HORIZON „The Sky’s The Limit“
8
Massacre, 2002
Auch wenn wir dem Überangebots-Kollaps
so nah sind wie 1991, tauchen immer noch Bands auf, die selbst in eigentlich
schon völlig ausgereizten Spielarten Akzente zu setzen wissen. In
dem vorliegenden Fall ist dies die englisch/französische Melodic/Prog-Band
HORIZON. Weder der Allerwelts-Name, noch die Stil-Bezeichnung wollen Begeisterung
aufkommen lassen. Anders die Musik. Wenn Melodien, dann meist zwingende,
sich der Aggressivität von Heavy Metal unterordnende. Wenn Progressivität
, dann nur soweit, daß es immer noch absolut Spaß macht, den
Raffinessen zu folgen. Ganz oben an stehen die Riff-Granaten von Patrick
Hemer. Und obendrein ist es auch der Gitarrist, der die Stimmbänder
strapaziert und dies mit Bravour. Man muß also weder Prog-Fan noch
Anhänger us-amerikanischer Melodic-Acts sein, um diese Musik zu mögen.
Die Scheibe „The Sky’s The Limit“, das HORIZON-Debüt, kann Heavy Metal-Anhängern
unterschiedlichster Coleur empfohlen werden. Vermutlich kommen vor allem
Liebhaber der 80er auf ihre Kosten. Allerdings soll damit die mögliche
Fan-Schar der Band nicht limitiert werden.
„Living In Danger“
JUB
MORTAL INTENTION "sic luceat
lux" 8
Christhunt Productions, 2002
Kryptisch geht diese Band zu Werke.
Ein Logo, das man auch mit Lupe nicht lesen kann und ein Albumtitel, bei
dem ein Knoten in der Zunge vorprogrammiert ist. Doch die Band MORTAL INTENTION
hat wesentlich mehr zu bieten als nur das. "sic luceat lux" ist ein recht
boshafter Bastard aus Black und Death Metal. Kein Wischiwaschi, entstanden
aus Stilunsicherheit. Den Löwenanteil dabei stellt der Death Metal,
der mit ein paar thrashigen Riffs und Rhythmen aufgelockert wird. Dazu
flechten sich hier und da ein paar, Satyricon zu Ehre reichende, Melodien
ein, die der Musik einen recht eigenständigen Charakter verleihen.
Abgerundet wird die Mixtur mit einem
Quäntchen Morbid Angel-mäßiger Abgedrehtheit. Der Sound,
der im Erzschlag-Studio ausgetüftelt wurde, stellt das perfekte Bindeglied
zwischen Mainstream-Exaktheit und Underground-Improvisation dar und paßt
zu "sic luceat lux" wie die berühmte Faust aufs Auge. MORTAL INTENTION
im Speziellen und Christhunt Produktions im Allgemeinen wissen einmal mehr
zu gefallen.
"Des Sterbens Gang"
THOMAS
DOVER „It’s Good To Be Me“
9
Crysalis/EMI, 2002
Was haben zum Beispiel Studenten-Kapellen
wie No Doubt, was DOVER nicht haben? Die Frage ist leicht zu beantworten:
Nämlich nichts. Also. Warum dann überhaupt diese Frage? Auch
leicht zu beantworten: No Doubt flimmern mit ihrem Schrott über die
TV-Musik-Kanäle und machen ein paar brauchbare Schecks, DOVER hingegen
sind immer noch so etwas wie ein Geheimtipp, obwohl auch diese Band schon
Achtungszeichen setzen konnte.
Aber kehren wir zurück zur
eingangs gestellten Frage, die den größeren Erfolg von No Doubt
und Konsorten erklären soll. Was ist es also? Die Sängerin kann
es nicht sein, denn Christina Llanos hat nicht nur eine um Längen
bessere Stimme als das No Doubt-Blondchen, sondern sieht auch bei Weitem
besser aus. Die Songs haben bei DOVER durch die Bank bessere Melodien und
eine Halbwertzeit, die man garantiert in Jahre zählen kann. Wo liegt
denn nun der Hund begraben? Janz einfachlich: Wenn die beiden DOVER-Mädels
Christina und Amparo Llanos ihre Gitarren zum Klingen bringen, kracht es
im Gebälk und fliegen die Krähen auf. Dabei sind die Spanier
tatsächlich ganz Retro. Ob sie nun den 70er-Jahre Heavy Rock zitieren,
oder sich in Punk-Harmonien aalen, die den Buzzcocks oder den Undertones
gut zu Gesicht gestanden hätten.
Diese EP, namens „It’s Good To Be
Me“ besteht aus einem neuen Ohrwurm, „Mystic Love“, bietet fünf brettharte
Live-Nummern sowie zwei Akustik-Stücke, die zwar nicht in wohlfeilster
Sound-Qualität daherkommen, aber gut interpretiert wurden. Obendrein
könnt Ihr noch drei Videos kucken.
„My Secret Peaople“/“Witness“
JUB
STORMWITCH "Dance With The
Witches" 5
Silverdust, 2002
Diese 1979 gegründete deutsche
Band war für den Heavy Metal trotz zahlreicher Alben und einigen erfolgreichen
Touren durch Ungarn und die Tschechei nicht das, was man allgemeinhin als
wegweisend bezeichnet. Schuld daran dürfte die nicht vorhandene Unbeharrlichkeit
der Musiker gewesen sein, die ihre Alben stets nach dem größtmöglichen
kommerziellen Erfolg ausrichteten und somit einen markanten Stil missen
ließ. Eine Sache, die auch so manch anderer Band die Beine brach.
Dennoch hat die Band, deren letztes Lebenszeichen 1994 in Form von der
LP "Shogun" erschien, einige prominente Fürsprecher aus Skandinavien.
Hammerfall coverten eines der STORMWITCH-Stücke und holten sich deren
Sänger Andreas Mück (oder Andy Aldrian, wie er sich einst nannte)
für einen Gastauftritt auf die Bühne. Nicht zuletzt diese Aktion
dürfte die Reanimationsgedanken der Sturmhexen beflügelt haben
und so steht dieser Tage ein neues Album der Schwaben im Regal der CD-Läden.
"Dance With The Witches" ist ein Album geworden, das Licht- und Schattenmomente
gleichberechtigt miteinander vereint. So gibt es gutartige Gitarrenharmonien
und dramatische Glockenschläge sowie effektive Chöre auf der
einen Seite und einen Haufen x-Mal gehörten, ausgelutschten Kitsch
auf der anderen Seite. Für STORMWITCH-Komplettisten sicherlich Pflicht.
Alle anderen: Vorher reinhören.
"Jeanne D`Arc"
THOMAS
VOID OF SILENCE „Criteria
Of 666“ 8
Code 666/Audioglobe/SPV, 2002
Wer es schon immer doof fand, daß
sich bei Musik von Marduk einfach keine Bilder im Kopf entwickeln wollen
und sich nach dem Genuß einer Mayhem-Scheibe (vor "A Grand Declaration
...“) um einen herum plötzlich alles irgendwie schneller bewegt, dem
kann jetzt geholfen werden. Als wollten sie uns beweisen, daß man
auch die Übersicht über einen Song behält, bei dem nur alle
zehn Minuten einmal auf die Snare getappt wird, üben sich die Italiener
von VOID OF SILENCE in der Kunst der Langsamkeit. Schwerfällig wälzen
sich die Stücke heran, verraten ihren Langsamkeitsgrad meist erst
nach einem längeren Intro, das zum Teil mit die Atmosphäre unterstützenden
Samples angereichert ist. Und sind sie dann im Tritt, entfalten sie die
Lebendigkeit einer 500 Jahre alten Schildkröte nach dem Aufwachen.
Aber VOID OF SILENCE sind nicht etwa lahmarschig, sondern schaffen solche
Klang-Gewalten, daß zwangsläufig Bilder im Kopf entstehen. Das
wird natürlich durchaus gesteuert von eingestreuten Chorälen
bzw. der cleanen Stimme von Malfeitor Fabban, der dann wie ein in seiner
Kemenate eingeschlossener Mönch klingt, dessen Verzweiflungs-Rufe
durch das Kloster wimmern. Allerdings muß man sich mit seinen Gedanken
nicht bei kalten mittelalterlichen Gottesbauten aufhalten, sondern kann
seinem Denkfluß freien Lauf lassen. Nur allzuviel Positives wird
dabei nicht herauskommen. Für einige sanfte Gemüter könnte
die Musik von VOID OF SILENCE durchaus für unangenehme Nebenwirkungen
sorgen. Also erst den Arzt oder Apotheker fragen.
Einen bestimmten Song herauszuheben,
ist an dieser Stelle unangebracht, ist das Strickmuster doch bei allen
Stücken gleich. Allerdings wird es komischerweise nie langweilig.
Nur wer schwer müde ist und die CD mit geschlossenen Augen hört,
könnte einschlafen. Aber das kann auch bei Marduk passieren.
„Universal Separation“
JUB
HONEYMOON SUITE "Dreamland"
3
Frontiers/Now&Then/XIII Bis
Rec./Point Music, 2002
Tja, ins Land der Träume beförderte
mich die CD fürwahr. Allerdings war es dort alles andere als anheimelnd.
Rosazart schimmerten die Wolken vom Himmel herab. Der Wind klang wie das
Stöhnen eines schwulen Liebespaares in der Hochzeitsnacht, und ich
versuchte wegzulaufen, in eine windgeschützte Ecke. Hinter einem plüschigen
Melodiebogen wäre ich beinahe in eine schmalzige Refraingrube gefallen
und konnte mich gerade noch an ein paar einigermaßen robusten Riffgebilden
klammern, um nicht gänzlich in gähnender Langeweile zu versinken.
Doch leider waren die Riffs nur beim ersten Betrachten hart genug, mich
zu halten und so brachen sie wie kariöse Zähne ohne großes
Knacken einfach ab. Scheiße, für immer in der HOMOMOON SUITE
gefangen. Doch in letzter Minute drehte sich der Teller im Wechsler und
Dies Irae prügelten mich aus meinen Träumen. Nochmal Glück
gehabt.
"So Hard"
THOMAS
LANA LANE „Project Shangri-La“
4
LMP/SPV, 2002
Es ist wirklich erstaunlich schwierig,
den Zugang zu LANA LANEs aktuellem Album „Project Shangri-La“ zu finden.
Warum das so ist, macht schon der Titelsong nach dem bezaubernden Intro
„Redemption Part I“ deutlich. Da steht fetter symphonischer Bombast neben
Umwegen suchenden Progressiv-Melodien, verläßt sich Lana ganz
auf ihre Gesangs-Qualitäten, die unbestritten beachtlich sind, manchmal
allerdings nicht ins Arrangement passen wollen. So, als versuchte sich
Ann Wilson von Heart im ernsten Fach.
Die einzelnen Stücke schwanken
durchaus zwischen den verschiedenen Hörgewohnheiten. Während
„Encore“ astreiner AOR ist, könnte „The Beast Within You“ von einer
Yngwie Malmsteen-Platte stammen, „Ebbtide“ ginge als Roxette-Hit durch,
„Before You Go“ wirkt wie schwerer Musical-Stoff und schließlich
„Time To Say Goodbye“ . Dieses Lied war mit Sarah Brightman und Andrea
Bocelli schon eine Katastrophe und wird hier mit LANA LANE und Mark Boals
um keine Nuance besser. Ihr seht, Elemente, diese Scheibe furchtbar zu
finden, gibt es ausreichend. Man möchte fast geneigt sein zu sagen,
für Heavy Metal-Fans ist dieses Teil eigentlich nichts. Trotz der
Mitarbeit von Boals, Vinnie Appice am Schlagzeug oder Gitarrist Helge Engelke,
der durch seine Arbeit bei Dreamtide und Fair Warning bekannt sein dürfte.
„(Life Is) Only A Dream“
JUB
DIES IRAE "The Sin War" 7
Metal Blade, 2002
Die Mitglieder dieser in Death Metal-Kreisen
als All-Star-Band anzusehenden Kapelle haben in ihren Hauptbands jeweils
einen eigenen Sound und Stil kreiert und können miteinander nur schwer
verglichen werden. Außer daß Vader, Devilyn und Sceptic aus
Polen kommen und sich dem Death Metal verschrieben haben. Als Kollektiv
in DIES IRAE sind sie von der Erschaffung eines eigenständigen Sounds
aber noch recht weit entfernt. Auf ihrem Erstwerk "Immolated" klangen noch
starke Vader-Anleihen durch, welche nun weiter in den Hintergrund getreten
sind. Doch trotzdem fehlt es hier an der Eigenständigkeit, die den
Zuhöhrer aufschreien läßt: "Das ist die neue DIES IRAE!".
Doch ich will hier nicht zuviel
meckern, denn die CD ist alles andere als schwach. Sie benötigt eben
nur ein paar Durchläufe, bis die Songs zünden. Gut gemachter
Death Metal ist's allemal.
THOMAS
MESHUGGAH „Nothing“ 1
Nuclear Blast, 2002
Abwechslungsreichtum, Melodien, Dynamik,
interessante Arrangements, Feeling - dies alles sind Attribute, die die
neue MESHUGGAH „Nothing“ nicht hat. Ganz dem Titel verhaftet, hat sie quasi
„nichts“, was einen fesseln könnte. Halt! Da gibt es etwas. Rhythmus-Akademiker,
die jedes Lied nach seinen rhythmischen Verschachtelungen abklopfen und
sich am Ende freuen, alle Achtel-, Sechzehntel-, Zweiunddreißigstel-
und Wer-weiß-was-für-stel-Parts erkannt zu haben, können
sich diesen Unsinn ja kaufen. Denn außer dieser Schlagzeuger-Wichse
gibt es lediglich Songs in einem nahezu identischen Midtempo, die Gitarren
husten ständig verknöcherte Stakkato-Riffs und „Sangesgott“ Jens
Kidman brüllt in affigster Hardcore-Manier konsequent auf einer Note.
Dieses Gerufe ist nicht weit vom Rap entfernt, nur überschütten
uns Hip-Hop-Songs im Vergleich zu diesem nervtötenden Zeug mit Melodie-Vielfalt.
Eigentlich ist „Nothing“ ein Spiegelbild
der Entwicklung des Heavy Metal. Immer mehr wird nur noch auf technische
Hochwertigkeit geachtet, werden Songs nicht nach ihrer Eingängigkeit
bewertet, sondern erhalten den Ritterschlag, wenn sie so gestylt wie möglich
daherkommen. Und alle Halbaffen beklatschen solche Streßwerke, um
zu zeigen, welch immenses musikalische Verständnis in ihnen wohnt.
Allerdingsa scheinen sie nicht zu wissen, daß man Heavy Metal mögen
kann, ohne die Grundlagen der Jazz-Musik gepaukt zu haben. Wenn das alles
nicht so zum Kotzen wäre, könnte man darüber nur lachen.
Genau wie über diese MESHUGGAH-Scheibe.
„Closed Eye Visual“
JUB
DOOMSTONE "Obsidian" 5
Eigenprod., 2000
DOOMSTONE wurden 1995 gegründet
und legten 2000 ihr bislang erstes Album mit dem Titel "Obsidian" vor.
Im Großen und Ganzen kann man die Musik der Band aus Trier als Death
Metal bezeichnen. Aber so leicht geht die Rechnung nicht auf. Denn immer
wieder kommt der starke Thrash-Einschlag zum Tragen, der eine strikte Kategorisierung
unmöglich macht. Soweit so gut, doch ist dieser Thrash-Einfluß
nicht beim gradlinigen Power Thrash anzusiedeln, sondern eher in der verschachtelten
und vertrackten Variante, die Bands wie Coroner oder auch den alten Meshuggah
gut zu Gesicht stand. Doch von der Leichtigkeit, mit der diese Bands mit
der Technik ballancierten, sind DOOMSTONE noch ein Stückchen entfernt.
So klingt ihr Gefrickel noch ein
wenig hüftsteif und uninspiriert. Doch wenn sie Staub machen, können
DOOMSTONE schon so manches Mal zu den Meistern aufschließen. Dieses
Zwiespaltes wegen eine 5.
"Curse"
THOMAS
VALHALLA „Northman“ 5
Eigenprod., 2001
Wenn ich gerade darüber sinnierte
(Meshuggah), daß simple Strukturen im Heavy Metal für viele
Möchtegern-Metaller mittlerweile gemieden werden, wie vom Teufel das
Weihwasser, sind wir bei VALHALLA aus Österreich an der richtigen
Adresse. Die sind nämlich alles andere als vertrackt. So wie VALHALLA
klingen Bands, die gerade dabei sind, sich von einer Oi-Vergangenheit langsam
zum Heavy Rock hinüberzuhangeln. Denn das meiste auf der „Northman“-CD
ist in musikalischer Hinsicht genau das, was Bands wie Nordwind oder Fünfte
Kolonne fabrizieren. Allerdings zeichnen sich bei VALHALLA nicht nur durch
die hart im Vordergrund agierenden Gitarren deutliche Heavy Metal-Tendenzen
ab. Auch die Songstrukturen verlassen mehr und mehr das Punk-Schema.
Textlich geht’s ums Germanentum,
wie sowohl Band- als auch CD-Name andeuten. Dabei tun sich VALHALLA noch
besonders bei ihren deutschen Texten schwer, die - wie bei vielen Oi-Bands
- um der Aussage Willen mit Worten überfrachtet sind und lyrische
Momente missen lassen. Trotzdem macht es Sinn, zuzuhören. Denn die
Österreicher haben durchaus einiges zu sagen.
In der Metal-Szene wird die „Northman“-Scheibe
vermutlich nur schwer Fuß fassen. Allerdings glaube ich, gibt es
eine ganze Reihe Leute, die es hin und wieder mal etwas ruppig und einfach
mögen.
„A...........r“
JUB
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