An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 30. Oktober 2001


KING`S X "Manic Moonlight" 4
Metal Blade, 2001

King's X - Manic Moonlight

Reichlich entspannt klingt die neue KING`S X CD "Manic Moonlight". Von der als innovativ und experimentell geltenden Band um den stark pigmentierten Frontmann Doug Pinnick hatte ich eigentlich schrägere Klänge erwartet. Statt dessen bietet das Trio Chillout-Musik, die sich hervorragend als Rausschmeißer-Soundtrack  für Alternativdiskos oder als Begleitmusik zum kiffen, schlafen oder lesen eignet. Das Gaspedal wird eigentlich nie berührt, geschweige denn gar durchgetreten. Statt dessen basieren die Songs eher auf den knarzigen, relaxten Bassgrooves des Afrolook zur Schau tragenden Sängers, welcher mit ruhigem Sprechgesang aufwartet. Der Sound ist extrem voluminös, dank der klaren Produktion des Gitarristen Ty Tabor und die Bässe drücken im tiefsten Mollbereich. Es gibt definitiv nervigeres Zeug von KING`S X . Von daher finde ich die Platte so schlecht gar nicht. Im Gegenzug dafür ist sie auch nichts besonderes.
"Skeptikal Winds"

THOMAS

OLEMUS „PassionFall“ 8
CCP, 2001

Olemus - PassionFall

„Forever“
Wenn ich es nicht besser wüßte, hätte ich OLEMUS unverzüglich den Finnenstempel aufgedrückt. Denn gerade dort oben spielt man diese unnachahmliche Mischung aus Black, Death und Gothic, an dem sich selbst hierzulande schon so manche Band versuchte und nicht zurecht kam. Anders die Österreicher. OLEMUS haben zwar das ein oder andere von Cryhavoc oder Sentenced, sind aber unverkennbar um ein ganz eigenes Profil bemüht. Da gehen die starken Melodien mit wirkungsvollen Riff-Passagen Hand in Hand, ist die AC-DC-„Thunder“-und-„Are You Ready“-Klimper-Gitarre nicht nur witzig, sondern passend treibend und kann sich Sänger Robert Bogner getrost mit Größen des Genres messen, ohne auch nur einen Zentimeter Boden preisgeben zu müssen.
Die Band gibt es bereits seit 1993. Sie begann mit Melodic Death Metal, holte sich Keyboards ins Klangbild, experimentierte mit Frauengesang, veröffentlichte zwei Demos, eine CD („Bitter Tears“), eine Mini und hat jetzt die zweite Full Length am Start, „Heaven Will Bleed“.
Wenn OLEMUS für mich die Entdeckung des Jahres 2001 darstellen, kommt das bei der langen Bandgeschichte vielleicht recht spät. Aber immerhin besser als nie.
„Bleeding“

JUB

HED "Planet Earth" 2
Zomba/Jive, 2001

hed - Planet Earth

Eine sehr überflüssige EP veröffentlichten HED diese Tage, denn von den sechs Songs dieser Scheibe sind gleich vier die selben, nur in unterschiedlichen Versionen. Die Rede ist von "The Meadow", welchen es im "Edit"-,"Album Version"-, Delta Mix"- und im "Original Demo"-Soundgewand zu hören gibt. Der Song verfügt zwar über eine gefällige Melodie, ist jedoch nichts Besonderes. Ganz anders klingen da schon die restlichen zwei Stücke der CD. Die Live-Mitschnitte sind wesentlich rauher und härter als "The Meadow" und klingen etwas nach New Metal meets Punk. 
Dennoch, die Art und Weise wie hier mit mehreren Versionen eines Songs Zeit geschunden wird, habe ich schon in der Dancefloorszene (welche mir samt und sonders am Arsch vorbeigeht) zum Kotzen gefunden. Doch schon längst hat sich diese Art der Geldschneiderei auch in der Rockszene breit gemacht. Darum mein Aufruf: Boykottiert solche Scheiße! Die Livestücke bekommen jeweils einen Punkt. 
Braucht dennoch keine Sau!
"The Meadow"(Edit)

THOMAS

SIRIUS „Spectral Transition - Dimension Sirius“ 5
Nocturnal Art Prod., 2001

Sirius - Spectral Transition - Dimension Sirius

Dort, wo Emperor-Leute mitmischen, wird es vertrackt. Das ist auch bei den Norwegern SIRIUS der Fall. Faust und Samoth haben ihr Pulver mit in die „Spectral Transition ...“-Suppe geworfen und so ist die Musik der Scheibe sicher auch deshalb eine dieser berühmten Lärmwände, bei denen alle Beteiligten voller Konzentration ihre Parts herunterhämmern, aber dabei kein Feuer in den Augen haben. Wie gehabt: Beeindruckend aber nicht wirklich hörenswert. Allerdings, die Death Metal-Elemente in der SIRIUS-Musik haben etwas, das Aufhorchen läßt.
„Into Forbidden Dimension“

JUB

HARMFUL "Simple Touch/Hardship" 3
BMG/Syringe/Firestarter, 2001

Harmful - Simple Touch/Hardship

Als Vorab-Single zum neuen Album von HARMFUL kann man sich diese Single in den heimischen Platten- ,Entschuldigung, CD-Schrank stellen. Vorrausgesetzt Ihr steht auf mittelschnellen, dezent noisig angehauchten Gitarrenpop ohne Höhen und Tiefen. Die Lieder, zwei an der Zahl, rauschen in einem Zug durch den Gehörgang, allerdings aalglatt, so daß sich nichts aber auch gar nichts festsetzt. "Simple Touch/Hardship" ist nett produzierte Langeweile.
"Simple Touch"

THOMAS

HEMISPHERE „Mind’s Door“ 7
Elevate Records/66th Floor/SPV, 2001

Hemisphere - Mind's Door

Auf einem Festival der großen Progressiv-Metal-Kapellen würden HEMISPHERE vermutlich den Moment markieren, wo die Fans allesamt im Saal bleiben, die Biere wieder etwas gelassener zum Mund führen und die Gesichtszüge entspannen. Warum? Während die Progressiv-Szene voll ist von Instrumente-Vergewaltigern, machen HEMISPHERE trotz detailverliebter Songstrukturen einen äußerst unaufdringlichen Eindruck. Natürlich zeigt Gitarrist Fabio Cerrone, was er kann, sind die Stücke gespickt mit klassisch anmutenden Läufen, flirtet Sänger Roberto Messina mit hohen Regionen und spielt auch das Keyboard eine nicht gerade untergeordnete Rolle  - und doch scheint nichts zum Selbstzweck zu passieren.
„On Fire“
Die einzelnen Elemente ordnen sich dem Charakter des Songs unter. Ja, manchmal agieren die Italiener fast in sich gekehrt und sind ausgerechnet dann am Wirkungsvollsten. Komponist, Arrangeur und Performer Fabio Cerrone hat seine Lektion Rush und Yes sehr gut gelernt.
„The Reveal - Part I“

JUB

GRAVE "Into The Grave" (Re-Release) 8
Century Media, 2001

Grave - Into The Grave

Wir schreiben das Jahr 1991, Metal aus Schweden war noch mit dem Exotenbonus behaftet und die Band GRAVE noch tiefster Underground. Das Hauptaugenmerk der noch jungen Death Metal-Szene richtete sich noch fast allein auf Entombed, welche tiefergelegten Gitarrensound aus Schweden weltweit salonfähig machten. Da passierte es, daß Unleashed, Dismember und eben GRAVE jeweils mit einem Paukenschlag debutierten. Die unlängst von Corpse in GRAVE umbenannte Band von dem fast menschenleeren Trümmereiland Gotland veröffentlichte ihren wegweisenden Meilenstein "Into The Grave". Da GRAVE noch nie die großen Techniker waren, lag ihr Erfolgsrezept in der Einfachheit ihrer Musik. Will heißen, meterdicke Gitarrenwände treffen auf simple aber effektvolle Drums und eine kellertiefe Stimme, zum Teil kurzzeitig mit netten Harmoniezereffekten gespickt. Dieser Rohdiamant nordischen Death Metals wurde im Sunlight Studio unter der Leitung von Tomas Skogsberg, welcher bald zum schwedischen Pendant der Death Metal-Produzentenlegende Scott Burns werden sollte, druckvoll in Szene gesetzt.
Allerdings ging "Into The Grave" seinerzeit etwas unter. Was daran lag, daß die Kritiker mit der Scheibe nicht soviel anfangen konnten wie zum Beispiel mit "Left Hand Path". Weiß der Henker wieso. Heute, zehn Jahre später, wird der Scheibe der ihr gebührende Respekt zuteil, indem sie - wie auch schon Unleasheds Erstwerk "Where No Life Dwells" - neu aufgelegt und mit Bonusmaterial reich versehen wiederveröffentlicht wird. 
"For Your God"
Das Bonuszeug ist zu größten Teil bereits veröffentlicht, außer zwei vom Originalsound etwas abweichender Versionen von "Day Of Mourning" sowie "Inhuman". Außerdem gibt es noch den Videoclip von "Soulless" im CDR-Format mit auf den Weg. Da dieses zeitgenössische Tondokument auch heute nichts, aber auch gar nichts von seinem Charme eingebüßt hat, gebühren ihm auch heute noch als Mindestmaß acht Punkte.
"Inhuman"

THOMAS

FISH „Fellini Days“ 8
EFA, 2001

Fish - Fellini Days

Er ist treu wie Gold. In stoischer Regelmäßigkeitveröffentlicht Fish Alben und schert sich einen Dreck um Trends. Dabei hätte er es finanziell wirklich bitter nötig, ist er um die Rechte seiner Songs doch nicht nur einmal betrogen worden. Aber Fish ist Musiker mit Leib und Seele. Un dabei offenbart er immer wieder Größe. Nicht nur seine körperliche, denn die ist immens. Nein, auch in kreativer Hinsicht weiß der Ex-Marillion-Frontmann trotz des Festhaltens an progressiven Strukturen erneut zu überraschen.
Auf seinem aktuellen Album "Fellini Days" - eine Homage an den großen italienischen Filmemacher Frederico Fellini - sind die Arrangements wieder Wunderwerke, die Melodien erstaunlich eingängig, der Sound herrlich rauh. Zwischen Ballade ("Obligatory Ballad") und Heavy Rock ("Long Cold Days") kredenzt Fish Meisterliches. Seine einstige Stamm-Formation Marillion läßt der Zwei-Meter-Mann mit dieser Scheibe alt aussehen.

JUB

DOMAIN „One Million Lightyears From Home“ 8
Flying Dolphin, 2001

Domain - One Million Lightyears From Home

„One Million Lightyears From Home“
Bei der DOMAIN-Scheibe „One Million Lightyears From Home“ hätte ich beinahe auf eine Wiederveröffentlichung getippt. Diese aktuelle CD der Deutschen atmet nämlich in jeder Note den US-Melodic-Metal der Mitte der 80er Jahre. Angefangen von den wirklich akkuraten Melodien über den Sound mit seinen auf beinahe gleicher Ebene agierenden Gitarren und Keyboard bis hin zu den funktionierenden Balladen. DOMAIN haben ihr Handwerk von der Pike auf gelernt, stammen sie doch aus eben jener Zeit, als der Melodic Metal seine Blüte erlebte. So veröffentlichte die Band zwischen 1986 und 1992 drei Alben. Und was sich da an Erfahrungen sammelte, offenbart halt die Neue. Mit dieser Musik kann man als Metal-Fan die neue Schickse beeindrucken, wenn diese heavy Stuff bisher lediglich mit rülpsenden, vollgesoffenen, tätowierten Prolls, die den Klängen von Schrottplatzarbeiten lauschen, in Verbindung brachte. 
„Blistered Souls“

JUB

VIRGO "Virgo" 3
Steamhammer/SPV, 2001

Virgo - Virgo

Hinter VIRGO verbirgt sich ein relativ bekanntes Musikerduo bestehend aus Andre Matos, welcher durch seine alte Band Angra zu einem Begriff in der Melodic Metal-Szene wurde und Sascha Paeth, seines Zeichens Musiker bei den Progmetallern von Heaven´s Gate sowie Produzent von Rhapsody, Kamelot und ebend Angra. Diese beiden taten sich zusammen um ein Album einzuspielen, das mit Metal nichts zu tun hat. Vielmehr legt man im Hause VIRGO Wert auf eine Mischung aus Pop, Sänger/Songschreiber-Musik und ruhigem Prog. Zu dieser Mischung gesellen sich außerdem noch Zitate aus dem klassischen Bereich, 70er Jahre Disko-Sound, moderne Elektro-Loops und ähnlicher Zinnober. Zugegeben, die Mischung klingt erst einmal interressant, doch das Label haut gleich voll durch. So ist "Virgo" ihrer Meinung nach "in jeder Hinsicht eine echte Überraschung". Naja, überrascht war ich erst einmal, daß das Album beim ersten Mal hören gänzlich ohne Höhepunkte und Aha-Effekte auskommt und trotzdem von der Labelseite hinkende Queen-Vergleiche bemüht wurden. Diese werden jedoch von den Musikern selbst löblicherweise verbal relativiert. Beim zweiten Hördurchgang werden die Stücke wesentlich schlüssiger, doch kann ich beim besten Willen keine Gospelchöre und Soulgeträller auf einer Rock/Metal-CD ertragen. Nach mehrmaligem Hören der Platte kann ich sagen, daß einige Ideen der Musiker in der Theorie durchaus funktionieren können, von der Band aber leider zu blutarm und mit wenig Überzeugung dargeboten werden.
"River"

THOMAS

GLENN HUGHES „Building The Machine“ 8
Steamhammer/SPV, 2001

Glenn Hughes - Building The Machine

Da ist er mal wieder voll in seinem Element, der Glenn. Auf „Building The Machine“ gibt es wieder eine Kostprobe der wohl berühmtesten Mischung aus Heavy Rock und Funk seit es GLENN HUGHES gibt. Das groovt, drückt, hat Power. Glenns Stimme ist der Hauptakteur, die Hammond-Orgel scheint als Reminiszenz zu dienen. Und schöne Grüße an Deep Purple mit „Highball Shooter“ vom „Stormbringer“-Album.
„Can’t Stop The Flood“

JUB

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