ABGEHÖRT vom 29. März 2005

GRAVE DIGGER
"The Last Supper"
Erschienen: 2005
Label: Nuclear Blast
Homepage: www.gravedigger.de
GRAVE DIGGER - The Last Supper On Air: "Desert Rose"
Alles beim Alten im Hause GRAVE DIGGER. Das kann gut sein, allerdings kann Stagnation manchmal daneben gehen. Bei Status Quo würde jegliche Veränderung zum Beispiel für einen kollektiven Aufschrei sorgen. Bei AC-DC ebenfalls und Motörhead haben das ja mit "Another Perfect Day" schon einmal erlebt.
GRAVE DIGGER würde eine winzige Frischzellenkur allerdings ganz gut tun, denn so markant ist ihr Stil nun auch wieder nicht, als daß er nicht die geringste Abweichung ertragen könnte. Denn beim Hören von "The Last Supper" kam doch schon eine gehörige Portion Langeweile auf. Denn Songs wie "Divided Cross" oder "Grave In The No Man's Land" ermüden nur. Das zackige "Desert Rose" und das balladesk-hymnische "Always And Eternally" zeigen hingegen, daß GRAVE DIGGER immer noch für spannende Momente sorgen können.
Im Großen und Ganzen wird aber der Midtempostiefel durchgezogen, die Songs kommen mit vorhersehbaren Riff-Konstruktionen und die Melodien waren auch schon alle irgendwie mal da.
"The Last Supper" ist bestimmt keine Kack-Platte, allerdings dürfte sie derzeit auf dem berstenden Markt mit sehr vielen guten Veröffentlichungen nur eine Randnotiz wert sein. 6 von 10
JUB

DEVILS WHOREHOUSE
"Revelation Unorthodox"
Erschienen: 2005
Label: Regain Rec./Blooddawn
Homepage: www.devilswhorehouse.com
DEVILS WHOREHOUSE - Revelation Unorthodox On Air: "Swallow Your Soul"
B. War und Morgan Steinmeyer Hakansson von Marduk haben endlich wieder ihre Misfits- und Samhain-Sammlung vergewaltigt und ein neues DEVILS WHOREHOUSE-Werk fabriziert. "Revelation Unorthodox" heißt das Teil und ist natürlich wieder voll im Stile der von Glenn Danzig einst dominierten Vorbilder. "Howling" oder "Pentagram Murderer" zum Beispiel sind purer Misfits-Punk. Da gibt es aber auch nicht eine eigene Nuance. Die schleicht sich auch nicht ein, wenn DEVILS WHOREHOUSE dem Midtempo-Heavy-Metal frönen ("Bondage Goddess", "Funeral Dream", "Erotikill"), denn dann bekommt die Band den totalen Danzig-Drall. Ist schon witzig, daß der Protagonist dieses Zeugs schon seit gut zehn Jahren nicht mehr so authentisch klingt und seine Musik jetzt aus Norwegen kommt. Sind DEVILS WHOREHOUSE eigentlich eine Coverband mit eigenen Songs oder gar eine gesichtslose Kapelle, die es einfach nicht versteht, etwas Eigenständiges zu produzieren? Gut, daß die Bandköpfe da mit Marduk schon eine gehörige Portion an Kreativität bewiesen haben, denn so kann diese Band hier wenigstens als liebevolle Homage durchgehen. Und die ist verdammt gut gelungen. 8 von 10
JUB

FLOWING TEARS
"Razorbliss"
Erschienen: 2004
Label: Century Media
Homepage: www.flowingtears.de
FLOWING TEARS - Razorbliss On Air: "Unspoken"
Manchmal können Sampler-Beiträge tatsächlich den Durchbruch bringen. FLOWING TEARS sind dafür ein glänzendes Beispiel, denn der Song "Swallow" (auch als Titelstück einer EP zu Ehren gekommen) machte die deutsche Gothic-Metal-Band auf Schlag bekannt. Nur zu dumm, daß sich dann auch später das gesamte Material der Kapelle um dieses "Swallow" drehte. Da gibt es sicher Gruppen, die schwächere selbsterdachte Strickmuster immer wieder neu verwenden, von daher kann man den Leuten von FLOWING TEARS ob des Ausreizens dieser Erfolgsformel gar keinen Vorwurf machen.
Allerdings wäre mit "Razorbliss" die Zeit für etwas mehr Mut reif gewesen, denn immerhin hat man mit Helen Vogt ja eine neue Sängerin. Die liegt stimmlich aber so nah bei ihrer Vorgängerin, Stefanie Duchene, daß der Unterschied kaum ins Gewicht fällt. Auch Helen hat eine sehr warme, nahezu beruhigende Stimme, die vermutlich aber wenig Raum für Experimente läßt.
Und so ist erneut eine Scheibe entstanden, die Midtemposongs enthält (plus düstere Nummern á la "Ballad Of A Lonely God"), deren molliger Melodiegehalt beachtlich ist. So wie der Gesang aus einem Berg aus wuscheligen Decken zu kommen scheint, sind auch die Gitarren mit Fellen umhüllt, so daß sie streicheln und nicht kratzen.
Das ist alles sehr angenehm, hört sich gut weg, wird auf Dauer aber doch ein wenig eintönig. 7 von 10
JUB

RAGNAROK
"Blackdoor Miracle"
Erschienen: 2004
Label: Reagain Records
Homepage: www.radnarokhorde.com
RAGNAROK - Blackdoor Miracle On Air: "Recreation Of The Angel"
Als uns Bands wie Satyricon, Immortal, Gehenna oder Mayhem Mitte der 90er ihre Ergüsse um die Ohren schüttelten, waren die Nachrücker RAGNAROK eher eine Randerscheinung. Man nahm sie zwar war, wäre aber kaum auf die Idee gekommen, sie zu den Großen der Szene zu zählen. Das geschah nicht etwa aus Borniertheit, sondern der Haudrauf-Black-Metal der Band hatte kaum was Aufregendes.
Nach zehn Jahren der Existenz der Band hat sich daran zwar nichts Wesentliches geändert, aber RAGNAROK sind wenigestens noch übrig geblieben. Denn die Großen von einst gibt es entweder nicht mehr, sind zum Teil nicht mehr allzu präsent oder liefern Unsinn ab (einer Verallgemeinerung möchte ich an dieser Stelle schon mal gleich den Boden entziehen).
"Blackdoor Miracle", das fünfte Werk der Norweger, ist voll von rauhem und rasantem Black Metal. Und es ist bestimmt die beste Arbeit RAGNAROKs seit Bestehen, denn auch die einzelnen Songs haben einen nicht zu leugnenden Esprit. Vor allem ein paar Melodien wissen durchaus zu gefallen. Und doch bleibt die Band eher auf einem Level, der - zwar über dem Durchschnitt liegend - für Kapellen reserviert ist, die wohl nie epochale Alben veröffentlichen werden. Es gibt zwar auf die Fresse, wegen der Vorhersehbarkeit kann man diesen Schlägen jedoch trefflich ausweichen. 7 von 10
JUB

MOR DAGOR
"Necropedophilia"
Erschienen: 2004
Label: Twilight
Homepage: www.mor-dagor.de
MOR DAGOR - Necropedophilia On Air: "Fitfucked In Paradise"
"Corpus Christi"
"Necropedophilia"
Die Metal-Szene, das unbekannte Wesen. Denn mit MOR DAGOR begegnete mir bereits im vergangenen Jahr eine Band, deren Namen ich vor meiner ersten Live-Erfahrung mit dieser Kapelle nie gehört hatte. Und dann verarbeitete dieses Trio die Bühne in Sägemehl.
Aber nicht nur live sind MOR DAGOR das totale Abrißkommando, sondern auch tonträgertechnisch können die drei Deutschen überzeugen. Und so liegt mit "Necropedophilia" eine CD vor (die dritte mittlerweile), die wohl einer Unmenge von Black-Metal-Fans das Herz hüpfen lassen könnte. Wenn sie nur wüßten, daß es diese verdammte Band gibt. Also aufgepaßt: Bei MOR DAGOR paaren sich mayhemsche Rasanz mit der Präzision von Belphegor (kaum verwunderlich, trommelt Schlagzeuger Torturer doch bei eben jenen Österreichern). Von letzteren haben MOR DAGOR auch ihre Durchschlagskraft, die unüberhörbar aus dem Death Metal Schützenhilfe erhält (zum Beispiel "Drenched In Blood"). "Necropedophilia" feuert aus allen Rohren, setzt bewußt keine Ruhepunkte und ist bitterböse ("Corpus Christi"). 9 von 10
JUB

ROTTEN SOUND
"Exit"
Erschienen: 2005
Label: Spinefarm
Homepage: www.rottensound.com
ROTTEN SOUND - Exit On Air: "Mass Suicide"
Wie Finnen einen Selbstmord inszenieren, war schon auf "Down" von Sentenced nachzuhören. Da klang das alles sehr tragisch und melancholisch, bevor der finale Schuß erfolgte. Wenn ROTTEN SOUND zur Selbsttötung schreiten, hat man den Eindruck, daß die sich noch in den Kopf ballern, wenn der schon nur noch in Fragmenten auf dem Halsstumpf auszumachen ist. Aber nimmt man das Tempo von "Exit" als Maßstab für die abgegebenen Schüsse, dann muß es zu einem Overkill kommen, denn mit der Geschwindigkeit, wie diese Finnen hier abdrücken, sind 15 Geschosse aus dem Lauf, eh die Hand mitbekommt, daß vom Hirn gar keine Befehle mehr kommen.
Grind/Death ist auch auf CD Nummer vier das Metier, dem ROTTEN SOUND mit voller Hingabe zugetan sind. Krachig, wütend, schmutzig und hysterisch jagen die Songs aus den Boxen und drücken unsere Wangen in die Mundhöhle. Ob nun im mardukschen Abzählreim-Stil wie zum Beispiel bei "Slave" oder mit trügerischen Schwerfälligkeiten wie beim Einstieg zu "The Weak" - die Dampframme ist ununterbrochen in Betrieb. Natürlich laufen ROTTEN SOUND auch diesmal Gefahr, etwas eintönig rüberzukommen; aber egal, manchmal sollen halt einfach nur Wände eingerissen werden. 8 von 10
JUB

MAGOG
"Artglauben"
Erschienen: 2004
Label: Christhunt Productions
Homepage: www.christhuntproductions.com
MAGOG - Artglauben On Air: "Lebe, töte, kämpfe, siege"
So kotzt man Haß. Denn: "Töten macht frei". MAGOG ziehen wieder voll vom Leder. Magengeschwüre werden die Jungs dieser Band nie kriegen, denn wenn es zu bunt wird, schlagen sie zu. "Lebe, kämpfe, töte, siege" heißt ihr Schlachtruf. Und es ist ihnen offensichtlich außerordentlich wichtig, daß man ihre Botschaften mitbekommt. Denn nicht umsonst ist der Gesang auf "Artglauben" häufig so stark in den Vordergrund gemischt, daß man meinen könnte, hier wurde live im Studio eingespielt.
MAGOG waren nie Filigran-Künstler und so agieren sie auch auf "Artglauben" eher rumpelig. Black/Pagan Metal wie man ihn vermutlich in vielen Probenkellern dieses Landes zu hören bekommt. Der ist simpel, aber sehr wirkungsvoll, geht es der Band doch ohrenscheinlich vor allem um die Vermittlung von Inhalten, die in ihrer aggressiven Art am besten rüberkommen, wenn sie ein ruppiges und rauhes Gewand erhalten. Das soll aber mitnichten bedeuten, daß MAGOG Melodien umschiffen. Die gelingen ihnen trotzdem, wie zum Beispiel in "Verdun 782" nachzuhören. 8 von 10
JUB

GOREZONE
"Hate, Peace & Understanding"
Erschienen: 2004
Label: Chainsaw Fisting/Twilight
Homepage: www.gore-zone.de
GOREZONE - Hate, Peace & Understanding On Air: "Bloodsports"

Beim BANDS BATTLE 2004 agierten sie als echte Abräumer. Obwohl mit einer Spielzeit in der Nachmittagstunde gebeutelt, prügelten sie kompromißlos die verschlafene Meute vor die Bühne und waren nach dem 30-Minuten-Gig in aller Munde. Wer sie nicht gesehen hatte, ließ ein ärgerliches "Mist" hören.
Die live vorgeführte Energie können GOREZONE auf ihrem zweiten Album "Hate, Peace & Understanding" nur bedingt einfangen. Oder vielleicht besser gesagt, einen Teil ihrer Live-Energei wissen sie auch im Studio zu reproduzieren. Warum nicht 1:1? Der Death/Grind amerikanischer Schule, der ständig zwischen fixen Blast-Momenten und den sogenannten Mosh-Parts (so hieß es zumindest früher bei Anthrax) pendelt, ist sicher nicht der spannendste. Und so verliert die CD mit der Zeit an Wirkung. Wer von dieser Sorte Musik jedoch den Schrank nicht gerade voll zu stehen hat (ich zähle glücklicherweise dazu), wird GOREZONEs Musik für lange Zeit als eine echte Bereicherung des täglichen Sound-Konsums zu schätzen wissen. 8 von 10
JUB

BRANDED WOMEN
"Velvet Hours - Stolen Moments"
Erschienen: 2004
Label: Spinefarm Records/Ranch
Homepage: www.brandedwomen.com
BRANDED WOMEN - Velvet Hours - Stolen Moments On Air: "Sunbather"
Wenn man von Bar-Musik spricht, meint man in beiden Teilen Deutschlands vermutlich unterschiedliche Dinge. Denn was bei uns einst in den Nachtbars an Klimperzeug dargeboten wurde, spottet jeder Beschreibung. Allerdings die laszive Atmosphäre dürfte wenig differiert haben: schummeriges Licht, schwüle Luft, willige Frauen und notgeile angetrunkene Männer fixieren sich. Und dazu ständig diese wie aus einem Schleier zum Ohr dringende ninglige Musik.
BRANDED WOMEN sind bestimmt keine Hintergrund-Untermalung für die Balzrituale abgehalfteter Mitdreißiger in der zweiten Lebenskrise, Laszivität versprüht ihre Musik aber zu jeder Zeit. Easy Listening-artig werden auf "Velvet Hour - Stolen Moments", dem Debüt der Band, kleine, stille und schleichende Songs zelebriert, die natürlich als Background-Geräuschkulisse wunderbar funktionieren, aber auch des Zuhörens lohnen. Laut werden die vier Mädchen und der Typ am Schlagzeug nur ganz selten.
Wieder eine Form, wie die finnischen Menschen ihre Schwermut verarbeiten? Kann sein. Allerdings würde man bei diesem exotisch bis erotisch aufgeheizten Sound kaum auf kühle Finnen kommen. Selbst visuell vermutet man die Mädels eher in südlicheren Gefilden.
Kein Heavy Metal, kein Krach, keine Wut. Alles relaxed, alles besonnen und verträumt. Das kann man sich mal antun, denke ich. 6 von 10
JUB

KORPIKLAANI
"Spirit Of The Forest"
Erschienen: 2003
Label: Napalm Records/SPV
Homepage: www.korpiklaani.com
KORPIKLAANI - Spirit Of The Forest On Air: "With Trees"
"You Looked Into My Eyes"
"God Of Wind"
"Crows Bring The Spring"
Tja, eh die Musik aus den finnischen Wäldern zu uns in den deutschen Norden dringt, können schon mal ein, zwei Jahre vergehen. Allerdings haben die Weisen KORPIKLAANIs auf dem Debüt "Spirit Of The Forest" ihre Halbwertszeit längst nicht überschritten, denn das, was dieses Sextett abliefert, ist eigentlich zeitlos: druckvoller Heavy Metal plus finnische Volksmusik. Das ist mittlerweile nicht mehr so selten, aber noch könnt Ihr versichert sein, daß all die finnischen Bands, die sich auf den Folk- oder Pagan-Pfad begeben, völlig individuelle Noten besitzen. Und so klingen KORPIKLAANI weder nach Finntroll noch nach Moonsorrow, sondern haben ihre ganz eigene Waldschrat-Nische eröffnet.
Das Material auf "Spirit Of The Forest" bewegt sich zwischen lebensfrohen Tanzliedchen wie "Pixies Dance" und schwermütigen Hymnen á la "With Trees". Dabei spielt die Violine immer eine sehr hervorstechende Rolle, drängt die machtvollen Gitarren aber nie ab. Jonnes Gesang ist rauh, die Stimme klingt etwas Wodka-gegerbt. Und witzigerweise trifft er beim Singen nicht immer in die Zwölf. Das mag anfangs verwundern oder gar stören, mit anhaltender Spielzeit geht dieses schräge, fast nachlässige Singen aber voll als Stilelement durch.
Leute, die Folk-Metal-Platten eigentlich immer etwas langweilig fanden, werden bei KORPIKLAANI eines besseren belehrt, denn nicht nur Stimmungen wechseln hier permanent von Song zu Song, sondern auch Tempi und Rhythmus-Ideen.
Die finnische Invasion geht also weiter. Und wenn das so anhält, besteht Suchtgefahr. 10 von 10
JUB

EYES OF FIRE
"Ashes To Embers"
Erschienen: 2004
Label: Century Media
Homepage: www.eyesoffire.us
EYES OF FIRE - Ashes To Embers On Air: "One More"
Jetzt übertreiben es die Amis aber mit ihrem Crossover-Wahn, denn was die Mannen von EYES OF FIRE zusammenbringen, will einfach nicht zusammengehören. Der Gothic-Opener "The End Result Is Falling ..." mag ja noch ganz nett klingen, wenn sich bei "Empty" allerdings Melodic Death Metal und New Metal begegnen, wird es schon kurios. Die Verbindung von 80er-Jahre-New-Wave mit Gothic in "Hopeless" macht auch wieder Sinn, der Hörerschaft allerdings bei "Fear" schon wieder lupenreinen New Metal zu servieren und am Ende in "Last Goodbye" gar den Doomer herauszulassen, geht irgendwie zu weit.
Politisch korrekte Global-Idioten können mir jetzt ja Kleingeistigkeit vorwerfen, weil ich den genialen Ausflügen dieser wunderbar innovativen Band nicht folge, allerdings sollte man nun wirklich nicht jeden Scheiß mitmachen. Schon gar nicht, wenn er aus Amiland kommt. Einige der Songs sind für sich genommen hier und da ganz hübsch anzuhören, der Gesamteindruck dieses Albums namens "Ashes To Embers" - übrigens das Debüt von EYES OF FIRE - läßt eher Unbehagen zurück. 5 von 10
JUB

RPWL
"World Through My Eyes"
Erschienen: 2005
Label: Inside Out/SPV
Homepage: www.rpwl.de
RPWL - World Through My Eyes On Air: "Start The Fire"
Eine Band zwischen Pop und Progressiv-Bombast sind RPWL. Sie können leichtfüßige Melodiechen ebenso stilsicher zelebrieren, wie ausgedehnte Instrumentalpassagen. Allerdings gefallen mir diese grandios angelegte Improvisations-Welten wie in "Sea-Nature" oder im Titelsong zum Beispiel viel besser, als das gängige "Start The Fire" oder das fast im Alternative angesiedelte "Day On My Pillow". Und wenn RPWL - die übrigens erstaunlicherweise aus Deutschland sind - so richtig abdriften, dann haben sie eine ganze Menge von Pink Floyd aus deren zweiten Phase in den 70er Jahren oder wecken Erinnerungen an Manfred Mans Earth Band.
RPWL sind eine Progressiv-Band, die weniger auf harte Gitarren setzt (wenngleich auch die hin und wieder eine Rolle spielen), sondern vielmehr eine melancholisch-verträumte Atmosphäre entwickelt. Das ist nie aufgesetzt und gelingt meist sehr gut. Allerdings kann genau dieser Fakt auch als Kritikpunkt herangezogen werden, da das Quartett manchmal durchaus ermüdend wirkt. Aber wohlgemerkt, eigenartiger Weise nicht in den Instrumental-Aktionen, die sich manchmal über mehrere Minuten ausdehnen.
Übrigens gibt es auf "World Through My Eyes" - dem vierten Album der Band - auch Orientalisches zu erlauschen, da die Band ein thematisches Konzept fährt, das sich mit der Suche nach Glück und Zufriedenheit auseinandersetzt und dabei auch die aktuellen Zustände im menschlichen Zusammenleben reflektiert. 7 von 10
JUB

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