An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 29. Juli 2003


BROKE "Partygrooves" 6
Eigenprod., Lifeguard Entertainment, 2000

Broke - Bandfoto

Um vollkommen in den Partygrooves der Band BROKE aufzugehen, müßte man eine stark ausgeprägte Vorliebe für New Metal/Crossover mitbringen. Bei dieser Gewöhnungsschwierigkeit kommt einem die Band jedoch ein Stückchen entgegen, da sie weitestgehend auf Gescratche verzichten. Die sieben Eigenkompositionen plus Überraschungsstück werden zielsicher und mit dem Gespür für das Wesentliche herruntergezockt. Leute, die Musik bevorzugt bei Springseilaktivitäten hören, sollte "Partygrooves" gut runtergehen. Meine Favoriten sind definitiv "Had To Hear" und "One With Heaven". Ersterer ist mit einer verdammt geilen Melodie ausgestattet und hätte auch aus der Feder von Papa Roach stammen können. Sehr geil auch deswegen, weil BROKE hier völlig auf "Jump-da-fukk-up" verzichten. "One With Heaven" tönt eher melancholisch aus den Boxen und will nicht so recht ins Party-Konzept passen. Ist aber nicht zuletzt deswegen ein packendes Stück mit deutlich Metal-lastigerer Instrumentierung. Die Melodie würde auch Life Of Agonys "Ugly" zur Ehre gereichen. Hier fällt besonders der hochwertige Gesang auf. Gute Band mit guter CD.
"Had To Hear"

THOMAS

INVICTUS "Black Heart" 6
LMP/SPV, 2003

Invictus - Black Heart

Das Leben ist manchmal schon sehr ungerecht. "Black Heart" ist das dritte Album der Franzosen von INVICTUS. Die 1996 unter dem etwas suspekten Namen Quark 7 gegründete Band spielt einen recht gutklassigen Heavy Metal mit starker 80er-Jahre-Prägung. Dabei durchlaufen die Lieder die gesamte Bandbreite von dem, was heutzutage als Power Metal verkauft wird. Mal gibt es Progressivrhythmen, mal treibende Metalkracher mit eingängigen Melodien vom Faß, und dann haben sie viele symphonische Momente. Wie etwa bei "Depression Part 1" und "Depression Part 2", bei denen Beethovens "Freude schöner Götterfunken" adaptiert wird. Dabei kommt die Heavyness nicht zu kurz. Die Klampfen braten recht ordentlich, und Sänger Frederic Glo hat eine angenehm kräftige Röhre, die nicht selten an eine Mischung aus Zak Stevens (Ex-Savatage, Circle II Circle) und Ville Laihialla (Sentenced) erinnert.
Eigentlich gute Vorraussetzungen, um sich eine große Anhängerschaft zu erspielen. Wären da nicht die ca. 20 000 anderen Bands, die genau dasselbe machen. Manche besser, Virgin Steele etwa, und manche schlechter. Wozu man mittlerweile ruhigen Gewissens Stratovarius zählen kann. Aber ob besser oder schlechter, ihnen allen wird auf Garantie mehr Aufmerksamkeit zu Teil werden. Um ähnliches Aufsehen zu erregen, kommen INVICTUS einfach ein paar Jahre zu spät. Die Leute sind mit solcher Art von Musik bestens versorgt, als daß die Franzmänner mit einer "nur" guten Platte nun alle Blicke auf sich ziehen könnten. Heute verbucht man solche Platten eher unter "ferner liefen". Wie gesagt, das Leben ist manchmal schon ungerecht.
"The Strongest"

THOMAS

CROSS X "Negative Words" 4
Eigenproduktion, 2001

Cross X - Negative Words

Die Band existiert seit 1997 und hat sich dem Hardcore/Crossover verschrieben. Allerdings hat die Band eine eigene Definition, wie Hardcore zu klingen hat. Von Aggro Riffs und kernigem Schlagzeug halten sie nicht viel. Statt dessen plängelt der Baß unentschlossen vor sich hin und wird mit einigen Standardriffs auf der Gitarre zu einem drögen Einheitsbrei vermengt. Sick Of Society Drummer Oli Kast bemüht sich den Kompositionen mit teils jazzigen, teils mit halber Kraft gespielten Grooves anzugleichen. Nur selten kommt wirklich Hardcore Feeling auf. "Paranoid" oder "Bull Eye" etwa gehören zu den besseren Songs der Scheibe. Hier lassen die Drei ordentlich den Hammer kreisen. Diese Momente sind jedoch eher die Seltenheit. Auf "Negative Words" regieren meistens die Vorhersehbarkeit und die Lahmarschigkeit. Gequält klingender Clean Gesang und viel zu viele unverzerrte Gitarren rauben jedweden Biß. Beim Balladenversuch "Driftin´Away" läßt sich definitiv der Tiefpunkt der Scheibe ausmachen. Eine gehörige Portion Feuer mehr im Arsch würde der Band hervorragend zu Gesicht stehen. Bis dahin vier Punkte.
"Paranoid"

THOMAS

HELLOWEEN "Rabbit Don’t Come Easy" 9
Nuclear Blast, 2003

Helloween - Rabbit Don’t Come Easy

Das mittlerweile zehnte Studioalbum der Hanseaten läßt den Hörer mit einem überraschten Blick im Sessel zurück. Denn die Kürbisse warten mit dem stärksten Songmaterial seit langem auf. Mit Mikkey Dee konnten sie einen erstklassigen Gastschlagzeuger verpflichten. Der Motörhead-Drummer verpaßt Helloweens Kompositionen den nötigen Wumms. Allein die Bassdrums und Snarewirbel lassen die Songs recht bissig klingen. Dazu kommt, daß Neuzugang Sascha Gerstner seinem Chef, dem Weik, gitarrentechnisch in nichts nachsteht, und so liefern die sich gegenseitig anstachelnden Saitenkönner ein Duell nach dem anderen. Auch bei den Riffs scheinen sie auszuloten, wo die Grenzen des Anderen liegen.
Im Fall HELLOWEEN kann man beim Besetzungswechsel also getrost vom Einbringen frischen Blutes reden.
Basser Grosskopf hat seinem Instrument einen Sound zurechtgebastelt, der andere Bassisten vor Neid erblassen läßt, und daß Andi Deris’ Stimme aus dem HELLOWEEN-Gesamtsound nicht mehr wegzudenken ist, hätte vor Jahren auch keiner zu träumen gewagt. Obwohl die eine oder andere Gesangsmelodie einen zuerst kopfschüttelnd (nicht headbangend) auf die Anlage starren läßt. "Just A Little Sign", der Album-Opener kommt gleich mit einem einfältig klingenden Refrain daher, den ich eher einer HELLOWEEN-Kopie zugetraut hätte. Besser wird es mit dem von Gerstner komponierten Stück "Open Your Life", in dem gar einige Stratovarius/Rhapsody-Einsprengsel auftauchen. Das jedoch nur am Rande. Hier macht nach einigen Durchläufen alles Sinn, und auch der Gesang weiß zu gefallen. "The Tune" klingt, als hätten HELLOWEEN den Song von Gamma Ray abgekauft. Jedoch ist eben dieses Stück für mich das stärkste auf dem Album. Zügig galoppiert es voran. Mikkey Dee trommelt in Bestform, und in Gedanken hört man Kai Hansen den Song singen. Hier sind sie wieder, die Gitarrenduelle. Halsbrecherisch und doch songdienlich. Den packendsten Refrain liefern die Hamburger mit "Never Be A Star" ab. Der mit Publikumsjubel unterlegte Midtempo-Stampfer läßt dann den Knoten im Kopf platzen. Die anfängliche Übersättigung mit dieser Art von Musik welche "Rabbit Don’t Come Easy" als ein weiteres Tralala-Kinderlied-Metalalbum erscheinen ließ, weicht schlagartig der Erkenntnis, daß hier eben keine Möchtegerns oder Nachahmer am Werke sind, sondern die Meister höchstpersönlich. Keine Band aus dem Rattenschwanz derer, die HELLOWEEN oder auch Gamma Ray hinter sich herziehen, wäre im Stande, solch eine Atmosphäre zu erzeugen wie die Originale in diesem Lied. Klar die glorreichen "Walls Of Jericho"-Zeiten sind für immer vorbei. Und auch nicht jedes Album der Nordlichter war ein Grund zum Freudentanz. Aber die personelle Veränderung kam der Kreativität der Band zugute. So haben sie mit "Rabbit Don´t Come Easy" eines ihrer besten Alben im Gepäck. 
"Just A Little Sign"

THOMAS

SYPER FORCE "The Heavy Power Metal Era 1993-1999" 8
Eigenproduktion, 1999

Syper Force - The Heavy Power Metal Era 1993-1999

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele bedeutungslose Bands sich im Mainstream tummeln und sich konstanter Beliebtheit erfreuen und im Gegenzug mindestens genauso viele Bands mit einer eindeutigen Vision im Kopf und mit ehrgeizigen Charakteren ausgestattet in den Untiefen des Undergrounds ein erschwerliches Dasein fristen müssen. Dazu gehören auch Andy Sypers SYPER FORCE. Der gebürtige Pole mit Berliner Wohnsitz ist ein mit ausgeprägtem Ego versehener Heavy Metal-Idealist. SYPER FORCE existieren nun schon seit 1992 und bestehen derzeit aus einem rein polnischen Line Up. Die Band veröffentlichte in ihrer elfjährigen Karriere bisher die recht kultig betitelten "Metal Musketeer"(`95), "Heavy Metal Party Zone"(`97) CDs sowie eine "Klajstrophobia"(`99) betitelte EP und einen Videoclip zu "Heavy Metal Party Zone". Nun liegt mit "The Heavy Power Metal Era 1993-1999" eine Art "Best-Of"-Album vor. Die Band spielt einen von den alten Bay-Area-Legenden beeinflußten Thrash Metal mit einigen ungewöhnlichen Ideen angereichert. So gibt es auch eine Metal-Polka zu hören. Sypers Stimme funktioniert hervorragend zum bissigen Thrash als auch zu Balladen mit Akustikgitarren. Die mit einem transparenten Sound ausgestattete CDR bietet virtuose Leadgitarren mit Gänsehautfaktor wie bei "Cemetary Silence", Gruselintros ("Horroryzont") als auch Obskures, etwa "Syper Force Rock´n´Roll". Ein rockiges Thema wird kurz angespielt und schnell wieder ausgeblendet. Sowie die Kombination aus englischen und polnischen Texten. Interessante Band.
"Symphony Of Fire"

THOMAS

SYPER FORCE "EP 2002" 4
Eigenprouktion., 2002

Der Blitz Ellsworth-Lookalike Andy Syper schlägt erneut zu. Diesmal mit brandneuem Material.
Allerdings ist auch hier der Obskuritäten-Faktor sehr hoch. Die sechs Stücke der EP beinhalten mit "Millendium" (kein Tippfehler) ein reguläres Stück im Midtempo-Gewand mit interessanten Stereoeffekten versehen und mit Hubschraubersamples unterlegt. Dann folgt eine Ehrerbietung an Annihilator, welche mit "Set The World On Fire" gecovert werden. Hier stößt Syper an seine stimmlichen Grenzen. Die hohen Schreie sind dennoch sehr geil. Eine "Metal Party Mix"-Version des selben Stückes schließt sich an und unterscheidet sich von der normal Version lediglich durch kürzere Spielzeit und das Auflegen eines zweimal auftauchenden Effekts, der die Instrumente kurz verzerrt. Naja...  Dann folgt der akustische Teil der CD. Nummer Vier ist eine Ballade mit polnischem Text, der in deutschen Ohren sehr drollig klingt. "Requiem" plätschert am Hörer vorbei und der Rausschmeißer, "Syper Force-Prelude", ist leider auch kein Highlight.
Alles in Allem ist diese EP nicht so prall. Um den Namen SYPER FORCE im Gespräch zu halten, ist die CD sicherlich kein perfektes Mittel. Legitim ist die Idee jedoch allemal. Ich empfehle Euch jedoch "The Heavy Power Metal Era 1993-1999", um Euch mit SYPER FORCE vertraut zu machen.
"Set The World On Fire"

THOMAS

CHARGER "Confessions Of A Man (Mad Enough To Live Among Beasts)“ 7
Peaceville/SPV, 2003

Charger - Confessions Of A Man (Mad Enough To Live Among Beasts)

Wenn präzise Geschwindigkeitsattacken, klarer Gesang oder freundliche Melodien für Euch das Maß aller Dinge sind, könnt Ihr getrost zum nächsten Review weiterscrollen. Denn CHARGER aus dem Vereinigten Königreich spielen asozialsten Sludgecore/Doom. Dabei klingen sie wie ein behindertes Frühchen, welches von einem der Crowbar-Kolosse im Tobsuchtsanfall aus dem alkoholkranken Leib von Eyehategod gedroschen wurde. Dreckig, laut und verhaltensgestört. Völlig kaputtes Geriffe wälzt sich über das hysterische Gebrüll eines Typen, der seit ca. 37 Stunden mit Arschtritten, Verhöhnungen und dem Besprenkeln von Urin vom Schlafen abgehalten wird. Jeder Drumbeat wird so geschlagen, als ob der Schlagzeuger seinem Kit den Rest geben möchte. Verzerrungen und Feedback werden zu Heiligtümern erklärt, und so manches Mal glaubt man, daß die Band zum Pissen den Proberaum nicht verläßt, sondern sich gegenseitig in die Amps seicht, um einen räudigen Sound hinzubekommen. Ich muß jetzt aufhören, denn ich bekomme gerade einen tierischen Bock, mich zu prügeln. Bis bald.
"Airtank Face Pincers"

THOMAS

NEURAXIS "Truth Beyond..." 9
Morbid Rec./SPV, 2003

Neuraxis - Truth Beyond...

Wenn man sich die kanadische Death Metal-Szene anschaut, fällt auf, daß die meisten Bands es nicht so sehr mit Straight-Forward-Musik haben. Egal ob Kataklysm, Cryptopsy, Goreguts oder nun auch NEURAXIS: der Zwang, fast schon jazzige Figuren spielen zu müssen, ist sehr stark ausgeprägt. Daß das deswegen so ist, um den amerikanischen Marktführern, wenn schon nicht verkaufstechnisch dann wenigstens in musikalischer Hinsicht, den Rang abzulaufen, ist nur eine nicht bestätigte Theorie. Fakt hingegen ist, daß NEURAXIS neben verquerem Progressiv-Geschrote auch sehr eingängige Momente in ihrer Musik haben, die auch Power Metal-Fans ansprechen könnten: Doppelläufige Leadgitarren spielen klassische Harmonien, die auch hätten von Judas Priest stammen können. Auch driften die Kanadier nie ins heillose Chaos ab und hinterlassen im Kopf des Hörers Trümmerlandschaften. Songdienlichkeit ist hier das A und O. "Mutiny" oder "Neurasthenic" sind hier die besten Beispiele. Wem Goreguts zu konfus sind, Cannibal Corpse zu langweilig und Gorefest zu rockig, der kann bei NEURAXIS sein Seelenheil finden.
"Truth Beyond Recognitition ..."

THOMAS

NO SISSY STUFF "Last Poem" 6
Eigenproduktion/Liveguard Entertainment, 2000

No Sissy Stuff - Last Poem

Die aus dem Raum Koblenz stammende Band legt mit "Last Poem" ihren CD-Einstand vor. Grob über den Daumen gepeilt, könnte man die Musik als Schnittmenge aus rauhem Heavy Metal mit Thrash-Anleihen bezeichnen. Heavy Metal aber nicht im Sinne von Manowar und Thrash nicht im Sinne von Slayer. Denn die Stücke haben teilweise einen leicht melancholischen Unterton, ohne jedoch depressiv zu klingen. Das macht sich vor allem im ersten Teil der CD bemerkbar. Dort kann man auch noch ein paar songschreiberische Unsicherheiten ausmachen. NO SISSY STUFF haben ihren ureigenen Stil noch nicht ganz gefunden. Sind aber auf dem besten Wege dahin, wie der zweite Teil der CD beweist. Die Stücke "Shining", "Trains" und "Dark Side" kommen schon wesentlich entschlossener rüber. "Shining" etwa ist ein Uptempo-Knaller mit teils sauberem Gesang und herben Death Metal-Grunzern. Hier verschwindet auch jegliche Melancholie und macht der guten Laune Platz. "Trains"  mit seinen Tempowechseln und den häufigen Breaks erinnert auf Grund der Melodieführung und den klasse Leads nicht selten an die leider zu früh aufgelösten Depressive Age. Das klassischste Metalstück ist hingegen "Dark Sides". Mit "Last Poem" haben die Ladies von NO SISSY STUFF zwar noch nicht ihre Meisterleistung abgelegt, lassen jedoch erahnen, daß hier noch einiges auf uns zu kommt. Ich bin gespannt.
"Last Poem"

THOMAS

DEATH REALITY "Flesh Still Feeds" 9
Remission Rec., 2002

Death Reality - Flesh Still Feeds

DEATH REALITY die Zweite. War der Erstling schon ein ziemlicher Hammer, so konnten sich die Deutschen mit "Flesh Still Feeds" noch einen Ticken steigern. Die druckvoll produzierten Death Metal-Granaten sind mit mehr Detail-Verliebtheit gespickt als noch auf dem Vorgänger, "Blasphemous Bleeding". "Defiled Virginity" etwa wartet mit cleveren Tempo- und Taktwechseln auf, die auch Cannibal Corpse sich nicht besser hätten ausdenken können. Zwar erfinden DEATH REALITY das Rad nicht neu, aber in den Grenzen des Genres bewegen sie sich mit traumwandlerischer Sicherheit. Die fies schmirgelnden Riffs werden anscheinend einem strengen Auswahlverfahren unterzogen, bevor sie als geeignet eingestuft werden. Kein einziges Lied auf der Scheibe ist lasch oder dröge. Allerdings sind die Texte schon ganz anderer Natur. Zwar passen die Splatterallgemeinplätze ganz gut zur Musik, aber nüchtern betrachtet sind sie ein etwas hüftlahmer Aufguß alter Autopsy-Glanztaten. Splatter und Gore sind sehr geil. Aber nur mit entsprechenden Ideen wird daraus etwas Besonderes. Der Klasse der Musik tut das aber in keinster Weise Abbruch. Abgerundet wird dieses Kleinod mit einer Coverversion vom Obituary-Klassiker  "Threatening Skies". 
"A Colder Ejaculation"

THOMAS

SICK OF SOCIETY "Porn'N'Roll Forever" 8
Eigenproduktion, 2001

SICK OF SOCIETY - Porn'N'Roll Forever

Eine recht sympathische Scheibe haben SICK OF SOCIETY da aufgenommen. Denn an dem Teil werden sich die Straight Edge PC Verfechter in der Hardcoreszene stoßen, daß ihnen das X von der Hand bröckelt. Im Gegensatz zu den verbissenen Weltverbesserern mit den aufklärenden Textansprüchen, rocken S.O.S. quietschvergnügt daher und haben dennoch genügend akkustische Arschtritte parat, um nicht nur als schlaffe Lachsäcke dazustehen. "Sick Of.." ist zum Beispiel so ein Schädelspalter. "Cruisin" etwa wird mit den neckischen Geräuschen einer Ratsche aufgepeppt. "Verna-(The) Mind Opener" kommt mit Ska-Versatzstücken daher und endet mit "Give me Porn'n'Roll/give me alkohol!". Spätestens jetzt kommen Shelter-Fans die Dinkelgrützemahlzeiten wieder hoch, und der Partyhengst freut sich. Auch über das NoFX Cover "Lousie" und "I Don't Wanna Live Forever" von Brian Adams (!). Ein herrlicher Punkrocker mit geilem Singalong ist "Pornified". Und nach dem Stück steht fest, "Porn'n'Roll" wird hiernach bei der nächsten Party zur Dauerrotation verdammt. Daß zu den Aufnahmen der CD nur ein Drumcomputer einsatzbereit war, ist zwar nicht sehr Rock'n'Roll, stört aber auch kaum. Das Soundgewand der neuen und der neu aufgenommenen alten Stücke ist druckvoll und klar. Immerhin saßen auch keine Anfänger hinter den Reglern, sondern u.a. Bastian Herzog, seines Zeichens Fleshcrawl-Chef. Wer also auf Hardcore ohne Zeigefinger- und harter-Mann-Attitüde steht, und auch nicht zu "Tough" zum Feiern ist, kann bei "Porn'n'Roll" bedenkenlos zugreifen. www.sickofsociety.de
"Sick Of..."

THOMAS

EKPYROSIS "After War" 7
Mausoleum Rec./Music Avenue, 2002

Ekpyrosis - After War

Das Cover der CD suggeriert dem uneingeweihten Hörer, daß er es hier mit einer klischeebehafteten True Metal-Band zu tun hat. Eine Horde mit Äxten, Schilden und Speeren bewaffneter Muskel-Trolle schickt sich an, eine Burg zu stürmen. Doch wer jetzt Eunuchengeschrei, Galloppeldrums und "Ohoho"-Heldenchöre erwartet, liegt falsch. Die Österreicher spielen auf ihrem dritten Langeisen eine recht modern klingende Variante des Heavy Metal.
EKPYROSIS haben nun schon 13 Jahre Band-Erfahrung auf dem Buckel, ohne jedoch so richtig aus dem Quark zu kommen. Dabei ist die Musik des Quintetts gar nicht so übel. Vielmehr noch, man kann sie schlecht auf Anhieb mit irgend einer ähnlich klingenden Band vergleichen. Diese Eigenständigkeit suchen viele der heutigen Bands vergeblich. Am ehesten kommt "After War" an den einst sogenannten Techno Thrash heran. Wobei Techno von Technik im progressiven Sinne verstanden werden wollte. Lange bevor die schwulen Bumbumkasperhorden in den Tanzklubs ganz groß angesagt waren. Eine Bewegung also, zu der man Bands wie Coroner, Anacrusis, Depressive Age, Endachziger-VoiVod oder meinetwegen auch Mekong Delta zählte. Ebenso gegen den Strich gebürstet klingen die selten unter sechs Minuten langen Kompositionen von EKPYROSIS. Die meist zähflüssig bis mittelschnellen Stücke zeichnen sich durch einen fast schon hypnotischen Stakkato-Rhythmus der Gitarren aus, die von Keyboards begleitet werden, die mal nach Billigkaufhaus, und wenige Augenblicke später auch mal symphonisch bedrohlich klingen. Eine Kombination, die mit den sich erst nach drei Durchläufen so richtig entfaltenden Gesangsmelodien zwar ungewöhnlich klingt, aber durchaus seine Reize hat. Wenn man zum Beispiel das Stück "Miss World", ein Lied über Drogenmißbrauch, hört, kann Dich schon mal das Gefühl beschleichen, selbst ziemlich steif zu sein. Völlig kaputte, wabernde Keyboardsounds und ein kautziger, sich einem Chamäleon gleich, stetig wandelnder Drumbeat gaukeln eine fast authentische Illusion vor. Musiker vor dem Herrn sind die Ösis allemal. Das muß man ihnen lassen. Allerdings muß man sich für "After War" ordentlich Zeit nehmen. Denn die steten Breaks und Wechsel der Rhythmen können einem Nebenbei-Musikhörer schon nach der halben Spielzeit die Nerven sezieren. Dennoch, interessante Platte. 
"Listen"

THOMAS

ARBOR IRA "Ohne Welt und Aber" 8
Eigenproduktion,

ARBOR IRA - Ohne Welt und Aber

"Mir geht es wunderbar. Es fehlt mir an nichts, ich habe einen Fernseher." säuselt eine Frauenstimme, die klingt, als wäre sie mit sich selbst im Reinen, als Intro der "Ohne Welt und Aber"-CD. Das mag zwar witzig klingen, ist aber nichts weiter als eine hervorragende Zusammenfassung des Besorgnis erregenden Zustandes vieler Konsumentenhirne. Dementsprechend pessimistisch klingt die Musik ARBOR IRAs. Tristess verbreitend schleppen sich die Gitarren in etwaiger Saint Vitus/My Dying Bride-Manier durch die acht Stücke der CD. Dazu brauchen sie nicht notwendigerweise viele ausgefeielte Riffmassaker. Es genügt, wie in "She...Away" minimalistisch ein paar Griffe abzurutschen, um das Gefühl von seelischer Blässe zu vermitteln. Ja, zweifellos gehört der Doom zu der ganz großen Leidenschaft der Deutschen. In "Why We Do Not Fly" lassen sie dieser Passion so richtig Freiraum. Das Stück bietet in seinen guten zwanzig Minuten reiner Spielzeit alles, was das Doomherz zum Stillstehen bringt: primitive aber nicht weniger effektvolle Themen, die einem gaaanz langsam mitbangen lassen, verzweifelter Klagegesang und kaputtes Gekreische, bleierne Schwere im Groove und herzzerschneidende Melodien. Sehr geil. Doch allem Doom zum Trotze packen ABOR IRA von Zeit zu Zeit doch schon mal den Hammer aus und prügeln in atemnehmenden Midtempo Death und leichten Black Metal Zitaten in die Ohren des geneigten Hörers. Alles in allem also eine bekömmliche Mixtur. Wohl dosiert und solide gespielt. Feine CD. www.arbor-ira.de
"She...Away"

THOMAS

THE FALLEN "Front Toward Enemy" 7
Metal Blade, 2002

THE FALLEN - Front Toward Enemy

Ach du Scheiße, haben Metal Blade unter dem Namen THE FALLEN die nie veröffentlichte, heimliche Nachfolge-LP von Atrocitys "Todessehnsucht" veröffentlicht? Die Vocals des THE FALLEN-Frontmannes klingen fast identisch mit der Stimme von Alexander Krull zu "Blut"-Zeiten. Tief und kehlig, aber auch mit starkem Hardcore Einschlag. Selbst die Phrasierungen und Gesangslinien kommen einem wie das fehlende Glied in der Atrocity-Historie vor. Verblüffenderweise könnten auch die meisten der Riffs von "Front Toward Enemy" von den Ludwigsburgern stammen. Sind THE FALLEN also eine Band von ideenlosen Nachahmern oder entspringen die Atrocity-Vergleiche dem Wunschdenken des Rezensenten? Weder, noch. Zum einen war der Einfluß Atrocitys auf die damalige Death Metal-Szene eher bescheiden, als daß sich junge Bands mit deren Sound bessere Chancen auf dem Markt ausrechnen könnten. Zum anderen sind auf "Front Toward Enemy" genug eigene starke Einflüsse und Ideen zu hören, als daß man hier von einer dreisten Kopie sprechen könnte. THE FALLEN verschneiden den Groove des von Rap befreiten Hardcores mit dem Druck des Death Metal-Sounds und kreieren so ihre eigene bullige Musikvariante die auch vor zeitweise eingestreuten Gitarrensolos keine Berührungsängste hat. Mit andauernder Spielzeit verflüchtigen sich auch die Atrocity-Reminiszenzen. Im gleichen Maße fällt aber auch auf, daß THE FALLEN, einiger starker Songs zum Trotze, den einen oder anderen Füller mit aufs Album gepackt haben. Das schmälert den ansonsten positiven Gesamteindruck ein wenig, sollte Euch aber nicht davon abhalten, im Plattenladen mal ein Ohr zu riskieren. Denn ein ordentliches Brett wissen THE FALLEN dennoch zu fahren. Hört Euch am besten zum Einstieg die letzten beiden Stücke "From Fragile To Strenght", ein knapp einminütiges, packendes Akkustikstück, und "Eleven Years", die ordentliche Tracht Prügel, an.
"Killswitch"

THOMAS

JOHN WEST "Earth Maker" 9
Frontiers/Point Music, 2002

John West - Earth Maker

All Star-Projekte sind auf Frontiers Records ja absolut keine Seltenheit. Eher, daß genau diese schon beim ersten Song den Hörer fesseln, ja ihn sogar plätten. Doch hübsch der Reihe nach. "Earth Maker" ist in erster Linie das dritte Soloalbum des seit einiger Zeit fest bei Royal Hunt eingestiegenen amerikanischen Sängers John West. Der All Star-Charakter entsteht durch die Hinzunahme solcher Virtuosen wie etwa Chris Caffery (Savatage), Bobby Jarzombek (Watchtower, Halford) sowie Vitalij Kuprij und Andre Andersen, beide Royal Hunt, um nur einige zu nennen. Entgegen aller Erwartungen sind es nicht in erster Linie die instrumentalen Fähigkeiten der Musiker, die einen völlig apathisch vor den Boxen stehen lassen. Nein vielmehr die meisterhaft ausarrangierten Songs wissen zu fesseln. Obwohl es ein West-Soloalbum ist, die Handschrift Cafferys ist nur allzu deutlich. Wenn "Stand, Sentinal" nicht zu 90 Prozent aus der Feder des Savatage-Gitarristen stammt, freß ich einen Besen quer, mit Stiel. Der Uptempoklopfer "Life" weist deutliche Iced Earth-Parallelen auf. "Warrior Spirit" hat einen vertrackten Grundrhythmus, der nur zum Refrain mit einer feinen AOR-Melodie aufgelockert wird. Der Opener "Soul Of The Beast" startet mit einem etwa zwei Meter breiten Riff und drückt das bedrohlich klingende Intro locker beiseite. Bei diesem Midtempo-Rocker zieht West alle Register seines beachtlichen Könnens. Ja sogar leichte Thrash Metal-Anleihen machen sich in der Bridge bemerkbar. Nahezu jeder Song ist ein Hammer. Füller gibt es keine. Der entscheidende Vorteil der CD ist, daß alle Musiker ihr Ego zurück nahmen und nicht mit Endlos-Frickeleien nerven, sondern songdienlich spielen und nur dann, wenn es erforderlich ist, in die Trickkiste greifen. Was ich mich jedoch die ganze Zeit fragen muß, ist, wie es zusammenpaßt, daß die nicht gerade als Heiden bekannten Musiker ein Konzeptalbum aufnehmen, welches sich ausschließlich mit der indianischen Geisterwelt auseinandersetzt. Das Thema bietet also reichlich Anlaß zur Spekulation. Die Qualität der Musik jedoch ist überdeutlich und unverkennbar.
"Soul Of The Beast"

THOMAS

NEVERMORE "Enemies Of Reality" 9
Century Media/Magic Arts Publ., 2003

NEVERMORE - Enemies Of Reality

Auf Veröffentlichungen aus dem Hause NEVERMORE freue sicherlich nicht nur ich mich wie ein Schulkind auf die Sommerferien. War doch bisher alles, was die Ausnahmemusiker um Warrel Dane und Jeff Loomis anpackten, tongewordene Genialität. Selbige gipfelte im Ausnahmewerk "Dead Heart In A Dead World" aus dem Jahre 2000. Logisch, daß die Fanscharen einen ebenbürtigen Nachfolger erwarteten. Doch zum Einen schreibt man solch ein Werk nicht alle Tage und zum Anderen wären NEVERMORE nicht sie selbst, wenn sie täten, was man von ihnen erwartet. Somit mußte "Enemies Of Reality" anders als das Vorgängeralbum ausfallen. Die Eingängigkeit (soweit man bei NEVERMORE davon sprechen kann) wurde zu Gunsten von Härte an den Nagel gehängt und so präsentiert sich Seattles Finest rauher und komplexer als noch vor drei Jahren. Loomis Gitarrenarbeit streift mehr als nur einmal die Grenzen zum Death Metal. Ein Terrain, in dem sich der frühere Death Metal-Gitarrist gut auskennt. Auffällig ist auch, daß Warrel Dane in seinen Gesang, welcher wieder einmal über jeden Zweifel erhaben ist, ein bis zwei Schippen Dreck gepackt hat und an seine Tage zu "Politics Of Ecstasy" erinnert. Daß die Thrasher dennoch nicht das Gespür für ergreifende Balladen verloren haben, beweisen sie mit dem genialen "Tomorrow Turned Into Yesterday". Das Stück wird mit einem interessanten Drumbeat nach vorn getrieben und wartet mit einer Widerhaken besetzten Ohrwurmmelodie auf, die einen dazu veranlaßt, die Finger für die nächste halbe Stunde nicht von der "Repeat"-Taste des Players zu nehmen. Völlig abgefahren hingegen ist der Titel "Nuomenon". Hier wird wie im Drogenrausch eine Klangcollage aufgebaut, die einen beim Hören im Dunkeln schon mal verstören kann. "Seed Awakening" hingegen prügelt einem im Anschluß wieder die Scheiße aus dem Leib. Jedoch nicht ohne mit einer versöhnlichen Melodie aufzuwarten. "Enemies Of Reality" ist alles in allem unbequemer, unzugänglicher und härter als sein Vorgänger ausgefallen, weiß aber nach etlichen Durchläufen wie immer bestens zu gefallen und macht, wie gewohnt, süchtig.  "Dead Heart..." hat mir zwar einen Ticken besser gefallen, dennoch kann man "Enemies Of Reality" bedenkenlos kaufen.
"Create The Infinite"

THOMAS
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