An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 28. August 2001



SYMPHONY X „V - The New Mythology Suite“ 9
EMI, 2001

Symphony X - V - The New Mythology Suite

Die aktuelle SYMPHONY X habe ich mir an einem Sonnabend-Vormittag zu Gemüte geführt, an dem nicht unbedingt mein progressiver Tag war. Nach 10, 15 Minuten wollte ich schon genervt abschalten, als ich auf „Communion And The Oracle“ stieß.
„Communion And The Oracle“
Bei diesem Stück treffen Rush, Asia und vor allem Marillion aufeinander. Und so blieb ich fasziniert vor der Anlage kleben und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. An anderer Stelle wagte ich gar Queen-Anleihen zu vernehmen. Das ganze wird perfekt verwoben mit klassischen Momenten, die oft an Filmmusik-Themen erinnern. Die vertrackten Progressiv Metal-Strukturen bilden dann schließlich nicht etwa den störenden Aspekt, sondern setzen der Musik das Sahnehäubchen auf. Die Songs zeugen von einem kompositorischen Geschick, daß man erblassen möchte.
„On The Breath Of Poseidon“/„Egypt“
SYMPHONY X existieren seit 1994 und wurden in New Jersey/USA gegründet. „V- The New Mythology Suite“ ist das mittlerweile fünfte Album. Systematisch haben die Amis die Metal-Gemeinde sturmreif geschossen, denn zu keiner Zeit gingen sie stilistische Kompromisse ein. Jetzt ist es soweit, daß selbst aus den Underground-Pool eine Menge Anhänger den jeweiligen SYMPHONY X-Outputs entgegenfiebern. Und das verwundert kaum, denn diese Band ist nahezu tadellos.
Als Anspieltip eignet sich auf diesem Album noch „A Fools Paradise“. Der ist von enormer Heftigkeit. Aber keine Angst - auf straighte Strukturen lassen sich SYMPHONY X nicht ein.

JUB

CORROSION OF CONFORMITY „America’s Volume Dealer“ 9
Metal-Is/Sanctuary Rec., 2001

Corrosion Of Conformity - Anerica's Volume Dealer

Hey, CORROSION OF CONFORMITY ist doch die Band, die seit Gründung 1983 alles Mögliche ausprobierte und mal mit Hardcore, Industrial-Anleihen, mal mit Black Sabbath-Doom oder Thrash-Versatz-Stücken glänzte. Jetzt schlagen sie sich auf die Seite der Pot rauchenden Neo-Hippies á la Monster Magnet oder Kyuss.
„Zippo“
Die lange Bandgeschichte birgt natürlich auch eine ganze Reihe Alben in sich. Und diese Stil-Vielfalt - oder sollen wir Wirrwarr sagen - ist nicht zuletzt auf ein ständig rotierendes Besetzungskarrussell zurückzuführen. Jetzt hat man sich aber scheinbar endlich auf ein Line Up eingeschossen: Mike Dean (Baß), Reed Mullin (Schlagwerk), Woody Weatherman (Gitarre) und Pepper Keenan (Gitarre, Gesang). Letzterer dürfte so manchem durch sein 1994 mit Pantera-Sänger Phil Anselmo gestartetes Projekt Down ein Begriff sein.
Zurück zur Scheibe „America’s Volume Dealer“: Nicht nur Stoner Rock steht bei CORROSION OF CONFORMITY hoch in der Gunst. Auch alte Punk-Helden kriegen ihre Homage. Wie im Falle von Legionaires Disease Band. Von denen coverten die Amis nämlich ...
„Rather See You Dead“
„America’s Volume Dealer“ ist eines der coolsten Alben, die ich je gehört habe. Diesen Eindruck unterstreicht nicht zuletzt auch das Stück „ Stare Too Long“, mit dem C.O.C. gar eine Brücke zwischen Südstaaten Rock und Country-Mainstream schlagen.
„Stare Too Long“

JUB

CRYPTOPSY „And Then You’ll Beg“ 7
Century Media/Magic Arts Publishing., 2001

Cryptopsy - And Then You'll Beg

„Voice Of Unreason“
Die Musik von CRYPTOPSY ist einfach beschrieben: Stellt Euch vor, beim Umzug würden die Möbelträger mit einem Kleiderschrank acht Stockwerke die Treppe hinunterfallen, eine Oma mit Einkaufstaschen mit sich reißen und unten mit Wucht durch die verschlossene Eingangstür krachen. Oder mit den Worten meines Co-Moderators Thomas gesprochen: Die Kanadier klingen wie ein unaufgeräumtes Zimmer.
CRYPTOPSY sind ein Death Metal-Sturm, der manchmal außer Kontrolle zu geraten droht, aber immer wieder gebändigt werden kann.
„Back To The Worms“

JUB

BAILEYS COMET „Judgement Day“8
Frontiers/Now & Then/XIII BIS/Point Music., 2001

Baileys Comet - Judgement Day

„Good Lovin’ Gone Bad“
Mit dieser Band ist eine tolle Geschichte verbunden: Dez und Mick Bailey starteten ihre steile Karriere in den 80ern als die Top-Metal-DJs in Grobritannien. Später arbeiteten sie bei MTV, produzierten verschiedene Sendeformate. Sie steckten also bis zum Hals mitten im Business. Plötzlich bekamen sie scheinbar Lust darauf, selbst Musik zu machen und gründeten BAILEYS COMET. Als Mitstreiter engagierten sie dann noch die beiden kurzzeitigen Saxon-Musiker Nigel Durham und Fasker Johnson, um mit einer gehörigen Thin-Lizzy-Liebe im Herzen die COMETs brennen zu lassen.
„Revolution“
„Revolution“ ist außer „Dedication“ der erste echte von Lizzy-Sänger Phil Lynott geschriebene Song, der postum zu Ehren kommt. Zwar hatten die Baileys bei dem Stück auch ihre Hände im Spiel. Phil Lynotts Handschrift ist aber so deutlich, daß man meinen mag, eine bisher unveröffentlichte Lizzy-Aufnahme zu hören.
Aber nicht nur dieser Song läßt Parallelen zu den irischen Vorzeige-Metallern zu. Genau wie Thin Lizzy arbeiten BAILEYS COMET mit zwei Lead-Gitarren und lassen sie Sänger Alex Edwards in einer ebenso nachlässig, fast gesprochenen Art die meisten Songs vortragen, wie es Lynotts Trademark war. Und schließlich ist man sich auch thematisch nahe, was unter anderem Song-Titel wie „Emerald Isle“ belegen.
Der einzige Kritikpunkt, der zwar nicht schwer wiegt aber Erwähnung finden muß, ist die viel zu glatt gebügelte Produktion. Irgendwie scheint die Scheibe auf den amerikanischen Markt zugeschnitten worden zu sein.
Schließlich gibt es mit „Wild One“ eine Phil Lynott-Homage, die sich gewaschen hat. Lizzy-Fans werden ihren Spaß haben, Zitate aus Songs der Band zu entdecken.
„Wild One“

JUB
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