SYMPHONY X „V - The New Mythology
Suite“ 9
EMI, 2001
Die aktuelle SYMPHONY X habe ich
mir an einem Sonnabend-Vormittag zu Gemüte geführt, an dem nicht
unbedingt mein progressiver Tag war. Nach 10, 15 Minuten wollte ich schon
genervt abschalten, als ich auf „Communion And The Oracle“ stieß.
„Communion And The Oracle“
Bei diesem Stück treffen Rush,
Asia und vor allem Marillion aufeinander. Und so blieb ich fasziniert vor
der Anlage kleben und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. An anderer
Stelle wagte ich gar Queen-Anleihen zu vernehmen. Das ganze wird perfekt
verwoben mit klassischen Momenten, die oft an Filmmusik-Themen erinnern.
Die vertrackten Progressiv Metal-Strukturen bilden dann schließlich
nicht etwa den störenden Aspekt, sondern setzen der Musik das Sahnehäubchen
auf. Die Songs zeugen von einem kompositorischen Geschick, daß man
erblassen möchte.
„On The Breath Of Poseidon“/„Egypt“
SYMPHONY X existieren seit 1994
und wurden in New Jersey/USA gegründet. „V- The New Mythology Suite“
ist das mittlerweile fünfte Album. Systematisch haben die Amis die
Metal-Gemeinde sturmreif geschossen, denn zu keiner Zeit gingen sie stilistische
Kompromisse ein. Jetzt ist es soweit, daß selbst aus den Underground-Pool
eine Menge Anhänger den jeweiligen SYMPHONY X-Outputs entgegenfiebern.
Und das verwundert kaum, denn diese Band ist nahezu tadellos.
Als Anspieltip eignet sich auf diesem
Album noch „A Fools Paradise“. Der ist von enormer Heftigkeit. Aber keine
Angst - auf straighte Strukturen lassen sich SYMPHONY X nicht ein.
JUB
CORROSION OF CONFORMITY „America’s
Volume Dealer“ 9
Metal-Is/Sanctuary Rec., 2001
Hey, CORROSION OF CONFORMITY ist
doch die Band, die seit Gründung 1983 alles Mögliche ausprobierte
und mal mit Hardcore, Industrial-Anleihen, mal mit Black Sabbath-Doom oder
Thrash-Versatz-Stücken glänzte. Jetzt schlagen sie sich auf die
Seite der Pot rauchenden Neo-Hippies á la Monster Magnet oder Kyuss.
„Zippo“
Die lange Bandgeschichte birgt natürlich
auch eine ganze Reihe Alben in sich. Und diese Stil-Vielfalt - oder sollen
wir Wirrwarr sagen - ist nicht zuletzt auf ein ständig rotierendes
Besetzungskarrussell zurückzuführen. Jetzt hat man sich aber
scheinbar endlich auf ein Line Up eingeschossen: Mike Dean (Baß),
Reed Mullin (Schlagwerk), Woody Weatherman (Gitarre) und Pepper Keenan
(Gitarre, Gesang). Letzterer dürfte so manchem durch sein 1994 mit
Pantera-Sänger Phil Anselmo gestartetes Projekt Down ein Begriff sein.
Zurück zur Scheibe „America’s
Volume Dealer“: Nicht nur Stoner Rock steht bei CORROSION OF CONFORMITY
hoch in der Gunst. Auch alte Punk-Helden kriegen ihre Homage. Wie im Falle
von Legionaires Disease Band. Von denen coverten die Amis nämlich
...
„Rather See You Dead“
„America’s Volume Dealer“ ist eines
der coolsten Alben, die ich je gehört habe. Diesen Eindruck unterstreicht
nicht zuletzt auch das Stück „ Stare Too Long“, mit dem C.O.C. gar
eine Brücke zwischen Südstaaten Rock und Country-Mainstream schlagen.
„Stare Too Long“
JUB
CRYPTOPSY „And Then You’ll
Beg“
7
Century Media/Magic Arts Publishing.,
2001
„Voice Of Unreason“
Die Musik von CRYPTOPSY ist einfach
beschrieben: Stellt Euch vor, beim Umzug würden die Möbelträger
mit einem Kleiderschrank acht Stockwerke die Treppe hinunterfallen, eine
Oma mit Einkaufstaschen mit sich reißen und unten mit Wucht durch
die verschlossene Eingangstür krachen. Oder mit den Worten meines
Co-Moderators Thomas gesprochen: Die Kanadier klingen wie ein unaufgeräumtes
Zimmer.
CRYPTOPSY sind ein Death Metal-Sturm,
der manchmal außer Kontrolle zu geraten droht, aber immer wieder
gebändigt werden kann.
„Back To The Worms“
JUB
BAILEYS COMET „Judgement Day“8
Frontiers/Now & Then/XIII BIS/Point
Music., 2001
„Good Lovin’ Gone Bad“
Mit dieser Band ist eine tolle Geschichte
verbunden: Dez und Mick Bailey starteten ihre steile Karriere in den 80ern
als die Top-Metal-DJs in Grobritannien. Später arbeiteten sie bei
MTV, produzierten verschiedene Sendeformate. Sie steckten also bis zum
Hals mitten im Business. Plötzlich bekamen sie scheinbar Lust darauf,
selbst Musik zu machen und gründeten BAILEYS COMET. Als Mitstreiter
engagierten sie dann noch die beiden kurzzeitigen Saxon-Musiker Nigel Durham
und Fasker Johnson, um mit einer gehörigen Thin-Lizzy-Liebe im Herzen
die COMETs brennen zu lassen.
„Revolution“
„Revolution“ ist außer „Dedication“
der erste echte von Lizzy-Sänger Phil Lynott geschriebene Song, der
postum zu Ehren kommt. Zwar hatten die Baileys bei dem Stück auch
ihre Hände im Spiel. Phil Lynotts Handschrift ist aber so deutlich,
daß man meinen mag, eine bisher unveröffentlichte Lizzy-Aufnahme
zu hören.
Aber nicht nur dieser Song läßt
Parallelen zu den irischen Vorzeige-Metallern zu. Genau wie Thin Lizzy
arbeiten BAILEYS COMET mit zwei Lead-Gitarren und lassen sie Sänger
Alex Edwards in einer ebenso nachlässig, fast gesprochenen Art die
meisten Songs vortragen, wie es Lynotts Trademark war. Und schließlich
ist man sich auch thematisch nahe, was unter anderem Song-Titel wie „Emerald
Isle“ belegen.
Der einzige Kritikpunkt, der zwar
nicht schwer wiegt aber Erwähnung finden muß, ist die viel zu
glatt gebügelte Produktion. Irgendwie scheint die Scheibe auf den
amerikanischen Markt zugeschnitten worden zu sein.
Schließlich gibt es mit „Wild
One“ eine Phil Lynott-Homage, die sich gewaschen hat. Lizzy-Fans werden
ihren Spaß haben, Zitate aus Songs der Band zu entdecken.
„Wild One“
JUB
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