundsängerinnen und Barpiano, um ihre Gute-Laune-Musik aufzupeppen. Locker, swingend, mal mit viel Soul dann wieder rockig, feiern sich die Briten durch ihr Programm. Wie, das ist nicht true? Partys mit finsteren „Fürsten“ und selbsternannten „Lords“, welche zu blasphemischen Getacker und Geklirre grimmig ihre Sternburgflaschen anstieren und möglichst „evil“ aus den schwarzen Leibchen gucken, haben wir schon zu viele erlebt. Hier wird echt gefeiert. Sozusagen „true“! So, mein Steak ist durch. Ich muß weg. 7 von 10
THOMAS

EATEN BY SHEIKS
„Our Last First Record“
Erschienen: 2005
Label: Marvin Records/SPV
Homepage: www.eatenbysheiks.de
EATEN BY SHEIKS - Our Last Record On Air: „Disco 3000“
Wenn eine Band ihr fünftes Album “Our First Last Record” nennt, dann zeugt das entweder von Humor oder vom letzten verzweifelten Versuch, mit einer Platte hoch hinaus zu schießen und dabei den Eindruck von Newcomern zu vermitteln. Dabei klingt die Musik weder besonders witzig noch verzweifelt. Vielmehr hört man in einem knochentrockenen Soundgewand leicht psychedelische Rockmusik, die sich bewußt vom normalen Pop/Rock-Geschrammel abzuheben versucht. Hypnotische Monotonie wechselt mit seichtem Up Tempo. Und kommt mit spartanischer wie effektvoller Gitarrenarbeit daher. Wem Tocotronic zu steif, Oasis zu Beatles-lastig und Queens Of The Stone Age zu hart sind, der sollte an „Our First Last Album“ Gefallen finden. 6 von 10
THOMAS

SAMAEL
"On Earth"
Erschienen: 2005
Label: Regain Records/Galactical Records
Homepage: www.samael.info www.samael.tv
SAMAEL - On Earth On Air: "Auf der Erde"
Prinzipiell ist zu diesem Tonträger bereits zur "Reign Of Light"-Review (Abgehört vom 14. Dezember 2004) alles gesagt worden, denn einer der Hits des Albums, nämlich "On Earth", ist auf dieser Maxi Gegenstand der Behandlung. Und logisch, daß das Stück auch als Single-Track von großer Wirkung ist. Der "Northern Summer Mix" von "On Earth" verdirbt das Lied zwar nicht, macht es aber auch nicht interessanter. Dann schon eher die deutsch gesungene Version "Auf der Erde", die jetzt irgendwie Laibach pur geworden ist. Gelungen auch das Depeche Mode-Cover "I Feel You". Aufgepeppt wird diese Maxi mit dem Video-Clip zu "Telepath" und mit einer Live-Aufzeichnung von - na was schon - "On Earth". 8 von 10
JUB

ASRAI
"Pale Light"
Erschienen: 2004
Label: Transmission
Homepage: www.asrai.net
ASRAI - Pale Light On Air: "Pale Light"
Gothic mit Sirenengesang aus Holland ist derzeit schon fast eine eigene Sparte. Das meiste ist Durchschnitt. Within Temptation zum Beispiel, die natürlich abräumen wie der Weltmeister im Bowlen. Es gibt aber Besseres. ASRAI zum Beispiel. Die haben nicht nur die stärkeren Songs, sondern auch die klangvollere Sängerin. Margriet Mol hat solch ein Alarm-Organ, daß Fensterscheiben zu zerbersten drohen. Und sie kann es variabel einsetzen. Muß also nicht ständig in den lauten Regionen wüten ("Pale Light"). Wird sie stiller wie in "Shadows", hat sie schon richtig ein bißchen Wärme in der Stimme.
"Pale Light" ist eine Art EP, die vier Songs zu bieten hat. Einmal den Titelsong und das wirklich sehr geile "Touch In The Dark" vom gleichnamigen Album, das genannte "Shadow" in einer bisher unveröffentlichten Akustik-Version und das emotionale "Recall". Auch unveröffentlicht bisher, aber sehr schön.
Wer sich also von den Trauertruppen mit den Tulpen im Haar angenervt fühlt, kann zumindest bei ASRAI noch einmal hoffnungsvoll zuhören. Wer auf diese Art von Musik steht, wird garantiert begeistert sein. 8 von 10
JUB

AFTER FOREVER
"Digital Deceit"
Erschienen: 2004
Label: Transmission
Homepage: www.afterforever.com
AFTER FOREVER - Digital Deceit On Air: "Blind Pain"
AFTER FOREVER sind eine jener Bands, deren musikalischer Fundus bis aufs Blut ausgeschöpft wird. Denn Maxis und EPs gibt es von denen mittlerweile zu Hauf. Und was da so veröffentlicht wird, ist von unterschiedlicher Qualität. Das gute bei diesen Kurz-Tonträgern ist, daß sie bei einer guten Songauswahl passabel rüberkommen. Diesmal ist dem so. "Digital Deceit" ist auch in der Single-Version ein guter Gothic/Prog-Song. Die Orchester-Version von "Eccentric" stellt das schwächste Glied der Scheibe dar, da etwas einschläfernd. Die Single-Variante von "Sins Of Idealism" verdichtet die Stärken der Nummer, die trotz ihrer unverkennbaren Wendungen sehr kompakt rüberkommt. Und die sogenannte "Agressive Version" des Stücks "Blind Pain", die viel mehr von technisch hochwertigem Thrash Metal hat als von Gothic, markiert den Höhepunkt auf der Scheibe. Hier darf Gitarrist Sander Gommans mal wieder seine Stimmbänder strapazieren.
Beendet wird die EP mit einem Interview, das Irene Jansen führt, die schwesterlich mit der AFTER-FOREVER-Sängerin Floor Jansen verbunden ist. 7 von 10
JUB

AT WAR WITH SELF
"Torn Between Dimensions"
Erschienen: 2005
Label: Free Electric Sound
Homepage: ---
AT WAR WITH SELF - Torn Between Dimensions On Air: "Run"
AT WAR WITH SELF ist ein Projekt von Glenn Snelwar, Michael Manring und Mark Zonder. Wem die Bands Gorgian Knot, Fates Warning und Spastic Inc, bei denen sie mitgewirkt haben, etwas sagen, wird feststellen, daß die Musiker handwerklich mehr könne als allgemein üblich und es auch gerne zeigen. 
Im vorliegenden Fall wird auch vom Zuhörer einiges abverlangt. Einfach strukturierte Stücke mit Strophe, Refrain und kleines Solo sind nicht zu erwarten. Auf den Einsatz eines Sängers wird vollkommen verzichtet. Jeder Song ist ein eigenes Kunstwerk aber auch ein musikalisches Labyrinth, in dem man sich erst einmal zurechtfinden muß. Man kann sich darin verlaufen und verflucht dabei die komplizierten Wege und Wendungen. Oder der Reiz überwiegt. Hinter jeder Ecke lauert eine neue Überraschung, man entdeckt etwas Neues, auch wenn man den Weg schon mehrere Male gegangen ist. Bekannterweise sind Labyrinthe nichts für eilige Wanderer, sondern eher für Müßiggänger. Deshalb nervt die Musik nebenbeigehört eher.
"Torn Between Dimensions" ist eine Mischung aus Heavy Metal, Fusion und Progressiv Rock. Prog ist es immer, den Metal hört man nicht immer raus, die jazzigen Anleihen wissen zu gefallen. Der knochentrockene Fretlessbaß von Michael Manring knurrt virtuos und ist sehr vordergründig. Teilweise übernimmt er die Melodieführung. Ex-Fates-Warning-Drummer Mark Zonder hält mit seinem exzellenten Schlagzeugspiel die Stücke zusammen. Auch wenn er rhythmisch interessante Sachen parat hält, ordnet sich sein Schlagzeugspiel den Songs unter und ist jederzeit logisch und nachvollziehbar. Den meisten Spielraum hat Glenn Snelwar. Der Gitarrist, Mandolinenspieler, Keyboarder und Was-weiß-der-Teufel-noch-Instrumentalist hat den größten Teil der Stücke geschrieben und lebt sich voll aus. Mal brettert die E-Gitarre uns ein volles Brett um die Ohren, mal zupft er lyrische Passagen, dann bereitet uns das Keyboard einen Klangteppich usw. 
Bei "Run" sind die einzelnen Einflüsse sehr gut herauszuhören und es gehört zu den besten Stücken auf der Scheibe. Leider hat nicht jeder Song solchen Wiedererkennungseffekt. Vermutlich erschließen sich die Songs erst beim hundertsten Male hören. Wenn die Scheibe solange spannend bleibt, ist das auch in Ordnung. "Torn Between Dimensions" ist ein musikalischer Grenzgänger. Bei Grenzen und deren Verletzungen verstehen manche keinen Spaß und schießen sofort, andere freuen sich des regen Verkehrs. Um des letzteren Willen bekommen sie acht Punkte. 8 von 10
DEDDY

OUT OF ORDER
„Back In Hell“
Erschienen: 2002
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.out-of-order.de
OUT OF ORDER - Back in Hell On Air: "Feel My Hate"
“Back In Hell” ist wieder so eine Platte, an der eigentlich alles rundherum stimmt. Der Sound ist für eine Eigenproduktion ziemlich sauber und druckvoll. Es gibt ein zwölfseitiges Booklet und ein ansehnliches Cover. Die Spielzeit der CD beträgt satte 51 Minuten. OUT OF ORDER spielen treibenden Heavy Metal mit solidem Riffing und brauchbarem Gesang, welcher nicht nervt aber auch nicht umhaut. Soweit so gut. Nur bei den Songs liegt mitunter noch einiges im argen. Der Opener „Feel My Hate“ böllert gut los und geht ins Ohr. Der Titelsong ist auch nicht von schlechten Eltern, prägnant und kurzweilig. Auch „Blue Eyed Tornado“ geht gut nach vorne los. Doch dazwischen macht sich Langeweile breit. Es fehlt noch der entscheidende Kick, viel zu oft hat man das Gefühl, daß hier beinahe jedes Riff gut genug für einen Song ist. Auch die Leads, sofern vorhanden, sind noch nicht das Gelbe vom Ei. Hier bedarf es noch ein wenig mehr Überzeugungskraft, um aus den Durchschnittswust herauszuragen. 5 von 10
THOMAS

NEVERLAND
"Neverland"
Erschienen: 2004
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.never-land.ch
NEVERLAND - Neverland On Air: "No Time To Lose"
Entdeckung aus der Schweiz. NEVERLAND streuen gerade ihre selbstproduzierte und selbstbetitelte Mini-CD. Und was da auf den 4-Track-Tonträger gebannt wurde, ist bemerkenswert. Simpel beschrieben, haben wir es hier mit melodischem Heavy Metal zu tun, der eine leichte Prog-Schlagseite aufweist. Das machen nicht gerade wenige Bands in Europa. Allerdings ist es nur wenigen vergönnt, gute Songs zu schreiben. Das haben NEVERLAND hinbekommen. Sie schlagen eine Brücke zwischen Eingängigkeit und Anspruch. Genre-Fans werden Ohren machen. 8 von 10
JUB

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