KING`S
X "Manic Moonlight" 4
Metal Blade,
2001
Reichlich entspannt
klingt die neue KING`S X CD "Manic Moonlight". Von der als innovativ und
experimentell geltenden Band um den stark pigmentierten Frontmann Doug
Pinnick hatte ich eigentlich schrägere Klänge erwartet. Statt
dessen bietet das Trio Chillout-Musik, die sich hervorragend als Rausschmeißer-Soundtrack
für Alternativdiskos oder als Begleitmusik zum kiffen, schlafen oder
lesen eignet. Das Gaspedal wird eigentlich nie berührt, geschweige
denn gar durchgetreten. Statt dessen basieren die Songs eher auf den knarzigen,
relaxten Bassgrooves des Afrolook zur Schau tragenden Sängers, welcher
mit ruhigem Sprechgesang aufwartet. Der Sound ist extrem voluminös,
dank der klaren Produktion des Gitarristen Ty Tabor und die Bässe
drücken im tiefsten Mollbereich. Es gibt definitiv nervigeres Zeug
von KING`S X . Von daher finde ich die Platte so schlecht gar nicht. Im
Gegenzug dafür ist sie auch nichts besonderes.
"Skeptikal
Winds"
THOMAS
OLEMUS
„PassionFall“ 8
CCP, 2001
„Forever“
Wenn ich es
nicht besser wüßte, hätte ich OLEMUS unverzüglich
den Finnenstempel aufgedrückt. Denn gerade dort oben spielt man diese
unnachahmliche Mischung aus Black, Death und Gothic, an dem sich selbst
hierzulande schon so manche Band versuchte und nicht zurecht kam. Anders
die Österreicher. OLEMUS haben zwar das ein oder andere von Cryhavoc
oder Sentenced, sind aber unverkennbar um ein ganz eigenes Profil bemüht.
Da gehen die starken Melodien mit wirkungsvollen Riff-Passagen Hand in
Hand, ist die AC-DC-„Thunder“-und-„Are You Ready“-Klimper-Gitarre nicht
nur witzig, sondern passend treibend und kann sich Sänger Robert Bogner
getrost mit Größen des Genres messen, ohne auch nur einen Zentimeter
Boden preisgeben zu müssen.
Die Band gibt
es bereits seit 1993. Sie begann mit Melodic Death Metal, holte sich Keyboards
ins Klangbild, experimentierte mit Frauengesang, veröffentlichte zwei
Demos, eine CD („Bitter Tears“), eine Mini und hat jetzt die zweite Full
Length am Start, „Heaven Will Bleed“.
Wenn OLEMUS
für mich die Entdeckung des Jahres 2001 darstellen, kommt das bei
der langen Bandgeschichte vielleicht recht spät. Aber immerhin besser
als nie.
„Bleeding“
JUB
HED
"Planet Earth" 2
Zomba/Jive,
2001
Eine sehr überflüssige
EP veröffentlichten HED diese Tage, denn von den sechs Songs dieser
Scheibe sind gleich vier die selben, nur in unterschiedlichen Versionen.
Die Rede ist von "The Meadow", welchen es im "Edit"-,"Album Version"-,
Delta Mix"- und im "Original Demo"-Soundgewand zu hören gibt. Der
Song verfügt zwar über eine gefällige Melodie, ist jedoch
nichts Besonderes. Ganz anders klingen da schon die restlichen zwei Stücke
der CD. Die Live-Mitschnitte sind wesentlich rauher und härter als
"The Meadow" und klingen etwas nach New Metal meets Punk.
Dennoch, die
Art und Weise wie hier mit mehreren Versionen eines Songs Zeit geschunden
wird, habe ich schon in der Dancefloorszene (welche mir samt und sonders
am Arsch vorbeigeht) zum Kotzen gefunden. Doch schon längst hat sich
diese Art der Geldschneiderei auch in der Rockszene breit gemacht. Darum
mein Aufruf: Boykottiert solche Scheiße! Die Livestücke bekommen
jeweils einen Punkt.
Braucht dennoch
keine Sau!
"The Meadow"(Edit)
THOMAS
SIRIUS
„Spectral Transition - Dimension Sirius“ 5
Nocturnal
Art Prod., 2001
Dort, wo Emperor-Leute
mitmischen, wird es vertrackt. Das ist auch bei den Norwegern SIRIUS der
Fall. Faust und Samoth haben ihr Pulver mit in die „Spectral Transition
...“-Suppe geworfen und so ist die Musik der Scheibe sicher auch deshalb
eine dieser berühmten Lärmwände, bei denen alle Beteiligten
voller Konzentration ihre Parts herunterhämmern, aber dabei kein Feuer
in den Augen haben. Wie gehabt: Beeindruckend aber nicht wirklich hörenswert.
Allerdings, die Death Metal-Elemente in der SIRIUS-Musik haben etwas, das
Aufhorchen läßt.
„Into Forbidden
Dimension“
JUB
HARMFUL
"Simple Touch/Hardship" 3
BMG/Syringe/Firestarter,
2001
Als Vorab-Single
zum neuen Album von HARMFUL kann man sich diese Single in den heimischen
Platten- ,Entschuldigung, CD-Schrank stellen. Vorrausgesetzt Ihr steht
auf mittelschnellen, dezent noisig angehauchten Gitarrenpop ohne Höhen
und Tiefen. Die Lieder, zwei an der Zahl, rauschen in einem Zug durch den
Gehörgang, allerdings aalglatt, so daß sich nichts aber auch
gar nichts festsetzt. "Simple Touch/Hardship" ist nett produzierte Langeweile.
"Simple
Touch"
THOMAS
HEMISPHERE
„Mind’s Door“ 7
Elevate Records/66th
Floor/SPV, 2001
Auf einem Festival
der großen Progressiv-Metal-Kapellen würden HEMISPHERE vermutlich
den Moment markieren, wo die Fans allesamt im Saal bleiben, die Biere wieder
etwas gelassener zum Mund führen und die Gesichtszüge entspannen.
Warum? Während die Progressiv-Szene voll ist von Instrumente-Vergewaltigern,
machen HEMISPHERE trotz detailverliebter Songstrukturen einen äußerst
unaufdringlichen Eindruck. Natürlich zeigt Gitarrist Fabio Cerrone,
was er kann, sind die Stücke gespickt mit klassisch anmutenden Läufen,
flirtet Sänger Roberto Messina mit hohen Regionen und spielt auch
das Keyboard eine nicht gerade untergeordnete Rolle - und doch scheint
nichts zum Selbstzweck zu passieren.
„On Fire“
Die einzelnen
Elemente ordnen sich dem Charakter des Songs unter. Ja, manchmal agieren
die Italiener fast in sich gekehrt und sind ausgerechnet dann am Wirkungsvollsten.
Komponist, Arrangeur und Performer Fabio Cerrone hat seine Lektion Rush
und Yes sehr gut gelernt.
„The Reveal
- Part I“
JUB
GRAVE
"Into The Grave" (Re-Release) 8
Century Media,
2001
Wir schreiben
das Jahr 1991, Metal aus Schweden war noch mit dem Exotenbonus behaftet
und die Band GRAVE noch tiefster Underground. Das Hauptaugenmerk der noch
jungen Death Metal-Szene richtete sich noch fast allein auf Entombed, welche
tiefergelegten Gitarrensound aus Schweden weltweit salonfähig machten.
Da passierte es, daß Unleashed, Dismember und eben GRAVE jeweils
mit einem Paukenschlag debutierten. Die unlängst von Corpse in GRAVE
umbenannte Band von dem fast menschenleeren Trümmereiland Gotland
veröffentlichte ihren wegweisenden Meilenstein "Into The Grave". Da
GRAVE noch nie die großen Techniker waren, lag ihr Erfolgsrezept
in der Einfachheit ihrer Musik. Will heißen, meterdicke Gitarrenwände
treffen auf simple aber effektvolle Drums und eine kellertiefe Stimme,
zum Teil kurzzeitig mit netten Harmoniezereffekten gespickt. Dieser Rohdiamant
nordischen Death Metals wurde im Sunlight Studio unter der Leitung von
Tomas Skogsberg, welcher bald zum schwedischen Pendant der Death Metal-Produzentenlegende
Scott Burns werden sollte, druckvoll in Szene gesetzt.
Allerdings
ging "Into The Grave" seinerzeit etwas unter. Was daran lag, daß
die Kritiker mit der Scheibe nicht soviel anfangen konnten wie zum Beispiel
mit "Left Hand Path". Weiß der Henker wieso. Heute, zehn Jahre später,
wird der Scheibe der ihr gebührende Respekt zuteil, indem sie - wie
auch schon Unleasheds Erstwerk "Where No Life Dwells" - neu aufgelegt und
mit Bonusmaterial reich versehen wiederveröffentlicht wird.
"For Your
God"
Das Bonuszeug
ist zu größten Teil bereits veröffentlicht, außer
zwei vom Originalsound etwas abweichender Versionen von "Day Of Mourning"
sowie "Inhuman". Außerdem gibt es noch den Videoclip von "Soulless"
im CDR-Format mit auf den Weg. Da dieses zeitgenössische Tondokument
auch heute nichts, aber auch gar nichts von seinem Charme eingebüßt
hat, gebühren ihm auch heute noch als Mindestmaß acht Punkte.
"Inhuman"
THOMAS
FISH
„Fellini Days“ 8
EFA, 2001
Er ist treu wie Gold. In stoischer
Regelmäßigkeitveröffentlicht Fish Alben und schert sich
einen Dreck um Trends. Dabei hätte er es finanziell wirklich bitter
nötig, ist er um die Rechte seiner Songs doch nicht nur einmal betrogen
worden. Aber Fish ist Musiker mit Leib und Seele. Un dabei offenbart er
immer wieder Größe. Nicht nur seine körperliche, denn die
ist immens. Nein, auch in kreativer Hinsicht weiß der Ex-Marillion-Frontmann
trotz des Festhaltens an progressiven Strukturen erneut zu überraschen.
Auf seinem aktuellen Album "Fellini
Days" - eine Homage an den großen italienischen Filmemacher Frederico
Fellini - sind die Arrangements wieder Wunderwerke, die Melodien erstaunlich
eingängig, der Sound herrlich rauh. Zwischen Ballade ("Obligatory
Ballad") und Heavy Rock ("Long Cold Days") kredenzt Fish Meisterliches.
Seine einstige Stamm-Formation Marillion läßt der Zwei-Meter-Mann
mit dieser Scheibe alt aussehen.
JUB
DOMAIN
„One Million Lightyears From Home“ 8
Flying Dolphin,
2001
„One Million
Lightyears From Home“
Bei der DOMAIN-Scheibe
„One Million Lightyears From Home“ hätte ich beinahe auf eine Wiederveröffentlichung
getippt. Diese aktuelle CD der Deutschen atmet nämlich in jeder Note
den US-Melodic-Metal der Mitte der 80er Jahre. Angefangen von den wirklich
akkuraten Melodien über den Sound mit seinen auf beinahe gleicher
Ebene agierenden Gitarren und Keyboard bis hin zu den funktionierenden
Balladen. DOMAIN haben ihr Handwerk von der Pike auf gelernt, stammen sie
doch aus eben jener Zeit, als der Melodic Metal seine Blüte erlebte.
So veröffentlichte die Band zwischen 1986 und 1992 drei Alben. Und
was sich da an Erfahrungen sammelte, offenbart halt die Neue. Mit dieser
Musik kann man als Metal-Fan die neue Schickse beeindrucken, wenn diese
heavy Stuff bisher lediglich mit rülpsenden, vollgesoffenen, tätowierten
Prolls, die den Klängen von Schrottplatzarbeiten lauschen, in Verbindung
brachte.
„Blistered
Souls“
JUB
VIRGO
"Virgo" 3
Steamhammer/SPV,
2001
Hinter VIRGO
verbirgt sich ein relativ bekanntes Musikerduo bestehend aus Andre Matos,
welcher durch seine alte Band Angra zu einem Begriff in der Melodic Metal-Szene
wurde und Sascha Paeth, seines Zeichens Musiker bei den Progmetallern von
Heaven´s Gate sowie Produzent von Rhapsody, Kamelot und ebend Angra.
Diese beiden taten sich zusammen um ein Album einzuspielen, das mit Metal
nichts zu tun hat. Vielmehr legt man im Hause VIRGO Wert auf eine Mischung
aus Pop, Sänger/Songschreiber-Musik und ruhigem Prog. Zu dieser Mischung
gesellen sich außerdem noch Zitate aus dem klassischen Bereich, 70er
Jahre Disko-Sound, moderne Elektro-Loops und ähnlicher Zinnober. Zugegeben,
die Mischung klingt erst einmal interressant, doch das Label haut gleich
voll durch. So ist "Virgo" ihrer Meinung nach "in jeder Hinsicht eine echte
Überraschung". Naja, überrascht war ich erst einmal, daß
das Album beim ersten Mal hören gänzlich ohne Höhepunkte
und Aha-Effekte auskommt und trotzdem von der Labelseite hinkende Queen-Vergleiche
bemüht wurden. Diese werden jedoch von den Musikern selbst löblicherweise
verbal relativiert. Beim zweiten Hördurchgang werden die Stücke
wesentlich schlüssiger, doch kann ich beim besten Willen keine Gospelchöre
und Soulgeträller auf einer Rock/Metal-CD ertragen. Nach mehrmaligem
Hören der Platte kann ich sagen, daß einige Ideen der Musiker
in der Theorie durchaus funktionieren können, von der Band aber leider
zu blutarm und mit wenig Überzeugung dargeboten werden.
"River"
THOMAS
GLENN
HUGHES „Building The Machine“ 8
Steamhammer/SPV,
2001
Da ist er mal
wieder voll in seinem Element, der Glenn. Auf „Building The Machine“ gibt
es wieder eine Kostprobe der wohl berühmtesten Mischung aus Heavy
Rock und Funk seit es GLENN HUGHES gibt. Das groovt, drückt, hat Power.
Glenns Stimme ist der Hauptakteur, die Hammond-Orgel scheint als Reminiszenz
zu dienen. Und schöne Grüße an Deep Purple mit „Highball
Shooter“ vom „Stormbringer“-Album.
„Can’t
Stop The Flood“
JUB
[vor][zurück]