DEE
SNIDER "Never Let The Bastards Wear You Down" 10
Spitfire Rec.,
2000
Mr. SNIDER
ist schon eine beeindruckende Persönlichkeit. Er schrieb mit seiner
Band Twisted Sister Rock`n`Roll Geschichte. Darüberhinaus ist er ein
in Amerika sehr bekannter Radiomoderator. Und als ob dies nicht schon genug
wäre, dreht DEE auch noch Horrorfilme. "Strangeland" kann sich auf
jeden Fall sehen lassen. Teil zwei ist in Arbeit. Müßig zu erwähnen,
daß Mister SNIDER höchst selbst Drehbuchautor, Regisseur und
Hauptdarsteller in einer Person ist. Aber das nur am Rande. Jedenfalls
hatte er wohl mal ein paar Minuten lang nichts zu tun und zimmerte mit
seiner Band Sick Mother Fuckers (in den Staaten nur S.M.F. abgekürzt)
eine superbe Party-Rock´n´Roll Scheibe ein, die es echt in
sich hat. "Never Let The Bastards Wear You Down", so der Titel, strotzt
nur so vor guter Laune. Schon der Opener "Hardcore" macht unmißverständlich
klar, daß sich Geschwindigkeit und Härte nicht automatisch mit
Eingängigkeit und Melodie beißen.
"Hardcore"
Diese Platte
kommt gänzlich ohne Ausfälle daher, egal ob "Hardcore", der Groover
"Call My Name" oder das entspannte "Uh huh huh" (alles klar, DEE), es reiht
sich ein Ohrwurm an den anderen. Selbst die Coverversion des noch aus der
Eiszeit stammenden Hits "The Wanderer" läßt einen die Kanne
automatisch hochreißen und Anstoßbewegungen vollführen.
Prädikat:Gelungen. Das beste an der Platte ist jedoch die Tatsache,
daß sich eventuelle Abnutzungserscheinungen, welche man ob der Eingängigkeit
erwartet, laaange Zeit lassen.
"Uh huh
huh"
Doch wie es
in der Natur Gesetz ist, liegen gut und böse dicht beieinander und
so soll "Never Let The Bastards Wear You Down" wohl die letzte CD in DEE
SNIDERs Karriere sein. Die Songs selbst stammen noch aus diversen Sessions
seiner alten Projekte, in denen er sich nach Twisted Sister versuchte (Widowmaker,
Desperado, S.M.F.). Schade eigentlich, denn solche Platten werden heutzutage
immer rarer. Angesichts solcher Metalpartys, bei denen die sechzehnjährigen
Jungmetaller finster in der Ecke sitzen und einer böser als der andere
ist, um sich zu blackmetallischen Höhen- und Mittenorkanen schweigend
die Rübe zuzusaufen, kann man den Metalgöttern eigentlich nur
auf Knien für eine solche Gutelaunegroßtat wie "Never Let The
Bastards Wear You Down" danken. Lauthals über die Miesepeter lachen
und dann auf richtige Feiern gehen. Bin ich jetzt untrue? Geil.
"Our Voice
Will Be Heard"
THOMAS
DIVINE
EMPIRE "Doomed To Inherit" 8
The Plague,
2000
Jason Blachowitz
ist schon ein drolliges Kerlchen. Eben wurde er noch vom Malevolent Creation
Chef Phil Fascina durch den Tourbus gedroschen (Blachowitz, damals noch
Mitgied bei Malevolent Creation, brachte das mit Fingerspitzengefühl
geplante Kabinettstückchen fertig, in Deutschland mit einem T-Shirt
des Ku Klux Klan auf die Bühne zu gehen, von da an war die Stelle
des Malevolent Creation-Bassers vakant), schon steht er mit der zweiten
Veröffentlichung seiner neuen Band DIVINE EMPIRE in den Startlöchern.
Blachowitz und seine Mitstreiter J.P. Soars sowie Alex Marquez (u.a. Malevolent
Creation, Ressurrection) lassen hier - ganz in der Tradition der Ami-Death-Metal-Bands
- nichts anbrennen.
"War Torn"
Druckvoll
und fett wütet das Death Metal-Monster aus den Boxen und nimmt mal
eben die halbe Wohnungseinrichtung auseinander. Noch ehe man "Was zum Henker..."
sagen kann, packt einen das Biest und wügt einen mit "Dead And Martyred"
so heftig, daß man sein Erbrochenes, welches ob des üblen Atems
des Monsters einem den Hals hochkriecht, der rückwirkenden Peristaltik
zum Trotze wieder schlucken muß.
"Dead And
Martyred"
Aus irgend
einem Grund findet es das Vieh amüsant, den bisher schon arg gebeutelten
Hörer an den Fesseln zu packen und ihn kopfüber gegen die Wand
zu dreschen, mit voller Wucht versteht sich. So langsam verläßt
einen die Lebensenergie und bevor man ganz zu Krümeln gehauen wird,
sollte man noch schnell "Murder Suicide" hören. R.I.P.
"Murder
Suicide"
THOMAS
WYNJARA
"Wynjara" 7
Nocturnal
Art Production, 2000
Interessantes
bietet uns der schon von Divine Empire bekannte Gitarrist J.P. Soars. WYNJARA
heißt sein Projekt, in dem er sich nicht 100prozentig an die reine
Lehre des Death Metals hält. Dennoch - wer jetzt zum nächsten
Review überspringt, der könnte was verpassen. Denn das selbstbetitelte
Debüt ist alles andere als langweilig, unabwechslungsreich, oder gar
Weicheierkram. Zum einen haben wir hier typische Death Metal-Kracher mit
leichtem Six Feet Under-Touch, nur eine Spur abgebrühter und kälter.
Zum anderen sind WYNJARA mit recht experimentellem Zeug am Start. Will
heißen, daß zum Beispiel beim Song "Fall Of Empires" der Hörer
zu Beginn mit einem scheinbaren Balladenanfang in die Irre geschickt wird,
doch kaum wähnt man sich in Sicherheit, wird das Teil zum Brett und
groovt am Ende bis der Weizen umfällt.
"Fall Of
Empires"
Wie? Nicht
experimentell genug? WYNJARA können auch anders. "Namarrkon (Lightning
Spirit)" kommt noch etwas ungewöhnlicher daher. Das Instrumental baut
sich auf ein paar langsamen, hypnotischen Riffs auf, die mit allerlei variierenden
Leads und Licks gespickt sind, so daß man sich einfach treiben lassen
kann (am besten unterm Kopfhörer, kommt genial) und sich zum Ende
wundert, wie schnell sieben Minuten vergehen können. Experiment gelungen.
"Namarrkon
(Lightning Spirit)"
Doch den Vogel
schießen WYNJARA mit der Coverversion "Animal Magnetism" von den
Scorpions ab. Das Teil wurde hier fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.
Wären Klaus Meine und Rudi Schenker schon tot, würden sie in
ihren Gräbern wie Dynamos routieren, versprochen.
Bei dieser
CD hätten mitgelieferte Texte sicher Sinn gemacht, denn die Songtitel
sind zum Teil in der Sprache der Aborigines geschrieben. Ich hätte
schon gerne gewußt, was "Ngalyod" oder auch "Barnumbirr" bedeutet.
Devinitiv
eine Platte, der man zuhören muß, und von der man sich nicht
einfach berieseln lassen sollte.
"Animal
Magnetism"
THOMAS
BROKEN
HOPE "Grotesque Blessings" 4
Hammerheart/The
Plague, 1999
BROKEN HOPE,
die Death Metal Veteranen um Brian Griffin (git.), gehörten irgendwie
noch nie zu den Gewinnern der Szene. Denn seit Ihrem Debüt "Swamped
In Gore" taten sich die Kritiker mit der Band schwer. Zu unoriginell und
zu beliebig austauschbar, lautete stets die Anklage seitens des Blätterwaldes.
Und auch leider diesmal muß sich die Band einige Kritik gefallen
lassen. Denn BROKEN HOPE haben nicht unbedingt einen Meilenstein abgeliefert.
Klar, instrumental
sind die Musiker über jeden Zweifel erhaben. Auch das einem Grizzlybär
ähnliche Geschöpf hinter dem armen, unschuldigen Mikrophon weiß
zu beeindrucken. Jedoch nicht das hektische Durcheinander, mit zahlreichen
Breaks und Gefiedel durchsetzte Songwirrwarr, das einem schon nach spätestens
vier Songs mit den Augen rollen und verstohlen auf die Uhr blicken läßt.
Der eine oder andere mag das sicherlich als progressiv bezeichnen. Toll.
Aber warum meistens immer zu Lasten der Songs?
Wo sind die
Zeiten hin als Death noch mit "Scream Bloody Gore", Autopsy mit "Severed
Survival" und ein Haufen anderer Bands mit Roheit und Flair zu überzeugen
wußten?
Muss eine
Death Metal Band unbedingt auf Teufel komm raus zeigen, daß sie spielen
kann, als hätten die Musiker sieben Finger an jeder Hand? Weniger
ist eben manchmal mehr.
THOMAS
UNBOUND
"In Infinity" 2
Connected/Premium
Rec./Sureshot
Crowbar sind
Originale, ihre Musik schwer wie die Musiker selbst, ihre Texte düster
wie die Lebensumstände in Louisiana und daher authentisch. Wenn eine
deutsche Band das zu kopieren versucht, muß sie zwangsläufig
baden gehen. Und genau das tun UNBOUND mit ihrer Debütplatte "In Infinity".
Musikalisch ist man den amerikanischen Schwergewichten schon ziemlich nahe.
Dennoch - man kann zu keiner Zeit dieselben Vibes empfangen. Und wenn eine
Band auch noch dadurch Berühmtheit erlangt, daß ihr Sänger
auf einem Metalfestival (Wacken) alles und jeden vollpöbelt
(und von Rose Tatoo eins auf die Schnauze bekommt), dann lässt das
jegliche Unvoreigenommenheit platzen wie eine Seifenblase.
"Time is
gone"
THOMAS
THERAPY?
"So Much For A Ten Year Plan" 1
ARK21/Universal
Eine Band,
die mir schon immer so angenehm war wie ein Zahnarztbohrer ist THERAPY?.
Und eben diese legen mit "So Much For A Ten Year Plan" eine Best Of-Zusammenstellung
aus den Jahren zwischen 1990 bis 2000 vor. Tja, und es interessiert mich,
als ob in der Volksrepublik China ein Sack Reis umfällt. Irgendwie
waren mir diese freakigen Posterboys in ihren dämlichen Latzhosen
und dem Sozialarbeiterlook schon immer zuwider und nun das.
Nein, nein,
nein - diesen kautzigen Schrammelpunk behaltet mal schön in eurem
Irland. Diese CD in der Andy Warhol-für-Sozialhilfeempfänger-Aufmachung
ist wahrlich nichts, was ich gerne in meiner Nähe weiß. Diese
Alternativ-, Punk-, Rock- und-weiß-der-Schinder-Mixtur kann man voll
aufgedreht und die Boxen zur Wand geneigt vieleicht zum ablösen von
Tapeten nehmen. Mehr nicht. Und Tschüß.
"Teethgrinder"
THOMAS
SEPTIC
CEMETARY "Shattered" 6
CCP Rec./SPV
Die Österreicher
SEPTIC CEMETARY legen mit "Sattered" ihre zweite Veröffentlichung
vor und zeigen sich gegenüber dem Vorgänger musikalisch gereifter.
Genau genommen macht ihre neue CD sogar Laune auf mehr.
Crack Up jammen
mit Cemetary nachdem sie Paradise Lost´s "Gothic" gehört haben.
Naja, trifft´s nicht ganz, aber diese Namen sind mir beim Anhören
durch den Kopf gegangen.
"Shattered"
Angenehm und
wohltuend hebt sich auch das Schlagzeug vom sonstigen CCP-Einerlei ab,
das da meist aus Drumcomputern besteht. War "Diabolos Rebellion", SEPTIC
CEMETARY´s erste, noch ein bißchen steif und unspektakulär,
klingen sie jetzt irgendwie ehrlicher, da wesentlich lockerer und rockiger.
Und Ohrwürmer gibt es nun zu Hauf. wie zum Beispiel ...
"Soulfilth"
THOMAS
MERCYLESS
"Sure To Be Pure" 2
Sytem Shock
Meine Herren,
was soll den das sein? Die Franzosen versuchen mit allen Mitteln originell
zu klingen. Tun sie aber nicht. Blos raus, weg vom Death Metal, heißt
die Devise. Wie schon auf dem Vorgänger "Cold" nerven die Jungs hier
mit völlig bescheuerten und unmöglichen Songs. Möglichst
modern wollen sie klingen, mit Samples und Loops, Pantera-mäßigen
Gitarren und Songstrukturen, die nur Leute mit einem Wasserkopf verstehen.
Aber wenigstens bekommen die Franzmänner ein witziges Intro gebacken.
Aber deswegen 30 Mark ausgeben? Nie.
"Sure To
Be Pure"
THOMAS
MANOS
"Living Burial" 7
Morbid Rec./
SPV
Auch die Anstaltsinsassen
Manos hauen uns dieses Jahr eine neue Veröffentlichung um die schon
leicht entzündeten Ohren. Auf "Living Burial" bekommt der geneigte
Fan alles, was er von MANOS erwartet. Furztrockene Mosh-Riffs, viel Speed
und eine Prise Humor - oder wie soll man "Bad Chicken Attack" sonst werten?
"Bad Chicken
Attack"
Wer eine großartige
Kurskorrektur im Hause MANOS erwartet hat, ist selber Schuld. Ihre Live-Konzerte
sind legendär, ihr Sound einzigartig und damit haben sie mehr Fan-Klubs
deutschlandweit, als so manche große Amiband. Warum also etwas ändern?
Somit hätte folgender Song auch auf früheren Veröffentlichungen
MANOS´stehen können.
"Betractor"
Doch ein Song
sticht heraus aus dem Rest der Platte, "Lionheart" ist eine uralte Aufnahme,
die noch aus DDR-Beständen stammen könnte. Schließlich
hießen MANOS einst Löwenherz. Das Ding hat es in sich, wacklige
Instrumentierung, schlechtes Englisch, geile Melodie, Ohrwurm ohne Ende.
Kult.
"Lionheart"
THOMAS
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