SPEEDWAY
69 „Back From El Ray!!“ 6
Eigenprod.,
2001
Wenn SPEEDWAY
69 in ihrem Faltblatt alle „Punkrock, Stonerrock, Punk’n’Roll and Hellrock
maniacs“ grüßen, weiß man schon mal, in welche Richtung
die Musik dieser Band gehen könnte. Die Supersuckers oder Speedball
fallen einem da ein. Sicher noch eine Reihe anderer Bands, vor allem aus
Schweden, denn dort blüht ja die Punk’n’Roll-Szene. Und mit „City’s
Son“ und „300 mph Blowjob“ von ihrer Mini-CD „Back From El Ray!!“ können
SPEEDWAY 69 da auch voll mithalten. „Decision: Destruction“ macht auch
noch schön Alarm, wirkt aber schon etwas holpriger. „Kiss From The
Abyss“ ist dann nur noch ein nettes Pop-Liedchen ohne Aggressivität.
„8-Ball Rocket“ und „Mushrooms’n’Spacedrops“ schwächeln schließlich
gehörig. Wenn „Cadillac Michigan“ (welch Pseudonym!!) singt „Rock’n’Roll
Can’t Die“, klingt das wie „Herr Ober, zahlen bitte“. Auf eine Scheibe
mit einer Spielzeit von rund 40 Minuten wären diese beiden Stücke
- vorausgesetzt der Rest ist Punk’n’Roll-Brett - kaum ins Gewicht gefallen.
So prägen sie diese CD wesentlich mit, haben wir es hier doch halt
nur mit 21 Minuten zu tun. Eine Mini eben.
Fazit: SPEEDWAY
69 sind ambitionierte Typen, die quasi alle Kriterien erfüllen, die
an eine Band solchen Kalibers gestellt werden. Nur die Umsetzung ist momentan
noch zweite Liga. cadillac@speedway69.de,
http://www.speedway69.de
„300 mph
Blowjob“
JUB
BLACKSHINE
„Soulless & Proud“ 9
Steamhammer/SPV,
2001
Es war sicher
keine böse Absicht, in dieser Sendung noch eine zweite ...’n’Roll-Band
auftauchen zu lassen, um einen Vergleich zu Speedway 69 zu haben. Aber
da die Schweden (!!!) BLACKSHINE ihr aktuelles Album „Soulless & Proud“
veröffentlichten, bieten sich Brückenschläge nahezu an.
BLACKSHINE
sind auf jeden Fall schon Mal eine Band, die zum Beispiel selbst bei einer
mittelmäßigen CD im Überangebot neuer Tonträger nicht
untergehen würde, hat sie doch eine ganz „persönliche“ Note,
die immer auffällt. Das Label nennt es Goth’n’Roll und hat sich damit
eine Stil-Beschreibung abgerungen, die zwar Blödsinn ist, allerdings
auf ein paar schwermütig-melancholische Momente in der BLACKSHINE-Musik
aufmerksam macht. Das soll heißen, daß auf „Soulless &
Proud“ nicht prolliges Geruppe regiert, sondern wie bei „Sacrifice“ oder
„Servants Of The Harvest“ zu Herzen gehende Melodien kredenzt werden, die
so für diese Art von Bands nicht unbedingt typisch sind. Der Härtegrad,
der enorm hoch liegt, wird allerdings zu keiner Zeit verlassen.
„Sacrifice“
Wenn schon
eine eigene Handschrift, dann nicht ohne Diebstahl. BLACKSHINE - 1988 gegründet
- klauen nämlich hervorragend. So beginnt „Love Our Hell“ wie „Emergency“
von Girlschool, hat „Choked With Feathers“ etwas von Sisters Of Mercy,
könnte der Start von „Another Twist“ von den Ramones stammen, kriegen
wir mit „Light The Fuse“ eine gehörige Portion Motörhead, klingt
Sänger Anders Strokirk wahlweise nach Lemmy Kilmister oder Algy Ward
von Tank. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen sind BLACKSHINE herrlich
erfrischend und brachial.
„Light
The Fuse“
JUB
U.D.O.
"Live From Russia" 8
SPV/Breaker/cmm,
2001
Nach sieben
Studioplatten mit seiner Band U.D.O wurde es auch langsam Zeit, daß
der kautzige Metal-Gott aus Solingen mal eine vernünftige Liveplatte
zurechtzimmert.
Während
seiner im Mai 2001 in Rußland endenden "Holy World Tour" schnitt
der rüstige Mittfünfziger sechsundzwanzig seiner größten
Hits mit, und war nicht darum verlegen, in der Presse mit dem tollen Sound
seiner Aufnahmen zu prahlen. Natürlich muß der Künstler
hinter seiner Veröffentlichung stehen, doch einem alten Hasen wie
Udo ist sicherlich auch aufgefallen, daß der Sound auf dieser Scheibe
recht dünn rüberkommt. Auch Udos Ansagen sind, so possierlich
sie auch klingen mögen, nicht wirklich ein Reißer. Doch damit
genug der Meckerei. Ansonsten ist "Live From Russia" ziemlich geil geworden.
Über eine Spielzeit von 133 (in Worten: einhundertdreiunddreißig)
Minuten gibt es Hits der Marke "I'm A Rebel", "Run If You Can" sowie "Winter
Dreams" aus der legendären Accept-Zeit Udo Dirkschneiders (welche
auch zum ersten Mal als Livestücke veröffentlicht wurden) und
natürlich einen Querschnitt durch die Schaffenszeit unter dem Markenzeichen
U.D.O. unter anderem mit den Stücken "Animal House", "Independence
Day", "No Limits" sowie Kracher neueren Datums, sprich "Holy", "Recall
Of Sin" oder "Cut Me Out". Die Doppel-CD kommt in einer tollen Aufmachung
daher, nämlich in einem reichlich bebilderten Buchformat und erhält
somit das Prädikat "kaufenswert".
"Run If
You Can"/"I`m A Rebel"
THOMAS
VANITAS
„Der Schatten einer Existenz“ 6
CCP, 2002
Daß wir
VANITAS' Debüt „Das Leben ein Traum“ hier besprochen haben, ist noch
gar nicht so lange her (siehe Abgehört
vom 04. September 2001). Und deshalb ist mir die Wirkung dieser CD
auch noch ziemlich gegenwärtig. So kann ich mit Fug und Recht behaupten:
VANITAS' Neue ist definitiv besser geworden. Das trifft auf viele Elemente
zu. Da haben wir den abwechslungsreichen Gesang (Growl, Gekreische, Sopran-Geträller),
den Einsatz von Streichern und Flötereien und die runden Arrangements.
Nicht zu vergessen die zum Teil bemerkenswerten Melodien. Tja, und auch
bei den Texten liefern VANITAS erneut Solides ab. Wie schon auf ihrem Debüt
haben sie uns eine Menge zu erzählen, bieten aber eine Lyrik an, bei
der es nicht öde wird, mitzulesen und zuzuhören.
Gothic Metal
- als Begriff von CCP für die VANITAS-Musik gewählt - ist gar
nicht so daneben. Allerdings verlassen die Österreicher hin und wieder
die musikalische Melancholie-Schiene, werden etwas schwungvoller.
Und doch.
Irgend etwas fehlt. Vielleicht sind die Melodien zu schnell aufgebraucht,
fehlt es dem Gesamtklang an Höhepunkten. Ich habe mich auch beim dritten
und vierten Mal Hören dieser CD ertappt, daß ich mich durch
Banalitäten ablenken ließ. Und schon haben wir eine Wirkung,
die bereits auf "Das Leben ein Traum" zu Tage trat. Vermutlich hängt
das mit den scheinbar etwas lieblos gespielten Gitarren zusammen. Auch
wirkt der Growl-Gesang von Andreas Schärfinger bei längeren Passagen
etwas behäbig.
Nichtsdestotrotz
entwickelt sich hier eine Band, an der es von Mal zu Mal weniger herumzumurren
gibt. Und wenn auf der dritten Scheibe Schärfinger etwas mehr Emotionen
in die doch sehr emotional gehaltenen Texte legt und sich auch durchringen
kann, den Saiten etwas Zunder zu geben .... wer weiß?
„Heiliger
Schein“
JUB
ROYAL
HUNT "The Watchers" 5
Frontiers
Rec./Now&Then/Point Music/XIII Bis Rec., 2002
Schon wieder
ROYAL HUNT? Haben die Dänen nicht gerade erst vor kurzem mit "The
Mission" eine neue Platte veröffentlicht? Nun liegt mit "The Watchers"
eine neue CD der Jesus-Fans auf dem Tisch. Beim zweiten Hinsehen entpuppt
sich "The Watchers" jedoch als Stückwerk, nicht als neues Album. Das
Opener-Stück vom "The Mission"-Album gibt es jetzt in einer 14minütigen
Fassung zu hören. "Intervention", so der Titel, bringt es jetzt auf
das Doppelte der ursprünglichen Spielzeit. Warum nicht gleich die
volle Version aufs Album? Ansonsten gibt es vier Livestücke, vier
Neueinspielungen alter Songs und eine Radiofassung von "Intervention" -
muß wohl der bandinterne Hit sein. Solche Platten sind meistens dann
fällig, wenn die Band entweder noch für ein Album an die Verträge
des alten Labels gebunden ist oder sie kurz vor der Auflösung steht.
(Natürlich ist es in diesem Falle ein "Geschenk an die Fans".) Alles
in allem eben so kurzweilig wie überflüssig. Für ROYAL HUNT-Fans
sicherlich interessant. Da mir eine ROYAL HUNT-Liveplatte nicht bekannt
ist und die "Intervention"-Langfassung durchaus ihre Reize hat, kann ich
damit zum Teil auch was anfangen.
"One By
One"
THOMAS
IMPURE
„Something Evil“ 8
Eigenprod.,
1999
Diese CD ist
nicht mehr ganz taufrisch, flatterte aber im Zuge der Bewerbungen für
unser BANDS BATTLE-Festival im Mai 2002 auf unseren Tisch und konnte auf
der ganzen Linie begeistern. Das letzte Mal kam mir solch kompromißloses
Death/Grind-Gebolze bei Severe Torture zu Ohren (siehe Abgehört
vom 10. Juli 2001). IMPURE gehen auf „Something Evil“ gar noch etwas
differenzierter zu Werke. Vergleichbar mit einer tonnenschweren Maschine,
die einen Berg hinauf ächzt, um auf der anderen Seite auf Grund des
Eigengewichts sich überschlagend dem Tal entgegen zu poltern.
„God Has
Turned To ...“
Manchmal möchte
man meinen, es geht mit den Bottropern durch. So als hätte dies jetzt
hier ein Groover werden sollen - „Bastard Breed“ zum Beispiel - was ihnen
dann aber ein bißchen zu öde vorkam. Und wie völlig ausgeklinkt,
wird dann für einen kurzen Moment scheinbar planlos drauflos geschrotet,
daß die Stahlsaiten reißen. Daß diese Jungs noch von
keinem Label unter den Nagel gerissen wurden, ist wirklich erstaunlich.
info@impure.de,
http://www.impure.de
JUB
KING
DIAMOND "Abigail II: The Revenge" 9
Metal Blade,
2002
Über den
König kann man streiten und geteilter Meinung sein wie man will, Fakt
aber ist, daß das dänische Heavy Metal-Original nie eine wirklich
schwache Scheibe aufgenommen hat. Er ist und bleibt einzigartig mit seiner
weinerlichen Geisterbahnstimme und seiner Vorliebe für hörspielartige
Horrorgeschichten. Alle seine Platten sind kleine Gesamtkunstwerke. Cover,
Texte und Musik sind stets so aufeinander abgestimmt, daß der Hörer
mit jeder weiteren Platte in eine kleine, eigene Welt mit ihren eigenen
Charakteren und Schauplätzen eintauchen kann. Es wimmelt nur so vor
Psychopaten, Geistern und Spukhäusern. Oder kennt Ihr einen KING DIAMOND-Fan,
der bei der bloßen Erwähnung solcher Namen wie Dr. Landau, Missy,
Father Prichard - allesamt Figuren aus Kings Fantasiewelten - nicht hellhörig
wird? Eben. Und genau diese Fans waren es auch, die den König drängten,
die vor fünfzehn Jahren veröffentlichte Konzept-Geschichte zu
"Abigail" fortzuführen. Eine Bitte, der der King im Jahre 2002 endlich
nachkam und mit "Abigail II:The Revenge" einen Nachschlag veröffentlichte.
Und auch dieses Mal - wie sollte es anders sein - ist nichts weiter als
ein kleines Meisterwerk fesselnden und zeitlosen Metals entstanden.
Getragen wird
es durch Kings krank-geniale Fistelstimme und die nicht minder ungesunden
Keyboardklänge, welche dem originellen und abwechslungsreichen Liedgut
die typische Prägung verpassen. Wie die Geschichte um Abigail weitergeht,
entnehmt bitte Euren frisch gekauften Exemplaren von KING DIAMONDs "Abigail:The
Revenge", einem frühen Highlight in dem noch jungen Jahr 2002.
"Spare
This Life"/"The Storm"
THOMAS
PALLAS
„The Cross And The Crucible“ 9
Inside Out/SPV,
2001
Die 90er waren
das Jahrzehnt der wiederkehrenden Musikstile. Kein Wunder. Wie soll eine
auf Konsum und Egozentrik eingeschworene verblödete Generation, die
halbnackt neben bunten Wagen her läuft und benebelten Hirns „Ficken,
ficken, ficken“ brüllt auch kreativ sein. Aber da Plattenbosse auch
leben wollen, wurden die alten Zeiten reaktiviert. Ein paar Jahre waren
die 60er hip, dann die 70er und im Moment schwören alle auf die 80er.
Begriffe wie Punk, Psychedelic, New Romantic und anderes machten die Runde.
Nun, und da es kein Revival der 90er geben kann, sind in zwei, drei Jahren
vermutlich wieder die 60er dran. Oder vielleicht mal die 50er.
Die Metal-Szene
hat Ähnliches durch. Nur mit dem Unterschied, daß die alten
Stil-Richtungen zum Teil völlig neue Einflüsse erfuhren. Einige
Auswüchse des Black Metals sind mit der ersten Generation um Venom,
Bathory oder Hellhammer nicht mehr zu vergleichen. Death Metal ist dem
Grunzgebolze entwachsen, Stonerrock hat den 70er Heavy Metal wiederbelebt
und eine Frischzellenkur verpaßt. Nur dieser so genannte Power oder
True Metal will sich nicht recht bewegen. Das ist aber wiederum egal, da
das ja auch niemand wirklich will. Manche Dinge dürfen sich nicht
verändern.
Anders der
Progressiv Metal, der gerade zur Zeit eine enorme Renaissance erlebt. Während
Bands wie Voivod, Watchtower oder Fates Warning in den 80ern die Härte
des Thrash Metal mit Jazz-Elementen verbanden und die 70er Prog-Zeit übersprangen,
waren Bands wie Marillion oder PALLAS zur selben Zeit jene Truppen, die
die Fackeln von Yes, Genesis oder Emerson, Lake & Palmer weitertrugen.
Progressiv
Rock oder Metal schien spätestens seit Mitte der 90er tot. Mausetot.
Umso erstaunlicher ist es, welch überragenden Alben derzeit von Bands
wie Threshold, Ark, Evergrey oder eben PALLAS veröffentlicht werden
und eine enorme Vielfalt offenbaren. Hausbacken ist progressive Musik längst
nicht mehr, vielmehr wird sie wieder ihrem Namen gerecht (progressiv=fortschrittlich).
Dabei handelt es sich bei PALLAS gar um Veteranen, die schon 1974 antraten.
Seither veröffentlichten sie gerade mal vier Alben. Eines davon erst
1999. Diese Tatsache sagt aber nichts über die Qualität dieser
Band aus, denn hier haben wir es mit einem ganz herausragenden Vertreter
des Prog-Genres zu tun. Man findet in der Musik der „The Cross & The
Crucible“-Scheibe Yes wieder, entdeckt Bezüge zu Marillion. Sänger
Alan Reed variiert zwischen der Sanftheit eines Steve Hogarth und dem zerrigen
Vibrato von Roger Chapmann, um am Ende manchmal an den kürzlich verstorbenen
Stuart Adamson (Big Country) zu erinnern. Metal, wie ihn die meisten definieren,
finden wir bei PALLAS nicht. Brachiale Gitarren gibt es aber genügend.
Die Stärken dieser Band sind perfekte Arrangements, ergreifende Melodien
und Gänsehaut-Dynamik.
„The Blinding
Darkness“
JUB
ARTENSION
"Sacred Pathways" 7
Frontiers
Rec./Now&Then/Point Music/XIII Bis Rec., 2002
Die Band um
den Ukrainer Vitalij Kuprij an den Keyboards spielt neoklassischen Progressiv
Metal und gar nicht mal einen schlechten. Der Keyboarder und Produzent
versteht sein Handwerk, das steht schon mal fest. Der Mann scheint zwanzig
Finger zu haben. Jedenfalls weiß er seinem Instrument die abgefahrensten
Läufe zu entlocken. Der Rest der 1996 gegründeten Band steht
ihrem Vordenker an den Tasten jedoch in nichts nach. Egal ob Kevin Chown
(Magnitude 9) am Baß, Mike Terrana (ex-überall, Rage, Axel Rudi
Pell ...) an den Kesseln, Möchtegern-Pete Steel John West (Royal Hunt)
am Gesang oder Gitarrist Roger Staffelbach - sie alle legen sich mächtig
ins Zeug und präsentieren sich in spielerischer Höchstform. Und,
oh Wunder, die Songs sind trotz der Frickelei nicht Nebensache. Gute Melodien
und nachvollziehbare Arrangements lassen "Sacred Pathways" nicht im Dschungel
der Progressiv-Veröffentlichungen untergehen. Zwar zaubern die Jungs
hier und da doch schon mächtig umher, doch bei ARTENSION hat das irgendwie
Schick.
"Your Victory"
THOMAS
STEEL
ATTACK „Fall Into Madness“ 7
AFM, Connected,
2001
Diese Band
hat wieder einmal alles, was jene Leute, denen dieser ganze Power Metal-Überfluß
gehörig auf den Sack geht, sofort die Hände über den Kopf
zusammenschlagen lassen könnte. Der Name allein schon ... STEEL ATTACK,
nein. Dann das Schwert im Schriftzug, meine Herren. Das Cover geht, der
Platten-Titel „Fall Into Madness“ auch. Aber dann die Song-Namen: „Holy
Swordsmen“, "Defender Of The Crown“ und „Guardians“ ... Letzterer
hat gar einen Rhapsody-Refrain. Und aus Schweden kommen diese Typen auch
noch.
Aber, was
soll ich Euch sagen? STEEL ATTACK gehören auf jeden Fall zu den besseren
Vertretern ihres Genres. Abgesehen davon, daß die Riffs durchaus
nicht aus der Grabbelkiste stammen und der Sänger zu keiner Zeit zu
nervig klingt, da er stimmlich zwar klar, dennoch kraftvoll singt, sind
vor allem die Kompositionen von hoher Qualität. „Guardians“ ist echt
eine negative Ausnahme. Im Gegensatz dazu seien „Holy Swordsmen“ und „The
Beast“ genannt, die Schlachtruf-Refrains besitzen und nicht krampfhaft
auf Hymne getrimmt sind.
Die Mannen
von STEEL ATTACK agieren übersichtlich und effektiv, was durchaus
an ihrer Erfahrung liegen kann, sind sie doch als Musiker in der Szene
schon seit 1992 unterwegs. Zwar hieß man anfangs noch Mayer’s Eve,
das tut aber sicher nichts zur Sache.
Wer den guten
alten europäischen Heavy Metal Marke 80er Jahre mag, der ist bei STEEL
ATTACK bestens bedient.
„The Judgment
Day“
JUB
SCRUFF
"Leben" 3
Eigenproduktion,
2000
Die Nürnberger
Band SCRUFF widmet sich den zeitgemäßeren Klängen der Metal-Szene.
Sprich Fear Factory oder auch Meshuggah könnten als Haupteinfluß
des Quartetts hergehalten haben. Doch erreicht die Musik auf "Leben" bei
weitem nicht das Niveau der oben genannten Bands. Weil die Riffs zwar genauso
psychopatisch abgehackt klingen wie die von den "Großen" aber nicht
so einfallsreich sind. Auf die Dauer wirken sie eher nervig und kommen
wie zum Selbstzweck. Den Songs mangelt es daher an A-ha-Effekten und sie
setzen sich nicht im Kopf fest. Von ganz anderem Kaliber hingegen ist die
"Bonus-CD" mit dem Song "Die Frage an mich selbst". Der Sound knallt, der
Riff ist durchaus hörenswert, die Drums wuchtig und ich muß
sagen, das Stück gefällt mir im Gegensatz zur "Haupt-CD" richtig
gut. Auch wenn sich die Band schon aufgelöst hat, könnt Ihr sicherlich
noch ein paar Exemplare von "Leben" bei: Roman Zimmerhackel, Maximilianstr.26,
90429 Nürnberg, Tel.:(09 11) 31 30 265, zimmerhackel@gmx.de
bestellen.
"Die Frage
an mich selbst"
THOMAS
ERBEN
DER SCHÖPFUNG „Twilight“ 9
M.O.S. Rec/Nova
Media, 2001
Ja Mensch,
ist doch eigentlich gar nicht meine Musik. Aber ähnlich wie vor kurzem
Dreamside (siehe Abgehört vom 27. November
2001) haben mich ERBEN DER SCHÖPFUNG mit ihren traurig-schönen
Melodien, die in ein eher kaltes Klangbild getaucht sind, tief berührt.
„Eine Rose für den Anschied“ bringt das musikalische Konzept der CD
„Twilight“ auf den Punkt: hämmernde Gitarrenriffs, umhüllt von
elektronischen Rhythmus-Gezwirbel, eine sanfte Frauenstimme, die - auch
wenn man die Texte nicht gleich verstehen würde - die lustvollste
Todessehnsucht transportiert seit wir aufgehört haben, uns auf ein
Jenseits mit Saufgelagen und einem Haufen immergeiler Frauen zu freuen.
Daß
gitarren-technisch die Musik von ERBEN DER SCHÖPFUNG manchmal nach
neueren Produkten der deutschen Atrocity klingt, hängt sicher mit
dem Alexander-Krull-Studio zusammen, in dem „Twilight“ eingespielt wurde.
Auch sind Atrocity-Musiker als Gastmusiker an der Entstehung des Werkes
beteiligt gewesen. Störend wirkt dieser Fakt aber zu keinem Moment,
weil irgendwie alles zu stimmen scheint.
Gebe es die
Songs „My Star“ und „Alone“ nicht, würde diese CD quasi nur aus absoluten
Hits bestehen. Überragt wird das Ganze von - logisch - „Eine Rose
für den Abschied“, von dem für „Twilight“ eher ungewöhnlichen
„Niemand kennt den Tod“ und dem Übersong „Doch sie wartet vergebens
...“
Und schließlich
ist Sängerin Sabine Dünser bildschön. Wie ein Engel blickt
sie Euch aus dem Booklet an. Aber Vorsicht: Das sind die Augen eines Todesengels.
Sollte jemand
von Euch des Lebens müde sein, packt Euch beim Strangulieren ERBEN
DER SCHÖPFUNG in den Player.
„Eine Rose
für den Abschied“
JUB
SOUL
DOCTOR "Soul Doctor" 6
Massacre/Connected,
2001
Mit SOUL DOCTOR
präsentiert sich eine neue "All Star"-Band den Heavy Rock-Fans dieser
Welt. Gemeint sind damit vor allem Sänger Tommy Heart (ex-Fair Warning)
und Jörg Desinger (neuerdings nur noch J.D, ex-Bonfire). Waren deren
Hauptbands meiner Meinung nach nicht so die Kracher, so haben sie mit SOUL
DOCTOR eine richtig gute Truppe am Start, die das Haus rocken kann. Ihr
Groove ist furztrocken und die Melodien teilweise mitreißend. Nur
Balladen können sie irgendwie kein Leben einhauchen. Songs dieser
Machart klingen bei SOUL DOCTOR leider wie gewollt und nicht gekonnt. Dennoch,
nehmt mal auf Partys die Emperor-CD aus dem Player und laßt SOUL
DOCTOR rotieren. Ihr werdet sehen, das macht die Sache irgendwie unverkrampfter.
Aus grimmigen Schwarzkitteln könnten doch noch Party-Animals werden.
"Soul Doctor"
THOMAS
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