JUDAS
PRIEST „Machine Man“ 3
Priest Music/SPV,
2001
Nach Rob Halfords
Comeback waren JUDAS PRIEST definitiv im Zugzwang. Ob sie allerdings mit
dieser Musik, wie sie auf der „Machine Man“-Maxi zu hören ist, olle
Robbi das Wasser reichen können, ist eher unwahrscheinlich.
Diese verdammten New Metal-Einflüsse sind einfach nicht zu überhören,
auch wenn sich die alten Priester beim Titelsong der Single noch echt Mühe
geben, die Kurve zum PRIEST-typischen Stil zu kriegen.
Sei es wie
es sei. Die PRIEST-Gemeinde besteht nun mal aus einer gehörigen Anzahl
betagter Heavy Metal-Herren, die es mit dieser Band unter Umständen
schon vor 25 Jahren hielten, denen wird die Entwicklung ihrer Heroen mit
Sicherheit überhaupt nichts geben. Und genau diese Fans werden jetzt
in Scharen Halford zulaufen, denn ein Apache ist immer auf der Seite, wo
der Kampf ist. Das heißt, der glatzköpfige PRIEST-Ex-Frontmann
hat offenbar rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt und die hungrige
Meute in sein Lager gezogen. Seine Stamm-Combo scheint sich ins Abseits
zu klampfen. Mal sehen, was das Album bringt.
"Machine
Man"
JUB
LABYRINTH
„Sons Of Thunder“ 5
Metal Blade/SPV,
2000
Wenn man die
LABYRINTH-Scheibe „Sons Of Thunder“ in die Hände bekommt, spricht
erst einmal einiges für die Band. Sie kommen zum Beispiel aus Italien.
Dieses Land tut sich seit ein paar Jahren durchaus mit sehr brauchbaren
Heavy Metal-Acts hervor. Das Label nennt die Musik Speed Metal. Mmmh, welch
wohlklingendes Wort. Auch das Cover-Artwork hat etwas. Und dann ist da
schließlich noch das Konzept aus den Zeiten des französischen
Sonnenkönigs. Die dramatische Liebesgeschichte, die hier erzählt
wird, weiß zu gefallen. Wenigstens kein Phantasie-Gedünse. Allerdings
hat gerade Italien schon manche Müllband hervorgebracht, wird der
Begriff Speed Metal längst genauso achtlos dahingesagt wie „Zahlen
bitte!“ und offenbart das Booklet von LABYRINTH nach dem Durchblättern
doch einen reichlichen Stilistik-Wirrwarr. Allein an der Story gibt es
nichts zu deuteln.
„Sons Of
Thunder“
Und tatsächlich:
Unter Speed Metal verstand man vor 15 Jahren noch etwas völlig anderes.
Bei LABYRINTH gibt es solide Power Metal-Kost, garniert mit ein paar progressiven
Elementen. Die Arrangements der Stücke sind bestechend, wohl aber
hapert es manchmal an der Melodieführung.
„Rage Of
The King“
JUB
CSSO
„Are You Excrements?“ 9
Morbis Records/SPV,
2001
Jawoll, Clotted
Symmetric Sexual Organ, ein „verklebtes symmetrisches Sexualorgan“. Ein
Begriff, der als Bandname durchaus ungeeignet scheint. Als CSSO funktioniert
er allerdings prima.
„Worst“
Diese Band
ist soetwas von Kult, daß einem Angst und Bange werden könnte.
Die Bedeutung dieser Truppe dürfte allerdings jedem Menschen mit Gespür
für gute Musik sofort klar sein. Diese Japaner haben einen unverwechselbaren
Stilmix geprägt, der sie von allen anderen herumstreunenden Musik-Kapellen
abhebt: 70er Prog-Rock, Psychedelic, Grindcore, Bluesrock, Gitarrensoli
direkt von Omega (ungarische Space- und Heavy Rock-Band) entliehen. C.S.S.O.
sind die Dream Theatre des Grind sozusagen. Wer das 12-Minuten-Stück
„Living Dead A Go Go“ gehört hat, würde mit seinen Vergleichen
sogar noch weiter gehen.
„Living
Dead A Go Go“
Haben wir
hier etwa die Pink Floyd (natürlich mit Syd Barrett) des Grind? Unglaublich,
was sich die Schlitzaugen da erlauben. Und wer glaubt, ein Japaner müßte
ein wenig jungenhaft klingen, dem sei gesagt, daß auch in unseren
abgedrehten Kumpels im Land der aufgehenden Sonne Wildschweine und Grizzlybären
schlummern.
CSSO-Tonträger
lassen sich übrigens schwer sammeln. Ihre Veröffentlichungs-Strategie
ist leicht chaotisch und so erhebt folgende Liste natürlich keinen
Anspruch auf Vollständigkeit.
„Worst Comics“
- Split-EP mit Dead Infection
„Clitto’s
Special Hits, Cover ‘99“ - Split-EP mit Mastic Scum
„Excreations
‘93-’97 For Beginners“ - Split-Tape mit Haimorith
„4.04 Minutes
Of Lazy Scum Dogma“ - Split-Tape mit Congenital Haemorrhoids
„Nagrö
Läuxes VIII“ - CD
Abgedreht,
nicht wahr. Alles zusammen offenbart eine Band, die irgendwo zwischen Genie
und Wahnsinn rastlos durch die brechend vollen Straßen rast. Nehmt
Euch Zeit für diese Musik und Ihr haltet am Ende genau wie ich „Cosmic
Super Strong Ordure“ für einen Smash-Hit.
„Cosmic
Super Strong Ordure“
JUB
BORKNAGAR
"Quintessence" 8
Century Media/Magic
Arts Publishing, 2000
Weil heute
Dein Geburtstag ist, da habe ich gedacht - ich spiel mal was. Genau ein
Jahr gibt es die CD schon und fand doch tatsächlich noch nicht einmal
den Weg in unsere Sendung. Dabei gehört sie doch mit Sicherheit zu
den Black Metal-Highlights des vergangenen Jahres. BORKNAGAR schaffen seit
1996 etwas, was vielen anderen Truppen abgeht: Sie liefern beständig
qualitativ Hochwertiges. So auch im Falle von "Quintessence". Die Produktion
hat Kraft, die Melodien sind sehr eingängig, die Gestaltung der Stücke
ist zum Teil aufregend, die Musiker verstehen sämtlichst ihr Handwerk.
Vielleicht
ist der Sound insgesamt ein wenig zu aufgeblasen, das ist allerdings Zeitgeist
und wird 'ner Menge Black Metal-Fans wohlig in den Ohren klingen.
"Colossus"
JUB
DUNKELGRAFEN
"Triumph des Fleisches" 3
Last Episode/Connected,
2001
Wenn es sich
bei DUNKELGRAFEN um eine unbedarfte Newcomer-Band handeln würde, hätte
"Triumph des Fleisches" etwas Sympathisches, ja Rührendes. Allerdings
steht diese ostdeutsche Gruppe seit Jahren mit beiden Beinen im Black Metal-Underground,
was eine gewisse Reife sugeriert. Davon kann bei dieser CD aber nicht die
Rede sein. Instrumetal wirken die Songs ungeschickt und die Gesangsparts
scheinen aus einem kompositorischen Unvermögen heraus lediglich drübergelegt
zu sein. Die Band spielt und der Shouter erzählt etwas. Da war der
Vorgänger "Baphomet's Aeon" besser. Warum DUNKELGRAFEN plötzlich
wieder so steif agieren, ist mir ein Rätsel. Erst recht, da die Band
live durchaus zu beeindrucken weiß.
"Entsagung"
JUB
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