BURIED GOD "Dark Revelation"
7
Merciless Rec., 2003
Was waren (und sind) die in den 80ern
legendär gewordenen Trios aus der Krach-Szene geil. Venom, Sodom,
frühe Kreator, Whiplash oder Exciter. Auch heute noch ist die Dreierkonstellation
meistens ein Garant für rohe und ungeschliffene Metalmusik der Marke
Krisiun, Krabathor oder die völlig unterbewerteten Macabre. In die
selbe Kerbe haut nun auch das sinistre Thrash Metal-(na was wohl)-Trio
um den ehemaligen Impending Doom-Gitarristen Patrick W. Engel. War man
von Impending Doom nichts weiter als erstklassigen Metal gewohnt, so kann
man auch BURIED GOD dieses Attribut anhängen. Natürlich hört
man etliche Querverweise in die 80er aus der Musik heraus. Das ist jedoch
durchaus legitim, da BURIED GOD sich eine kautzige Eigenständigkeit
bewahrt haben. Was angesichts solcher dreisten Plagiatbands wie Guilloutine,
die schon mal ganze Arrangements von Sodom und Kreator übernommen
haben, sehr lobenswert ist. Eigentlich hat die Platte alles, was man sich
von einer räudigen Thrash-Band wünscht. Talentiertes Geknüppel
(aus Meister Engels Hand), hastiges Geriffe, Gesang, der klingt wie das
besoffene Geprolle eines Maurerpoliers und seines Schäferhundes. Nur
eines fehlt noch zum finalen Glück. Und zwar ein bis zwei Thrash-Hits.
Ein Refrain, den man zu jeder (möglichst unpassenden) Gelegenheit
im Chor brüllen kann. Auch wenn die Leute schon besoffen sind. Sowas
wie "Outbreak of evil" oder "Its time to race the flag of hate". Ansonsten
aber eine solide bis gute Scheibe.
"Conquer Moriha"
THOMAS
DEATHSTARS „Synthetic Generation
- 4-Track-Club-EP“ 9
Nuclear Blast, 2003
Verpaßt dieser Band die entsprechende
Promotion und Ihr habt die nächsten Heavy Metal-Stars. Die Songs sind
dermaßen smart, daß jeder Diskotheken-Stürmer mit vor
"Feelings" verzerrtem Gesicht die Refrain-Zeilen mitbrüllen wird.
Ob Metaller, Altsack oder Techno-Fritze - sie alle könnten bei den
treibenden Rhythmen von DEATHSTARS ihre helle Freude haben. Erst recht,
da sich ja schließlich die ganze Bagage beim Billy Idol-Cover "White
Wedding" treffen kann. Doro dürfte blaß werden, wenn sie diese
Version hört. Industrial mit einem "More"-Sisters-Of-Mercy-Touch,
der immer einen Hang zu "This Corrosion" besitzt. Wirklich ziemlich geil.
"Synthetic Generation"/"White
Wedding"
JUB
ANDROMEDA "11=1" 9
New Hawen Rec./Century Media, 2003
Progressive Metal-Freunde aufgehorcht!
Diese Band hat Eure Beachtung verdient. Diese 1999 von Gitarrenfreak Johan
Reinholdz in Schweden gegründete Band ist irgendwie anders als die
unzähligen Progbands von der Stange. Denn mit den vielen Ex-Musikkonservatoriumsabsolventen
in den tuntigen Rüschenhemden mit den Kinderbuchabenteuer inspirierten
Möchtegern-Alibi-Konzeptstories und den nervtötenden Instrumentalstandardtricks
und dem zuckersüßen Gesang eines schlecht frisierten Beinahe-Stars
haben ANDROMEDA nicht viel gemeinsam. Ihr Gesamtsound ist nämlich
etwas erdiger und düsterer als bei oben genannten Künstlern.
Reinholdz Faible für brutale Musik gipfelte jüngst in dem Einstieg
in die Thrash Band NonExist, in der sich illustre Gestalten wie Matte Modin
(Defleshed, Dark Funeral) und Johan Liiva (ex-Arch Enemy) produzieren.
Aber das nur am Rande. Aus dem recht voluminösen, molligen Gitarrensound
blitzen immer wieder kleine technische Finessen auf und vermitteln den
Eindruck einer sich an ein Beutetier anschleichenden Raubkatze. Kraftvoll
aber hoch konzentriert und kontrolliert. Dazu kommt, daß Keyboarder
Martin Hedin recht abgefahrene Geräusche und Skalen aus seinem Instrument
zaubert, die wirklich überaschend frisch klingen. Unerwartet kommen
bizarre Fills und Breaks zum Vorschein, die im Nachhinein stets wie die
Faust aufs Auge passen. Sänger David Fremberg verleiht seiner Stimme
die nötige Tiefe, indem er bewußt auf das bloße Trällern
im Kopfstimmenbereich verzichtet und sich gesanglich von der Musik treiben
läßt. Am besten kann man ANDROMEDA mit den Landsmännern
von Pain Of Salvation vergleichen, die sich in gleichem Maße um Selbständigkeit
bemühen. Wenn Euch die Dream Theater-Klone langweilen und Ihr Bock
auf neue Klangdimensionen im Progmetal habt, testet "11=1" ruhigen Gewissens
mal an. Es soll Euer Schade nicht sein.
"Reaching Deep Within"
THOMAS
AS I LAY DYING "Frail Words
Collapse"
6
Metal Blade, 2003
An AS I LAY DYING werden sich die
Geister scheiden. Denn das neue Signing aus dem Hause Metal Blade eiert
mit seinem melodiebetonten Death Metal dem abfahrenden Zug der "Melodic
Death Metal from Sweden in Vein of In Flames and Dark Tranquillity"-Bewegung
hinterher, ohne aufsehenerregende Akzente setzten zu können. Das heißt,
daß AS I LAY DYING genau genommen genauso wenig Death Metal spielen
wie die Originale aus Götheborg, sondern eher einen Stilmischmasch
aus modernem Heavy Metal mit NWOBHM-Einflüssen im Gitarrenbereich,
was die Handhabung der Melodien angeht. Dazu ein paar groovebetonte Moshparts
aus der "Neo-Thrash" Ecke gepaart mit ein wenig Industrial-Noise-Verrücktheiten.
Abgerundet wird das Ganze mit Akustikeinsprenkseln hier und da, sowie der
typisch heiseren Keifstimme. Nichts, was einen Fan oben genannter Musikrichtung
mit schmalem Geldbeutel von der Notwendigkeit der Anschaffung von "Frail
Words Collapse" überzeugen könnte. Auf der anderen Seite ist
die Scheibe alles andere als schlecht. Die Songs an sich sind gut arrangiert.
Der Schlagzeuger wartet mit der einen oder anderen Überaschung auf,
wenn die Klampfen sich etwas länger an einem Thema aufhalten. Die
Melodien klingen beileibe nicht nach Kindergarten und am Mikro könnte
Anders Fridens Bruder stehen. Die Produktion ist 1A und egal ob Getacker,
Mosh oder ruhige Passagen, die Band erlaubt sich keine nennenswerten Durchhänger.
Wäre "Frail Words Collapse" vor drei, vier Jahren erschienen, hätte
man von einer bemerkenswerten Band sprechen können. Doch im Zuge der
unzähligen ähnlich gearteten Bands sind AS I LAY DYING so auffällig
wie eine kleine Dönerbude in Berlin-Kreuzberg. Wenn auch eine gute.
"Collision"
THOMAS
40 GRIT "Nothing To Remember"
1
Metal Blade, 2003
Was zur Hölle ist denn mit 40
GRIT los? Enthielt ihre 2000er Platte "Heads" noch recht passablen, wenn
auch wenig spannenden Thrash modernerer Prägung, so haben sie nun
völlig mit ihrer musikalischen Vergangenheit gebrochen. Zwar ist eine
Kurskorrektur oder die vielzitierte "musikalische Weiterentwicklung" bei
manch einer Band gutgegangen und bei einigen notwendig bzw. karriereförderlich
gewesen (Samael, Tiamat, Therion), so haben sich 40 GRIT hingegen damit
völlig in die Nesseln gesetzt. Der große Erfolg, den Bands wie
P.O.D. oder Nickelback in den Staaten - und nicht nur da - feiern, hat
die Band wohl zu dieser Metamorphose "inspiriert". 40 GRIT stehen heute
für schrammeligen Gitarrenpop-New Metal-Crossover minus chartkompatiblen
Melodien und der nötigen Eingängigkeit, um Teenieherzen zu erfreuen.
Gegen "Nothing To Remember" ist eine beliebige Folge von der "Lindenstraße"
nervenzerfetzendes Actionkino mit Gänsehautgarantie. Nicht ein Song
setzt sich im Ohr fest. Einzig der Grundriff von "Pieces" ließ mich
kurz aufhorchen, führt nach einiger Zeit dennoch ins Nichts und kann
den Song auch nicht im Ansatz retten. "Nothing To Remember" macht seinem
Namen alle Ehre und sollte uns auch nicht lange aufhalten. Der Nächste
bitte!
"Last Time Around"
THOMAS
GALADRIEL „From Ashes &
Dust“
7
Metal Age Productions, 2002
Jaja, der Osten. Oder muß man
mittlerweile schon sagen: das Territorium der Staaten, die nicht dem künstlichen
Gebilde einer sogenannten Europäischen Union angehören. Wie auch
immer, in Ländern wie der Slowakei, Ukraine, Rumänien, Rußland
tut sich einiges in Sachen Heavy Metal. Davon schwappt leider viel zu selten
etwas zu uns herüber. Und wenn, dann sind ausgerechnet solche Kasperköppe
mit dabei wie Frown (siehe Abgehört
vom 17. Juni 2003). Manchmal klappt es aber auch, wie im Falle von
GALADRIEL. Diese slowakische Band kommt uns gotisch und doomig. Folkig
auch. Und das hört sich alles so übel nicht an. Zwar greift auch
diese Kapelle auf das gesangliche Wechselspiel zwischen rauher Manneskraft
und zarter Weiblichkeit zurück, kann aber wegen der eher im Altbereich
liegenden Stimme von Sona Witch Kozakova dem sich anbahnenden Klischee-Vorwurf
ausweichen. Die Stücke der CD "From Ashes & Dust" sind in der
Grundstimmung zwar eher schwermütig, warten aber nichtsdestotrotz
mit dramaturgischer Abwechslung auf, die rasante Passagen, Rhythmuswechsel,
Samples, atmosphärische Klanggebilde beinhaltet. Überdies wurde
peinlich darauf geachtet, die Melodien immer anspruchsvoll zu halten. Leider
klingt der ein oder andere Part, als hätten die Musiker ihn doch mit
viel Kraftanstrengung eingespielt. Will heißen, den Stücken
hätte mitunter mehr fließende Leichtigkeit gut getan. Das kann
aber mit der Zeit kommen.
"I'm The Everything"
JUB
LOWBROW "Sex.Violence.Death."
9
Massacre Rec., 2002
"Warum in die Ferne schweifen, Gutes
liegt so nah."" Weniger ist manchmal mehr." Oder einfach "Old School!".
Alle drei Sätze hätten sich geeignet, um diese Review anzufangen.
Der Grund: LOWBROW, die einzig legitimen Obituary-Nachfolger, sind mit
einer neuen Scheibe zurück. Und das heißt einmal mehr eine Rückbesinnung
auf alte, längst unheilig gesprochene Tugenden in Sachen Death Metal.
Warum in drei Teufels Namen brechen sich die Bands heutzutage sämtliche
Finger auf der Suche nach verzwackten, halsbrecherischen Riffs? Um ein
möglichst großes Ansehen bei Musikerkollegen zu genießen?
Warum möchten die meisten Death Metal-Schlagzeuger neben ihren Beinen
liebend gerne auch noch mit dem Schwanz eine Bassdrum spielen können?
Um
schneller als Drumtier XY zu sein? Warum werden großangelegte esotherische
oder okkulte Textkonzepte angelegt? Muß man sich auf Teufel komm
raus eine intellektuelle Aura zurechtzimmern? Antworten auf diese Fragen
bieten Allan West und Rich Hornberger auf ihrer zweiten Scheibe zu Hauf.
Wests Riffs sind so simpel wie Mau Mau-Regeln und doch so effektiv wie
eine Faust im Gesicht. Das Schlagzeug treibt die fetten Grooves an und
hält den Panzer am Laufen. Und der Plattentitel dürfte den Themenkreis
wohl genauestens definieren. Schon beim Opener "March" weiß man nach
wenigen Augenblicken, wo der Hase langläuft und läßt sich
mitreißen. Bei Yattering weiß ich heute noch nicht, was sie
mit ihrem verschrobenen Highspeedgezähle sagen wollen. Wenn man von
Zeit zu Zeit in alten Erinnerungen schwelgt und die Scheiben längst
vergangener Tage hört, kann man "Sex.Violence.Death." problemlos zwischen
"Cause Of Death" und "From Beyond" auflegen, ohne einen radikalen Wechsel
im Abendprogramm zu vollführen. Bei der Gelegenheit kann man seinen
anderen Früher-war-alles-besser-Kumpels beweisen, daß heute
noch geile Bands ihr Unwesen treiben und nur darauf warten, von Euch entdeckt
zu werden.
"March"
THOMAS
ZANDELLE "Twilight On Humanity"
4
LMP/SPV, 2002
Daß in Brooklyn/New York nicht
nur Gangsta Rapper, Hardcore Prolls und Peter Steele in der Kellerwohnung
seiner Mutter ihre Heimat haben, sondern auch klassische Heavy Metal-Bands
um Aufmerksamkeit kämpfen, entspricht nicht unbedingt dem Klischee,
welches man mit diesem Ort verbindet. Dennoch, die dort beheimatete Band
ZANDELLE versucht seit 1996 die Fahne des Heavy Metal hochzuhalten. Mit
"Twilight On Humanity" kann sie erstmals auch im großen Stile in
Europa von sich Reden machen. Das Label spuckt in seiner Info auch ganz
große Töne: "Die melodische Brillianz solcher Bands wie Dokken,
Warrior oder Grim Reaper gepaart mit dem musikalischen Genie von Liege
Lord und dem epischen Touch von Warlord: das ist die Legierung aus dem
die Songs von ZANDELLE geschmiedet wurden." Starker Tobak. Daß dem
nicht so ist, beweist der erste Durchlauf der CD. Denn die vergleichend
genannten Bands wußten zumeist schon nach dem ersten Anhören
zu fesseln. Das gelang ZANDELLE nämlich nicht. Was auffiel, waren
die schon beinahe einer Parodie gerecht werdenden hohen Vocals von George
Tsalikis, der quietscht, daß einem die Plomben bersten. Auch das
Allerweltsgeriffe von Anthony Maglio und T.W. Durfy hat nur entfernt was
mit "musikalischem Genie " oder "melodischer Brillianz" zu tun.
Während Warlord einem eine
Gänsehaut nach der anderen auf die Arme zauberten, kann man bei ZANDELLE
mit Sicherheit vorraussagen, wann ein Solo kommt, der Sänger hoch
schreien wird oder eine Temposteigerung kommt. Soviel zum epischen Touch.
"The Cycle"
THOMAS