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31.03.2009
ABGEHÖRT

Aktuelles Metal-Material vorgestellt


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07.04.2009 >>>

SPOIL ENGINE
“Skinnerbox v.07“

On Air: „Nihil”

SPOIL ENGINE

 

Was habe ich mich gedreht und gewunden, als ich SPOIL ENGINEs CD „Skinnerbox v.07“ hörte, und von Song zu Song mehr spürte, wie die Musik mich mitriß. Dabei hatte ich es doch mit einer verdammten Hardcore/Thrash-Band zu tun, die alle Kriterien erfüllt, um bei all diesen New-Metal-Kasperköppen ein Stein im Brett zu haben. Da sind die durchschlagenden Riffungetüme, die treibenden Grooves, die klaren Bridge- oder Refrain-Passagen, der Brüllwürfel am Mikro … Warum also haut mich diese Band so um? Ich denke mal, eben wegen dieser Riffungetüme, die bei Anthrax auf den Innersleeves als Mosh-Parts markiert worden wären; wegen der treibenden Grooves, die einen hier kaum zur Ruhe kommen lassen; auch wegen der guten Melodien, die durch Klargesänge unterstützt werden, wenn sich bei „Fitting The Peace“ auch ein unsauberer Ton eingeschlichen zu haben scheint; und auch wegen dieses Brüllgesangs, der im Falle von SPOIL ENGINE vor Kraft nur so strotzt.
Die Belgier zeigen, daß eine moderne Metal-Spielauffassung nicht automatisch in die Kartoffeln gehen muß, denn gute Musiker unterscheiden sich vom Kroppzeug in allen Stilrichtungen.

 

Erschienen: 2007
Label: Apache Productions
Homepage: www.spoilengine.com

Wertung: 9 von 10

JUB


BLOOD STAIN CHILD
“Mozaiq“

On Air: „Pitch Black Room”

BLOOD STAIN CHILD

 

Sie sind nicht nur eine der ungewöhnlichsten japanischen Bands, auch weltweit dürfte das Konzept von BLOOD STAIN CHILD eher selten sein. Abgesehen davon, daß der Fünfer zwischen konsequent skandinavischem Klang und sogenanntem Metalcore hin und herjagt, ist es schon eine ziemlich durchgeknallte Sache, Melodic Death/Thrash mit Techno zu vermischen, der verdammt hart am Dancefloor langschrammt. „Pitch Black Room“ zum Beispiel beginnt als reine Techno-Nummer und wird erst nach einigen langen Schrecksekunden durch den Gitarrenalarm aufgerissen. „Energy Blast“ ist als Gegenstück vornehmlich Metalbreitseite pur, die peitschenden Electronic-Beats werden aber selten ausgespart. Für Puristen wird das sicherlich die Hölle sein. Rein musikalisch gesehen, hat diese Verbindung etwas, denn wenngleich das Geknüppel schon ziemlich nach vorn treibt, setzten die Synthi-Rhythmen noch einen drauf und sorgen für einen zusätzlichen Sog. Die Härte wird – und das wird einige wundern – durch das synthetische Gezwirbel nicht abgeschwächt. Man stellt halt immer wieder nur erstaunt fest, daß das alles irgendwie zu funktionieren schient.

 

Erschienen: 2007
Label: Dockyard1
Homepage: www.bloodstainchild.com

Wertung: 8 von 10

JUB


RAZORSHAPE
“Live With It“

On Air: „In Dirt”

RAZORSHAPE

 

Das ist irgendwie Alternative auf Speed. Will heißen, RAZORSHAPE haben diese N`Roll-Attitüde, verpassen dem Ganzen aber einer kraftvolle Death/Thrash-Note. Vor allem Sänger Benjamin DLJ gurgelt rauh vor sich hin, was anfangs durchaus Charme verbreitet, mit der Zeit aber recht beliebig wird. Genau wie RAZORSHAPEs Musik. Die ist nämlich nicht mehr als lediglich ganz nett. Man kann sie hören und wird je nach Laune denken, sie sei okay oder ziemlich nervig.

 

Erschienen: 2007
Label: Black Square Records
Homepage: www.razorshape.com

Wertung: 5 von 10

JUB


DORO
“Fear No Evil“

On Air: „Running From The Devil”

DORO

 

Das hätte ich im Leben nicht für möglich gehalten, aber auch in der heutigen Zeit, wo alles bis zum Erbrechen erklärbar ist, geschehen noch Wunder. Und selbst wenn das ein wenig pathetisch klingt: Die neue DORO-Scheibe, „Fear No Evil“, ist solch ein kleines Wunder. Man wußte ja, daß Deutschlands Metal-Königin immer für soliden Stoff gut ist. Daß sie jedoch noch dazu in der Lage ist, die Metal-Gemeinde zusammenzutrommeln, um mit ihr einen Trip in die Hochzeit von Warlock zu unternehmen, ist nicht zu erwarten gewesen. „The Night Of The Warlock“, „Running From The Devil“, „Caught In The Battle“, „I Lay My Head Upon My Sword” und “Long  Lost For Love” sind krachharter, phantasievoller, hochmelodiöser, hymnenhafter Heavy Metal wie er heute nur noch wenigen gelingt. “Herzblut” ist ein “Für immer” Teil II, ohne zu kopieren. Vielmehr ist die unter die Haut gehende Wirkung die gleiche. Höllisch geil.
Auch das Duett mit Tarja Turunen, „Walking With The Angels“, ist gelungen.
Ebenso die  Reminiszenz an die eigene Vergangenheit und der Dank an die Fans, “25 Years”, wo es einen eindrucksvollen “Für Immer”-Moment gibt. Die großartige Hit-Single „Celebrate“ wurde an dieser Stelle bereits ausführlich beschrieben.
Wenn es etwas gibt, das auf „Fear No Evil“ schwächelt, dann höchstens „On The Run“. Das ist „nur“ ein Durchschnitts-Rocker. Allerdings kann sich einen Scheibe, die ansonsten nur Weltmeisterliches zu bieten hat, solch einen Augenblick des dezenten Durchhängens erlauben.

 

 

Erschienen: 2009
Label: AFM
Homepage: www.doromusic.com

Wertung: 10 von 10

JUB


GUTS PIE EARSHOT
“Smart Desert“

On Air: „California über alles”

GUTS PIE EARSHOT

 

Cello und Schlagzeug machen uns den Rock. Da war doch was? Das hatten wir doch schon mal. – Richtig. Das Konzept der ostdeutschen Band The Inchtobakotables beruhte einst vollständig auf dieser musikalischen Basis. Die ließen dermaßen die Herde aus dem Stall, daß sie sich rasch zu einem Geheimtipp für Fans ausgefallener Klänge etablierten. Die Mischung aus Mittelalter, Punk, Metal und Avantgardismus kam gut an. Durchgeknallte Sonderlinge hatten in den 90ern sowieso Hochkonjunktur.
Von daher ist das, was GUTS PIE EARSHOT machen, überhaupt nicht neu. Streckenweise klingen sie sogar wie die Inchtobakotables, nur halt ohne Gesang, denn „Smart Desert“ ist ein reines Instrumental-Album. Und wie eingangs erwähnt, sind Cello und Schlagzeug die dominierenden Instrumente. Und wer meint, ein Cello könnte nicht ordentlich wüten, der probiere mal „Exist“ aus, das kommt gar in Metal-Regionen. Wenngleich das hier nichts mit dem Bombast-Sound von Apocalyptica zu tun hat.
Denn eigentlich sind GUTS PIE EARSHOT weniger etwas für Headbanger. Wer allerdings immer mal wieder ausgetretene Pfade verlassen möchte, der erlebt hier definitiv Ungewohntes. Patrick Cybinski veranstaltet mit seinem Cello alles möglich. Mal wird draufgedroschen, dann gestrichen, daß ein Sirenenton entsteht, an anderer Stelle wieder per Hand geschrubbt oder ganz klassisch verwendet.
„Smart Desert“ ist eine Scheibe voll illustrer Klänge vom Punk (stark die Version des Dead-Kennedys-Klassikers „California über alles“) über experimentelle Avantgarde-Klänge („Cottonfield“) bis hin zu orientalischer Weltmusik („Smart Desert“).
Zu GUTS PIE EARSHOT sei noch gesagt, daß die so neu nicht sind. Sie sollen sich in den 90er Jahren bereits einen Namen als Hardcore-Band gemacht haben. Vorangegangene Veröffentlichungen wiederum hätten sich mehr mit Techno und Drum’n Bass auseinandergesetzt. Wie Ihr seht, brauchen deren Fans ein dickes Fell.

 

Erschienen: 2009
Label: Major Label
Homepage: www.gutspieearshot.com

Wertung: 7 von 10

JUB


SILVER FIST
“Tears Of Blood“

On Air: „Balls To The Wall”

SILVER FIST

 

Die Härte stimmt, die Machart ist nach klassischem Muster, durchschlagende Riffs bestimmen den Charakter eines jeden Songs, die Strukturen gestalten sich wie man es kennt und mag. – SILVER FIST aus Spanien machen Heavy Metal der alten Schule. Da hat man Stoff zum Bangen, um freudetrunken die Faust in den Himmel zu strecken, das Bier kreisen zu lassen. Berührt wird man auf „Tears Of Blood“ allerdings nur von dem Accept-Cover „Balls To The Wall“. Und das vor allem, weil es 1:1 kopiert wurde. Sogar der Gesang kommt der Stimme von Udo Dierkschneider sehr nahe. Ansonsten klingt Sänger Silver Solorzano eher tiefer und rauher.
Woran liegt es nun, daß die ohrenscheinlich ausgeklügelt gestalteten Songs dann doch nicht so recht zu Begeisterungsstürmen hinreißen wollen? Vielleicht eben genau an all jenen Merkmalen, die wie gesagt stimmen, hier aber vor allem benutzt wurden, um so zu klingen wie … Dadurch bleibt das Material auf „Tears …“ vor allem Durchschnitt. Man spürt den Spaß, den die Band hat. Man spürt auch das Wollen, für meine Ohren ist das aber alles einen Tick zu hausbacken.
Die Ballade „I Still Believe In You“ ist übrigens gar nicht so übel, das romanisch vergewaltigte Englisch ist allerdings unfreiwillig komisch.

 

Erschienen: 2007
Label: Avispa
Homepage: www.silverfist.com

Wertung: 6 von 10

JUB


NAGELFAR
“Hünengrab im Herbst“

On Air: „Srontgorrth (Das dritte Kapitel)”

NAGELFAR

 

Wenn Fans einer Band, die seit längerem das Zeitliche gesegnet hat, neu verpackt altes  Material zu hören bekommen, kommt das einer Wollust-Erfahrung gleich. Vor allem keimt ja sofort die Hoffnung auf, eine Wiederkehr sei möglich.
Wie das im Fall von NAGELFAR ist, sei mal dahingestellt. Mit „Hünengrab im Herbst“ kann jetzt auf jeden Fall das Debüt der deutschen Black-Metal-Band von vor zwölf Jahren erneut in den einschlägigen Katalogen bestellt werden. Die Songs wurden 1997 sämtlichst im Stage One Studio aufgenommen, was einen einheitlichen und brauchbaren Sound garantierte.
NAGELFAR haben hier in voller Länge ihre epische Ader geöffnet. Sie agieren getragen, es wird häufig klar und pathetisch gesungen, was eigentlich immer danebengeht aber unheimlich authentisch klingt. Ich möchte wirklich wissen, wer sich daran stört, daß hier von einer tonalen Sicherheit nicht die Rede sein kann.
Wichtig ist bei den großartigen NAGELFAR immer der Song. Und da hatten die Typen was weg. Jedes Stück offenbart einen eigenen Charakter. Getragene Momente und harsches Geknüppel reihen sich nie zufällig oder zum Selbstzweck aneinander. Man hört die Bedeutung heraus. Wenn man also atmosphärischen Black Metal bevorzugt, geht man mit dem „Hünengrab …“ garantiert den richtigen Weg.
Großes Lob, daß dieses Album wiederveröffentlicht wurde. Angereichert mit „Fressen der Raben“ von 1995 wird das Ganze für in Sachen Black Metal historisch Interessierte noch einen Tick interessanter.

 

Erschienen: 2009/1997
Label: Ván Records
Homepage:

Wertung: 8 von 10

JUB


BLACK LOTUS
“Harvest Of Seasons“

On Air: „Terra Hiberna”

BLACK LOTUS

 

Wie das Land, so die Musik. BLACK LOTUS kommen aus Kanada. Dort erfährt man, was Weiten sind. Der Begriff Größe bekommt neue Dimensionen. Das gilt auch für „Harvest Of Season“. Episch, erhaben, machtvoll, triumphal sind jene Begriffe, die für den Pagan Metal von BLACK LOTUS anwendbar scheinen. Die seit rund sieben Jahren existierende Gruppe probiert nicht und hält sich auch nicht am Nachahmen von Vorbildern auf, ihre Melodien scheinen von jener Welt inspiriert, die sie umgibt. Kein Wunder, daß sie textlich vor allem durch Erscheinungen in der Natur inspiriert sind.
„Terra Hiberna“ zeigt zum Beispiel vor allem im Ausklang, wie betörend BLACK LOTUS ihre Melodien anlegen. Parallel dazu können die Kanadier Soundlawinen vor sich herschieben („The Fallow Earth“), daß man schier niedergeworfen wird. Es versteht sich fast von selbst, daß eine Band von dieser Hymnenhaftigkeit verstärkt mit klaren Stimmen arbeitet, die trotz ihres Pathos` immer sauber klingen und perfekt in das musikalische Gesamtgefüge passen. Ungelogen; BLACK LOTUS stecken einige große europäische Namen des Genres mit Leichtigkeit in den Sack. Wer also auf Pagan Metal steht, muß hier unbedingt ran, sonst geht ein Ereignis an ihm vorbei.

 

Erschienen: 2008
Label: Bleak Art Records
Homepage: www.blacklotusmusic.net

Wertung: 10 von 10

JUB


PERMAFROST
“Vergewaltigt & Verflucht“

On Air: „The Cut”

PERMAFROST

 

Die rote Laterne für die umstrittenste Band im deutschen Black Metal dürften derzeit PERMAFROST um den Hals hängen haben. Wenn die irgendwo auftreten, spielen Ämter und politisch empfindsame Geister verrückt. Allerdings bräuchten die Wächter der öffentlichen Moral überhaupt nicht Hinweisen über die Gesinnung der einzelnen Band-Mitglieder nachgehen, denn die Band an sich ist bedrohlich genug. Mit Sicherheit nicht bedrohlich für die öffentliche Ordnung, denn selbst die subversivsten Köpfe werden sich angewidert abwenden, wenn sie „Vergewaltigt & Verflucht“ zu Ohren bekommen. Und einen Aufruhr der Unzufriedenen provoziert man nur mit massenkompatiblem Auftreten in einem opportunistischen Gewand. Und das kann man PERMAFROST wahrhaftig nicht andichten. Im Gegenteil, die kommen dermaßen abstoßend daher, daß sich selbst im Black Metal einige Anhänger fragen, inwieweit das hier nicht selbst die Grenzen des schlechten Geschmacks überschreitet. Eins steht unumstößlich fest: Wer nach den Extremen in der Musik Ausschau hält, um sie als Ganzes zu erfassen, wird hier fündig.
„Vergewaltigt …“ setzt konsequent fort, was „Pervers & Geisteskrank“ lostrat. Hier vergewaltigen Irre unschuldige Mädchen, bewerfen sich mit Exkrementen, mißbrauchen unschuldige Wesen für satanische Rituale, führen Krieg gegen alles Schöne und Erhabene.
Natürlich, diesmal durfte ein Song mit dem Titel „I Am Satan“ nicht fehlen. Und allein der atmet schon zutiefst den Geist des alten Black Metal, mit aller Perversion, die damit einhergeht. So ist „Destroyer“ stumpf, primitiv, verrucht, gewalttätig. In „Mord & Totschlag II“ mit seinem Grauen erregenden Text, wird einmal mehr deutlich, daß es vor allem Sänger Porcus ist, der der Musik von PERMAFROST ihre ungeheuerliche Wirkung verleiht. Hier spielt er all seine Facetten aus – vom spitzen, weiblichen Angstschrei bis zum dämonischen Gegurgel. „The Cut“ – erinnert stark an „Depression“ von „Pervers …“ – ist ebenfalls eine Spielwiese für Porcus, der hier das Tuberkulose-Husten zu einem neuen gesanglichen Stilmittel erhebt.
Die einzige Merkwürdigkeit auf dem aktuellen Album ist „The Ocean Of The Black Sun“, mit dem sich PERMAFROST an melodiösere Strukturen herantasten, was im Kontext dieses Albums überrascht und von der bis hierhin aufgebauten kranken Stimmung wegführt.
Wem das alles noch nicht genügt, um von diesen verdammten Hunden eine Bedrohung ausgehen zu sehen, dem sei gesagt, daß der letzte Satz auf „Vergewaltigt …“ lautet: „Ich muß töten.“ Ja verdammt, der Teufel ist unter uns.

 

Erschienen: 2009
Label: Nebelfee Klangwerke
Homepage: www.permafrost-horde.de

Wertung: 9 von 10

JUB


MISERICORDIA
“Dechristianize“

On Air: „I Love Them Dead”

MISERICORDIA

 

Kuck an, da sind sie wieder. Eben haben wir sie noch mit ihrer Debüt-EP, „Erase The Skies“ (2002), vorgestellt, und schon können wir Euch das erste vollständige Album der schwedischen Black-Metal-Band MISERICORDIA präsentieren, das sich da „Dechristianize“ nennt. Allerdings ist das auch schon wieder saualt, stammt es doch aus dem Jahre 2003. Wie Internet-Recherchen ergaben, hat die Band – obwohl sie noch existieren soll – es bisher nicht zu weiteren Veröffentlichungen gebracht. Und das ist außerordentlich bedauerlich, denn „Dechristianize“ ist durch und durch ein Hammeralbum.
MISERICORDIA haben auf ihrem ersten Langeisen vom Prinzip her fortgeführt, was auf „Erase …“ begann. Will heißen – zuallererst regiert auf „Dechristianize“ das Hackebeil. Hier wir dermaßen Lack gemacht, daß man sich fragt: Was verdammt noch mal hat der Gehörnte für ein Problem? Die Hölle ist ewig und da könnte man sich eigentlich Zeit nehmen. Aber nein, er treibt seine Verkünder an, als wäre nächste Woche Abgabetermin für ein Konzept zur Vernichtung der Christenheit.
MISERICORDIA loten ihre Fähigkeiten auf dem 50minütigen Tonträger um einiges mehr aus, als das noch auf der kurzen EP die Möglichkeit war. Nicht nur, daß die Schweden unverhohlen Death-Metal-Elemente verkochen, präsentieren sie sich vor allem als Könner ihres jeweiligen Fachs. Schlagzeuger Endymion hat einen bedeutenden Anteil an den komplexen Strukturen der Songs, die Gitarristen Deobrigula und Kail beherrschen das breite Melodiespiel ebenso wie das Herunterbügeln hektischer Rifffolgen, selbst Kurzsoli werden ausnahmslos bestechend vorgetragen. Basser sind im Allgemeinen immer die Ärsche, deren musikalischen Fähigkeiten keine Sau interessiert, Deumus Silenti bildet diesem Orkan an ungestümer Wildheit allerdings ein solides Tiefton-Fundament. Und schließlich wäre da noch Deobrigulas Organ, das sich in spitzen Kreischregionen ebenso spielend bewegt wie im tiefsten Growl.

 

 

Erschienen: 2003
Label: Downfall Records
Homepage: www.misericordia.nu

Wertung: 9 von 10

JUB


HOLY DEATH
“Apocalyptic War“

On Air: „Blasphemy Of Churches”

HOLY DEATH

 

Als Black Metal noch allein der Soundtrack zum höllischen Treiben war, konnte es schon mal sein, daß eine Band, die sich diesem Genre zurechnete und alle äußeren Merkmale zur Schau trug, eigentlich Thrash Metal fabrizierte oder nach Death Metal klang. Und manchmal war das, was die Protagonisten für Black Metal hielten, auch einfach nur Doom. Wie im Falle von HOLY DEATH, deren 94er Demo „Abraxas“ zehn Jahre später unter dem Titel „Apocalyptic War“ wiederveröffentlicht wurde. Wer diese Doom-Assoziationen nicht ebenfalls ohne weiteres ziehen will, der sollte sich nur mal „Blasphemy Of Churches“ anhören. Abgesehen von den halligen Artikulationen und den Keyboard-Faxen ist das doch wohl eindeutig Black Sabbath.
HOLY DEATH bewegen sich ausnahmslos bleiern durch ihre Songs, was vor allem um der zu erzeugenden Düsternis Willen geschieht. Vermutlich haben die Polen damals selbst nicht so richtig registriert, daß sie musikalisch vor allem Doom-Metal-Klischees bedienen.
Natürlich gibt es auch primitiven Black Metal („Black Inquisition“), und – wie für die Zeit typisch – rumpeligen Death Metal („Abraxas“, „Inferno“). Das Klangbild kann nur als äußerst extrem bezeichnet werden. Damit meine ich weniger den rauschigen Jugendweihe-Recorder-Sound als vielmehr die kranken Arrangements mit all den synthetischen Ambient-Passagen und Technikspielereien. Die Krone wird dem Ganzen aufgesetzt, wenn HOLY DEATH in „Inferno“ und „Astral Nightmare“ doch tatsächlich pathetischen aber gelungenen Operngesang einbauen.
Geiles Zeitdokument mit sehr eigener Note. Black-Metal-Sammler, die sich einen Überblick über die musikalischen Tendenzen innerhalb der Szene verschaffen wollen, müssen diese CD haben.

 

Erschienen: 2004/1994
Label: Fallen Angel
Homepage:

Wertung: 7 von 10

JUB


SCARS OF CHAOS
“Humanitarian War Machine“

On Air: „Intro Darker Than All”/”Darker Than All”

SCARS OF CHAOS

 

“Humanitarian War Machine” von SCARS OF CHAOS ist das beste Beispiel dafür, wie das Cover-Artwork einen höllisch in die Irre führen kann. Dieser muskulöse, kurzhaarige Typ in herausfordernder Pose ließ mich voll auf ein Album aus der Hardcore/New-Metal-Ecke schließen. Nie im Leben wäre ich darauf gekommen, daß wir es hier mit einem klassischen Symphonic-Black-Metal-Album in der Tradition von Bands wie Dimmu Borgir zu tun haben. Weder der Bandname noch der Plattentitel helfen da wirklich weiter.
Allerdings ist es genauso: SCARS OF CHAOS zelebrieren wahre Soundwuchten aus Black Metal, orchestralem Keyboardschwulst und Death Metal. Solche Musik läuft bekanntlich immer Gefahr, ein wenig beliebig rüberzukommen. Die Franzosen – denn um solche handelt es sich bei SCARS OF CHAOS – umschiffen diese Klippe allerdings und bieten in jedem Song einen roten Faden an. Daß der manchmal in dem Notenwust erst gesucht werden muß, mögen einige bemängeln, das Genre läßt diese komplexen Strukturen allerdings zu.
Ich weiß, daß diese Art des Black Metal – im Gegensatz zum ausgehenden zurückliegenden Jahrhundert, sprich in der Zeit von 1997 bis 2000 – im Moment nicht die populärste ist. Wer sogenannten symphonischen Black Metal allerdings immer schon mal gerne hören mochte, sollte es mit SCARS OF CHAOS versuchen, denn sie gehören zu den besseren Protagonisten ihrer Sparte.

 

Erschienen: 2007
Label: Black Square Records
Homepage: www.scarsofchaos.com

Wertung: 8 von 10

JUB


AGE OF EVIL
“Living A Sick Dream“

On Air: „Call Me Evil”

AGE OF EVIL

 

Sie sind nicht die Zukunft des Heavy Metal, auch handelt es sich bei AGE OF EVIL nicht um eine Band, auf die die Heavy-Metal-Welt gewartet hat. Sie sind nicht der harte Sound des neuen Jahrtausends und sie sind keine Revolution auf dem Heavy-Sektor. Ebensowenig definieren sie das Genre neu oder setzten neue Maßstäbe.
Wenn all diese Lobpreisungen und Titel in diesen Wochen durchaus mit „Living In A Sick Dream“ in Verbindung gebracht werden, heißt das noch lange nicht, daß dem auch wirklich so ist. Denn klingen diese Superlative an, geht es doch eigentlich nur darum, einem Neuankömmling die entsprechende Reputation zu verschaffen, um das Produkt zu verkaufen.
AGE OF EVIL haben jedoch ganz andere Qualitäten. Zum Beispiel sind sie vortreffliche Verarbeiter von Einflüssen aus gut 25 Jahren Rock-Geschichte. Das beginnt beim New Wave Of British Heavy Metal, geht über den US-Power-Metal der Spät-80er und reicht bis zu Spielauffassungen wie sie heute eigentlich eher sogenannten Indie-Rock-Bands zu Eigen sind. Diese Mischung macht aus AGE OF EVIL eine Band, die mit ihrem LP-Debüt voll am Zeitlimit agiert, gestandene Metal-Fans ebenso ansprechen kann, wie sich blutjunge Hitzköpfe begeistert fühlen dürften. Das ist doch was, läßt sich nur schwer in Schlagzeilen verpacken.
AGE OF EVIL könnten die Metal-Welt in den nächsten Jahren bereichern. Zwar fürchte ich, daß es sich hier einmal mehr um ein Strohfeuer handelt. Sollte dieser Gedanke unbegründet sein, wird es sicher interessant zu sehen, wo es mit dieser Gruppe auf den nächsten Alben hingeht.

 

Erschienen: 2009
Label: Evil Eye Entertainment
Homepage: www.ageofevil.com

Wertung: 7 von 10

JUB


 

<<< 17.03.2009
07.04.2009 >>>