An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

Abgehört vom 29. Oktober 2002


HORIZON „The Sky’s The Limit“ 8
Massacre, 2002

Horizon - The Sky's The Limit

Auch wenn wir dem Überangebots-Kollaps so nah sind wie 1991, tauchen immer noch Bands auf, die selbst in eigentlich schon völlig ausgereizten Spielarten Akzente zu setzen wissen. In dem vorliegenden Fall ist dies die englisch/französische Melodic/Prog-Band HORIZON. Weder der Allerwelts-Name, noch die Stil-Bezeichnung wollen Begeisterung aufkommen lassen. Anders die Musik. Wenn Melodien, dann meist zwingende, sich der Aggressivität von Heavy Metal unterordnende. Wenn Progressivität , dann nur soweit, daß es immer noch absolut Spaß macht, den Raffinessen zu folgen. Ganz oben an stehen die Riff-Granaten von Patrick Hemer. Und obendrein ist es auch der Gitarrist, der die Stimmbänder strapaziert und dies mit Bravour. Man muß also weder Prog-Fan noch Anhänger us-amerikanischer Melodic-Acts sein, um diese Musik zu mögen. Die Scheibe „The Sky’s The Limit“, das HORIZON-Debüt, kann Heavy Metal-Anhängern unterschiedlichster Coleur empfohlen werden. Vermutlich kommen vor allem Liebhaber der 80er auf ihre Kosten. Allerdings soll damit die mögliche Fan-Schar der Band nicht limitiert werden.
„Living In Danger“ 

JUB

MORTAL INTENTION "sic luceat lux" 8
Christhunt Productions, 2002

Mortal Intention - sic luceat lux

Kryptisch geht diese Band zu Werke. Ein Logo, das man auch mit Lupe nicht lesen kann und ein Albumtitel, bei dem ein Knoten in der Zunge vorprogrammiert ist. Doch die Band MORTAL INTENTION hat wesentlich mehr zu bieten als nur das. "sic luceat lux" ist ein recht boshafter Bastard aus Black und Death Metal. Kein Wischiwaschi, entstanden aus Stilunsicherheit. Den Löwenanteil dabei stellt der Death Metal, der mit ein paar thrashigen Riffs und Rhythmen aufgelockert wird. Dazu flechten sich hier und da ein paar, Satyricon zu Ehre reichende, Melodien ein, die der Musik einen recht eigenständigen Charakter verleihen.
Abgerundet wird die Mixtur mit einem Quäntchen Morbid Angel-mäßiger Abgedrehtheit. Der Sound, der im Erzschlag-Studio ausgetüftelt wurde, stellt das perfekte Bindeglied zwischen Mainstream-Exaktheit und Underground-Improvisation dar und paßt zu "sic luceat lux" wie die berühmte Faust aufs Auge. MORTAL INTENTION im Speziellen und Christhunt Produktions im Allgemeinen wissen einmal mehr zu gefallen.
"Des Sterbens Gang"

THOMAS

DOVER „It’s Good To Be Me“ 9
Crysalis/EMI, 2002

Dover - It's Good To Be Me

Was haben zum Beispiel Studenten-Kapellen wie No Doubt, was DOVER nicht haben? Die Frage ist leicht zu beantworten: Nämlich nichts. Also. Warum dann überhaupt diese Frage? Auch leicht zu beantworten: No Doubt flimmern mit ihrem Schrott über die TV-Musik-Kanäle und machen ein paar brauchbare Schecks, DOVER hingegen sind immer noch so etwas wie ein Geheimtipp, obwohl auch diese Band schon Achtungszeichen setzen konnte. 
Aber kehren wir zurück zur eingangs gestellten Frage, die den größeren Erfolg von No Doubt und Konsorten erklären soll. Was ist es also? Die Sängerin kann es nicht sein, denn Christina Llanos hat nicht nur eine um Längen bessere Stimme als das No Doubt-Blondchen, sondern sieht auch bei Weitem besser aus. Die Songs haben bei DOVER durch die Bank bessere Melodien und eine Halbwertzeit, die man garantiert in Jahre zählen kann. Wo liegt denn nun der Hund begraben? Janz einfachlich: Wenn die beiden DOVER-Mädels Christina und Amparo Llanos ihre Gitarren zum Klingen bringen, kracht es im Gebälk und fliegen die Krähen auf. Dabei sind die Spanier tatsächlich ganz Retro. Ob sie nun den 70er-Jahre Heavy Rock zitieren, oder sich in Punk-Harmonien aalen, die den Buzzcocks oder den Undertones gut zu Gesicht gestanden hätten. 
Diese EP, namens „It’s Good To Be Me“ besteht aus einem neuen Ohrwurm, „Mystic Love“, bietet fünf brettharte Live-Nummern sowie zwei Akustik-Stücke, die zwar nicht in wohlfeilster Sound-Qualität daherkommen, aber gut interpretiert wurden. Obendrein könnt Ihr noch drei Videos kucken. 
„My Secret Peaople“/“Witness“

JUB

STORMWITCH "Dance With The Witches" 5
Silverdust, 2002

Stormwitch - Dance With The Witches

Diese 1979 gegründete deutsche Band war für den Heavy Metal trotz zahlreicher Alben und einigen erfolgreichen Touren durch Ungarn und die Tschechei nicht das, was man allgemeinhin als wegweisend bezeichnet. Schuld daran dürfte die nicht vorhandene Unbeharrlichkeit der Musiker gewesen sein, die ihre Alben stets nach dem größtmöglichen kommerziellen Erfolg ausrichteten und somit einen markanten Stil missen ließ. Eine Sache, die auch so manch anderer Band die Beine brach. Dennoch hat die Band, deren letztes Lebenszeichen 1994 in Form von der LP "Shogun" erschien, einige prominente Fürsprecher aus Skandinavien. Hammerfall coverten eines der STORMWITCH-Stücke und holten sich deren Sänger Andreas Mück (oder Andy Aldrian, wie er sich einst nannte) für einen Gastauftritt auf die Bühne. Nicht zuletzt diese Aktion dürfte die Reanimationsgedanken der Sturmhexen beflügelt haben und so steht dieser Tage ein neues Album der Schwaben im Regal der CD-Läden. "Dance With The Witches" ist ein Album geworden, das Licht- und Schattenmomente gleichberechtigt miteinander vereint. So gibt es gutartige Gitarrenharmonien und dramatische Glockenschläge sowie effektive Chöre auf der einen Seite und einen Haufen x-Mal gehörten, ausgelutschten Kitsch auf der anderen Seite. Für STORMWITCH-Komplettisten sicherlich Pflicht. Alle anderen: Vorher reinhören.
"Jeanne D`Arc"

THOMAS

VOID OF SILENCE „Criteria Of 666“ 8
Code 666/Audioglobe/SPV, 2002

Void Of Silence - Criteria Of 666

Wer es schon immer doof fand, daß sich bei Musik von Marduk einfach keine Bilder im Kopf entwickeln wollen und sich nach dem Genuß einer Mayhem-Scheibe (vor "A Grand Declaration ...“) um einen herum plötzlich alles irgendwie schneller bewegt, dem kann jetzt geholfen werden. Als wollten sie uns beweisen, daß man auch die Übersicht über einen Song behält, bei dem nur alle zehn Minuten einmal auf die Snare getappt wird, üben sich die Italiener von VOID OF SILENCE in der Kunst der Langsamkeit. Schwerfällig wälzen sich die Stücke heran, verraten ihren Langsamkeitsgrad meist erst nach einem längeren Intro, das zum Teil mit die Atmosphäre unterstützenden Samples angereichert ist. Und sind sie dann im Tritt, entfalten sie die Lebendigkeit einer 500 Jahre alten Schildkröte nach dem Aufwachen. Aber VOID OF SILENCE sind nicht etwa lahmarschig, sondern schaffen solche Klang-Gewalten, daß zwangsläufig Bilder im Kopf entstehen. Das wird natürlich durchaus gesteuert von eingestreuten Chorälen  bzw. der cleanen Stimme von Malfeitor Fabban, der dann wie ein in seiner Kemenate eingeschlossener Mönch klingt, dessen Verzweiflungs-Rufe durch das Kloster wimmern. Allerdings muß man sich mit seinen Gedanken nicht bei kalten mittelalterlichen Gottesbauten aufhalten, sondern kann seinem Denkfluß freien Lauf lassen. Nur allzuviel Positives wird dabei nicht herauskommen. Für einige sanfte Gemüter könnte die Musik von VOID OF SILENCE durchaus für unangenehme Nebenwirkungen sorgen. Also erst den Arzt oder Apotheker fragen.
Einen bestimmten Song herauszuheben, ist an dieser Stelle unangebracht, ist das Strickmuster doch bei allen Stücken gleich. Allerdings wird es komischerweise nie langweilig. Nur wer schwer müde ist und die CD mit geschlossenen Augen hört, könnte einschlafen. Aber das kann auch bei Marduk passieren.
„Universal Separation“

JUB

HONEYMOON SUITE "Dreamland" 3
Frontiers/Now&Then/XIII Bis Rec./Point Music, 2002

Honeymoon Suite - Dreamland

Tja, ins Land der Träume beförderte mich die CD fürwahr. Allerdings war es dort alles andere als anheimelnd. Rosazart schimmerten die Wolken vom Himmel herab. Der Wind klang wie das Stöhnen eines schwulen Liebespaares in der Hochzeitsnacht, und ich versuchte wegzulaufen, in eine windgeschützte Ecke. Hinter einem plüschigen Melodiebogen wäre ich beinahe in eine schmalzige Refraingrube gefallen und konnte mich gerade noch an ein paar einigermaßen robusten Riffgebilden klammern, um nicht gänzlich in gähnender Langeweile zu versinken. Doch leider waren die Riffs nur beim ersten Betrachten hart genug, mich zu halten und so brachen sie wie kariöse Zähne ohne großes Knacken einfach ab. Scheiße, für immer in der HOMOMOON SUITE gefangen. Doch in letzter Minute drehte sich der Teller im Wechsler und Dies Irae prügelten mich aus meinen Träumen. Nochmal Glück gehabt. 
"So Hard"

THOMAS

LANA LANE „Project Shangri-La“ 4
LMP/SPV, 2002

Lana Lane - Project Shangri-La

Es ist wirklich erstaunlich schwierig, den Zugang zu LANA LANEs aktuellem Album „Project Shangri-La“ zu finden. Warum das so ist, macht schon der Titelsong nach dem bezaubernden Intro „Redemption Part I“ deutlich. Da steht fetter symphonischer Bombast neben Umwegen suchenden Progressiv-Melodien, verläßt sich Lana ganz auf ihre Gesangs-Qualitäten, die unbestritten beachtlich sind, manchmal allerdings nicht ins Arrangement passen wollen. So, als versuchte sich Ann Wilson von Heart im ernsten Fach.
Die einzelnen Stücke schwanken durchaus zwischen den verschiedenen Hörgewohnheiten. Während „Encore“ astreiner AOR ist, könnte „The Beast Within You“ von einer Yngwie Malmsteen-Platte stammen, „Ebbtide“ ginge als Roxette-Hit durch, „Before You Go“ wirkt wie schwerer Musical-Stoff und schließlich „Time To Say Goodbye“ . Dieses Lied war mit Sarah Brightman und Andrea Bocelli schon eine Katastrophe und wird hier mit LANA LANE und Mark Boals um keine Nuance besser. Ihr seht, Elemente, diese Scheibe furchtbar zu finden, gibt es ausreichend. Man möchte fast geneigt sein zu sagen, für Heavy Metal-Fans ist dieses Teil eigentlich nichts. Trotz der Mitarbeit von Boals, Vinnie Appice am Schlagzeug oder Gitarrist Helge Engelke, der durch seine Arbeit bei Dreamtide und Fair Warning bekannt sein dürfte.
„(Life Is) Only A Dream“

JUB

DIES IRAE "The Sin War" 7
Metal Blade, 2002

Dies Irae - The Sin War

Die Mitglieder dieser in Death Metal-Kreisen als All-Star-Band anzusehenden Kapelle haben in ihren Hauptbands jeweils einen eigenen Sound und Stil kreiert und können miteinander nur schwer verglichen werden. Außer daß Vader, Devilyn und Sceptic aus Polen kommen und sich dem Death Metal verschrieben haben. Als Kollektiv in DIES IRAE sind sie von der Erschaffung eines eigenständigen Sounds aber noch recht weit entfernt. Auf ihrem Erstwerk "Immolated" klangen noch starke Vader-Anleihen durch, welche nun weiter in den Hintergrund getreten sind. Doch trotzdem fehlt es hier an der Eigenständigkeit, die den Zuhöhrer aufschreien läßt: "Das ist die neue DIES IRAE!".
Doch ich will hier nicht zuviel meckern, denn die CD ist alles andere als schwach. Sie benötigt eben nur ein paar Durchläufe, bis die Songs zünden. Gut gemachter Death Metal ist's allemal.

THOMAS

MESHUGGAH „Nothing“ 1
Nuclear Blast, 2002

Meshuggah - Nothing

Abwechslungsreichtum, Melodien, Dynamik, interessante Arrangements, Feeling - dies alles sind Attribute, die die neue MESHUGGAH „Nothing“ nicht hat. Ganz dem Titel verhaftet, hat sie quasi „nichts“, was einen fesseln könnte. Halt! Da gibt es etwas. Rhythmus-Akademiker, die jedes Lied nach seinen rhythmischen Verschachtelungen abklopfen und sich am Ende freuen, alle Achtel-, Sechzehntel-, Zweiunddreißigstel- und Wer-weiß-was-für-stel-Parts erkannt zu haben, können sich diesen Unsinn ja kaufen. Denn außer dieser Schlagzeuger-Wichse gibt es lediglich Songs in einem nahezu identischen Midtempo, die Gitarren husten ständig verknöcherte Stakkato-Riffs und „Sangesgott“ Jens Kidman brüllt in affigster Hardcore-Manier konsequent auf einer Note. Dieses Gerufe ist nicht weit vom Rap entfernt, nur überschütten uns Hip-Hop-Songs im Vergleich zu diesem nervtötenden Zeug mit Melodie-Vielfalt.
Eigentlich ist „Nothing“ ein Spiegelbild der Entwicklung des Heavy Metal. Immer mehr wird nur noch auf technische Hochwertigkeit geachtet, werden Songs nicht nach ihrer Eingängigkeit bewertet, sondern erhalten den Ritterschlag, wenn sie so gestylt wie möglich daherkommen. Und alle Halbaffen beklatschen solche Streßwerke, um zu zeigen, welch immenses musikalische Verständnis in ihnen wohnt. Allerdingsa scheinen sie nicht zu wissen, daß man Heavy Metal mögen kann, ohne die Grundlagen der Jazz-Musik gepaukt zu haben. Wenn das alles nicht so zum Kotzen wäre, könnte man darüber nur lachen. Genau wie über diese MESHUGGAH-Scheibe.
„Closed Eye Visual“

JUB

DOOMSTONE "Obsidian" 5
Eigenprod., 2000

Doomstone - Obsidian

DOOMSTONE wurden 1995 gegründet und legten 2000 ihr bislang erstes Album mit dem Titel "Obsidian" vor. Im Großen und Ganzen kann man die Musik der Band aus Trier als Death Metal bezeichnen. Aber so leicht geht die Rechnung nicht auf. Denn immer wieder kommt der starke Thrash-Einschlag zum Tragen, der eine strikte Kategorisierung unmöglich macht. Soweit so gut, doch ist dieser Thrash-Einfluß nicht beim gradlinigen Power Thrash anzusiedeln, sondern eher in der verschachtelten und vertrackten Variante, die Bands wie Coroner oder auch den alten Meshuggah gut zu Gesicht stand. Doch von der Leichtigkeit, mit der diese Bands mit der Technik ballancierten, sind DOOMSTONE noch ein Stückchen entfernt.
So klingt ihr Gefrickel noch ein wenig hüftsteif und uninspiriert. Doch wenn sie Staub machen, können DOOMSTONE schon so manches Mal zu den Meistern aufschließen. Dieses Zwiespaltes wegen eine 5.
"Curse"

THOMAS

VALHALLA „Northman“ 5
Eigenprod., 2001

Valhalla - Northman

Wenn ich gerade darüber sinnierte (Meshuggah), daß simple Strukturen im Heavy Metal für viele Möchtegern-Metaller mittlerweile gemieden werden, wie vom Teufel das Weihwasser, sind wir bei VALHALLA aus Österreich an der richtigen Adresse. Die sind nämlich alles andere als vertrackt. So wie VALHALLA klingen Bands, die gerade dabei sind, sich von einer Oi-Vergangenheit langsam zum Heavy Rock hinüberzuhangeln. Denn das meiste auf der „Northman“-CD ist in musikalischer Hinsicht genau das, was Bands wie Nordwind oder Fünfte Kolonne fabrizieren. Allerdings zeichnen sich bei VALHALLA nicht nur durch die hart im Vordergrund agierenden Gitarren deutliche Heavy Metal-Tendenzen ab. Auch die Songstrukturen verlassen mehr und mehr das Punk-Schema.
Textlich geht’s ums Germanentum, wie sowohl Band- als auch CD-Name andeuten. Dabei tun sich VALHALLA noch besonders bei ihren deutschen Texten schwer, die - wie bei vielen Oi-Bands - um der Aussage Willen mit Worten überfrachtet sind und lyrische Momente missen lassen. Trotzdem macht es Sinn, zuzuhören. Denn die Österreicher haben durchaus einiges zu sagen. 
In der Metal-Szene wird die „Northman“-Scheibe vermutlich nur schwer Fuß fassen. Allerdings glaube ich, gibt es eine ganze Reihe Leute, die es hin und wieder mal etwas ruppig und einfach mögen. 
„A...........r“

JUB
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