An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 28. Oktober 2003


BURIED GOD "Dark Revelation" 7
Merciless Rec., 2003

BURIED GOD - Dark Revelation

Was waren (und sind) die in den 80ern legendär gewordenen Trios aus der Krach-Szene geil. Venom, Sodom, frühe Kreator, Whiplash oder Exciter. Auch heute noch ist die Dreierkonstellation meistens ein Garant für rohe und ungeschliffene Metalmusik der Marke Krisiun, Krabathor oder die völlig unterbewerteten Macabre. In die selbe Kerbe haut nun auch das sinistre Thrash Metal-(na was wohl)-Trio um den ehemaligen Impending Doom-Gitarristen Patrick W. Engel. War man von Impending Doom nichts weiter als erstklassigen Metal gewohnt, so kann man auch BURIED GOD dieses Attribut anhängen. Natürlich hört man etliche Querverweise in die 80er aus der Musik heraus. Das ist jedoch durchaus legitim, da BURIED GOD sich eine kautzige Eigenständigkeit bewahrt haben. Was angesichts solcher dreisten Plagiatbands wie Guilloutine, die schon mal ganze Arrangements von Sodom und Kreator übernommen haben, sehr lobenswert ist. Eigentlich hat die Platte alles, was man sich von einer räudigen Thrash-Band wünscht. Talentiertes Geknüppel (aus Meister Engels Hand), hastiges Geriffe, Gesang, der klingt wie das besoffene Geprolle eines Maurerpoliers und seines Schäferhundes. Nur eines fehlt noch zum finalen Glück. Und zwar ein bis zwei Thrash-Hits. Ein Refrain, den man zu jeder (möglichst unpassenden) Gelegenheit im Chor brüllen kann. Auch wenn die Leute schon besoffen sind. Sowas wie "Outbreak of evil" oder "Its time to race the flag of hate". Ansonsten aber eine solide bis gute Scheibe.
"Conquer Moriha"

THOMAS

DEATHSTARS „Synthetic Generation - 4-Track-Club-EP“ 9
Nuclear Blast, 2003

DEATHSTARS - Synthetic Generation - 4-Track-Club-EP

Verpaßt dieser Band die entsprechende Promotion und Ihr habt die nächsten Heavy Metal-Stars. Die Songs sind dermaßen smart, daß jeder Diskotheken-Stürmer mit vor "Feelings" verzerrtem Gesicht die Refrain-Zeilen mitbrüllen wird. Ob Metaller, Altsack oder Techno-Fritze - sie alle könnten bei den treibenden Rhythmen von DEATHSTARS ihre helle Freude haben. Erst recht, da sich ja schließlich die ganze Bagage beim Billy Idol-Cover "White Wedding" treffen kann. Doro dürfte blaß werden, wenn sie diese Version hört. Industrial mit einem "More"-Sisters-Of-Mercy-Touch, der immer einen Hang zu "This Corrosion" besitzt. Wirklich ziemlich geil.
"Synthetic Generation"/"White Wedding"

JUB

ANDROMEDA "11=1" 9
New Hawen Rec./Century Media, 2003

ANDROMEDA - 11=1

Progressive Metal-Freunde aufgehorcht! Diese Band hat Eure Beachtung verdient. Diese 1999 von Gitarrenfreak Johan Reinholdz in Schweden gegründete Band ist irgendwie anders als die unzähligen Progbands von der Stange. Denn mit den vielen Ex-Musikkonservatoriumsabsolventen in den tuntigen Rüschenhemden mit den Kinderbuchabenteuer inspirierten Möchtegern-Alibi-Konzeptstories und den nervtötenden Instrumentalstandardtricks und dem zuckersüßen Gesang eines schlecht frisierten Beinahe-Stars haben ANDROMEDA nicht viel gemeinsam. Ihr Gesamtsound ist nämlich etwas erdiger und düsterer als bei oben genannten Künstlern. Reinholdz Faible für brutale Musik gipfelte jüngst in dem Einstieg in die Thrash Band NonExist, in der sich illustre Gestalten wie Matte Modin (Defleshed, Dark Funeral) und Johan Liiva (ex-Arch Enemy) produzieren. Aber das nur am Rande. Aus dem recht voluminösen, molligen Gitarrensound blitzen immer wieder kleine technische Finessen auf und vermitteln den Eindruck einer sich an ein Beutetier anschleichenden Raubkatze. Kraftvoll aber hoch konzentriert und kontrolliert. Dazu kommt, daß Keyboarder Martin Hedin recht abgefahrene Geräusche und Skalen aus seinem Instrument zaubert, die wirklich überaschend frisch klingen. Unerwartet kommen bizarre Fills und Breaks zum Vorschein, die im Nachhinein stets wie die Faust aufs Auge passen. Sänger David Fremberg verleiht seiner Stimme die nötige Tiefe, indem er bewußt auf das bloße Trällern im Kopfstimmenbereich verzichtet und sich gesanglich von der Musik treiben läßt. Am besten kann man ANDROMEDA mit den Landsmännern von Pain Of Salvation vergleichen, die sich in gleichem Maße um Selbständigkeit bemühen. Wenn Euch die Dream Theater-Klone langweilen und Ihr Bock auf neue Klangdimensionen im Progmetal habt, testet "11=1" ruhigen Gewissens mal an. Es soll Euer Schade nicht sein.
"Reaching Deep Within"

THOMAS

AS I LAY DYING "Frail Words Collapse" 6
Metal Blade, 2003

AS I LAY DYING - Frail Words Collapse

An AS I LAY DYING werden sich die Geister scheiden. Denn das neue Signing aus dem Hause Metal Blade eiert mit seinem melodiebetonten Death Metal dem abfahrenden Zug der "Melodic Death Metal from Sweden in Vein of In Flames and Dark Tranquillity"-Bewegung hinterher, ohne aufsehenerregende Akzente setzten zu können. Das heißt, daß AS I LAY DYING genau genommen genauso wenig Death Metal spielen wie die Originale aus Götheborg, sondern eher einen Stilmischmasch aus modernem Heavy Metal mit NWOBHM-Einflüssen im Gitarrenbereich, was die Handhabung der Melodien angeht. Dazu ein paar groovebetonte Moshparts aus der "Neo-Thrash" Ecke gepaart mit ein wenig Industrial-Noise-Verrücktheiten. Abgerundet wird das Ganze mit Akustikeinsprenkseln hier und da, sowie der typisch heiseren Keifstimme. Nichts, was einen Fan oben genannter Musikrichtung mit schmalem Geldbeutel von der Notwendigkeit der Anschaffung von "Frail Words Collapse" überzeugen könnte. Auf der anderen Seite ist die Scheibe alles andere als schlecht. Die Songs an sich sind gut arrangiert. Der Schlagzeuger wartet mit der einen oder anderen Überaschung auf, wenn die Klampfen sich etwas länger an einem Thema aufhalten. Die Melodien klingen beileibe nicht nach Kindergarten und am Mikro könnte Anders Fridens Bruder stehen. Die Produktion ist 1A und egal ob Getacker, Mosh oder ruhige Passagen, die Band erlaubt sich keine nennenswerten Durchhänger. Wäre "Frail Words Collapse" vor drei, vier Jahren erschienen, hätte man von einer bemerkenswerten Band sprechen können. Doch im Zuge der unzähligen ähnlich gearteten Bands sind AS I LAY DYING so auffällig wie eine kleine Dönerbude in Berlin-Kreuzberg. Wenn auch eine gute.
"Collision"

THOMAS

40 GRIT "Nothing To Remember" 1
Metal Blade, 2003

40 GRIT - Nothing To Remember

Was zur Hölle ist denn mit 40 GRIT los? Enthielt ihre 2000er Platte "Heads" noch recht passablen, wenn auch wenig spannenden Thrash modernerer Prägung, so haben sie nun völlig mit ihrer musikalischen Vergangenheit gebrochen. Zwar ist eine Kurskorrektur oder die vielzitierte "musikalische Weiterentwicklung" bei manch einer Band gutgegangen und bei einigen notwendig bzw. karriereförderlich gewesen (Samael, Tiamat, Therion), so haben sich 40 GRIT hingegen damit völlig in die Nesseln gesetzt. Der große Erfolg, den Bands wie P.O.D. oder Nickelback in den Staaten - und nicht nur da - feiern, hat die Band wohl zu dieser Metamorphose "inspiriert". 40 GRIT stehen heute für schrammeligen Gitarrenpop-New Metal-Crossover minus chartkompatiblen Melodien und der nötigen Eingängigkeit, um Teenieherzen zu erfreuen. Gegen "Nothing To Remember" ist eine beliebige Folge von der "Lindenstraße" nervenzerfetzendes Actionkino mit Gänsehautgarantie. Nicht ein Song setzt sich im Ohr fest. Einzig der Grundriff von "Pieces" ließ mich kurz aufhorchen, führt nach einiger Zeit dennoch ins Nichts und kann den Song auch nicht im Ansatz retten. "Nothing To Remember" macht seinem Namen alle Ehre und sollte uns auch nicht lange aufhalten. Der Nächste bitte!
"Last Time Around"

THOMAS

GALADRIEL „From Ashes & Dust“ 7
Metal Age Productions, 2002

GALADRIEL - From Ashes & Dust

Jaja, der Osten. Oder muß man mittlerweile schon sagen: das Territorium der Staaten, die nicht dem künstlichen Gebilde einer sogenannten Europäischen Union angehören. Wie auch immer, in Ländern wie der Slowakei, Ukraine, Rumänien, Rußland tut sich einiges in Sachen Heavy Metal. Davon schwappt leider viel zu selten etwas zu uns herüber. Und wenn, dann sind ausgerechnet solche Kasperköppe mit dabei wie Frown (siehe Abgehört vom 17. Juni 2003). Manchmal klappt es aber auch, wie im Falle von GALADRIEL. Diese slowakische Band kommt uns gotisch und doomig. Folkig auch. Und das hört sich alles so übel nicht an. Zwar greift auch diese Kapelle auf das gesangliche Wechselspiel zwischen rauher Manneskraft und zarter Weiblichkeit zurück, kann aber wegen der eher im Altbereich liegenden Stimme von Sona Witch Kozakova dem sich anbahnenden Klischee-Vorwurf ausweichen. Die Stücke der CD "From Ashes & Dust" sind in der Grundstimmung zwar eher schwermütig, warten aber nichtsdestotrotz mit dramaturgischer Abwechslung auf, die rasante Passagen, Rhythmuswechsel, Samples, atmosphärische Klanggebilde beinhaltet. Überdies wurde peinlich darauf geachtet, die Melodien immer anspruchsvoll zu halten. Leider klingt der ein oder andere Part, als hätten die Musiker ihn doch mit viel Kraftanstrengung eingespielt. Will heißen, den Stücken hätte mitunter mehr fließende Leichtigkeit gut getan. Das kann aber mit der Zeit kommen.
"I'm The Everything"

JUB

LOWBROW "Sex.Violence.Death." 9
Massacre Rec., 2002

LOWBROW - Sex.Violence.Death.

"Warum in die Ferne schweifen, Gutes liegt so nah."" Weniger ist manchmal mehr." Oder einfach "Old School!". Alle drei Sätze hätten sich geeignet, um diese Review anzufangen. Der Grund: LOWBROW, die einzig legitimen Obituary-Nachfolger, sind mit einer neuen Scheibe zurück. Und das heißt einmal mehr eine Rückbesinnung auf alte, längst unheilig gesprochene Tugenden in Sachen Death Metal. Warum in drei Teufels Namen brechen sich die Bands heutzutage sämtliche Finger auf der Suche nach verzwackten, halsbrecherischen Riffs? Um ein möglichst großes Ansehen bei Musikerkollegen zu genießen? Warum möchten die meisten Death Metal-Schlagzeuger neben ihren Beinen liebend gerne auch noch mit dem Schwanz eine Bassdrum spielen können? Um schneller als Drumtier XY zu sein? Warum werden großangelegte esotherische oder okkulte Textkonzepte angelegt? Muß man sich auf Teufel komm raus eine intellektuelle Aura zurechtzimmern? Antworten auf diese Fragen bieten Allan West und Rich Hornberger auf ihrer zweiten Scheibe zu Hauf. Wests Riffs sind so simpel wie Mau Mau-Regeln und doch so effektiv wie eine Faust im Gesicht. Das Schlagzeug treibt die fetten Grooves an und hält den Panzer am Laufen. Und der Plattentitel dürfte den Themenkreis wohl genauestens definieren. Schon beim Opener "March" weiß man nach wenigen Augenblicken, wo der Hase langläuft und läßt sich mitreißen. Bei Yattering weiß ich heute noch nicht, was sie mit ihrem verschrobenen Highspeedgezähle sagen wollen. Wenn man von Zeit zu Zeit in alten Erinnerungen schwelgt und die Scheiben längst vergangener Tage hört, kann man "Sex.Violence.Death." problemlos zwischen "Cause Of Death" und "From Beyond" auflegen, ohne einen radikalen Wechsel im Abendprogramm zu vollführen. Bei der Gelegenheit kann man seinen anderen Früher-war-alles-besser-Kumpels beweisen, daß heute noch geile Bands ihr Unwesen treiben und nur darauf warten, von Euch entdeckt zu werden.
"March"

THOMAS

ZANDELLE "Twilight On Humanity" 4
LMP/SPV, 2002

ZANDELLE - Twilight On Humanity

Daß in Brooklyn/New York nicht nur Gangsta Rapper, Hardcore Prolls und Peter Steele in der Kellerwohnung seiner Mutter ihre Heimat haben, sondern auch klassische Heavy Metal-Bands um Aufmerksamkeit kämpfen, entspricht nicht unbedingt dem Klischee, welches man mit diesem Ort verbindet. Dennoch, die dort beheimatete Band ZANDELLE versucht seit 1996 die Fahne des Heavy Metal hochzuhalten. Mit "Twilight On Humanity" kann sie erstmals auch im großen Stile in Europa von sich Reden machen. Das Label spuckt in seiner Info auch ganz große Töne: "Die melodische Brillianz solcher Bands wie Dokken, Warrior oder Grim Reaper gepaart mit dem musikalischen Genie von Liege Lord und dem epischen Touch von Warlord: das ist die Legierung aus dem die Songs von ZANDELLE geschmiedet wurden." Starker Tobak. Daß dem nicht so ist, beweist der erste Durchlauf der CD. Denn die vergleichend genannten Bands wußten zumeist schon nach dem ersten Anhören zu fesseln. Das gelang ZANDELLE nämlich nicht. Was auffiel, waren die schon beinahe einer Parodie gerecht werdenden hohen Vocals von George Tsalikis, der quietscht, daß einem die Plomben bersten. Auch das Allerweltsgeriffe von Anthony Maglio und T.W. Durfy hat nur entfernt was mit "musikalischem Genie " oder "melodischer Brillianz" zu tun.
Während Warlord einem eine Gänsehaut nach der anderen auf die Arme zauberten, kann man bei ZANDELLE mit Sicherheit vorraussagen, wann ein Solo kommt, der Sänger hoch schreien wird oder eine Temposteigerung kommt. Soviel zum epischen Touch.
"The Cycle"

THOMAS
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