An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT-SPEZIAL vom 30. Januar 2001


DEE SNIDER "Never Let The Bastards Wear You Down" 10
Spitfire Rec., 2000

Dee Snider - Never Let The Bastard Wear You Down

Mr. SNIDER ist schon eine beeindruckende Persönlichkeit. Er schrieb mit seiner Band Twisted Sister Rock`n`Roll Geschichte. Darüberhinaus ist er ein in Amerika sehr bekannter Radiomoderator. Und als ob dies nicht schon genug wäre, dreht DEE auch noch Horrorfilme. "Strangeland" kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Teil zwei ist in Arbeit. Müßig zu erwähnen, daß Mister SNIDER höchst selbst Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person ist. Aber das nur am Rande. Jedenfalls hatte er wohl mal ein paar Minuten lang nichts zu tun und zimmerte mit seiner Band Sick Mother Fuckers (in den Staaten nur S.M.F. abgekürzt) eine superbe Party-Rock´n´Roll Scheibe ein, die es echt in sich hat. "Never Let The Bastards Wear You Down", so der Titel, strotzt nur so vor guter Laune. Schon der Opener "Hardcore" macht unmißverständlich klar, daß sich Geschwindigkeit und Härte nicht automatisch mit Eingängigkeit und Melodie beißen.
"Hardcore"
Diese Platte kommt gänzlich ohne Ausfälle daher, egal ob "Hardcore", der Groover "Call My Name" oder das entspannte "Uh huh huh" (alles klar, DEE), es reiht sich ein Ohrwurm an den anderen. Selbst die Coverversion des noch aus der Eiszeit stammenden Hits "The Wanderer" läßt einen die Kanne automatisch hochreißen und Anstoßbewegungen vollführen. Prädikat:Gelungen. Das beste an der Platte ist jedoch die Tatsache, daß sich eventuelle Abnutzungserscheinungen, welche man ob der Eingängigkeit erwartet, laaange Zeit lassen.
"Uh huh huh"
Doch wie es in der Natur Gesetz ist, liegen gut und böse dicht beieinander und so soll "Never Let The Bastards Wear You Down" wohl die letzte CD in DEE SNIDERs Karriere sein. Die Songs selbst stammen noch aus diversen Sessions seiner alten Projekte, in denen er sich nach Twisted Sister versuchte (Widowmaker, Desperado, S.M.F.). Schade eigentlich, denn solche Platten werden heutzutage immer rarer. Angesichts solcher Metalpartys, bei denen die sechzehnjährigen Jungmetaller finster in der Ecke sitzen und einer böser als der andere ist, um sich zu blackmetallischen Höhen- und Mittenorkanen schweigend die Rübe zuzusaufen, kann man den Metalgöttern eigentlich nur auf Knien für eine solche Gutelaunegroßtat wie "Never Let The Bastards Wear You Down" danken. Lauthals über die Miesepeter lachen und dann auf richtige Feiern gehen. Bin ich jetzt untrue? Geil.
"Our Voice Will Be Heard"

THOMAS

DIVINE EMPIRE "Doomed To Inherit" 8
The Plague, 2000

Divine Empire - Doomed To Inherit

Jason Blachowitz ist schon ein drolliges Kerlchen. Eben wurde er noch vom Malevolent Creation Chef Phil Fascina durch den Tourbus gedroschen (Blachowitz, damals noch Mitgied bei Malevolent Creation, brachte das mit Fingerspitzengefühl geplante Kabinettstückchen fertig, in Deutschland mit einem T-Shirt des Ku Klux Klan auf die Bühne zu gehen, von da an war die Stelle des Malevolent Creation-Bassers vakant), schon steht er mit der zweiten Veröffentlichung seiner neuen Band DIVINE EMPIRE in den Startlöchern. Blachowitz und seine Mitstreiter J.P. Soars sowie Alex Marquez (u.a. Malevolent Creation, Ressurrection) lassen hier - ganz in der Tradition der Ami-Death-Metal-Bands - nichts anbrennen.
"War Torn"
Druckvoll und fett wütet das Death Metal-Monster aus den Boxen und nimmt mal eben die halbe Wohnungseinrichtung auseinander. Noch ehe man "Was zum Henker..." sagen kann, packt einen das Biest und wügt einen mit "Dead And Martyred" so heftig, daß man sein Erbrochenes, welches ob des üblen Atems des Monsters einem den Hals hochkriecht, der rückwirkenden Peristaltik zum Trotze wieder schlucken muß.
"Dead And Martyred" 
Aus irgend einem Grund findet es das Vieh amüsant, den bisher schon arg gebeutelten Hörer an den Fesseln zu packen und ihn kopfüber gegen die Wand zu dreschen, mit voller Wucht versteht sich. So langsam verläßt einen die Lebensenergie und bevor man ganz zu Krümeln gehauen wird, sollte man noch schnell "Murder Suicide" hören. R.I.P.
"Murder Suicide"

THOMAS

WYNJARA "Wynjara" 7
Nocturnal Art Production, 2000

Wynjara - Wynjara

Interessantes bietet uns der schon von Divine Empire bekannte Gitarrist J.P. Soars. WYNJARA heißt sein Projekt, in dem er sich nicht 100prozentig an die reine Lehre des Death Metals hält. Dennoch - wer jetzt zum nächsten Review überspringt, der könnte was verpassen. Denn das selbstbetitelte Debüt ist alles andere als langweilig, unabwechslungsreich, oder gar Weicheierkram. Zum einen haben wir hier typische Death Metal-Kracher mit leichtem Six Feet Under-Touch, nur eine Spur abgebrühter und kälter. Zum anderen sind WYNJARA mit recht experimentellem Zeug am Start. Will heißen, daß zum Beispiel beim Song "Fall Of Empires" der Hörer zu Beginn mit einem scheinbaren Balladenanfang in die Irre geschickt wird, doch kaum wähnt man sich in Sicherheit, wird das Teil zum Brett und groovt am Ende bis der Weizen umfällt.
"Fall Of Empires" 
Wie? Nicht experimentell genug? WYNJARA können auch anders. "Namarrkon (Lightning Spirit)" kommt noch etwas ungewöhnlicher daher. Das Instrumental baut sich auf ein paar langsamen, hypnotischen Riffs auf, die mit allerlei variierenden Leads und Licks gespickt sind, so daß man sich einfach treiben lassen kann (am besten unterm Kopfhörer, kommt genial) und sich zum Ende wundert, wie schnell sieben Minuten vergehen können. Experiment gelungen.
"Namarrkon (Lightning Spirit)"
Doch den Vogel schießen WYNJARA mit der Coverversion "Animal Magnetism" von den Scorpions ab. Das Teil wurde hier fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Wären Klaus Meine und Rudi Schenker schon tot, würden sie in ihren Gräbern wie Dynamos routieren, versprochen. 
Bei dieser CD hätten mitgelieferte Texte sicher Sinn gemacht, denn die Songtitel sind zum Teil in der Sprache der Aborigines geschrieben. Ich hätte schon gerne gewußt, was "Ngalyod" oder auch "Barnumbirr" bedeutet. 
Devinitiv eine Platte, der man zuhören muß, und von der man sich nicht einfach berieseln lassen sollte.
"Animal Magnetism"

THOMAS

BROKEN HOPE "Grotesque Blessings" 4
Hammerheart/The Plague, 1999

Broken Hope - Grotesque Blessings

BROKEN HOPE, die Death Metal Veteranen um Brian Griffin (git.), gehörten irgendwie noch nie zu den Gewinnern der Szene. Denn seit Ihrem Debüt "Swamped In Gore" taten sich die Kritiker mit der Band schwer. Zu unoriginell und zu beliebig austauschbar, lautete stets die Anklage seitens des Blätterwaldes. Und auch leider diesmal muß sich die Band einige Kritik gefallen lassen. Denn BROKEN HOPE haben nicht unbedingt einen Meilenstein abgeliefert.
Klar, instrumental sind die Musiker über jeden Zweifel erhaben. Auch das einem Grizzlybär ähnliche Geschöpf hinter dem armen, unschuldigen Mikrophon weiß zu beeindrucken. Jedoch nicht das hektische Durcheinander, mit zahlreichen Breaks und Gefiedel durchsetzte Songwirrwarr, das einem schon nach spätestens vier Songs mit den Augen rollen und verstohlen auf die Uhr blicken läßt. Der eine oder andere mag das sicherlich als progressiv bezeichnen. Toll. Aber warum meistens immer zu Lasten der Songs? 
Wo sind die Zeiten hin als Death noch mit "Scream Bloody Gore", Autopsy mit "Severed Survival" und ein Haufen anderer Bands mit Roheit und Flair zu überzeugen wußten?
Muss eine Death Metal Band unbedingt auf Teufel komm raus zeigen, daß sie spielen kann, als hätten die Musiker sieben Finger an jeder Hand? Weniger ist eben manchmal mehr.

THOMAS 

UNBOUND "In Infinity" 2
Connected/Premium Rec./Sureshot

Unbound - In Infinity

Crowbar sind Originale, ihre Musik schwer wie die Musiker selbst, ihre Texte düster wie die Lebensumstände in Louisiana und daher authentisch. Wenn eine deutsche Band das zu kopieren versucht, muß sie zwangsläufig baden gehen. Und genau das tun UNBOUND mit ihrer Debütplatte "In Infinity". Musikalisch ist man den amerikanischen Schwergewichten schon ziemlich nahe. Dennoch - man kann zu keiner Zeit dieselben Vibes empfangen. Und wenn eine Band auch noch dadurch Berühmtheit erlangt, daß ihr Sänger auf einem Metalfestival  (Wacken) alles und jeden vollpöbelt (und von Rose Tatoo eins auf die Schnauze bekommt), dann lässt das jegliche Unvoreigenommenheit platzen wie eine Seifenblase.
"Time is gone"

THOMAS

THERAPY? "So Much For A Ten Year Plan" 1
ARK21/Universal

Therapy? - So Much For The Ten Year Plan

Eine Band, die mir schon immer so angenehm war wie ein Zahnarztbohrer ist THERAPY?. Und eben diese legen mit "So Much For A Ten Year Plan" eine Best Of-Zusammenstellung aus den Jahren zwischen 1990 bis 2000 vor. Tja, und es interessiert mich, als ob in der Volksrepublik China ein Sack Reis umfällt. Irgendwie waren mir diese freakigen Posterboys in ihren dämlichen Latzhosen und dem Sozialarbeiterlook schon immer zuwider und nun das.
Nein, nein, nein - diesen kautzigen Schrammelpunk behaltet mal schön in eurem Irland. Diese CD in der Andy Warhol-für-Sozialhilfeempfänger-Aufmachung ist wahrlich nichts, was ich gerne in meiner Nähe weiß. Diese Alternativ-, Punk-, Rock- und-weiß-der-Schinder-Mixtur kann man voll aufgedreht und die Boxen zur Wand geneigt vieleicht zum ablösen von Tapeten nehmen. Mehr nicht. Und Tschüß.
"Teethgrinder"

THOMAS

SEPTIC CEMETARY "Shattered" 6
CCP Rec./SPV

Septic Cemetery - Shattered

Die Österreicher SEPTIC CEMETARY legen mit "Sattered" ihre zweite Veröffentlichung vor und zeigen sich gegenüber dem Vorgänger musikalisch gereifter. Genau genommen macht ihre neue CD sogar Laune auf mehr.
Crack Up jammen mit Cemetary nachdem sie Paradise Lost´s "Gothic" gehört haben. Naja, trifft´s nicht ganz, aber diese Namen sind mir beim Anhören durch den Kopf gegangen. 
"Shattered"
Angenehm und wohltuend hebt sich auch das Schlagzeug vom sonstigen CCP-Einerlei ab, das da meist aus Drumcomputern besteht. War "Diabolos Rebellion", SEPTIC CEMETARY´s erste, noch ein bißchen steif und unspektakulär, klingen sie jetzt irgendwie ehrlicher, da wesentlich lockerer und rockiger. Und Ohrwürmer gibt es nun zu Hauf. wie zum Beispiel ...
"Soulfilth"

THOMAS

MERCYLESS "Sure To Be Pure" 2
Sytem Shock

Mercyless - Sure To Be Pure

Meine Herren, was soll den das sein? Die Franzosen versuchen mit allen Mitteln originell zu klingen. Tun sie aber nicht. Blos raus, weg vom Death Metal, heißt die Devise. Wie schon auf dem Vorgänger "Cold" nerven die Jungs hier mit völlig bescheuerten und unmöglichen Songs. Möglichst modern wollen sie klingen, mit Samples und Loops, Pantera-mäßigen Gitarren und Songstrukturen, die nur Leute mit einem Wasserkopf verstehen. Aber wenigstens bekommen die Franzmänner ein witziges Intro gebacken. Aber deswegen 30 Mark ausgeben? Nie.
"Sure To Be Pure"

THOMAS

MANOS "Living Burial" 7
Morbid Rec./ SPV

Manos - Living Burrial

Auch die Anstaltsinsassen Manos hauen uns dieses Jahr eine neue Veröffentlichung um die schon leicht entzündeten Ohren. Auf "Living Burial" bekommt der geneigte Fan alles, was er von MANOS erwartet. Furztrockene Mosh-Riffs, viel Speed und eine Prise Humor - oder wie soll man "Bad Chicken Attack" sonst werten?
"Bad Chicken Attack"
Wer eine großartige Kurskorrektur im Hause MANOS erwartet hat, ist selber Schuld. Ihre Live-Konzerte sind legendär, ihr Sound einzigartig und damit haben sie mehr Fan-Klubs deutschlandweit, als so manche große Amiband. Warum also etwas ändern? Somit hätte folgender Song auch auf früheren Veröffentlichungen MANOS´stehen können.
"Betractor"
Doch ein Song sticht heraus aus dem Rest der Platte, "Lionheart" ist eine uralte Aufnahme, die noch aus DDR-Beständen stammen könnte. Schließlich hießen MANOS einst Löwenherz. Das Ding hat es in sich, wacklige Instrumentierung, schlechtes Englisch, geile Melodie, Ohrwurm ohne Ende. Kult.
"Lionheart"

THOMAS

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