An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 30. März 2004


SUFFERING SOULS „...Escape Into A World Of Dreams...“ 9
Eigenproduktion, 2004

SUFFERING SOULS - ...Escape Into A World Of Dreams...

Daß einem überhaupt noch Tonträger auffallen, denen man durchaus den Aufkleber des Besonderen verpassen würde, ist angesichts der momentanen Veröffentlichungsflut fast ein Wunder. Erst recht, wenn es sich dabei um Eigenproduktionen aus deutschen Landen handelt, die bereits von Fanzines aus der zweiten Reihe nicht gerade mit Ehrfurcht behandelt werden. Diese kleine Einführung soll schließlich schlicht und einfach heißen: SUFFERING SOULS haben mich schier umgehauen.
In Deutschland, einem der Dreh- und Angelpunkte des Heavy Metals, gibt es eigentlich keine Stilverquickung, die nicht schon von irgend einer Band erfolgreich angepackt worden ist. Das schwedische Melodic Death-Prinzip taucht auch immer wieder auf, hat bei den Teutonen aber noch nicht den Überangebots-Kollaps erreicht. Somit agieren SUFFERING SOULS schon mal auf einem Terrain, wo man durchaus Achtungszeichen setzen kann. Und erst recht, wenn man solch eine Spitzenarbeit abliefert.
Da ich die Band vorher nicht kannte, überraschte mich die Melodiösität des Openers "Retribution" doch schon. Woher der Wind weht, wurde mir beim Titelsong endgültig klar, denn hier geht Schleppendes und Flottes Hand in Hand bei einem gleichbleibend hohen Harmonie-Level. Während mir die ersten drei Songs bereits für Bruchteile von Sekunden den Überhit einer kanadischen Band ins Merkzentrum tupften, fiel bei "Just A Dream" Kataklysms "Renaissance" endgültig ins Haus. Bei "Leave Behind" winden sich schwarzmetallische Melodien das Gatter hoch und die Instrumental-Nummer "Dreams" macht endgültig deutlich, weshalb die selbstgewählten Bezüge zu At The  Gates und Edge Of Sanity nicht treffender sein konnten. Und wie, um dies zu bestätigen, wird mit "The Beast Inside" ein echter Ohrwurm nachgereicht.
Mit "Against" zelebrieren SUFFERING SOULS dann weiter das, was ihnen offenbar am besten liegt: breite, schwerfällige Melodieströme. Obendrein wird hier noch eine Leadgitarrenmelodie mitkredenzt, die sofort zum Druck auf die Wiederholungstaste animiert. "Blinded By Hate" könnte soetwas wie ein Finale sein, gäbe es da nicht den letzten Song "Final Thoughts", der unbedingt noch in den von SUFFERING SOULS selbst inszenierten Melodienwettstreit mit eingreifen will.
Die Typen sind großartig.
"Eternal Sleep"/"Against"

JUB

KHOLD "Morke Gravens Kammer" 9
Candlelight/PHD/Sure Shot, 2004

KHOLD - Morke Gravens Kammer

Die eingefleischten Fans werden es eh schon wissen, für alle anderen sei gesagt, daß KHOLD sich aus den Resten der kultigen Norweger Tulus formierten. Diese Band war schon mit ihren Platten "Mysterion" und "Evil 1999" ziemlich eigenständig und lieferte stets gelungene Scheiben ab. So verhält es sich nun auch mit KHOLDs dritter CD "Morke Gravens Kammer". Drummer Sarke und seine Leute wissen meisterlich, mit der Monotonie zu spielen und ihr eine spezielle Stimmung zu entlocken wie sonst nur wenige sie erzeugen. Wer frostiges Geklirre, rasende Grimmigkeit oder schroffes Gespalte erwartet, könnte somit enttäuscht werden. KHOLD sind eher für die bitteren Momente zu haben, für kalte Tristesse, die von Zeit zu Zeit schon mal mit einer kleinen Blast-Attacke aufgebrochen wird. Ansonsten aber eine unnachahmliche, nach Verdammnis riechende Stimmung aufbauen, die jedoch von Rüschenhemd tragenden Rotwein-Gothics gemieden werden sollte. Diese könnten sich nach dem Genuß von "Morke Gravens Kammer" wirklich noch ins Jenseits befördern. Wer auf die primitiven, monotonen und schleppenden Darkthrone-Sachen abfährt, kann bei KHOLD definitiv noch was für sich entdecken.
"Atselgraver"

THOMAS

NEGATIVE CREED "Eyes Of Insanity" 8
Morgenstern Records, 2001

Verdammte Axt! Was die Duisburger Death Metaller von NEGATIVE CREED hier vom Stapel lassen, drückt mit Vehemenz ins Gedärm. Mit traumwandlerischer Sicherheit an den Instrumenten lassen sie ihre ungestümen Kompositionen vom Stapel, daß so mancher Cannibal Corpse-Kopie der Angstschweiß die Stirn runter rinnt. Zwar ist die erste Band, die beim Hören von "Eyes Of Sanity" durch den Kopf schießt, ebenfalls Cannibal Corpse, doch das liegt erstens an der Stimme des Frontmannes und Bassisten Michael Stifft. Dieser röhrt in einer ähnlichen Stimmlage wie sein berühmter Kollege aus dem Kannibalen-Camp. Und zweitens sind die Zutaten aus denen "Eyes Of Sanity" besteht, nämlich halsbrecherische Baßläufe, vertrackte, schleppende Riffs, unerwartete Breaks etc., denen der Kannibalen ebenbürtig. Nur schreiben sie ihre Songs nicht so, daß man glauben soll, Jack Owens oder Alex Webster hätten sie ihnen heimlich zugespielt. Da machen sich NEGATIVE CREED schön einen eigenen Kopf. Und siehe da, es klappt. "Eyes Of Sanity" beinhaltet von der ersten bis zur letzten Sekunde waschechten Death Metal, der weder zu primitiv, noch zu verkompliziert wirkt. NEGATIVE CREED wissen stets, den roten Faden in der Hand zu behalten und dennoch ein zünftiges Inferno vom Zaun zu brechen. negativecreed@web.de
"Eyes Of Insanity"

THOMAS

GRIP INC. "Incorporated" 9
Steamhammer/SPV, 2004

GRIP INC. - Incorporated

Eigentlich hatte ich die Band schon in den ewigen Jagdgründen gesehen. Auch sind die Platten des Trios in schöner Regelmäßigkeit an mir spurlos vorübergezogen. Zwar hatte ihr Debüt "The Power Of Inner Strenght" ein paar klasse Songs, dennoch konnte ich die Band nie so richtig knacken. Beste Voraussetzungen also, um ohne Erwartungshaltung an die Platte ranzugehen. Und siehe da, was Waldemar Sorychta und seine Kollegen mit "Incorporated" hier abgeliefert haben, kann sich durchaus sehen lassen. Daß GRIP INC. noch nie für weit verbreitete Klischees standen, hat sie immer davor bewahrt, eine von vielen gesichtslosen Bands zu werden. Diese Tatsache kommt ihnen auch heuer zugute, denn die Kompositionen atmen stets Frische. Ob es nun der Einsatz von Akustikklampfen ist, die Sitar oder einfach nur die stimmliche Vielschichtigkeit von Gus Chambers - diese Platte wartet immer mit einer Überraschung auf. Die Kompositionen selbst gehen dank Sorychtas Gespür für starke Riffs und ungewöhnliche Läufe nicht im Einheitsbrei der vielen Thrashbands von einst und heute unter. Für den nötigen Wumms sorgt Dave Lombardo, der mit unglaublicher Präzision Fills und Figuren spielt, die noch beim x-ten Durchlauf für bisher ungehörte Details sorgen. Dabei ist es eigentlich egal ob die internationale Interessengemeinschaft aufs Gaspedal tritt oder mit Elektrospielereien, Frauenstimmen, Cello und Tribaldrumming arbeitet. Alle Songs haben spätestens nach dem sechsten Durchlauf ihre Wirkung entfaltet und sind allesamt wert, gehört zu werden. Das GRIP INC. eigentlich so stark sind, hätte ich nie erwartet.
"Privilege"

THOMAS

HELLMASTERS "I Would Kill For Rock'n'Roll" 7
Eigenproduktion, 2002 

HELLMASTERS - I Would Kill For Rock'n'Roll

Als eine Mischung aus Thrash Metal und Rock'n'Roll sehen die HELLMASTERS ihre Musik. Wobei der Thrash-Anteil überwiegt. Die Band gründete sich im Jahre 2000 als Reaktion darauf, daß "Metal Black oder Nu sein muß". Und so beschlossen sie, auf alle Konventionen zu pfeifen und spielten die Musik, die sie von den alten Meistern Motörhead, Slayer, Metallica oder Pantera selbst gerne hörten. Ein ehrenwertes Unterfangen also. Ihre CD "I Would Kill For Rock'n'Roll" bietet elf professionell aufgenommene Stücke, die in der Tat wie eine Reise zurück in die Zeit um die Dekadenwende '80/'90 klingen. Eine Band ist dabei allgegenwärtig: Pantera. Das liegt neben einigen typischen Breaks und den von den Texanern salonfähig gemachten Grooves vor allem an den sowas von stark nach Phil Anselmo klingenden Vocals von Sänger und Gitarrist Andreas Adam. Bemerkenswert auch die konfusen Hochgeschwindigkeits-Leads, hier glaubt man unweigerlich eine alte Megadeth Platte zu hören. Nicht nur die Art und Weise, wie sie gespielt wurden, erinnert daran, sondern auch der Sound, in dem sie aufgenommen wurden. Als wären sie von "Peace sells..." gesampelt. Dann gibt es noch die vereinzelt nach "Kill'em All" klingenden Grundgerüste der Songs. Ihr seht, die HELLMASTERS eignen sich hervorragend dazu, mit ein paar Kumpel sowie einigen Sixpacks "Band raten" zu spielen.
Die Sache hat allerdings auch einen Haken. Denn so authentisch die Trierer Metaller ihren Faves auch huldigen, sie schaffen es leider nur selten, ebenso Klasse Songs zu schreiben wie die Originale. So gut Lieder wie "Get Your Last Order", "Devil Leads", "Different Sizes" usw. auch gemacht sind, es schleichen sich immer hier und da leichte Hänger ein, ohne die die Spannungskurve heftiger ausschlagen würde. Dennoch eine gute CD, die Bock auf die zu Unrecht im Schrank verstaubenden Platten aus den glorreichen Bay Area-Zeiten macht. www.hellmasters.de
"Get Your Last Order"

THOMAS
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