An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 29. Mai 2001


JUDAS PRIEST „Machine Man“ 3
Priest Music/SPV, 2001

Judas Priest - Machine Man

Nach Rob Halfords Comeback waren JUDAS PRIEST definitiv im Zugzwang. Ob sie allerdings mit dieser Musik, wie sie auf der „Machine Man“-Maxi zu hören ist, olle Robbi das Wasser reichen können, ist eher unwahrscheinlich.  Diese verdammten New Metal-Einflüsse sind einfach nicht zu überhören, auch wenn sich die alten Priester beim Titelsong der Single noch echt Mühe geben, die Kurve zum PRIEST-typischen Stil zu kriegen.
Sei es wie es sei. Die PRIEST-Gemeinde besteht nun mal aus einer gehörigen Anzahl betagter Heavy Metal-Herren, die es mit dieser Band unter Umständen schon vor 25 Jahren hielten, denen wird die Entwicklung ihrer Heroen mit Sicherheit überhaupt nichts geben. Und genau diese Fans werden jetzt in Scharen Halford zulaufen, denn ein Apache ist immer auf der Seite, wo der Kampf ist. Das heißt, der glatzköpfige PRIEST-Ex-Frontmann hat offenbar rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt und die hungrige Meute in sein Lager gezogen. Seine Stamm-Combo scheint sich ins Abseits zu klampfen. Mal sehen, was das Album bringt.
"Machine Man"

JUB

LABYRINTH „Sons Of Thunder“ 5
Metal Blade/SPV, 2000

Labyrinth - Sons Of Thunder

Wenn man die LABYRINTH-Scheibe „Sons Of Thunder“ in die Hände bekommt, spricht erst einmal einiges für die Band. Sie kommen zum Beispiel aus Italien. Dieses Land tut sich seit ein paar Jahren durchaus mit sehr brauchbaren Heavy Metal-Acts hervor. Das Label nennt die Musik Speed Metal. Mmmh, welch wohlklingendes Wort. Auch das Cover-Artwork hat etwas. Und dann ist da schließlich noch das Konzept aus den Zeiten des französischen Sonnenkönigs. Die dramatische Liebesgeschichte, die hier erzählt wird, weiß zu gefallen. Wenigstens kein Phantasie-Gedünse. Allerdings hat gerade Italien schon manche Müllband hervorgebracht, wird der Begriff Speed Metal längst genauso achtlos dahingesagt wie „Zahlen bitte!“ und offenbart das Booklet von LABYRINTH nach dem Durchblättern doch einen reichlichen Stilistik-Wirrwarr. Allein an der Story gibt es nichts zu deuteln.
„Sons Of Thunder“
Und tatsächlich: Unter Speed Metal verstand man vor 15 Jahren noch etwas völlig anderes. Bei LABYRINTH gibt es solide Power Metal-Kost, garniert mit ein paar progressiven Elementen. Die Arrangements der Stücke sind bestechend, wohl aber hapert es manchmal an der Melodieführung. 
„Rage Of The King“

JUB

CSSO „Are You Excrements?“ 9
Morbis Records/SPV, 2001

CSSO - Are You Excrements?

Jawoll, Clotted Symmetric Sexual Organ, ein „verklebtes symmetrisches Sexualorgan“. Ein Begriff, der als Bandname durchaus ungeeignet scheint. Als CSSO funktioniert er allerdings prima.
„Worst“
Diese Band ist soetwas von Kult, daß einem Angst und Bange werden könnte. Die Bedeutung dieser Truppe dürfte allerdings jedem Menschen mit Gespür für gute Musik sofort klar sein. Diese Japaner haben einen unverwechselbaren Stilmix geprägt, der sie von allen anderen herumstreunenden Musik-Kapellen abhebt: 70er Prog-Rock, Psychedelic, Grindcore, Bluesrock, Gitarrensoli direkt von Omega (ungarische Space- und Heavy Rock-Band) entliehen. C.S.S.O. sind die Dream Theatre des Grind sozusagen. Wer das 12-Minuten-Stück „Living Dead A Go Go“ gehört hat, würde mit seinen Vergleichen sogar noch weiter gehen.
„Living Dead A Go Go“
Haben wir hier etwa die Pink Floyd (natürlich mit Syd Barrett) des Grind? Unglaublich, was sich die Schlitzaugen da erlauben. Und wer glaubt, ein Japaner müßte ein wenig jungenhaft klingen, dem sei gesagt, daß auch in unseren abgedrehten Kumpels im Land der aufgehenden Sonne Wildschweine und Grizzlybären schlummern.
CSSO-Tonträger lassen sich übrigens schwer sammeln. Ihre Veröffentlichungs-Strategie ist leicht chaotisch und so erhebt folgende Liste natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
„Worst Comics“ - Split-EP mit Dead Infection
„Clitto’s Special Hits, Cover ‘99“ - Split-EP mit Mastic Scum
„Excreations ‘93-’97 For Beginners“ - Split-Tape mit Haimorith
„4.04 Minutes Of Lazy Scum Dogma“ - Split-Tape mit Congenital Haemorrhoids
„Nagrö Läuxes VIII“ - CD
Abgedreht, nicht wahr. Alles zusammen offenbart eine Band, die irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn rastlos durch die brechend vollen Straßen rast. Nehmt Euch Zeit für diese Musik und Ihr haltet am Ende genau wie ich „Cosmic Super Strong Ordure“ für einen Smash-Hit.
„Cosmic Super Strong Ordure“

JUB

BORKNAGAR "Quintessence" 8
Century Media/Magic Arts Publishing, 2000

Borknagar - Quintessence

Weil heute Dein Geburtstag ist, da habe ich gedacht - ich spiel mal was. Genau ein Jahr gibt es die CD schon und fand doch tatsächlich noch nicht einmal den Weg in unsere Sendung. Dabei gehört sie doch mit Sicherheit zu den Black Metal-Highlights des vergangenen Jahres. BORKNAGAR schaffen seit 1996 etwas, was vielen anderen Truppen abgeht: Sie liefern beständig qualitativ Hochwertiges. So auch im Falle von "Quintessence". Die Produktion hat Kraft, die Melodien sind sehr eingängig, die Gestaltung der Stücke ist zum Teil aufregend, die Musiker verstehen sämtlichst ihr Handwerk.
Vielleicht ist der Sound insgesamt ein wenig zu aufgeblasen, das ist allerdings Zeitgeist und wird 'ner Menge Black Metal-Fans wohlig in den Ohren klingen.
"Colossus"

JUB

DUNKELGRAFEN "Triumph des Fleisches" 3
Last Episode/Connected, 2001

Dunkelgrafen - Triumph des Fleisches

Wenn es sich bei DUNKELGRAFEN um eine unbedarfte Newcomer-Band handeln würde, hätte "Triumph des Fleisches" etwas Sympathisches, ja Rührendes. Allerdings steht diese ostdeutsche Gruppe seit Jahren mit beiden Beinen im Black Metal-Underground, was eine gewisse Reife sugeriert. Davon kann bei dieser CD aber nicht die Rede sein. Instrumetal wirken die Songs ungeschickt und die Gesangsparts scheinen aus einem kompositorischen Unvermögen heraus lediglich drübergelegt zu sein. Die Band spielt und der Shouter erzählt etwas. Da war der Vorgänger "Baphomet's Aeon" besser. Warum DUNKELGRAFEN plötzlich wieder so steif agieren, ist mir ein Rätsel. Erst recht, da die Band live durchaus zu beeindrucken weiß.
"Entsagung"

JUB
[vor][zurück]