An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendunge.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 29. Januar 2002


SPEEDWAY 69 „Back From El Ray!!“ 6
Eigenprod., 2001

Speedway 69 - Back From El Ray!!

Wenn SPEEDWAY 69 in ihrem Faltblatt alle „Punkrock, Stonerrock, Punk’n’Roll and Hellrock maniacs“ grüßen, weiß man schon mal, in welche Richtung die Musik dieser Band gehen könnte. Die Supersuckers oder Speedball fallen einem da ein. Sicher noch eine Reihe anderer Bands, vor allem aus Schweden, denn dort blüht ja die Punk’n’Roll-Szene. Und mit „City’s Son“ und „300 mph Blowjob“ von ihrer Mini-CD „Back From El Ray!!“ können SPEEDWAY 69 da auch voll mithalten. „Decision: Destruction“ macht auch noch schön Alarm, wirkt aber schon etwas holpriger. „Kiss From The Abyss“ ist dann nur noch ein nettes Pop-Liedchen ohne Aggressivität. „8-Ball Rocket“ und „Mushrooms’n’Spacedrops“ schwächeln schließlich gehörig. Wenn „Cadillac Michigan“ (welch Pseudonym!!) singt „Rock’n’Roll Can’t Die“, klingt das wie „Herr Ober, zahlen bitte“.  Auf eine Scheibe mit einer Spielzeit von rund 40 Minuten wären diese beiden Stücke - vorausgesetzt der Rest ist Punk’n’Roll-Brett - kaum ins Gewicht gefallen. So prägen sie diese CD wesentlich mit, haben wir es hier doch halt nur mit 21 Minuten zu tun. Eine Mini eben.
Fazit: SPEEDWAY 69 sind ambitionierte Typen, die quasi alle Kriterien erfüllen, die an eine Band solchen Kalibers gestellt werden. Nur die Umsetzung ist momentan noch zweite Liga. cadillac@speedway69.de, http://www.speedway69.de
„300 mph Blowjob“ 

JUB

BLACKSHINE „Soulless & Proud“ 9
Steamhammer/SPV, 2001

Blackshine - Soulless & Proud

Es war sicher keine böse Absicht, in dieser Sendung noch eine zweite ...’n’Roll-Band auftauchen zu lassen, um einen Vergleich zu Speedway 69 zu haben. Aber da die Schweden (!!!) BLACKSHINE ihr aktuelles Album „Soulless & Proud“ veröffentlichten, bieten sich Brückenschläge nahezu an. 
BLACKSHINE sind auf jeden Fall schon Mal eine Band, die zum Beispiel selbst bei einer mittelmäßigen CD im Überangebot neuer Tonträger nicht untergehen würde, hat sie doch eine ganz „persönliche“ Note, die immer auffällt. Das Label nennt es Goth’n’Roll und hat sich damit eine Stil-Beschreibung abgerungen, die zwar Blödsinn ist, allerdings auf ein paar schwermütig-melancholische Momente in der BLACKSHINE-Musik aufmerksam macht. Das soll heißen, daß auf „Soulless & Proud“ nicht prolliges Geruppe regiert, sondern wie bei „Sacrifice“ oder „Servants Of The Harvest“ zu Herzen gehende Melodien kredenzt werden, die so für diese Art von Bands nicht unbedingt typisch sind. Der Härtegrad, der enorm hoch liegt, wird allerdings zu keiner Zeit verlassen.
„Sacrifice“
Wenn schon eine eigene Handschrift, dann nicht ohne Diebstahl. BLACKSHINE - 1988 gegründet - klauen nämlich hervorragend. So beginnt „Love Our Hell“ wie „Emergency“ von Girlschool, hat „Choked With Feathers“ etwas von Sisters Of Mercy, könnte der Start von „Another Twist“ von den Ramones stammen, kriegen wir mit „Light The Fuse“ eine gehörige Portion Motörhead, klingt Sänger Anders Strokirk wahlweise nach Lemmy Kilmister oder Algy Ward von Tank. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen sind BLACKSHINE herrlich erfrischend und brachial. 
„Light The Fuse“

JUB

U.D.O. "Live From Russia"  8
SPV/Breaker/cmm, 2001

U.D.O. - Live From Russia

Nach sieben Studioplatten mit seiner Band U.D.O wurde es auch langsam Zeit, daß der kautzige Metal-Gott aus Solingen mal eine vernünftige Liveplatte zurechtzimmert.
Während seiner im Mai 2001 in Rußland endenden "Holy World Tour" schnitt der rüstige Mittfünfziger sechsundzwanzig seiner größten Hits mit, und war nicht darum verlegen, in der Presse mit dem tollen Sound seiner Aufnahmen zu prahlen. Natürlich muß der Künstler hinter seiner Veröffentlichung stehen, doch einem alten Hasen wie Udo ist sicherlich auch aufgefallen, daß der Sound auf dieser Scheibe recht dünn rüberkommt. Auch Udos Ansagen sind, so possierlich sie auch klingen mögen, nicht wirklich ein Reißer. Doch damit genug der Meckerei. Ansonsten ist "Live From Russia" ziemlich geil geworden. Über eine Spielzeit von 133 (in Worten: einhundertdreiunddreißig) Minuten gibt es Hits der Marke "I'm A Rebel", "Run If You Can" sowie "Winter Dreams" aus der legendären Accept-Zeit Udo Dirkschneiders (welche auch zum ersten Mal als Livestücke veröffentlicht wurden) und natürlich einen Querschnitt durch die Schaffenszeit unter dem Markenzeichen U.D.O. unter anderem mit den Stücken "Animal House", "Independence Day", "No Limits" sowie Kracher neueren Datums, sprich "Holy", "Recall Of Sin" oder "Cut Me Out". Die Doppel-CD kommt in einer tollen Aufmachung daher, nämlich in einem reichlich bebilderten Buchformat und erhält somit das Prädikat "kaufenswert". 
"Run If You Can"/"I`m A Rebel"

THOMAS

VANITAS „Der Schatten einer Existenz“ 6
CCP, 2002

Vanitas - Der Schatten einer Existenz

Daß wir VANITAS' Debüt „Das Leben ein Traum“ hier besprochen haben, ist noch gar nicht so lange her (siehe Abgehört vom 04. September 2001). Und deshalb ist mir die Wirkung dieser CD auch noch ziemlich gegenwärtig. So kann ich mit Fug und Recht behaupten: VANITAS' Neue ist definitiv besser geworden. Das trifft auf viele Elemente zu. Da haben wir den abwechslungsreichen Gesang (Growl, Gekreische, Sopran-Geträller), den Einsatz von Streichern und Flötereien und die runden Arrangements. Nicht zu vergessen die zum Teil bemerkenswerten Melodien. Tja, und auch bei den Texten liefern VANITAS erneut Solides ab. Wie schon auf ihrem Debüt haben sie uns eine Menge zu erzählen, bieten aber eine Lyrik an, bei der es nicht öde wird, mitzulesen und zuzuhören.
Gothic Metal - als Begriff von CCP für die VANITAS-Musik gewählt - ist gar nicht so daneben. Allerdings verlassen die Österreicher hin und wieder die musikalische Melancholie-Schiene, werden etwas schwungvoller.
Und doch. Irgend etwas fehlt. Vielleicht sind die Melodien zu schnell aufgebraucht, fehlt es dem Gesamtklang an Höhepunkten. Ich habe mich auch beim dritten und vierten Mal Hören dieser CD ertappt, daß ich mich durch Banalitäten ablenken ließ. Und schon haben wir eine Wirkung, die bereits auf "Das Leben ein Traum"  zu Tage trat. Vermutlich hängt das mit den scheinbar etwas lieblos gespielten Gitarren zusammen. Auch wirkt der Growl-Gesang von Andreas Schärfinger bei längeren Passagen etwas behäbig.
Nichtsdestotrotz entwickelt sich hier eine Band, an der es von Mal zu Mal weniger herumzumurren gibt. Und wenn auf der dritten Scheibe Schärfinger etwas mehr Emotionen in die doch sehr emotional gehaltenen Texte legt und sich auch durchringen kann, den Saiten etwas Zunder zu geben .... wer weiß?
„Heiliger Schein“

JUB

ROYAL HUNT "The Watchers" 5
Frontiers Rec./Now&Then/Point Music/XIII Bis Rec., 2002

Royal Hunt - The Watchers

Schon wieder ROYAL HUNT? Haben die Dänen nicht gerade erst vor kurzem mit "The Mission" eine neue Platte veröffentlicht? Nun liegt mit "The Watchers" eine neue CD der Jesus-Fans auf dem Tisch. Beim zweiten Hinsehen entpuppt sich "The Watchers" jedoch als Stückwerk, nicht als neues Album. Das Opener-Stück vom "The Mission"-Album gibt es jetzt in einer 14minütigen Fassung zu hören. "Intervention", so der Titel, bringt es jetzt auf das Doppelte der ursprünglichen Spielzeit. Warum nicht gleich die volle Version aufs Album? Ansonsten gibt es vier Livestücke, vier Neueinspielungen alter Songs und eine Radiofassung von "Intervention" - muß wohl der bandinterne Hit sein. Solche Platten sind meistens dann fällig, wenn die Band entweder noch für ein Album an die Verträge des alten Labels gebunden ist oder sie kurz vor der Auflösung steht. (Natürlich ist es in diesem Falle ein "Geschenk an die Fans".) Alles in allem eben so kurzweilig wie überflüssig. Für ROYAL HUNT-Fans sicherlich interessant. Da mir eine ROYAL HUNT-Liveplatte nicht bekannt ist und die "Intervention"-Langfassung durchaus ihre Reize hat, kann ich damit zum Teil auch was anfangen.
"One By One"

THOMAS

IMPURE „Something Evil“ 8
Eigenprod., 1999

Impure - Something Evil

Diese CD ist nicht mehr ganz taufrisch, flatterte aber im Zuge der Bewerbungen für unser BANDS BATTLE-Festival im Mai 2002 auf unseren Tisch und konnte auf der ganzen Linie begeistern. Das letzte Mal kam mir solch kompromißloses Death/Grind-Gebolze bei Severe Torture zu Ohren (siehe Abgehört vom 10. Juli 2001). IMPURE gehen auf „Something Evil“ gar noch etwas differenzierter zu Werke. Vergleichbar mit einer tonnenschweren Maschine, die einen Berg hinauf ächzt, um auf der anderen Seite auf Grund des Eigengewichts sich überschlagend dem Tal entgegen zu poltern.
„God Has Turned To ...“
Manchmal möchte man meinen, es geht mit den Bottropern durch. So als hätte dies jetzt hier ein Groover werden sollen - „Bastard Breed“ zum Beispiel - was ihnen dann aber ein bißchen zu öde vorkam. Und wie völlig ausgeklinkt, wird dann für einen kurzen Moment scheinbar planlos drauflos geschrotet, daß die Stahlsaiten reißen. Daß diese Jungs noch von keinem Label unter den Nagel gerissen wurden, ist wirklich erstaunlich. info@impure.de, http://www.impure.de

JUB

KING DIAMOND "Abigail II: The Revenge" 9
Metal Blade, 2002

King Diamond - Abigal II: The Revenge

Über den König kann man streiten und geteilter Meinung sein wie man will, Fakt aber ist, daß das dänische Heavy Metal-Original nie eine wirklich schwache Scheibe aufgenommen hat. Er ist und bleibt einzigartig mit seiner weinerlichen Geisterbahnstimme und seiner Vorliebe für hörspielartige Horrorgeschichten. Alle seine Platten sind kleine Gesamtkunstwerke. Cover, Texte und Musik sind stets so aufeinander abgestimmt, daß der Hörer mit jeder weiteren Platte in eine kleine, eigene Welt mit ihren eigenen Charakteren und Schauplätzen eintauchen kann. Es wimmelt nur so vor Psychopaten, Geistern und Spukhäusern. Oder kennt Ihr einen KING DIAMOND-Fan, der bei der bloßen Erwähnung solcher Namen wie Dr. Landau, Missy, Father Prichard - allesamt Figuren aus Kings Fantasiewelten - nicht hellhörig wird? Eben. Und genau diese Fans waren es auch, die den König drängten, die vor fünfzehn Jahren veröffentlichte Konzept-Geschichte zu "Abigail" fortzuführen. Eine Bitte, der der King im Jahre 2002 endlich nachkam und mit "Abigail II:The Revenge" einen Nachschlag veröffentlichte. Und auch dieses Mal - wie sollte es anders sein - ist nichts weiter als ein kleines Meisterwerk fesselnden und zeitlosen Metals entstanden.
Getragen wird es durch Kings krank-geniale Fistelstimme und die nicht minder ungesunden Keyboardklänge, welche dem originellen und abwechslungsreichen Liedgut die typische Prägung verpassen. Wie die Geschichte um Abigail weitergeht, entnehmt bitte Euren frisch gekauften Exemplaren von KING DIAMONDs "Abigail:The Revenge", einem frühen Highlight in dem noch jungen Jahr 2002.
"Spare This Life"/"The Storm"

THOMAS 

PALLAS „The Cross And The Crucible“ 9
Inside Out/SPV, 2001

Pallas - The Cross And The Crucible

Die 90er waren das Jahrzehnt der wiederkehrenden Musikstile. Kein Wunder. Wie soll eine auf Konsum und Egozentrik eingeschworene verblödete Generation, die halbnackt neben bunten Wagen her läuft und benebelten Hirns „Ficken, ficken, ficken“ brüllt auch kreativ sein. Aber da Plattenbosse auch leben wollen, wurden die alten Zeiten reaktiviert. Ein paar Jahre waren die 60er hip, dann die 70er und im Moment schwören alle auf die 80er. Begriffe wie Punk, Psychedelic, New Romantic und anderes machten die Runde. Nun, und da es kein Revival der 90er geben kann, sind in zwei, drei Jahren vermutlich wieder die 60er dran. Oder vielleicht mal die 50er.
Die Metal-Szene hat Ähnliches durch. Nur mit dem Unterschied, daß die alten Stil-Richtungen zum Teil völlig neue Einflüsse erfuhren. Einige Auswüchse des Black Metals sind mit der ersten Generation um Venom, Bathory oder Hellhammer nicht mehr zu vergleichen. Death Metal ist dem Grunzgebolze entwachsen, Stonerrock hat den 70er Heavy Metal wiederbelebt und eine Frischzellenkur verpaßt. Nur dieser so genannte Power oder True Metal will sich nicht recht bewegen. Das ist aber wiederum egal, da das ja auch niemand wirklich will. Manche Dinge dürfen sich nicht verändern.
Anders der Progressiv Metal, der gerade zur Zeit eine enorme Renaissance erlebt. Während Bands wie Voivod, Watchtower oder Fates Warning in den 80ern die Härte des Thrash Metal mit Jazz-Elementen verbanden und die 70er Prog-Zeit übersprangen, waren Bands wie Marillion oder PALLAS zur selben Zeit jene Truppen, die die Fackeln von Yes, Genesis oder Emerson, Lake & Palmer weitertrugen.
Progressiv Rock oder Metal schien spätestens seit Mitte der 90er tot. Mausetot. Umso erstaunlicher ist es, welch überragenden Alben derzeit von Bands wie Threshold, Ark, Evergrey oder eben PALLAS veröffentlicht werden und eine enorme Vielfalt offenbaren. Hausbacken ist progressive Musik längst nicht mehr, vielmehr wird sie wieder ihrem Namen gerecht (progressiv=fortschrittlich). Dabei handelt es sich bei PALLAS gar um Veteranen, die schon 1974 antraten. Seither veröffentlichten sie gerade mal vier Alben. Eines davon erst 1999. Diese Tatsache sagt aber nichts über die Qualität dieser Band aus, denn hier haben wir es mit einem ganz herausragenden Vertreter des Prog-Genres zu tun. Man findet in der Musik der „The Cross & The Crucible“-Scheibe Yes wieder, entdeckt Bezüge zu Marillion. Sänger Alan Reed variiert zwischen der Sanftheit eines Steve Hogarth und dem zerrigen Vibrato von Roger Chapmann, um am Ende manchmal an den kürzlich verstorbenen Stuart Adamson (Big Country) zu erinnern. Metal, wie ihn die meisten definieren, finden wir bei PALLAS nicht. Brachiale Gitarren gibt es aber genügend. Die Stärken dieser Band sind perfekte Arrangements, ergreifende Melodien und Gänsehaut-Dynamik.
„The Blinding Darkness“

JUB

ARTENSION "Sacred Pathways" 7
Frontiers Rec./Now&Then/Point Music/XIII Bis Rec., 2002

Artension - Sacred Pathways

Die Band um den Ukrainer Vitalij Kuprij an den Keyboards spielt neoklassischen Progressiv Metal und gar nicht mal einen schlechten. Der Keyboarder und Produzent versteht sein Handwerk, das steht schon mal fest. Der Mann scheint zwanzig Finger zu haben. Jedenfalls weiß er seinem Instrument die abgefahrensten Läufe zu entlocken. Der Rest der 1996 gegründeten Band steht ihrem Vordenker an den Tasten jedoch in nichts nach. Egal ob Kevin Chown (Magnitude 9) am Baß, Mike Terrana (ex-überall, Rage, Axel Rudi Pell ...) an den Kesseln, Möchtegern-Pete Steel John West (Royal Hunt) am Gesang oder Gitarrist Roger Staffelbach - sie alle legen sich mächtig ins Zeug und präsentieren sich in spielerischer Höchstform. Und, oh Wunder, die Songs sind trotz der Frickelei nicht Nebensache. Gute Melodien und nachvollziehbare Arrangements lassen "Sacred Pathways" nicht im Dschungel der Progressiv-Veröffentlichungen untergehen. Zwar zaubern die Jungs hier und da doch schon mächtig umher, doch bei ARTENSION hat das irgendwie Schick.
"Your Victory"

THOMAS 

STEEL ATTACK „Fall Into Madness“ 7
AFM, Connected, 2001

Steel Attack - Fall Into Madness

Diese Band hat wieder einmal alles, was jene Leute, denen dieser ganze Power Metal-Überfluß gehörig auf den Sack geht, sofort die Hände über den Kopf zusammenschlagen lassen könnte. Der Name allein schon ... STEEL ATTACK, nein. Dann das Schwert im Schriftzug, meine Herren. Das Cover geht, der Platten-Titel „Fall Into Madness“ auch. Aber dann die Song-Namen: „Holy Swordsmen“, "Defender Of The Crown“ und „Guardians“  ... Letzterer hat gar einen Rhapsody-Refrain. Und aus Schweden kommen diese Typen auch noch.
Aber, was soll ich Euch sagen? STEEL ATTACK gehören auf jeden Fall zu den besseren Vertretern ihres Genres. Abgesehen davon, daß die Riffs durchaus nicht aus der Grabbelkiste stammen und der Sänger zu keiner Zeit zu nervig klingt, da er stimmlich zwar klar, dennoch kraftvoll singt, sind vor allem die Kompositionen von hoher Qualität. „Guardians“ ist echt eine negative Ausnahme. Im Gegensatz dazu seien „Holy Swordsmen“ und „The Beast“ genannt, die Schlachtruf-Refrains besitzen und nicht krampfhaft auf Hymne getrimmt sind.
Die Mannen von STEEL ATTACK agieren übersichtlich und effektiv, was durchaus an ihrer Erfahrung liegen kann, sind sie doch als Musiker in der Szene schon seit 1992 unterwegs. Zwar hieß man anfangs noch Mayer’s Eve, das tut aber sicher nichts zur Sache.
Wer den guten alten europäischen Heavy Metal Marke 80er Jahre mag, der ist bei STEEL ATTACK bestens bedient.
„The Judgment Day“

JUB

SCRUFF "Leben" 3
Eigenproduktion, 2000

Scruff - Leben

Die Nürnberger Band SCRUFF widmet sich den zeitgemäßeren Klängen der Metal-Szene. Sprich Fear Factory oder auch Meshuggah könnten als Haupteinfluß des Quartetts hergehalten haben. Doch erreicht die Musik auf "Leben" bei weitem nicht das Niveau der oben genannten Bands. Weil die Riffs zwar genauso psychopatisch abgehackt klingen wie die von den "Großen" aber nicht so einfallsreich sind. Auf die Dauer wirken sie eher nervig und kommen wie zum Selbstzweck. Den Songs mangelt es daher an A-ha-Effekten und sie setzen sich nicht im Kopf fest. Von ganz anderem Kaliber hingegen ist die "Bonus-CD" mit dem Song "Die Frage an mich selbst". Der Sound knallt, der Riff ist durchaus hörenswert, die Drums wuchtig und ich muß sagen, das Stück gefällt mir im Gegensatz zur "Haupt-CD" richtig gut. Auch wenn sich die Band schon aufgelöst hat, könnt Ihr sicherlich noch ein paar Exemplare von "Leben" bei: Roman Zimmerhackel, Maximilianstr.26, 90429 Nürnberg, Tel.:(09 11) 31 30 265, zimmerhackel@gmx.de bestellen.
"Die Frage an mich selbst"

THOMAS

ERBEN DER SCHÖPFUNG „Twilight“ 9
M.O.S. Rec/Nova Media, 2001

Erben der Schöpfung - Twilight

Ja Mensch, ist doch eigentlich gar nicht meine Musik. Aber ähnlich wie vor kurzem Dreamside (siehe Abgehört vom 27. November 2001) haben mich ERBEN DER SCHÖPFUNG mit ihren traurig-schönen Melodien, die in ein eher kaltes Klangbild getaucht sind, tief berührt. „Eine Rose für den Anschied“ bringt das musikalische Konzept der CD „Twilight“ auf den Punkt: hämmernde Gitarrenriffs, umhüllt von elektronischen Rhythmus-Gezwirbel, eine sanfte Frauenstimme, die - auch wenn man die Texte nicht gleich verstehen würde - die lustvollste Todessehnsucht transportiert seit wir aufgehört haben, uns auf ein Jenseits mit Saufgelagen und einem Haufen immergeiler Frauen zu freuen.
Daß gitarren-technisch die Musik von ERBEN DER SCHÖPFUNG manchmal nach neueren Produkten der deutschen Atrocity klingt, hängt sicher mit dem Alexander-Krull-Studio zusammen, in dem „Twilight“ eingespielt wurde. Auch sind Atrocity-Musiker als Gastmusiker an der Entstehung des Werkes beteiligt gewesen. Störend wirkt dieser Fakt aber zu keinem Moment, weil irgendwie alles zu stimmen scheint. 
Gebe es die Songs „My Star“ und „Alone“ nicht, würde diese CD quasi nur aus absoluten Hits bestehen. Überragt wird das Ganze von - logisch - „Eine Rose für den Abschied“, von dem für „Twilight“ eher ungewöhnlichen „Niemand kennt den Tod“ und dem Übersong „Doch sie wartet vergebens ...“ 
Und schließlich ist Sängerin Sabine Dünser bildschön. Wie ein Engel blickt sie Euch aus dem Booklet an. Aber Vorsicht: Das sind die Augen eines Todesengels.
Sollte jemand von Euch des Lebens müde sein, packt Euch beim Strangulieren ERBEN DER SCHÖPFUNG in den Player.
„Eine Rose für den Abschied“

JUB

SOUL DOCTOR "Soul Doctor" 6
Massacre/Connected, 2001

Soul Doctor - Soul Doctor

Mit SOUL DOCTOR präsentiert sich eine neue "All Star"-Band den Heavy Rock-Fans dieser Welt. Gemeint sind damit vor allem Sänger Tommy Heart (ex-Fair Warning) und Jörg Desinger (neuerdings nur noch J.D, ex-Bonfire). Waren deren Hauptbands meiner Meinung nach nicht so die Kracher, so haben sie mit SOUL DOCTOR eine richtig gute Truppe am Start, die das Haus rocken kann. Ihr Groove ist furztrocken und die Melodien teilweise mitreißend. Nur Balladen können sie irgendwie kein Leben einhauchen. Songs dieser Machart klingen bei SOUL DOCTOR leider wie gewollt und nicht gekonnt. Dennoch, nehmt mal auf Partys die Emperor-CD aus dem Player und laßt SOUL DOCTOR rotieren. Ihr werdet sehen, das macht die Sache irgendwie unverkrampfter. Aus grimmigen Schwarzkitteln könnten doch noch Party-Animals werden.
"Soul Doctor"

THOMAS
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